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Der Israelit · 1907-12-05 · Heft 49 (5.12.1907) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 49 (5.12.1907)
Date
1907-12-05
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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in. Der 5. Drzew-Är deren sie nicht Herr werden konnte,, auf die Händler stürzte, ihre Läden zertrümmerten und einige der Insassen totschlug. Erst als von Beirut eine Abteilung Militär hingeschickt wurde und die Händler die Preise herabsetzten, ward die Ruhe wieder hergestellt. Ungarn. Jlus dem'Leben der größten jüdifchen Gemeinde Ungarns. (Bon unserem Korrespondenten.) " Budapest, im November. Seit Jahrzehnten wühlt der Leichtsinn* und der ganze Uebermut moderner Verblendung in den „jüdischen" Institutionen der hiesigen Reformgemeinde. Das gesetzestreue Judentum, das sich schon längst daran gewöhnt hat, in der Neologie nichts anderes als religiösen Nihilismus zu erblicken, könnte sich ja über den Jammer dieser verehrten Geistesrichtung gleichgittig hinweasetzen. Aber in Anbetracht der in aller Herren Länder sich bemerkbar machenden Tendenz, das Judentum um jeden Preis einheitlich zu organisieren, ist es notwendig, von Zeit zu Zeit mit einem Lichtlein in-der Hand daraus hinzuweisen, wie in jenen Kreisen das religiöse Leben bis in seine letzten Fugen gerade von den Händen unterf caben wird, die zu dessen Aufbau und Erhaltung erufen wären. In der hiesigen Großgemeinde hat sich seit einiger Zeit eine förmliche Schreckensherrschaft etabliert. Was der Leichtsinn und die Keckheit früherer Zeiten in diesem großen jüdischen Gemeinwesen übrig gelaffen, das droht jetzt unter dem Regime eines allmächtigen Bureaukraten und fanatischen Assimilationsjuden vollends zu Grabe getragen zu werden. Dr. Franz M e z e y ist heute der unumschränkte Herr und Gebieter in der größten jüdischen Gemeinde Ungarns und man kann ohne Uebertreibung hinzufügen: im ungarländischen Reformjudentum. Wer ist aber dieser Franz Mezey? Seine Biographie, soweit sie das Judentum interessiert, ist bald erzählt. Als jugendlicher Rechtshörer arbeitete er mehrere Jahre an der Seite des früheren Sekretärs und Bureauchefs der neologen Kanzlei Dr.Josef Simon. Simon war nahezu 40 Jahre lang die Seele der Kongreßpartei. Die beispiellose Unterdrückung des gesetzestreuen Judentums während dieser Zeit ist mit seinem Namen aufs engste verknüpft. Die ungarische Orthodoxie hatte keinen größeren, keinen raffinierteren, gefährlicheren Feind als Dr. Simon. Nur sein getreuer Schüler und Nachtreter Franz Mezey konnte ihn in diesem Belange überflügeln. Noch als Praktikant in der Brutstätte der religiösen Destruktion redigierte er eine ungarische Monatsschrift, in derer konfessionelle Politik im Geiste Simons trieb. Nachher wurde er Generalsekretär der Pester Chewrah'Kadischah. Als solcher hatte er ein Duell init dem Redakteur des „Egyenlöseg" Mordechai Szabolcsi, welches aber glücklicherweise unblutig verlief. In seinen späteren schriftstellerischen Arbeiten schilderte er die Zustände bei den frommen Inden in Bereg und Marmaros so erschrecklich, daß die Freunde des seligen Antisemiten Eg an ihren Gesinnungsgenossen unter Hinweis auf die Enthüllungen Mezey's in Schutz nahmen. Als Kommissär des israelitischen Landesfonds hat er sich eifrig bemüht, die Juden in jenen Gegenden zu „kultivieren". Schließlich ist er selbst Sekretär der neologen