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Der Israelit · 1907-12-05 · Heft 49 (5.12.1907) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 49 (5.12.1907)
Date
1907-12-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
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< Nr. 49 Hasmonäer wanden. Denker und Dichter aller Zeiten und Nationen grübeln und grübeln über Wesen und Folgen des sonderbaren Krieges nach und feiern jene Helden mit mehr oder weniger historischer Treue in ihren Werken. Auch bei uns hat sich das Chanukafest trotz dem religiösen Niedergange der letzten Jahrzehnte behauptet und es gewinnt sogar in gewissen Kreisen immer mehr an Interesse und Bedeutung. Haben es doch die Vertreter des «nationalen Judentums", kenen sonst Religion Privatsache ist, zu ihrem National feste erhoben! Helden! Mutiger Kampf! Ruhmreicher Sieg! Hören wir die Beteiligten selber, wie wenig sie davon reden, wie wenig sie diese Glorifikationen für sich in Anspruch nehmen. „Und Du — heißt es im Äl-H anissim-Gebete — mit Deinem großen Erbarmen standest ihnen bei zur Zeit der Not, strittest ihren Streit, richtetest ihr Recht, rächtest ibre Rache, übergabst die Starken (Syrer) den Händen der Schwachen (Makkabäer) usw. Und Dir hast Du einen großen Namen gemacht usw." Also nicht der heroische Kamps Und der rubmvolle Sieg der Nationalhelden, sondern die göttli che Hilfe ist es, die hervorgehoben wird, nicht die blutigen Waffentaten, sondern der ethische und veredelnde Gehalt der Vorgänge, das, was uns zu Gott und seiner Allmacht emporblicken lehrt. Auf die Frage „was ist C h a nu k a? " erzählt der Talmud in Sabbath 22 nicht die Kriegsgeschichte der Makkabäer, sondern das Wunder vom Oelkrüglein. Der Sieg ist von Gott, doch wird er von dünkelhaften Menschen oft genug der menschlichen Kraft, dem menschlichen Heldenmute fälschlich zugeschrieben; so mußte es auch dem Makkabäersiege, so wunderbar er war, gar oft. ergehen. Das Wunder des Oelkrügleins, das der ganzen Siegesgeschichte die^krone aufsetzt und die Hand Gottes auch in der Leitung des Krieges deutlich zeigt, ist es, was uns die wahre Bedeutung des Chanukafestes klar vor Augen führt. Der wilde Schlachtenruf verhallt in unseren Ohren und der überhebende Sieges- J'ubel verrauscht, sobald wir im Angedenken an it nie versiegende, ewig brennende „heilige Lampe" in die Hallen seines Hauses treten und Ihm, dem Lenker aller Kriege und Wirker aller Siege, Loblieder anstimmen. nmr6 Vrun Daß die nichtjüdtschen Forscher und Dichter, welche die Sache rein äußerlich behandelten, diesen lichten Schlußakt des ganzen Kriegsdramas, das jboti iS DJ übersahen, ist nur allzubegreiflich. Daß es aber auch in unseren Kreisen heute oft. ignoriert wird, darin liegt System, die Konsequenz einer neuen Denkart, die nuv aus den greifbaren, in die Sinne fallenden Momenten, wie Kampf und Sieg, Kapital für sich zu schlagen vermag und an allem, was in einer höheren Sphäre sich bewegt, geflissentlich vorübergeht. Wer das Chanukalicht, dieses Symbol des zunehmenden Oeles — so lehrt R. Kahana — höher als 20 Ellen an bringt, das heißt, wer dieses wichtigste Moment, wie es leider heute geschieht, in unsichtbare Höhe rückt, es hoch über den Wolken wohl als fromme Legende gelten läßt, im übrigen aber nur von Heldentaten, Kampfesmut und Siegeszügen, spricht, der hat die wahre Bedeutung des Chanuckahfestes nicht begriffen und seiner Pflicht dem Chanuckahlichte gegenüber nicht genügt. Der Materialismus, der schonungslos über die heiligsten Ideale des Volkes hinwegschrertet, der alles Licht in die fernste Höhe hinaufrückend, auf allen Gebieten des Lebens die Herrschaft an sich zu reißen sucht, hat wohl nie so erschreckende Formen angenommen, so verheerende und geistestötende Wirkung gezeitigt, als gerade in unseren Tagen. Ein Reftchen des heiligen Oeles, ein kleines Gottesfünkchen lebt und glimmt noch in jedes Juden Brust. Aber wird es gepflegt, daß es stärker werden und zur heiligen Gottesflamme aufiodern könnte? Hörte der Jude stets auf die Stimme seines Herzens, schöbe er nicht das Lichtlein, das ihn auf den rechten Weg hinleuchten möchte, so weit und so hoch von sich, es gäbe keinen unter uns, der aus bloßer Gewinnsucht