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Der Israelit · 1907-11-28 · Heft 48 (28.11.1907) · page 16

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 48 (28.11.1907)
Date
1907-11-28
Page
– (sequence 16)
Language
German
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*tcht sinnlich vMhrne^mbar ist? Hat vem Kantianer nur das Greifbare Anspruch v «pf Dasein? Das ist der Grundfehler alles ' schulmäßigen Philosophierens, daß es sich einmal ' auf Gebiete begibt, die der menschlichen Erkenntnis verschlossen find, und andrerseits die Gedanken außer acht läßt, die in der Thorah wegweisend gtzeichnet find. Dort wird von Gott ausgesagt, er sei absolut gut. 21V und ttrnp sind die ein- *;en primären Wesenseigenschaften, die genannt ld. Dem Menschen aber wird seine Aufgabe und tlt die Fähigkeit hierzu in den kurzen Worten 0DN und vnn D'tnp gezeichnet. Es ist daher durchaus kein Anthropomorphismus, ja es ist im Geiste dieser nach dem Wesen Gottes und deS Menschen suchenden Philosophie ein in schlichten Worten ausgedrückter tiefer Gedanke der Weisen, wenn sie die biblische Aufforderung Gott nachzuwandeln dahin paraphrasiren „wie Er gerne gewährt, so gewähre auch du gerne, wie Er liebreich ist, so sei auch du es, wie Er Kranke besucht, so Pflege auch du es zu tun, wie Er Tote begräbt und Trauernde tröstet, Nackte bekleidet, so folge Seinem Beispiel. Im Wirken Gottes .sehen wir Seine lebendige Kraft, Sein allmächtiges Dasein, das sich zur philosophischen Definition hes Gottesbegriffes verhält wie alles zu nichts. Nicht Gottesbegriff — Gottes bewußtsein muß nicht erkannt — muß empfunden werden, dann erst haben wir der Ethik des reinen Willens die rechte Grundlage gegeben. Das ist aber die Gottesidee wie sie der Judengott des Alten Testamentes schon bei Moses hat. Es haben folglich die Propheten nichts Neues zu erdenken schabt, sie sehen nicht nur eine Zukunft vor sich, sie blicken bereits auf eine Vergangenheit dieser Gotteswaltungen und dieses Menschengehorfams Wrück. Sie haben es aus der Erfahrung der Geschichte, daß messianische Zustände ja Paradieseszustände auf Erden erlebt wurden, wenn das im Menschen personifizierte Wollen an der vorbildlichen Tat eines personifizierten Ideals sich gebildet hatte, d. h. in ungekünstelter Laiensprache, wenn der Mensch den Geboten Gottes Gehorsam entgegengebracht hatte. Die Geschichte der Zuttmffc ist den Propheten nur die Geschichte vergangener glücklicher Tage in Permanenz. Schon darum können sie die messianischen Zeiten darstellen und beschreiben. Sie können aber auch darum alles Voraussagen, wie es sein wird, weil es so werden muß. Gott, nicht der begriffliche, sondern der daseiende und waltende Gott hürgt dafür, daß nicht der begriffliche, sondern der strebende und handelnde Mensch mit feinem sittlichen Ziel und seiner sittlichen Aufgabe sich durchsetzt. Bildete doch das Alpha und Omega des Lebens, dem auch die Propheten huldigten, die Befteiung Israels aus Aegypten. Was stellt dieses geschichtliche Ereignis anders dar, als die Anerkennung des Menschenrechts, hem Fremdling, dem Vertreter der Völker, der Menschheit, gegenüber? Gott, der Vater der Menschen, der Schöpfer, das Urbild, deffen Ebenblld der Mensch ist, waltet als Garant des Rechtes des Menschen unter dem Menschen. Ist das nicht Bölkerfrieden? Gebt aber nicht der Paradieseszustand auf Erden in die Zeiten zurück, m welchen es auf Erden nur eine Menschenfamilie gab? Und gelangen erst wieder die Menschen durch das Rechtsbewußtsein zur Erkenntnis, daß trotz Vielheit der Völker eine Einheit der Menschen vorhanden ist, dann ist der Paradieseszustand von selbst geschaffen. Sind doch die Verschiedenheiten der Nationen nur darauf zurückzuführen, daß die allen Menschen gemeinschaftlichen Fähigkeiten und Eigenschaften in bestimmter Richtung verschieden ausgeprägt sind, wie kein Mensch Anlagen und Eigentümlichkeiten besitzt, die nicht auch bei dem andern vorhanden wären, sie treten nur verschieden stark auf. Wir brauchen nur nicht die Zukunft der Geschichte von ihrer Vergangenheit ru trennen, brauchen nur auch das Geistesleben