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Der Israelit · 1907-12-05 · Heft 49 (5.12.1907) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 49 (5.12.1907)
Date
1907-12-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Der MmrW. Seite S. «r. 40 6 D zemver HOT._ Einwurf der Gesetzwidrigkeit zu erheben fanden — diese Autoritäten selbst aber ganz vereinzelt dastanden und ihre Ansicht, jenem ersten Grundprinzips unserer religionsgesetzlichen Praxis zufolge, völlig gegen die imposante ihnen gegenüberstehende Majorität schwinden mußte, die in der Einschaltung, solcher, dem Festcharakter des Tages entsprechender liturgischer Stücke keine Unterbrechung erkannten, die Einschaltung vielmehr als gesetzlich erklärten und theoretisch und praktisch aufrecht hielten - Erwägt man, daß wir von älteren Autoritäten nur zwei, R. Meier Hallewi und R. Moses b. Maimon*) kennen, die sich gegen die Einschaltung ausgesprochen haben, ihnen gegenüber aber ein R. Amram, R. Kohen Zedek, R. Paltai Gaon, ein R. Josef Tob Elem, R. Saadia Gaon, R. Hai Gaon, R. Eliah Hasaken, R. Jonah, R. Kalonymos, R. Schimeon Haggadol, Rabbenu Chananel, Rabbenu Tam, Tofafoch, R. Abr. b. David, R. Ascher, Haggaoth Maimuni, R. Sch^lomo b. Adereth, R. Schimeon b. Zemach, Sefer Hamanhig, Kolbo, entgegenstehen, welche alle die Einschaltungen rechtfertigen und als gesetzlich vertreten; (Haggaoth Maim. Tefillah VI., 3. Tosafoth Berachoth II», 34». R. Ascher Berachoth V. Ende. R. Joel Cirkas zum Tur Orachchaim 68. R. G. A. R. Sch. b. A. 469. R. Jona zum R. I. Alfas Berachoth I. Mordechai das. Tosafoth ferner, die die Piutim an 26 Stellen zum Talmud zitieren und auch dadurch jedenfalls ihre unbeanstandete Existenz im Rituale bekunden.) Daß endlich zu dieser schon an sich so bedeutenden Reihe der „maßgebendsten" Autoritäten der Synagoge sich noch die Verfasser der Piutim und Jozeroth selbst gesellen, worunter außer den schon genannten R. Eliah Hasaken, R. Hai Gaon, R. Jacob Tam und R. Josef Tob Elem sich Männer wie R. Eleaser Harokeach, R. Elieser b. Nathan, R. Baruch, Rabbenu Gerschon Meors Haggola, R. Jizchak b. Meier und andere befinden- So gelangt man als Resultat zu der unwiderleglichen Tatsache, daß der Usus der Piutim und Jozeroth nicht nur nicht widergesetzlich eingedrungen ist, und nicht nur die geachtetsten und maßgebendsten Autoritäten der Synagoge nicht gegen sich habe, nicht nur überhaupt ein Minhag ist, der sich rechtfertigen lasse, und sonach selbst dann schon, wie vorher erörtert, unabänderlich aufrechtzuhalten wäre, sondern gerade ein Minhag ist, dem die höchste Gesetzlichkeit zur Seite steht, und der in seinem Ursprünge auf Männer zurückgeht, die zu den höch- *) Vielleicht auch Halachoth Gedoloth. sten und maßgebendsten Autoritäten der Synagoge zählen, somit ein Minhag ist, dessen Gesetzlichkeit und AutoritätvonwenigenanderenMinhagim erreichtund noch von wenigern übertroffen wird, dessen Beseitigung daher die Prinzipien verleugnenwürde, diedieerstenundfestesten Stützen unseres ganzen religiösen Lebens bilden. Und wenn nun gleichwohl in späterer Zeit sich noch wiederum von Zeit zu Zeit vereinzelte Stimmen gegen die Einschaltung der Piutim — jedoch größtenteils nur gegen deren Einschaltung in Birchoth Keriath Schema — sich erheben, selbst R. I. Karo im Schulchan Aruch sich dagegen ausspricht, und R. Moses Jfferles hinsichtlich der Erhaltung im Birchoth K. Sch. widerspricht, so bezeugt doch der letztere schon in Hilch. Tefillah 112, daß gleichwohl dort die Einschaltung ein wohlbegründeter allgemeiner Usus sei, und schon die Tatsache, daß dieser erneute Ausspruch des R. I. Karo nun schon seit fast dreihundert Jahren völlig unbeachtet geblieben, nimmt ihm für die religionsgesetzliche Praxis alle und jede Bedeutung. Denn, wenn schon da, wo das Autoritätengewicht nicht schwankend ist, der Minhag nach dem oben berührten Kanon den Ausschlag gibt, um wie viel mehr verschwindet eine solche vereinzelte Stimme einem Minhag gegenüber zu völliger Bedeutungslosigkeit, dem das Gewicht einer so imposanten gegenüberstehenden Autoritäte n-M a - jorität zur Seite steht. Daher sehen wir denn auch einen jeden Versuch, nur ein einzelnes Stück Pint aus dem herkömmlichen Rituale zu beseitigen, öderes auch nur in eine andere Stelle zu versetzen, von maßgebenden, bedeutenden Autoritäten der Synagoge mit Entrüstung zurückgewiesen und verweisen nur auf das höchst interessante R. G. A. des R. David b. Simra, einer der gewichtigsten Autoritäten des 16. Jahrhunderts im 3. Teil seiner R. G. A.