oder aus Furcht vor materieller Einbuße den Sabbath entweihte. Suchen wir immer einen heiligen Funken unseren Kindern, der kommenden Generation zu erhalten? Wie könnte es dann Väter geben, die, selber auf dem Boden des Gesetzes stehend, ihre Kinder, kaum der Schule entwachsen, ohne genügende religiöse Kräftigung in die weite Welt hinausschicken, wo sie wohl mutig kämpfen, vielleicht auch in gewissem Sinne siegen werden, aber unter den fremden Verhältnissen bald ihrer Religion, des Bandes, das sie mit ihrem Gotte, ihrem Volke, ihrem Vaterhause verbindet, verlustig gehen müssen? Unsere Jugend wird mit allem ausgerüstet, was der Kampf ums Dasein erfordert, doch wird nicht der von Hause aus schlecht gepflegte Gottesfunke in ihrer Brust durch die Einflüsse der Großstadt und die Einflüsterungen der neuen Freunde vollends ausgelöscht werden? Sollten nicht die Eltern, die auf das leibliche Wohl ihrer Lieblinge so bedacht und für ihre materielle Zukunft so be- _ 5 Dezember 1907 sorgt find, auch ihr geistiges Heil, das Schicksal ihrer idealen Güter mit in Erwägung ziehen? Wie recht hat doch der große Kenner der jüdischen Lehre und des jüdischen Lebens Kahana auch in unsere« Zeit, wenn er die Moral des zu hohen Chanukalichtes schon auf die Josephsgeschichte zurückführt. Die Grube — sagt er — war nur wasserleer, nichtsdestoweniger enthielt sie mit ihren Schlangen eine Lebensgefahr für Joseph. Denn was bedeutete diese leibliche Gefahr im Verhältnis zu dem Schaden, der dem Geiste, der Seele Josephs durch seinen auf Anraten Jehul das erfolgten Verkauf und seine Ausstoßurm in die weite heidnische Welt drohte? Mit Recht durfte Reuben, als er zur Grube zurückkehrte, auch wenn er um das Schicksal des Bruders wußte, ausrufen:! ur** “ITH, das Kind ist verloren! Und nicht Reuben, sondern Jehuda ist es, dessen Taktik als die gefährlichste und unheilvollste von unseren weisen Lehrern verworfen wird. (Siehe Sanhedrin 6 d). Daß sich Joseph trotzdem und wider Erwarten der Brüder, die ihn später an den Stätten des Lasters zu finden glaubten, (plira iiwpn rnJlT *?tP), als echtenSohn Jakobs behauptet hat, mag gewiß das herrlichste Zeugnis für seinen Charakter und für den Geist der Erziehung im Vaterhause ablegen, kann aber für unsere Zeit, da Hunderte vor unseren Augen unter solchen Umständen unterliegen und moralisch zu Grunde gehen, kein Trost sein. Hören wir auf die Lehre des großen R. Kahana, der das Chanukalicht, den religiösen Idealismus nicht in die entfernte, nebelumslossene Wolkenhöhe gerückt wissen will, sondern ihn uns als Leitstern für das tägliche Erdenwallen empfiehlt, und lernen wir an der Hand des anschaulichen Bildes aus der Josephsgeschichte, wie sehr wir bei der Erziehung und Versorgung unserer Kinder uns vor dem System Jehudas hüten müssen, das darauf hinausgeht, auf Kosten des Geistes nur den Körper des Kindes zu retten. Sem — Tbri — Israel. Bon A. Mannheimer in Dettelbach. (Schluß.) Der Wochenabschnitt erzählt uns Folgendes: Jakob kehrte nach zwanzigjährigem Dienste bei Laban nach der Heimat zurück. Laban war ihm mit Rachegedanken nachgeeilt, doch Gott schützte Jakob. Esau kam ihm wie ein Feind entgegen. Jakob traf seine Vorbereitungen und zwar in dreierlei Art: er sendet Geschenke voraus, den Bruder zu besänftigen, er rüste die Sache noch zu Euren Gunsten lenken. Ich. wüßte zwar in diesem Augenblick keinen solchen Fall, aber bei uns in Rußland ist alles Unmögliche möglich. Mit Geld könnt Ihr da nichts machen, denn der Petrowitsch ist reicher als Ihr; er hat ohne Zweifel die Richter bereits bestochen und Ihr könnt ihn nicht überbieten. >-f Ihr habt außer Eurer Frau keinen Zeugen, daß Ihr die Kuh gekauft und bezahlt habt. Der Bürgermeister i? wird, ohne mit dem Auge zu zucken, schwören, daß er - Euch niemals eine Kuh verkauft hat. Er wird nicht einmal schwören müssen, denn er nimmt das auf seinen Ämts-Erd und der hat einen sehr breiten Rücken. Beweise habt Ihr keine, dagegen hat Euer Nachbar so viele Zeugen, als er will, daß seine Kuh in Eurem Stall ~ gefunden wurde. Nehmt noch dazu das Rischuß (Judenhaß) der Richter und Ihr müßt selber einsehen, das; (4^ Eure Sache schief steht, wenn nicht etwas ganz ilnvorhergesehenes dazwischen