Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 48 (28.11.1907)
- Date
- 1907-11-28
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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f f ff ch Geistige Strömungen der Gegenwart in ihrer Beziehung zum Judentum. (Fortsetzung.) Bei der Betrachtung einer Wasserlilie meint Fechner, daß sie so sorgfältig gebaut und so verschwenderisch hingestellt ist, so oft ohne vom Menschen gesehen zu werden, verwelkend, sicherlich neben dem Zweck fürs Allgemeine auch noch einen Selbstzweck in sich trage"). Es mag den Pflanzen vielleicht der „Vor- und Rückblick"^), „ein höheres, ein reflektives Bewußtsein fehlen"") aber als gewiß kann gelten, daß das .Sinnesleben der Pflanze mit dem des Tieres die doppelte Seite der Empfindungen und Triebe gemein hat"). Die Pflanzenseele ist aber gleichsam nur etn l^empel, ein Uebergangsstadium zu der Fechner viel wichtigeren Erdseele. Auch diese Ansicht scheint auf den ersten Augenblick gbsurd. Fechner aber versteht es, sie mit so viel Scharfsinn und Geist zu beweisen, daß die Parodoxie bald schwindet. Genau wie unser Leib, so bildet auch alle Materie der Erde „ein in sich kontinuierlich zusammenhängendes, durch eine bestimmte Gestalt äußerlichabgeschlossenes, durch ein Wirken von Kräften und durchgreifenden Zweckbeziehungen innerlich verknüpftes Ganze, das anderen ähnlichen obwohl auch wieder individuell davon verschiedenen Ganzen (anderen Weltkörpern) im Raume ähnlich gegenüber steht wie unser Leib aüf der Erde sslbst ähnlichen doch auch wieder individuell davon verschiedenen Leibern")." Es entsprechen Tag und Nacht dem menschlichen Wachen und Schlafen, der Kreislauf der Gewässer dem Blutkreislauf, Ebbe und Flut des Meeres dem Pulsschlag des Herzens usw. Man kann nicht einwenden, daß der Erde Augen, Ohren, Nase und Gehirn fehle und sie deshalb auch kein Empfinden und Denken haben könne. Unsere — menschliche Art des Denkens und Empfindens hat sie in der Tat nicht, weil sie diese nicht braucht, das hat sie ja schon in den Menschen, l.tsn) N. ©eite 52. 12) N. Seite 314. ‘ ia) Tagesansicht Seite 88.; ") N. Seite 323. So interessant die detailirten Ausführungen Fechners im Einzelnen auch find, müssen wir und vier darauf beschränken, a 's Nana und Kap. V u. VI von 8. zu verweisen. In lichtvoller Weise hat auch Hartmann (Psychologie des Unbewußten, 11. Au fl. 2. Teil, S. -82 ff.) diese Frage behandelt, und auch er kommt zu dem Fechnerfchen Resultat. ») Z. 1. 49. diese sind eben ihre Organe"). Die Erde ist somit nicht das Gleiche, sondern (während die Pflanzenseele das Niegdere war) das Weitere, Höhere, Verknüpfende der menschlichen Organismen"). Bon der Beseelung der Erde zu derjenigen der übrigen Himmelskörper ist nur ein Schritt. Jedes Gestirn hat sein Sonderbewußtfein"), in dem es Teil hat an der Bewußtseinseinheit, welche das ganze Universum umfaßt. Wenn, meint Fechner, Engel höhere Wesen heißen, Zwischenstufen zwischen Gott und Menschen, seinen Geboten, d. h. dem Gesetze reinste Folge leistend, unbedürftig irdischer Speise und Tranks, im Lichte wohnend und durch die Himmel fliegend, so erfüllen die Gestirne alle diese Forderungen. > Worin aber besieht der Zusammenhang zwischen der materiellen Außenseite der Dinge und der in ihnen wohnenden Seele. Dieses Verhältniß stellt Fechner als einen Paralellismus dar. Jedes Materielle ist die Form, wie ein Geistiges einem anderen Geistigen erscheint. Insofern hat jedes Wesen zwei Seiten, eine geistige, mit der es sich selbst vorstellt und eine körperliche für die Augen der Anderen, etwa wie ein Kreis konkav ooer konvex ist, je nachdem der Beobachter innerhalb oder außerhalb des Kreises steht (das Verhältnis zwischen der inneren Empfindung und ihrer Aeußerung zu finden, ist das Ziel der von Fechner begründeten „Psychophysik"). Jener Geist nun, dessen äußere Erscheinung das gesamte Universum ist, der