Landeskanzlei geworden, ohne deswegen seine einflußreiche Stelle als erster Beamter der Chewrah-Kadischah aufzugeben. Dieser Advokat bezieht unter verschiedenen Titeln immense Gehälter und versteht es meisterhaft, alles aus dem Wege zu räumen, was ihnl nicht in den Kram Arßt. Sein früherer Gegner M. Szabolcsi, Redakteur des offiziellen Neologenblattes, ist heute sein intimer Freund und Waffenbruder und was diese beiden Herren zusammen ausbrüten und in ihrer Zeitung propagieren, muß gewiß früher oder später zur Geltung mmen. Wieviel royttn dieser allgewaltige Herr mit seinen jüdischen Gutachten bei der Kultusregierung allein in der jüngsten Zeit angestiftet hat, das gehört in ein anderes Kapitel. Wir wollen jetzt nur einige Einzelheiten aus den neuesten Vorgängen in der hiesigen Kultusgemeinde kurz skizzieren. Warschau, 29. Nov. Gestern fand hier eine Beratung der orthodoxen Juden statt, deren Gegenstand eine Stellungnahme der Orthodoxen zu den bevorstehenden Wahlen in die hiesige Kultusgemeinde bildete. Nach einer längeren Debatte, in welcher die Forderungen der Orthodoxen genau präzisiert wurden, wurde beschlossen, sich keinem der bestehenden Wahlkomitees anzuschließen, sondern ein eigenes orthodoxes Wahlkomitee gründen) die Orthodoxen werden mit eigener Kandidatenliste in den Kampf gehen und haben die feste Zuversicht, daß mehrere ihrer Kandidaten bei der Wahl auch durchdringen werden.. Die Orthodoxen verlangen von ihren Kandidaten nicht nur, daß sie sich verpflichten, im Gemeindevor stände sich für die Förderung der religiösen Angelegenheiten einzusetzen, sondern fordern vor Allem, daß die Vorsteher der größten und einer der ältesten jüdischen Gemeinden derWelt selb st strengreligiöse Juden seien. Das Komitee, bestehend aus 20 Mitgliedern, wurde bereits gewählt, nnd hat seine Tätigkeit schon begonnen. Rumänien. Bukarest, 27. Nov. Am Sfantu- Dumitrutage wurden aus dem Marktflecken Berefti mehrere jüdische Kaufleute samt ihren Familien ausgetrieben. Der Primär der Gemeinde zwang die Leute ihre Habseligkeiten auf Wagen aufzuladen und den Ort zu verlassen. Die ausgetriebenen Juden haben sich nach Baean geflüchtet. Mehrere der ausgetriebenen Juden sind ausgediente rumänische Soldaten und sind schon seit Generationen in Berefti ansäßig, wo sie und ihre Eltern geboren sind. Der geistige Urheber dieser Austreibungen ist der Deputirte Radu Porumbaru, der im Distrikte Bacau eine lebhafte antisemittsche Propaganda treibt. vermischtes. Frankfurt ft. M., 3. Dez. Gegenwärtig weilt hier der Vertreter der Jaffaer Handwerkerschule Sch aa r e Thora, über die wir wiederholt Rühmliches berichten konnten. Wir möchten denselben dem Wohlwollen der Glaubensgenossen bestens empfehlen. Berlin, 26. Nov. Aus Warschau schreibt man der .Voss. Ztg": „Hier ist ein Friedhof in Verlust geraten. Man kann ihn nicht finden. Es ist das der Friedhof der jüdischen Sekte der Uaraiten. Die Warschauer Karatten-Kolonic besteht aus etwa 60 bis 70 Personen. Todesfälle unter ihnen sind selten, da sich die Leute, wenn sie älter werden oder erkrank n, gewöhnlich nach der Krim zurückbegeben, wo die Seite herstammt, um dort auf den Friedhöfen ihrer Glaubensgenossen beerdigt ein Karaite gestorben und als man ihn beerdigen wollte, stellte es sich heraus, daß der Friedhof verschwunden ist. Wo er hingekommen ist. was aus ibm geworden ist, war weder auf dem Magistrat, noch bei der städtischen Begräbniskasse zu