-Sammlung No. 532 und R. G. A. Panim meiroth des R. Meier b. Jizchak Tom IV 31. Nach allem Diesem halten wir die Frage »ä» für erledigt und würde eine Gutheißung von Veränderungen, wie die hier projektierten, nicht nur derjenigen, die selbst die Kühnheit haben, direkte rabbinische Anordnungen, und bis zur Loeieoi» magna hinaufreichenoe Texte, wie Haftoroth und Berachoth anzutasten, sondern auch aller übrigen, welche durch Jahrhunderte alten Usus geheiligte liturgische Bestandteile zu beseitigen -der zu verändern beabsichtigen, nichts Geringeres, als den völligen Bruch mit allen Prinzipien bedeuten, die das ganze Gebäude unseres religiösen Lebenstragen. (Fortsetzung folgt.) Zu bocb Mud tu tief. Eine Chanukabetrachtung von S. Schach« owitz-Endmge». Im Talmud Tr. Sabbath p. 22, da wovon der Bedeutung des Chanukafestes und den Bestimmungen über das Chanukalicht die Rede ist, läßt sich Raw Kahana folgendermaßen vernehmen: „Das Chanukalicht, das höher als 20 Ellen angebracht ist, ist für die Erfüllung der religiösen Pflicht ungeeignet." Und unmittelbar darauf, als handle es sich um eine Fortsetzung oder Ergänzung des Borhergesagten, lehrt R. Kahana weiter: „Die Grube — in die Joseph geworfen wurde — war leer, es war kein Wasser darin. Das heißt soviel als, die Grube enthielt keine Wassergefahr, nichtsdestoweniger war sie voll von Schlangen und Skorpionen, die nicht minder eine Lebensgefahr für Joseph bedeuteten." Es ist schwer, den Zusammenhang zwischen diesen Aussprüchen zu finden, den Einyeitsaedanken, der die halachische Vorschrift über die Behandlung des Chanukalichtes mit jener exegetischen Darlegung verbinden sollte. Und doch gehören sie zusammen, sind sie eng mit einander verknüpft. R. Kahana, der große Meister der Ha lach ah, wußte diese, wenn auch auf Wegen, die wir erst erforschen müssen, auf ihren lebendigen Urquell, auf das Thorawort zurückzuführen, und die obige Synthese hat eine für jüdische LehreHnd jüdisches Leben aller Zeiten tief einschneidende Bedeutung. Als zur Zeit des Antiochus die kleine gottbegeisterte Makkabäerschar den Sieg im ungleichen Kampfe gegen die mächtigen Syrerheere davontrug, da entrang sich ein Ruf der Bestürzung und Verwunderung der ganzen heidnischen Welt, der fast den Jubelgesang der Sieger und den Schreckensschrei der Besiegten übertönte. Das Gesetz, auf dem die alte Welt basierte, das Gesetz der Gewalt, war umgestürzt und allen neuen Ideen Tür und Tor offen. Aus dem Staunen über den wunderbaren Sieg der Makkabäer kommt die Welt bis aus den heutigen Tag noch nicht heraus. Zu den Berichten der Geschichtsschreiber traten im Lauft der Zeit tausende Sagen und Legenden hinzu, die einen Kranz lieblicher Blumen um die Siegeskrone der den wir verdienten, er glaubte, er gehöre ihm, weil wir unseren Aufenthalt im Dorf ihm verdankten, was er sich doch so gut bezahlen lieh. Wir schränkten daher unseren geschäftlichen Verkehr mit ihm so viel wie möglich ein, und nur, wo wir seinen Anerbietungen nicht mehr ausweichen konnten, ginger» wir widerwillig darauf ein. Eines Tages, es war kurz nach Sukkos (Hüttenfest) bot er uns eine Kuh zum Kaufe an. Obwohl der Preis nicht hoch war, und wir sofort einen Abnehmer dafür gehabt hatten, wollten wir nichts mit ihm z,u tun haben. Um ihn nicht böse zu machen, teilte ihm mein Mann unsere Kunden mit und riet ihm, sich mit diesen direkt in Verbindung zu setzen, er könne auf diese Weise einen besseren Preis erzielen. Petrowitsch war dagegen, er wolle mit dem Mann' nichts zu tun haben, er müsse bei dem Wnehmer jahrelang warten, bis er zu seinem Geld komme, — was soll ich Euch da lange erzählen, mein Mann hat dem Bürgermeister die Kuh für 25 Rubel abgekauft. Spät abends wurden sie handelseinig, mein Mann zahlte das Geld, der Petrowrtsch führte noch am selben Abend die Kuh in unseren Stall. Wegen der späten Wendstunde war außer mir niemand bei dem