aber dann als Geist keineswegs mit dem materiellen Universum zusammenfällt, sondern ein wesentlich anderes von dem Einzelbewußtsein nicht zu Erkennendes, nennt Fechner. G o t t^) Und also wie alle Seelen ein Hauch, ein Teil jenes Allgeists sind, so besteht ihre Entwicklung darin: sich immer mehr dieser höheren Geistesstufe zu nähern. So wenig wie die Materie vergänglich ist, vielmehr sich nur umwandelt in andere Form, also setzt auch der Tod selbstredend keine Grenze dem Sein der Seelen. In anderen Organismen sind sie wieder Seelen und wenn die Erde stirbt, die Sterne vergehen, so leben die ") Wir können auch hier wiederum nur auf Zendavesta ,1. Teil verweisen, da der Raum uns kaum mehr als eine Wiedergabe der dort gefundenen Resultate gestattet. ") S. Seite 177. 18) Berg! hierzu die Erklärung von R. Elieser Aschkenafi ('i nw») zu naiaro üWn n»iyi?/ welcher ruian nicht auf nvtjf sondern auf bezieht Ferner □"DDT in (8,3 'B .11151,-1 HD’» Vl) ,1PN1,1 T □n to»m nni »ru 'fyra ^id D'&fom qsaaian b? ,131 D*n Dill« Auch iyar tot mpy ist hierbei bemerkenswert. "*) Z I. 339. 342. 344. 363. Vergleiche zu diesem Gottesbegriff am» Dipb n"3pn b» ID» »IpJ nbb obiy b» iDipD (□'•bnn »iiD)- ’ Seelen doch weiter in der höheren Einheit, zu der sie gehören, im Universum, im Geist Gottes. Der Tod ist nicht Trennung von Leib und Seele, es ist nur die Aufnahme des Leibes in einen größeren, der Seele in eine höhere Seele. Aber nicht unabhängig von meinem ersten Seelenleben wird mein zweites sein. Es ist vielmehr der Tod — diese zweite Geburt — der ersten zu vergleichen und sein Sein hinieden ist ebenso ein Borbereiten für die Zeit nach dem Tode, wie die Zeit vor der Geburt dem Kinde eine Vorbereitung für diese Zeitlichkeit bedeutet. So wie des Kindes Organe für diese Welt vor seinem Eintritt in dieselbe ausgebildet werden, so ist „unser ganzes Handeln und Wollen in dieser Welt nur berechnet uns einen Organismus zu schaffen, den wir in der folgenden Welt als unser Selbst erblicken und brauchen sollen. Alle geistigen Wirkungen, alle Folgen der Kraftäußerungen, die bei Lebzeiten eines Menschen von ihm ausgehen und sich durch die Menschenwelt undNatur hindurchziehen, sind schon durch ein geheimes unsichtbares Band miteinander verbunden, sie sind diegeistigen Gliedmaßen des Menschen, die er bei Lebzeiten treibt . . Was irgend jemand während seines Lebens zur Schöpfung, Gestaltung, oder Bewahrung der durch die Menschheit und Natur sich ziehenden Ideen beigetragen, das ist sein unsterblicher Teil, der auf der dritten Stufe noch fortwirken wird, wenn auch der Leib, an den die wirkende Kraft auf der zweiten geknüpft war, lange verfault ist . . . Die Rätsel unseres jetzigen Geisteslebens, der Durst nach Erforschung der Wahrheit, die uns zum Teile hier nichts ftommt, das Streben jedes rechten Geistes Werke zu schaffen, die der Nachwelt zugute kommen, das Gewissen mit der Reue, das uns eine unergründliche Angst wegen schlechter Handlungen einpflanzt, die uns hier doch keine Nachteile bringen, gehen aus ahnenden Vorgefühlen hervor, was uns alles dies in jener Welt eintragen wird, wo selbst die Frucht unserer kleinsten und verborgensten Tätigkeit als ein Teil unseres Selbst anheimfällt."20) Wir skizzieren zum Schluß den Inhalt jenes Handelns, das Fechner „gut" nennt. Das allgemeinste Gefühl ist dasjenige des Suchens nach Lust und der Entfernung von der Unlust. (Im primitivsten Sinne die Tendenz des Seins sich zu behaupten, also auf der physischen Seite des Weltgeschehens das Prinzip der Stabilität). Unlust entsteht beim Ankämpfen des einen gegen *°) Büchlein vom Leben nach dem Text, Seite 7, 8, 12. Die Lektüre dieses „Büchleins — ein Kleinod echter von glühender Wahrheitsliebe getragener Gemütstiefe — ist sehr zu empfehlen. Es gehört zu Men wenigen Büchern, die den Äffer mitreißen zu einer idealen Lebensauffassung, ihN besser Und — zufriedener machen. .7f