ermitteln, sodaß man scherzweise erklärt, er sei von den Banditen „expropriiert" worden. Im übrigen tröstet nian sich damit, daß ja täglich Geldbeutel, Uhren, Juwelen u. dergl. verloren gehen, und daß in Rußland schon ganze Eisenbahnzüge spurlos verschwunden sind — weshalb soll ein Gleiches nicht auch einmal mit ei em Friedhof geschehen? Der tote Karaite wurde vorläufig auf dem jüdischen Friedhof beerdigt. Die Suche nach dem Karaiten Friedhofe wird fortgesetzt." Burbach, 26. Nov. Der Karlsruher „Badische Beobachter" schreibt: „Innige Fcstesstimmung und froher Festesjubel herrschte um 24. November in unserer Pfarrgemeinde. Herr Alfred Holland, ein Israelit aus Rappenau, Doktor zweier Fakultäteit, ein Mann, der erst vor wenigen Wochen in Heidelberg den philosophischen Doktorgrad mit der ersten Note sich erworben, wurde ein Kind der heiligen katholischen Kirche, und empfing die heilige Taufe und die erste heilige Kommunion. Die ganze Gemeinde in- und außerhalb der Kirche trug Festtagsschmuck. Um 10 Uhr wurde der Täufling in feierlicher Prozession unter Böllersalven mit Musik und Gesang von seiner Wohnung zur Kirche geleitet, die bis zum letzten Plätzchen mit Andächtigen angefüllt war. Unter Aifistenz zweier Geistlichen nahm Pfarrverweser MengeS die heilige Taufhandlung vor, die mit ihren ergreifenden Zeremonien und Gebeten auf alle Anwesenden einen tiefen Eindruck machte. In vielen Augen sah man Tränen. Nach der heiligen Taufe bestieg Pfarrer Pfeil von Völkersbach die Kanzel und hielt eine schöne, zu Herzen gehende Predigt über die hohe Bedeutung dieser so außergewöhnlichen Feier. Allmählich hatte auch die Spätherbstsonne durch die trüben Wolken sich Bahn gebrochen, und als nach der heiligen Kommunion des Zelebranten der Erstkommunikant htnzutrat, um die heilige Kommunion zu empfangan, da flimmerte unser schöner Hochaltar, von der Sonne bestrahlt, in goldenem Glanze. Nach beendigtem Gottesdienste wurde der neue Katholik wiederum in feierlicher Weise zur Pfarrwohnung geleitet... Abends versammelte man sich im ebenfalls festlich geschmückten Gasthaus zum Strauß/ um nochmals in gemütlich froher Unterhaltung mit dem lieben Herrn fick zu freuen, zugleich aber auch, um von ihm Abschied zu nehmen, da er uns in dieser Woche noch verläßt." Wie glücklich doch die guten Leutchen sind, wenn fie auch nur eine arme Seele oerÄirche gewonnen haben! Worms a Rh., 3.Dez. Die große Bibliothek aus dem Privatbesitz des Schrifstellers Moses Mannheimer, hier, die eine große Anzahl seltener Werke enthält (darunter solche von höchstem Interesse für die Geschichte der deutschen Juden), wurde von der Buchhandlung Sänger u. Friedberg in Frankfurt a. M. käuflich erwo ben. Kettwig, 29. Nov. Am 1. Dezember feiert die hiesige israelitische Gemeinde das 100jährige Bestehen ihrer Synagoge. KrftkftU, 1. Dezbr. In Krakau ist ein Streik aller jüdischen Fleischer ausgebrochen, weil der Magistrat das Feilhalten von Fleischwaren an Sonntagen untersagt hat. Da sich die gesamte jüdische Bevölkerung auf die Seite der Steikenden stellt, wird der Magistrat nachgeben müssen. Vereiitsiveseil. Frankfurt ft. M., 4. Dezbr. Der „Zentralverein israelitischer Gemeindemitglieder" hatte auf gestern Abend in die Allemann ia" eine Versammlung einberufen, in der sich die von dem Verein für die Repräsentanterwahl ausgestellten Kandidaten Raphael Ettling er, Hermann Kahn und Dr. med. Strauß den Wählern vorstellen sollten. Die