kommt. Vielleicht ist es mir < möglich, beim Verhör den Kläger in Widersprüche zu wickeln, aber das wird ihm nicht den Hals brechen, - * denn er hat die Richter jedenfalls auf seiner Seite, 4 -die werden ihm schon raushelfen. Aber ich habe nur eine Ansicht. Ich rate Euch, geht einmal zu einem - anderen Advokaten, z. B. zu dem allgemein als guter Anwalt bekannten Dr. Landau und hört einmal seinen Rat: Ihr seht, daß ich gegen mein Interesse spreche, indem ich Euch an einen Konkurrenten verweise, aber es steht Euch auch frei, wieder zu mir zurückzukommen,;>• ich stehe Euch jederzeit gern zu Diensten." Nachdem er mir auch die Adresse seines Kollegen £ genannt hatte, ging ich fort, schwer besorgt und tief bekümmert über die erhaltene Auskunft. Mit meinen s .Gedanken beschäftigt, ging ich planlos durch die Straßen k: und hatte in meiner Aufregung ganz die aufgegebene Adresse vergessen. Indem ich die Geschichte Euch jetzt erzähle, wird es mir wieder lebendig, wie Haschern l Jisborach unsere Fehler und Schwächen und diesmal meine Vergeßlichkeit benützte, um mir seine Hilfe zu senden! „Könnt Ihr mir sagen, wo der Advokat Dr. Landau wohnt?" fragte ich den ersten besten aus dem Menschenschwarm, der an mir vorbeizog. Der Gefragte blickte mich mit seinen klugen, milden Augen scharf an, er muß mir den Gram und die Sorge aus den Mienen gelesen haben, und sagte zu mir: „Ihr habt wohl einen Prozeß zu führen?" Ich blickte dem Frager ins Gesicht und war betroffen von der Chochmo (Weisheit) und der Jiras Schomajim (Gottesfurcht), die aus seinen Zügen leuchteten. Ich meinte die Schechino (Gottesherrlichkeit) aus seinen Augen glänzen zu sehen und hielt ihn in meiner Verzweiflung für einen Malach (Engel), den mir Gott in der Not geschickt hatte. „Ja, ich habe einen schweren Prozeß," antwortete ich, „es handelt sich um einen Bilbul, der mich und mein Haus zu ruinieren droht." „Und da soll Euch der Dr. Landau helfen?" „Ja." „Gott soll Euch helfen, ob er es aber durch einen Schliach (Boten) wie Dr. Landau tut» das bezweifle ich. Kommt einmal mit mir." (Fortsetzung folgt.) £Nwe*Rlll>ill. Von Alexander Swientochowski. Uebertragung aus dem Polnischen von S. H o r o w i tz. (Fortsetzung.) Ich würde es vergebens versuchen, zu schildern» was für einen wonnigen Traum Chawe in dieser Nacht hatte. Es war dies der Traum eines Glücklichem der in der Lotterie gewonnen, eines Armen, der einen Sack Gold gefunden, oder, wie bereits gesagt, einer Wölfin, die neben d>er Lagerstätte eine kaum angebissene Ochsenkeule verscharrte. „Wo treibst du dich herum?" knurrte Simche Tags darauf, „du hast keinen Mann, keine Kinder, du gehst spazieren. Was hast du verdient?" Chawe schwieg, da sie den Besitz ihrer Kapitalien nicht verraten wollte, damit der Mann, der schon seit drei Jahren daran dachte, sich einen neuen Schlafrock anzuschaffen, ohne welchen er seine bürgerliche Würde nicht geziemend belleiden könnte, und der überdies das Häuschen renovieren wollte, keine Lust sie sich anzueignen bekomme. , „Du bist eine Dame," fuhr er fort, „Du kaufst für dich Störe. Was wird mit dieser Hälfte sein, wer wird sie nehmen?" „Ich werde sie verkaufen," entgegnete Chawe kurz und ging, den restlichen Fisch mitnehmend, weg. Wohin? Sie hatte beinahe schon alle Häuser besucht; aber indem sie im Geiste die Vorfälle des gestrigen Tages Revüe passieren ließ, erinnerte sie sich, dank dem Abenteuer mit Franek an die Post. Zwar zahlte Herr Chrzanstkiewiez seiner Frau das Wochengeld nur mit Kredit und beglich nicht die Schulden, manchmal aber, wenn er Geld hatte, besonders wenn irgend eine Bäuerin ihrem beim Militär dienenden Manne welches schickte, spatte der Posthalter nicht an dem Hausbedarf und zahlte bar. Chawe fürchtete anfänglich ein Zusammentreffen mit Franek, schließlich aber sagte sie sich, daß Franek in Gegenwatt des Herrn Chrzanstkiewiez nicht derselbe wie auf dem Wege nach Pulawy sei. Sie ging also. Das Postamt deftndet sich auf einem hohen Berge. Chawe war noch unten, als sie schon die donnernde und fluchende Stimme des Posthalters vernahm. In solch' einem Moment mit einem Stör anzurommen, war nicht geraten, — andrerseits aber nicht zu er-

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