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Der Israelit · 1907-11-28 · Heft 48 (28.11.1907) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 48 (28.11.1907)
Date
1907-11-28
Page
– (sequence 10)
Language
German
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« Kr, 48. Gott werde sich von der toten Ziffer vorschreiben ' kaffen, wie er zu handeln habe, damit die Wissenschaft sich nicht beschämt nachträglich werde korri- Mren müssen. So ist man auch bestrebt, den Kampf, oeü Juda und seine Brüder führten, in ein Nichts zu verflüchtigen. Einigkeit habe Juda und die Seinen stark gemacht!! Einigkeit gewiss jetn hohes Gut! „Es gibt keinen um» faffenderen Segen als Einigkeit." Einigkeit habe Judas Waffen den Sieg verliehen?! Mit der Niederstoßung des nichtswürdigen Feiglings, der des rasenden Syrers Befehl in Modln ausführen wollte, begann der greise Matithjahu den 'Rettungskampf. Wahrlich einig — aber einig nur mit sich! Ganz Israel bebte vor dem Wahnwitz. Einigkeit wäre es gewesen, die Judas Heldenwaffen segnete?! Wo blieb die Einigkeit im Anblick des ^Feindes? Seine kleine Schar verringerte sich noch mehr, als sie dem Feind unter Demetrius Aug in Aua gegenüberstand. Verzagtheit beschlich die Herzen! Juda allerdings mit seiner winzig kleinen Mannschaft blieb stark. Doch in ihr hätte Einigkeit gesiegt? Warum denn blieb denselben Waffen das Glück nicht treu, da Juda mit seinem Bruder Jonathan nach Gilead gezogen und andern Leuten, Josef und Asarjah, arä anderen Familien den Schutz Judäas anvertraute? Gegen Judas hinterlaffenen Befehl wagten sie einen Angriff auf die Syrer und wurden zurückgeschlagen. Sie waren einig, einig darin, es den Hasmonäersöhnen gleich zu tun, ihr eigenes Haupt auch mit Lorbeer zu umkränzen!! Nicht Uneinigkeit brachte Niederlage, nicht Einigkeit den Sieg. Sie siegten, so lang sie Gottes Sache in Ehrlichkeit verfochten und ihre Waffe dem Gottesstreite weihten: sie unterlagen, wenn es eigene Ehrsucht aalt. Oder war der Sieg an das Hasmonäerschwert geheftet? War der Hasmonäer Stahl aus besonderer Schmiede, war das Erz, das Hasmonäerbrust gepanzert, nur für sie gegossen? . Warum erlagen denn Juda und Jonathan selbst im Kampfe, und fiel der Bruder Simon durch Meuchelmord des Tochtergatten? Es ist ein seltsames Zusammentreffen, das wir als deutlichen Fingerzeig auf dem Weg der jüdischen Geschichte erkennen,' furchtbar in seiner Wiederholung, gewaltig in seiner Erhabenheit, lehrreich in feinem Wesen, trostspendend zugleich in seiner Wirkung. S o lange siegten die Hasmonäerwaffen, ■ . . _D« As rartü. nach dem Bericht des Makkabäerbuches, bis der gleiche Schritt allen drei Brüdern, Juda, Jonathan und Simon die Unbesiegbarkeit geraubt. Alle drei verläßt das Kriegsgiück im Augenblick, da sie eine Gesandschaft nach Rom beordert hatten, um die Freundschaft der hohen Roma zu erbitten. Sie fallen. Juda und Jonathan im Feld. Simon kläglich durch HintMist. Wuchtig trifft der Schlag des göttlichen Gerichts, und er verfehlt auch nicht den Eindruck auf uns, die Spätgeborenen. Hat Juda das Recht, die Waffen, die ihm Gott gesegnet, dem römischen Senate feil zu bieten? Braucht Juda, der sich höherer Freundschaft rühmen durfte, um Romas' nichtssagendes Bürgerrecht sklavisch sich zu bewerben? Hat Rom denn Unterstützung ihm gesandt, ja hat es ihm den Sieg gegönnt, daß Juda sich ihm verpflichtet glaubt? Darf der Sieger von Emmaus und Bethzur, der Held vom Nikanortage nicht auch gottvertrauend in die Zukunft schauen, braucht er Fleisch und Blut zum Arm der Macht zu wählen, an dem Gottes Allmacht in untrüglicher Weise sich erprobt? O, tief gräbt da der Genius der jüdischen