Versammlung war auch von zahlreichen Gegnern des Zentralvereins, Mitgliedern des „Freisinnigen Vereins für jüdisches Geneindeleben", besucht und nahm infolgedeffen stellenweise einen überaus stürmischen Verlauf. Justizrat Dr. Hecht eröffnete die Versammlung mit dem Hinweis darauf, daß das gewünschte Kompromiß mit dem „Freisinnigen Verein" nicht zustande gekommen sei. weil der Verein dem vom Zentralverein präsentierten Herrn Raph. Ettlinger eine Erklärung zugemutet habe, die dieser unmöglich abgeben konnte. Während der vom „Freisinnigen Verein" präsentierte Professor Apolant nur tür die seiner Ansicht nach berechtigten Forderungen der Konservativen einzutreten versprochen habe, sollte Herr Ettlinger sich auf die Anerkennung aller Forderungen der Gegenpartei festlegen. Herr Ettlinger teilte mit, dem Wahlausschuß des Zentralvereins sei gesagt worden, man lehne ihn, den Redner, ab, weil er die Berechtigung des liberalen Judentums nicht anerkenne, weil er nicht tolerant genug sei, wie sein Verhalten in der Angelegenheit des hebräischen Unterrichts mit Kopfbedeckung beweise. Diese Behauptungen beruhten auf irrtümlichen Voraussetzungen. Herr Ettlinger verbreitet sich eingehend über die Zahlen des Gemeindeetats, die ein außero. deutliches Mißverhä tnis zwischen der Fürsorge für die liberalen und die konservativen Gemeitldeinstirutionen aufzeigen. Für die liberalen Anstalten werden 142,000 Mk., für die konservativen nur 25,570 Mk. verausgabt. Dasselbe ergibt sich hinsichtlich der bevorstehenden Gcmeindeneubauten. Die zu errichtende Westendsynagoge und das neue Philanthropingebäude, beides liberale Anstalten, erforderten ungeheure Summen. Er habe nicht gegen diese Vorlagen gestimmt, cs sei also unrichtig, daß er - nach Lage der Dinge den Liberalen das Recht bestreite, die Befriedigung ihrer religiösen Bedürfnisse in ihrer Weise zu verlangen. Von Intoleranz könne daher auf seiner Seite keine Rede sein. Der Redner bespricht dann ein Zirkular, das der Freisinnige Verein nach den Wahlen von 1905 an seine Mitglieder richtete und in dem von der der Gemeinde seitens der Konservativen drohenden Gefahr die Rede ist. Das Zirkular war eine Vorbereitung darauf, daß die Freisinnigen bei einer Neuregelung der jüdischen Verhältniffe in Preußen die Zügel in die Hand bekommen müßten. Der auch von der Partei des Redners abgelehnte Rosin'sche Entwurf habe denn auch dieser Absicht entsprochen. Es habe sich in der Gemeinde eine Klique gebildet, die, wenn sie zur Macht kommt, dasselbe erstreben wird, wie die in Paris neu gegründete Reformgemeinde. (Stürmische Zwischenrufe. Pfui! Heftiger Widerspruch bei den „Freisinnigen".) Man habe ja s. Z. schon im Philanthropin den Sonntage unterricht auf den Samstag verlegen wollen. Man müsse sich also aller Möglichkeiten versehen. In der Pariser Sonntagsgemeinde wolle man den Gottesdienst entblößten Hauptes abhalten, gerade wie hier am hebräischen Unterricht die Schüler unbedeckten Hauptes teilnehmen müffen. Redner habe f. Z. nur verlangt, daß den Eltern, die es wünschen, zuaestanden wird, daß ihre Kinder die Kopfbedeckung beim hebräischen Unterricht aufsetzen dürfen. Er sei gegen die Einführung des fast vollkommen deutschen Gottesdienstes in der künftigen Westendsynagoge, weil er wiffe, daß viele Gemeindemitglieder im Westenb daran Anstoß nehmen. Ls sei ein unerträglicher Zustand, baß der Vorstand der

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