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Der Israelit · 1907-11-28 · Heft 48 (28.11.1907) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 48 (28.11.1907)
Date
1907-11-28
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Nr. 48. 38. November 1907. Gelte 22. Der JSraelit. «Ächtet zu haben. Die 250 Häuser des Dorfes such fast durchweg Eigentum ihrer Bewohner. Woodbyne hat ein gutgepflegtes Straßennetz. Auch eine Station zur Erzeugung elektrischen Lichtes fehlt nicht. Eine freiwillige Feuerwehr ist ebenfalls vorhanden. Es giebt außer der Zentralschule noch drei andere öffentliche Schulen, ferner hat das Dorf ein Badehaus, ein Versammlungsgebäude und zwei Parke. Aus den 50 Familien, die 1891 sich hier niederließen, ist durch Zuzug weiterer Ansiedler eine Einwohnerzahl von 2500 Seelen geworden. Fünf Bau- und Darlehens-Gesellschaften haben Taufende von Dollar in Woodbyne angelegt, ein Beweis, daß man zu der weiteren Entwicklung der Kolonie das beste Vertrauen Von industriellen Betrieben sind zu nennen eine Tuch-, eine Maschineninch. Werkzeug-, eine Hut-, eine Leinen-, eine Zigarren-, eine Zigaretten-, und eine Strickwaren- Fabrik. — In Älliance giebt es außer der bereits erwähnten Konservenfabrik auch eine Mäntelfabrik- Rosenhayn besitzt eine Tuchfabrik und eine Zieaelbrennerei; Carmel eine Tuch- und eine Damenkleiderfabrik. In den jüdischen Kolonien herrscht ein weit regeres öffentliches Leben als in anderen Dörfern Hüd-Jerseys. Politische und soziale Klubs, literarffche Vereine, mllitärische Organisationen, Woyltätigkeitsinstitute legen Zeugnis davon ab, daß die Bewohner trotz ihrer Entfernung von dem Treiben der großen Welt daS dem Juden eigene Zntereffe für die Allgemeinheit nicht verloren haben. Der Besucher wird am Samstag nachmittag die älteren Leute irgendwo versammelt finden, wo sie wie es im Bethamidrasch der früheren Heimat Gepflogenheit war, über die Ereignisse in Deutschland, Frankreich und Rußland eifrig diskutieren. Die Sämaschine, der lua und die Juden dienen diese Farmen als Sommerfrische. §n den Staaten Dakota, Wisconsin, Michigan, ndiania und Illinois bestehen über 1000 jüdische Farmen. Bon allen diesen Ansiedlungen aber Kohlaiker. KüfitUimt iei Drexel. Cook Coimth. läßt sich sagen, daß sie in einer erfreulichen Entwickelung ^egriffensMd^ r.d-c. euilleton. 15 Jüdische Mädchen bei der Arbeit in einer Konservenfabrik Norma. New-Jersey. mk sind vergessensobald er die Sabbathgewänder angelegt hat, lebt er in einer höherenWelt. Die meisten Fabriken sind am Sabbath geschlossen. Zweifellos steht jedoch das religiöse Leben leider, besonders bei der Jugend, nicht mehr in derselben Blüte wie in der russischen Heimat. Eine wichtige Einrichtung der Kolonie Woodbyne ist die bereits erwähnte Baron-Hirsch- Ackerbauschule. Hier werden die Kinder von Einwanderern in den landwirtschaftlichen Disziplinien unterrichtet, sodaß sie nach einer weiteren Lehrzeit bei einem Farmer, ein eignes Ackergut zu bewirtschaften vermögen. Die Schule wird gegenwärtw von 120 Zöglingen, darunter auch etwa 10 Mädchen besucht. Der Unterricht ist natürlich kein rein theoretischer, sondern umfaßt auch praktische Arbeit auf den Schulfarmen, in der Milchwirtschaft, in der Schmiede, in den Geflügelhäusern usw Außer den vier größeren Kolonien Alliance, Rvsenhayn, Carmel und Woodbyne, giebt es in den Bereinigten Staaten noch eine große lhl einzelner von Juden bewirtschaftet tot, die in den verschiedenen Staaten der lnion zerstreut liegen. In den sogenannten Rew-England-Staaten giebt es 400 solcher jüdischer AgÄkulturbetriebe, mit einem Durchschnittbefitz von 100 Acres. VielenNewyorker undBostoner ver ka»el. Erzählung von Friedrich Rott. (Fortsetzuu,.) Jetzt mußte sie doch auch lächeln. Ueberhaupt hatte sich ihre Stimmung allmählich bebedeutend gebessert. Zwar klagte sie noch hin und wieder bald über dieses, bald über jenes, aber wenn ihr Gatte zu Hause