Handel zugegen." „Den anderen Morgen in aller Frühe war das ganze Dorf in Auftegung. Bon Mund zu Mund ging die Mär, daß vergangene Nacht dem Bürgermerster eine Kuh gestohlen worden sei. Bon zwei Pristaws begleitet hatte der Bürgermeister selber alle Ställe des Dorfes von einem Ende zum anderen durchsucht, jetzt drang er auch in unseren Statt und die Prrstaws schrieen laut: Da haben wir sie, das ist Eure braune Kuh mit dem weihen Stirnfleck, der Jud hat sie in seinem Stall." „Das hätte ich aber von Euch nicht gedacht, Mendel", rief der Söürrke mit gut zur Schau getragener Entrüstung. „Bei Such hätte ich gar nicht nachgesehen; daß Ihr Eurem besten Nachbar das Vieh sort- K, wer hätte auch das denken sollen. Der Spaß lt Euch teuer zu stehen, Mendel!" Wir waren sprachlos. Mein Mann faßte sich zuerst. „Nachbar, sagte er, „wenn ich Euch eine Kuh stehlen wollte, so hätte ich's gescheiter angefangen; rn meinen Stall hatte ich sie dann sicher nicht gestellt, sondern ich hätte sie möglichst weit fortgebracht, aber so nebenan sie zu stellen, für so dumm hält mich doch keiner." „Wie man's nimmt", sagte höhnisch der Schurke. „Hier habt Ihr sie am sichersten geglaubt, denn hier, habt Ihr geglaubt, werde sie keiner-suchen, nun das Gericht wird schon den Dreb feststellen." Die Pristaws wollt«r die Kuh 'fortnehmen und sie in den Stall des Bürgermeisters zuruckbringen, aber dieser gab es nicht zu. Sie solle bei dem Juden bleiben, bis das Gericht selber sich überzeugt habe, wer der Dieb ist, und das andere werde sich finden. Wir sahen, daß wir es mit einem Bilbul (Komplott) der schlimmsten Sorte zu tun hatten. Mein Mann wollte dem Bürgermeister sofort die Kuh und sein Geld zurückgeben, da es sich bei dem ganzen Schurkenstreich nur um eine plumpe Erpressung handelte. Ich war jedoch dagegen. Einen solchen Schritt hätte der Spitzbube erst recht gegen uns ausbeuten können. Nachmittags holte der Stallknecht des Bürgermeisters, begleitet von einem Pristaw, die Kuh aus unserem Stall und führte sie an ihren früheren Platz S Die Bevölkerung des Orts fmg an eine drohende g gegen uns anzunehmen. Mit vielem Geld und ,s gäang es uns, wenigstens die Pristaws auf unsere Seite zu bringen. Diese hielten dann die von unserem Nachbar ausgehetzten Bauern von Gewalttätigkeiten gegen uns zurück. Damals hatten wir uns vvrgenomme«, sobald als irgend möglich, das Dorf zu verlassen und uns in einer Khillo ansässig zu machen. Aber unser Vorsatz wurde jetzt schon mchi mehr leschem Schomajim (in reiner, selbstloser Absicht) gefaßt, sondern wir waren für unsere Erhaltung dazu gezwungen. Wenige Tage später erhielten wir eine gerichtliche Mitteilung, daß mein Mann wegen Diebstahls einer Kuh angellagt sei." Als die Erzählerin einen Augenblick inne hielt, um die Teegläser frisch zu füllen, und etwas Lekach (Lebkuchen) zu bringen, mernte unser Wirt, daß jetzt die Erzählung an der Stelle angelangt sei, wo er eingreifen und weiter erzählen müsse. Er reichte seinem Gast eine Prise und fuhr, nachdem er sich selbst durch eine gestärkt hatte, fort: „Wir waren in einer ernsten Lage, das war u«S Kar. Ich wollte hierher fahren, um einen tüchtigM^ Advokaten zu gewmnen. Aber der Bürgermeister, «W jeden meiner Schritte beobachtete, verbot meine Reise, die er als Fluchtversuch darstellte, und beantragte, daß ich bis zur gerichtlichen Verhandlung in Untersuchungshaft genommen werde. Nur mit schwerer Mühe und nnt vielem Geld, gelang es mir, meine Freiheit zu behatten. Ich eilte hierher nach Wilna und suchte den berühmten Advokaten Dr. Hirschensohn auf. Er hörte meine Sache aufmerksam an und meinte dann: „Euern Prozeß will ich gern übernehmen, aber wenn ich Euch die Wahrheit sagen soll, so muß ich Euch jetzt schon sagen, daß der Prozeß für Euch verloren ist." Ihr könnt Euch denken, wie mich diese Auskunft erschreckt hat. Der Advokat muß mir meinen Schrecke« angesehen haben, denn er suchte mich zu beschwichtigen, indem er fortfuhr: „Was ich Euch da gesagt habe, ist allerdings nur meine Meinung und da Ihr diese Höven wolltet, so mußte ich sie «rch sagen. Aber das schließt nicht aus, daß unvorhergesehene Fälle eintreten können, welche

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