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Der Israelit · 1907-11-28 · Heft 48 (28.11.1907) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 48 (28.11.1907)
Date
1907-11-28
Page
– (sequence 19)
Language
German
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26. November 1907. Der Israelit. No. 48. Seile 11 das andere. Dieser Kampf aber ist nur eine Folge der Verschiedenheit des geistigen Seins. Je höher eine Einheit steht, um so weniger wird bei ihr Sünde, Irrtum und Schmerz sein. „Diese walten bloß in den niederen endlichen Reaionen des Daseins, wo Eins noch wider-das Andere ist, indeß Gott mit seinem höchsten Wissen, Wollen, Fühlen in sich einig über alles greift" 21) Da nun das Lustmaximum mit dem Weltzweck und Entwicklungsziel zusammenfällt, so ist es die moralische Pflicht des Menschen, daß er durch sein Leben das Streben nach dem Lustmaximum mit aller Kraft unterstützt. „Der Mensch soll soviel an ihm ist die größte Lust, das größte Glück in die Welt überhaupt zu bringen suchen,' in's Ganze der Zeit und des Raumes zu bringen suchen.22) Bei dem Worte „Lust" ist selbstverständliche Voraussetzung, daß es sich nicht um die individuelle Lust, sondern um diejenige der Welt als Ganzes handelt. Nicht willkürliche Einzelberechnungen, sondern Gesetze und Regeln, die eben die moralischen sind, sollen die Richtschnur der Menschentat bilden, weil nur so das Wohl des Ganzen verbürgt werden kann. 25J) Hier ist nun eine Lücke in Fechners Gedanken gebäude. Wie wir „Lust" schaffen können dem Rebenmenschen, können wir füglich aus unserem eigenen Innenleben heraus beurteilen, wir wir aber die Summe der „Luft" nicht mindern, wie wir uns zu verhalten haben gegenüber dem übrig-en Weltganzen, muß uns fremd bleiben, solange unser Bewußtsein ein anderes ist, und alldere Bedingungen der Luft und Unlust dort sind als bei uns selber. Diese Lücke, glauben wir, wird ausgefüllt durch unsere Thora, deren Inhalt Hillel in einem Satze ausdrückte24): ab *pnr6 ■toj b'i nwiTD ttw rto m'inn bj *pn it TQyn, nach Hirschs Erklärung* : „Tue Deinem Nächsten nichts, was Dir gehässig ist" . . . Der Begriff “"an über den engen Kreis der Nebenm enschen hinaus zum Begriff aller Nebenw e s e n erweitert, bildet in der Tat dieser Satz den Inhalt des ganzen Gesetzes, das ja nichts anderes als die Lehre der Vermeidung alles dessen ist, was unserem und aller mit uns des hiniedigen Daseins sich freuenden Mitwesen Daseinsheile als ,/od" entgegensteht. Nur freilich will es dieses '3D, dieses unser und der Mitwelt Wohl Bedrohende nicht dem Ermessen eines subjektiven, menschlich beschränkten, dunklen Meinens und Fühlens überlassen, sondern giebt dafür den von Gottes Weisheit und Einsicht geoffenbarten Maßstab hinaus. Das ist eben ntsnTD, das ist eben der Kommentar zu 'OD "pan by) "jty, der aus dem Gesetze will gelernt werden. So Raschi z. St. njrfr wn anb'ö «m mm -nm nrw ypa jnm tidj bv toow -Ol nm- In Kürze und größtenteils nur andeutungsweise'habest wir veMcht, die wichtigsten Gedanken aus Fechners Weltanschauung vorzuführen, zur Anregung ihn selbst zur Hand zu nehmen. Ihm gehört die nächste Zukunft und für den Wahrheitsgehalt seiner Philosophie gilt sein eigenes schönes Wort2b): //Hier steht der Baum,' manch einzeln Blatt davon mag fallen, doch sein Grund und sein Zusammenhang ist fest und gut. Er wird immer neue Zweige treiben und immer neue Blätter werden fallener selbst wird nicht mehr fallen,- wird Blüten der Schönheit treiben und statt im (bloßen) Glauben zu wurzeln, Früchte des Glaubens tragen." L. 8. 21) Tage,? anficht, S. 50. 22) Uever das höchste Gut, S. 10. 23) a. a. O. S. 17. 24) «S raff- 25) Kommentar zu v"' fl"', {Op1!- 26) B. Kap. XII. (Fortsetzung folgt.) iücherscha«. Bom theoretischen zum praktischen Bon Heinrich Driesmans. Vita, Deutsches Äerlagshaus. Preis Dämon Auslese. Darwini-muS Berlin 1907. 3,50 Mk. Driesmans Ideen gehören dem Gedankenkreise Houston Stewart Chamberlains anwie dieser erblickt er in der „Rasse" den eigentlichen Mittelpunkt alles Philosophierend über Kultur und Kulturentwicklung. Die Hochzucht der Rasseneigenart und, innerhalb der Rasseneigenschaften, die Bevorzugung des WiUenskräftigen. Herrenhaften, gegenüber dem Sentimentalen, Weibischem scheint ihm der Inbegriff der Ethik,- denn ethisch ist ja nur die bewußte Verfolgung derjenigen Ziele, die der Weltprozeß offenbar anzustreben scheint. Auffallend ist an Driesmans' Buch die kühne Selbstverständlichkeit, mit der die anfechtbarsten wiffenschaftlichen Hypothesen als ausgemachte Tatsachen vorgetragen werden, sodaß man zuweilen versucht wäre, den Autor zu stagen, ob er mit dem Weltgeist ans einer Schulbank gesessen und ihm seine tiefsten Geheimniffe abgelauscht habe. Dabei soll indeffen