war, ließ sie sich doch bald von ihm beruhigen und sie hatte es doch auch durchgesetzt, daß er seine Mußestunden ausschließlich ihr widmete. Mit feinem Vater hatten sie dreimal täglich ein Rendezvous vereinbart, sie auf auf ihrem Balkon, er am Fenster seines Arbeitszimmers. In diesem Zimmer Pflegte er seine abendtreiben, und wenn sie abends lichen Studien zu zu Hause waren und Malwine sich zuweilen eine besondere Augenweide verschaffen wollte, dann traten sie hinaus auf den B.alkon und schauten hinüber in das erleuchtete Zimmer, in. dem die beiden Männer einander gegenüber am Tische saßen, jeder einen aufgeschlagenen Folianten vor sich, oft auch noch eine^ Anzahl Folianten auf dem Tische. Durch den Operngucker konnte man deutlich das erregte Mienenspiel der Studierenden beobachten, wie sie eifrig miteinander sprachen, oft auch mit den Händen gestikulierten, zuweilen standen^^^^^darpn.Hrrsch'sche»«ckerva«fch«le«»oovvy»e.m.J.^te, beide drückte auch auf, gingen eifrig ten einander dre den Händen so heftig gegeneinander, daß die junge Frau oft behauptete, sie würden noch handgreiflich werden. Gleich darauf aber saßen sie wieder im besten Einvernehmen an dem Tische und lasen eifrig aus den großen Büchern. Malwine amüsierte sich oft königlich, schüttelte sich oft vor Lachen, Theodor aber segnete diese Studien und dankte Gott, daß sein Vater sich durch dieselben mehr und mehr wieder emporarbeitete. Der Winter war gekommen. Malwine war wiederum mehr verdrießlich als in der freundlicheren Jahreszeit, Gotthold hingegen hatte leine volle Elastizität bereits wieder erlangt. Erfüllte ihn auch noch innige Trauer um den Verlust der teuren Dahingeschiedenen, seine innige Ergebung in den Willen Gottes hwlt ihn aufrecht. . Eines Tages, Theodor befand sich in seinem Arbeitszimmer neben dem Kontor, als ein« feiner Leute ihm eine Karte des Sanitätsrats überreichte, die ein Bote soeben gebracht hatte. Auf der Karte standen nur drei Worte: „Kommen Sie sofort." Der junge Mann stieß einen Schreckenslaut aus, griff nach seinem Hute, stürzte in das Nebenzimmer, wo er seinem dort arbeitende» Schwiegervater die eben erhaltene Karte zuwarf. „Ich muß nach Hause!" rief er und eilte fort. „Herr Gott im Himmel!" rief Schröder „was ist denn los? — Und da rennt er ohne Ueberzieher fort bei dieser grimmigen Kälte!" — Trotz der grimmigen Kälte ward dem Alten doch schwül zu Mute, diejenige, «m Me es sich handelte, war ja doch sein einzigesMMMWOald er adkommen konnte, ließ er einen und fuhr zu der Wohnung seiner Tochter. Er traf seinen Schwiegersohn im Speisezimmer rastlos hin und her rennend. „Um Gotteswillen Theodor! Was macht Malwi?" Theodor zuckte die Achseln. „Der Sanitätsrat versichert, daß keine Gefahr vorhanden." „Aber weshalb hat er Dich rufen lassen? Was wollte er von Dir?" „Er wollte noch einen Kollegen hinzuzrchen und wollte von mir wissen, wem ich den Vorzug gebe. Willst Du nicht oblegen, Papa?" „Nein, ich danke, ich muß noch zurück in's Kontor, aber sobald ich kann, komme ich wieder." Gleich nach Geschäftsschluß war Schröder wieder im Hause seiner Tochter. „Noch immer nicht?" fragte er. M Theodor schüttelte den Kopf und half dem anderen sich des schweren Pelzrockes entledigen. Dann saßen sie einander gegenüber, wechselten hin und wieder einzelne Worte, zu einer wirklichen Unterhaltung kam es nicht. Bon Zeit zu Zeit erhob sich Theodor, öffnete die Tür und stand lauschend auf der Schwelle. Plötzlich fuhr er zusammen, er hatte etwas vernommen, was er noch nie im Leben gehört, ein feines aber kräftiges Stimmchen, das sich gegen etwas Ungewohntes zu wehren schien. „Papa! jauchzte er, „hörst Du's?" Schröder war sofort an seiner debattierend im Zimmer auf und nieder, blieben hin' und mied« auch wohl stehen und gestikulierten mit Hände und standen freudestrahlend noch immer lauschend da, als gelte es*der herrlichsten Musiki

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