Geschichte auf den Gedenkstein der Makkabäer ein in nimmer verwitternden Zügen: Gesegnet wer auf Gott vertraut, Verloren wer auf Menschen baut. Das war der Erfolg des Kampfes. Erlehrte gerade in seinem Ausgang die Welt, daß die Stärke nicht in Menschenmacht besteht, daß Menschenhochmut vor Gottes Allmachtsstärke in Ohnmacht zusammen bricht, daß auch der Hasmonäer „Arm und Mut entbehrlich, wenn er nicht Priester sein will, sondern König." So legt denn auch der Dichter dem Juda die Worte in den Mund : „Er braucht den Starken nichter haucht die (Schwäche Mit seinem Odem an und sie wird Sieger - Es überhebe keiner sich vor Gott." Wie! der Heitere und seine Zeit. (Fortsetzung.) Die Mischna berichtet von einem Menachem, der unter Hillel Ab-Beth-din war, und, wie. der Talmud ausführt, mit einem großen, mächtigen Anhang das Lehrhaus verließ und die politische Laufbahn einschlug oder, nach einet EÄlärung, vom überlieferten Judentum abfiel. Nach Menachems Austritt wurde, wie Halevy schreibt, die Würde des Ab-Beth-din dem großen Akabia ben Mahalalel angetragen. Doch dieser lehnte, wie es in der Mischna heißt, die Ehrung ab, weil er in vier Halachoth seine Tradition, die von der allgemeinen abwich, nicht aufgeben wollte. „Lieber soll man mich mein ganzes Leben lang einen Narren nennen," sprach er in seiner Charakterstärke, „als daß ich auch nur einen Augenblick ein Bösewicht vor Gott bin. Man soll nicht sagen, daß ich einer Würde wegen meine Tradition aufgegeben habe!" — Schamai wurde Ab-Beth-din und dies jvar schon ein großer Schritt, die alte. Einheit der Methibta (des großen Lehrhauses) und die Zusammenfaffung aller geistigen Kräfte herbeizuführen. Das Bestreben beider Lehrhäuser war, in gemeinsamen Tagungen die gewaltige Aufgabe der Sichtung der Tradition und Feststellung der Halachah zu lösen. Einen solchen Zusammenschluß der beiden Lehrhäuser zeigen uns^ die Beschlußfassungen über die „achtzehn Dinge" in der Oberhalle des verdienstvollen Chananja ben Chiskia ben, Gorion. Es handelt sich dabei, wie Halevy in einer lichtvollen Ausführung zeigte, zum großen Teil um eine neue Bekräftigung und Erweiterung längst bestehender Thekanot, und zwar beziehen sich diese Verhandlungen auf verschiedene Vorlagen von je achtzehn Dingen, die teils ohne Diskussion einstimmig beschlossen, teils nach der Majorität, die Beth Schamai bildete, entschieden wurden, teils ohne endgültige Entscheidung blieben. Nach Schamai's Tod erfahren wir von keinem Nachfolger als Haupt seines Lehrhauses, vielmehr finden wir, daß sich seine Schüler der Schule Hillels anschlossen. Hillel überlebte Herodes um nahezu ein Jahrzehnt und ungefähr in sein letztes Lebensjahr fällt die Absetzung des Archelaos durch Augustus. So war der Weg geebnet, der zu der früheren, segensreichen Machtentfaltung des Sanhedrin führte, wie sie als letzte Glanzperiode vor der Tempelzerstörnng das Zeitalter Rabbon Gamliels, des Aelteren, auszeichnete. Die letzten Entscheidungen in den Divergenzen zwischen Beth Schamai und Beth Hillel wurden aber erst in Jahre herbeigeführt, wo nach mehr als dreijährigen Erörterungen endgültig die Halacha gemäß der Tradition der Schule Hillels festgesetzt wurde. machen, daß ich fortkomme. Ueberlegen Sie sich die Sache und gehen Sie mal mit. Sie werden sich schon amüsieren. Adieu! Adieu!" Dinas Vorschlag ging Rosa sehr durch den Kopf. Es muß doch fein sein, mal mit solchen Herrn auszugehen, schließlich tun die doch einem nichts Böses. Herr Goldschmidt ist doch so ein feiner, fwmmer Herr, sonst würde er doch nicht zu Frau Rechtsanwalt kommen. Und daß das Fräulein auch abends von Herren nach Hause begleitet wird, ohne