der Menschen, in seiner Betätigung im Leben \b nicht in seiner begrifflichen Philosophensprache zu entdecken, dann erkennen wir die weiten, aber loschen Schlüffe der Propheten auf ihrep Ethik hes reinen Willens und der reinen ihres sittlichen Pflichtbewußtseins und ihres realen Gottesbewußtseins. Wer aber auch nur oberflächlich die Sprache der Propheten kennt, der weiß, daß die die Gestaltung der Tierwett betreffenden Sätze gar keine Wirklichkeit zu beanspruchen brauchen,' es kann das sehr wohl eine Bildersprache fein. MaiMonid'es sägt darüber: Glaube nicht, daß zu den Messiaszeiten der Gaug der Wett sich ändert, sondern alles bleibt in seinen natürlichen Wegen. Ausdrücke wie: „der Wolf wird bei dem Schafe weilen und der Panther mit dem Lämmchen weiden", sind bildlich zu nehmen. Tiermetaphern oder Bilder aus der Natur und der Tierwelt für Völker - Größen und Menschenmacht sind doch in der biblischen Literatur keine Seltenheit. Friedfertigkeit und Genügsamkeit, Menschenachtung und Menschenrecht innerhalb der Menschenfamilie werden in diesen Bildern kurz und treffend angedeutet. Der einzige politische Unterschied zwischen den Zeiten des Messianismus und den ihnen vorhergehenden Tagen wird nach Maimonides die Selbständigkeit Israels auf dem Boden seiner Väter sein. Nun, die Staatenbildung Israels dürfte Herrn Geheimrat Cohen einphilosophischesPostulat sein, und er hätte für die Sonderstellung, die er Israel im Völkerkonzert in seiner Rede in Frankfurt angewiesen haben soll, keinen wissenschaftlichen Grund. Der Mann, der den Satz.aufstellt: „Das Problem des ewigen Friedens wird uns zum Problem des ewigen Fortschritts in der Entwicklung des ethischen Staatsbegriffes", hat der das Recht, für sein Volk, das als Fremdling unter den Völkern, der Vertreter der Menschheit unter ihnen ist, an deffen Behandlung der Fortschritt in der Entwickelung des ethischen Staatsbegriffes zu messen ist, den Staatsbegriff abzulehnen? Bilden — um mit den Worten Cohens zu reden — Staat und Menschheit keineswegs einen Widerspruch, findet vielmehr der Staat in dem Staatenbunde der Menschheit ebensosehr seine Vollendung, wie die Menschheit nur im Staatenbunde ein ewiger Begriff fein kann, dann soll das Aequivalent für Israels erfüllte Mission ein Auf- und Untergehen bedeuten? Verwirklicht sich und vollendet sich der Mensch nur im Staat, dann hat Cohen ja.Israel das Menschenrecht genommen, wenn es keinen Staat je bilden können wird. Und ist auch nur einem Volke die Möglichkeit der Vollendung genommen, dann ist der Bölkerftiede nicht erreicht, dann ist der Messianismus auch begrifflich tot geboren und mit dieser Schlußfolgeruug ist das ganze Operieren mit Begriffen gerichtet, und die Logik des Herrn Geheimrat in seinem Referate in Frage gestellt. Nur der Staat — sagt Cohen — kann für die Wahrhaftigkeit sorgen. Nun wohl, nur im jüdischen Staat kann alles das zur Vollendung gelangen, was Israel an Menschlichem der Menschheit wiedergeben will. Der Einzelne als solcher und in seiner Stellung zur Allheit, der Staat als Mehrheit von Gliedern und Glied der umfassenden Gesamtheit kann seiner Vollkommenheit erst im Staat entgegengehen. Es mußten und konnten daher die Propheten die Sammlung Israels auf seinem Boden Voraussagen, darstellen und beschreiben, wie Moses schon vor dem ersten Eintritt in Palästina davon spricht und wie dasselbe in der Vergangenheit in der Tatsache von der Befreiung aus Aegypten sich bereits einmal vollzogen hat. Israels Treue zu seinem Volkstum und die Uebung seiner Pflichten gegen den politischen Staat sollten so gelohnt werden, daß es ewig ein Volk ohne Staat bleiben müsse? Wo bliebe die Gerechtigkeit? Ja es sollte auch als Volk untergehen? Ist die Treue solch leerer Wahn? Nur die Errichtung des jüdischen Staates bildet den Abschluß des Völkerfriedens. Cohen meint: „die Zukunft darf nicht lediglich ein Bild des Friedens werden." „An keinem Punkte der Weltgeschichte dürften wir einen Abschluß für die Velwirklichuug des Weltfriedens annehmen. Das wäre das Ende der Wett, der sittlichen Wett". Der Bölkerftiede wirke nur als ein ästhetisch