dankbar anerkannt werden, daß fich Driesmans von dem Rassenfanatismus Chamberlains fernhält und seinen Arierkultus lange nicht so weit treibt wie jener. Ueber die Juden, deren Raffeninsttnkr DrieSmanns stark überschätzt, meint der Autor: Am nächsten der katholischen kommt die jüdische Stammes- und Glaubensgemeinschaft an zuchtwählerischem Geist. Sie ist in dieser Hinficht auch dem orthodoxen Protestantismus weit überlegen, mdcsien durch die liberalisierenden Neigungen und die nivel lierende Tendenz des modernen Judentums bereits stark gelockert und zusammengeschinolzen. Gleichwohl erhält die Zähigkeit der jüdischen Natur und die Rafscnanliparhie herüber und hinüber noch immer eine gewtffe zuchtwählerische Tendenz aufrecht, die an dem festen, scheinbar unverwüstlichen Kern des kleinen Häufleins orthodoxen Judentums ihren Hort und Halt und trotz allem ab und ausschweifendem Element eine unerschöpfliche Nährquelle und Erfrischung findet. Gegenwärtig hat auch diese Glaubensgemeinschaft, insbesondere genötigt durch die Anfeindungen von seiten der antistatischen Bewegung, wiederum zu einer strafferen Organisation in fich gegriffen, indem fie die Berschwisterung mit nichtjüdtschen Elementen entschiedener ablchnt, als fie seit ihrer Em nzipmion getan und fich, ähnlich der katholischen Bewegung, mehr zu einer Welt für fich abschließt, die fich nicht nur gegen die physiologische Vermischung, sondern a -ch gegen bas seelisch-geistige Akklimatisieren mit der übrigen Volksgemeinschaft sträubt. Jedenfalls gewährt das Buch, wenn auch keine Klarheit, so doch eine Fülle von Anregung auf einem Gebiete, daS, reich an schweren Problemen, auch für die Erkenntnis des jüdischen VolksaeschickeS und der nationalen Zukunft des jüdischen Volkes ungehobene Gebankenschätze in fich birgt. m. Moses und sei« Werk von Dr. Julius Reiner 77 S. Berlin u. Leipzig. 1907. Hermann Seemann Nachfolger. Der Verfasser sucht von einem Standpunkt aus welchrr dem unseren entgegengesetzt ist, vom bibelkcitischen, die Persönlichkeit und Wirkamkeit Mosts zu würdigen, der „als Befreier seines Volkes und als religiöser und politischer Gesetzgsber seine Wirksamkeit tief und fest in die Geschichte aller monotheistischer Religionen etngegraben hat." ÄuS der Einleitung des Merkchens seien einige Sätze hervorgehoben: „In einem kapitalistischen Zeitalter sagen fich von der religiösen Erbschaft alle los, die in dieser Erbschaft nur ein Hindernis ihrer Karriere sehen der Glaube wird als Handelsobjekt, als Tauschmittel betrachtet, wobei es noch fraglich ist, ob der Käufer nicht tiefer steht als der Verkäufer. Während Denker und Dichter den Namen und die Ge chichte des Moses zum Gegenstände ihres Schaffens machten und noch machen, da errötet mancher Jude schon beim Nennen dieses Namens, den man in verschiedenen Variationen schon zum Spottnamen gemacht' hat. Moses! Dieser Name löst eine Unsumme von Vorstellungen aus, die zu den weitgehendsten Gedankenassoziationen Anlaß geben. Uns steigt oft bet diesem Namen das unsterbliche Werk des Michel Angela vor Augen, ein Werk, von dem der beste Kenner der Renaissance, Hermann Grimm, sagt: „Er fitzt da, als wollte er eben aufsprtngrn, das Haupt stolz aus den Sch ltern in die Höhe'gereckt, mit der Hand, unter deren Armen die Gesetzestafeln ruhe , in den Bart greifend, der in schweren Strömen auf die Brust finkt, mit weit atmenden Nüstern und mit einem Munde, auf dessen Lippen die Worte zu zittern scheinen. Ein solcher Mann vermochte wohl ein empörtes Volk zu dämpfen und wie ein wandelnder Magnet eS mitten durch die Wüste und durch daS Meer fich selber nachzuziehen." Sabbat-Anfang u. Ausgang. .2V1 OST: Anfang Datum Ausgang UhrlMin. 1007 5007 Uhr! Mi». LO.Nov. 24.KiSlew. Frankfurt a. M 4 '05 5 20 Berlin .... — — 4 46 München . 4 15 5 08 Stratzbnrg . 4 30 5 20 Stuttgart. . . 4 30 5 13 Polen .... — — 4 32 Nürnberg . . — — 5 07 Hamburg. . . — — 5 05 Prag. — — 4 50 Für de» Reklamenteil ist die Redaktion nicht verantwortlich: insbesondere ist eS ansschliestlich Sache der Leser» die im Reklameteil enthaltene» Empfehlungen ritueller Ware» oder sonstige Anaaben religionsaesetzlichen Charakters auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. Zwei" \ die umgern im Sommerviriiut kann m m int Win er nicht entbehren: den Ofen und F chs ä hte Sodener Mineral P stillen. Wie ma Hol; un)K hlen für d n Win er in den Kell r ichafft, so so uc man di Hausapotheke ordentl ch mit Fahs äch cn Sodener Mi» n ral-Pastillen ausstatten, d -mit man den Kindern täglich einig zur chule initgeben ann und daß man Fahs ächte Sodener zur v»and hat, wenn eine der stündlich mögliche» Erkältungen schnell und obendrein bequem bekämpft werden soll. 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