daß Frau Rechtsanwalt etwas dabei findet, ist auch wahr. „Na, ich will doch gern mal so einen Vortrag hören, ich brauche ja nicht weiter mit den Herren zu gehen," war oer Schluß von Rosas Bedenken. Frau Rechtsanwalt hatte nichts dagegen, daß das Mädchen mit ihrer Freundin zu dem Vortrage in den als solid bekannten Verein ging. Wie verabredet, trafen die Mädchen die beiden Herren dort, sie saßen an einem Tische zusammen und unterhielten sich während der Pausen. Es ging so anständig und ruhig dabei her, daß Rosa bald vergaß, daß sie erst Skrupel deswegen hatte. Änd wenn Herr Goldschmidt sie öfters versicherte, daß sie ein hübsches Mädchen sei, war ihr das auch nicht gerade unangenehm. Nach dem Vortrage begleiteten die Herren die Mädchen wieder nach Hause. Es war herrliches Wetter, und sie zogen Deswegen vor, einen Umweg durch die Promenade zu machen. Es kam Rosa jetzt ganz natürlich vor, daß sie beim Fortgehen verabredeten, wann sie sich wieder treffen wollten. „Also Donnerstagabend,wenn Sie vom Bäcker kommen," flüsterte Herr Goldschmidt Rosa zu. Diesmal bedurfte es nicht eines Verbotes von Dina, daß die Hausfrau nichts von der Begleitung erfahren durfte. „Ich weiß garnicht, was mit dem Mädchen ist", sagte Frau Rechtsanwalt kopfschüttelnd zu ihrer Tochter, „sie ist so zerstreut, als ob sie an ganz anderes dächte, als an ihre Arbeit." „Ach Mama, schließlich wird ihr das ewige Einerlei mal langweilig, so ein junges Mädchen will auch mal Abwechslung haben." „Ja, ja, heutzutage. In meiner Jugend bekam ein Mädchen, überhaupt nur Urlaub zum Nachhausefahren, sonst saß man abends zusammen und putzte Gemüse oder strickte," seufzte Frau Rechtsanwalt. Die Tochter lachte. „Sag mal, Mama, bist Du als junges Mädchen so oft ausgegangen wie ich? Und doch bist du es gerade, die mich immer wieder veranlaßt ins Theater oder zu einem Bortrage zu gehen!" „Na ja, Kind, du mußt doch auch mal etwas anderes haben. Ihr lernt eben auch viel mehr als wir." „Schließlich hätte ich doch Abwechslung auch durch den Verkehr im Hause. Aber so ein Dienstmädel hat doch eigentlich nichts, wenigstens so ein jüdisches. Auf den Ball wie die nichtjüdischen läßt man sie doch nicht gehen . . „Gott soll hüten," rief Frau Rechtsanwalt Walt erschrocken aus, „ich soll zugeben, daß ein jüdisches Mädchen aus anständigem, ftommem Hause da mit jedem ftemden Menschen tanzt, da verdiente ich Prügel von ihrer Mutter, die sie mir anvertraut!" „Gewiß hast du recht, Mama. Aber das Mädchen hört von den andern genug von all diesen Herrlichkeiten erzählen, da mag sie schon Lust bekommen." ' « " - „Da hast du vielleicht recht. Weißt, du was, ich will ihr mal wieder ein Billet fürs Theater oder Konzert schenken." Rosa war sehr erfreut über das Angebot, sie bat sich den Besuch eines Volkskonzertes aus, in dem es dramatische Vorträge gab. Natürlich benachrichtigte sie auch Herrn Goldschmidt davon, den sie inzwischen abends öfters W«M. Dina lehtte sie rasch genug, wie sie abMMBrlaub bekommen konnte zu „Besorgungen". Frau Rechtsanwalt blieb arglos, Rosa war ja pünktlich um IO Uhr wieder zu Hause. Eines abends' brachte Herr Goldschmidt einen Freund mit zu dem verabredeten Stelldichein. Wie erschrak Rosa, als sie in dem Herrn einen Bekannten aus der Heimat erkannte, mit dem sie als Kind oft und gern gespielt hatte. Auch der Fremde war nicht wenig überrascht, in dem „chiken, amüsanten Mädel," von dem Goldschmidt gesprochen hatte, eine Jugendgenossin zu sehen. Es wollte keine Unterhaltung aufkommen, sie waren beide zu befangen, um Herrn Goldschmidt- Witzen den rechten Sinn abzugewinnen.

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