beseligendes Bild; ethisch dagegen wirke er nur im Gegensatz zum Kriege. Waser damit yae» will ist Mar. Friedm bedeutet d. -Und etz keinG.LtwzM kein Leben ohne Tod, der Begriff wäre, gäbe es das Böse nicht, so ist "der Kampf dasWittel, um die Blutzirkulation im Weltkörper zü erhalten üud ohne iyn kein Leben. Ewiger Friede sei ewiger Tod. Es ist nicht abzusehen, wie jemand, der in dem Fortgang der Entwickelung des reinen Willens, in dem Fortschritt der Reinheit die Ewigkeit der Welt erblickt, den Krieg nicht entbehren kann. Erst recht wird nach der ausgleichenden Gestaltung der äußeren Verhältnisse deS Lebens der Blick auf das Innenleben gerichtet werden können und müssen. Wenn die Völker nicht mehr von dem Kampf um ihr Dasein in Anspruch genommen sind, wird es eine Lebensforderung für sie sein, den Kampf mit ihrem Bewußtsein zu führen. Der Stillstand im äußern Leben bedeutet die Entwickelung im Innern. Je weniger die Lebenskräfte für die äußere Daseinsfristung vergeudet zu werden brauchen, umsomehr können sie zur Erreichung der Sittlichkeit gesammelt werden. Das Ziel vnn D'BHp läßt genug für das Kampfesstreben des Menschen, und der in ihn gelegte Drang nach Erkenntnis und Wissen garantiert das Leben. Ohne Leiden des Hungers und des Krieges, ohne Neid und Haß wird die Menschheit durch ihre eigene Sittlichkeit gesegnet sein. Mit dem aufblühenden sittlichen Menschen wird die Natur, die ihm dient, die für ihn lebt, sich verjüngen. Ueppigkeit und Fülle treten an Stelle öcs Mangels uyd der Oede. Aber diese Wandlung ist nicht Selbstzweck, und der Genuß nicht der Lohn des Ringens. War er doch der Grund des Verfalls. Die Welt der Erscheinung mit ihren Segnungen wird nicht mehr als Zweck, sie wird als Mittel zu höherem Dasein begriffen. Immer weiteres Streben nach Vertiefung der Sittlichkeit bildet den Menschenberus. Bon Gotteserkenntnis in diesem praktischen Sinne wird die Erde voll sein, sie wird das Leben ausmachen, wie Wasser der Inhalt des Meeres ist. So können die Propheten den Meffianismus därstellen und beschreiben, weil sie wissen, daß Sittlichkeit, geübte Sittlichkeit, der Zweck der Welt ist und daß die Welt ihr Ziel erreicht. Es ist aber darüber hinaus noch eine Forderung! der Gerechtigkeit die Frage des persönlichen Messias, und es ist eine ganz natürliche Entwickelung, daß dieser Messias aus dem Hause Davids sein wird. Die Fortschritte in der Welt knüpfen sich stets an gottbegnadete Namen. Einzelne sind es, die die Massen belehren und leiten. Von den ersten Blättern der Genesis an bedeuten die Namen ganze Geschlechter, Personen ganze Kulturen, ein Einzelner die Zeitgeschichte. Es würde eine Umwandlung der Naturgesetze bedeuten, wollte der Meffianismus anderes, und er will doch nur die natürliche Entwicklung des Menschen und der Menschheit darstellen, Israels und der Völker. Der Meffips ist keine Zeitz, er ist eine Person, der seiner Zeit das Gepräge gibt. Es ist aber das Davidshaus seit seinem Begründer das Haus, das der Welt und Israel die messianischen Zeiten vorbereitet hat. „In ihm ist der Geist der Gotteserkenntnis und der Gottestreue zur höchsten Blüte und Entfaltung gelangt." Es war mit seinen Gesängen und seinen Gedanken, seinem Tun und seinem Wollen das Gotteswerkzeug für die geistige und sittliche Umwandlung Israels und der Menschheit. Dem Davidshaus verdankt die Welt die Psalmen und die Psalmen bilden das geistige Heer, das die Welt Lem Gedanken an einen Gott zurückerobert hat. Sie haben die Herzen der Bibel geöffnet und wurden so das Fundament für das ganze Kulturgebäude der Menschheit. Es ist natürlich, daß der im Davidshaus verborgen schlummernde Keim sich weiter entwickelt hat und Knospen und Blumen treiben wird, wenn Wind und Regen und Sonne und Schatten der Geschichte ihr Werk am Jsais Stamme vollbracht. Es ist nichts weiter als Gerechttgkett, daß das Haus> das sich in den Dienst der erhabensten Sache GotteS und der Menschheit seit je gestellt hatberufen ist, sie zu vertreten , an jenem Tage, da die stehengebliebene Wurzel Jsais zum Panier

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