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Der Israelit · 1907-11-28 · Heft 48 (28.11.1907) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 48 (28.11.1907)
Date
1907-11-28
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Msnals-Veilsae zun „Israelit Terantwortliebe Redaktion* Rabbinef Dl** B. Wolf In Köln Unsere Zukunft. Unsere Weisen wissen zu erzählen: Als Alexander der Große seinen Eroberungszug nach dem Morgenlande unternommen, habe er den jüdischen Feinden die Erlaubnis gegeben, das jüdische Heiligtum zu zerstören. Schimon Hazzaddik — so berichten unsere Weisen — war damals Hohepriester. In sicherer Voraussetzung, daß Alexander dem ruchlosen Plan heimtückischer Verleumder die Bestätigung versagt hätte, wenn er Wesen und Bedeutung des jüdischen Gesetzes und seiner Berehrungsstätte auch nur hätte ahnen können, wählte Schimon Hazzaddik aus den Vornehmsten des Volkes die Eoelsten und trat mit ihnen die Reise zum Standquartier des mächtigen Länderbeherrschers an. Schimon war mit dem Priestergewand bekleidet und alle Begleiter hielten Feuerfackeln in den Händen. So durchmaßen sie das Dunkel der Nacht. Da, als der Sonnenstrahl am frühen Morgen sich zur Erde senkte, standen sie Alexander gegenüber. In glänzender Rüstung, hoch zu Roß, von seinen Reisigen und Mannen, Ministern und Räten umgeben, erblickte Alexander die nahende Gesandtschaft der ehrwürdigen Greise. Und als er hörte, daß es eine jüdische Abordnung wäre, an deren Spitze er die durchgeistigte Gestalt einer ehrfurchtgebielenden Erscheinung gewahrte, stieg er vom Rosse ab und in Verehrung neigte er sich vor dem jüdischen Hohepriester. — Wenn wir nach den Momenten fragen, die es unserem Volke möglich machten, bei aller Verfolgung und Zurücksetzung, bei aller Schmähung und Verkennung sich nicht nur Leben, sondern Lebensheiterkeit zu bewahren, dann werden wir bei Beantwortung dieser Frage solcher Berichte, wie des angeführten, nicht vergessen dürfen. Wir werden uns daran erinnern müssen, daß die Mpsssiaaasaeseass 4f * 11 i 110 «. Das NMchen von Lande. (Fortsetzung.) Als sie in der Nähe des Hauses angelangt waren, verabschiedeten sich die Herren. „Auf recht baldiges Wiedersehen, meine Damen." „Was wird die Frau Rechtsanwalt sagen, daß Herr G so freundlich zu mir war" meinte Rosa. „Sie werden doch das Ihrer Frau nicht erzählen?" sagte Dina erschrocken. „Warum denn nicht?" sagte Rosa verwundert. „Die gönnt Ihnen das nicht. Das paßt nur für feine Kräuleins, sich von feinen Herren begleiten zu lassen: für unsereinen schickt sich das nicht" antwortete Dina giftig. „Die Frau Rechtsanwalt würde Ihnen verbieten, je wieder mit den Herren zu gehen." „Na, also sage ich lieber nichts", sagte Rosa. Es waren nur wenige Tage verflossen, als Dina mit geheimnisvoller Miene zu Rosa trat, die allein in der $gg§e Jar. „Ich soll Sie grüßen" Rosy MM. Stammväter Abraham und Jizchok einen Philisterkönig Abimelech bei sich empfingen, daß Jakob mit Esaus Genius gerungen. Moscheh rechtete mit Pharao/ und so der Beispiele viele in der Geschichte bis hin zu dem bedeutsamen Augenblick, in dem beim Sturz des zweiten Tempels Bespasian, der stolze Sieger, dern Prinzip des Rabbi Jochanan ben Sakkai, des Retters des Judentums, seinen Schutz zusagte. Liebevoller kann die göttliche Gnade ein Volk nicht begleiten auf seinen Irrfahrten, auf den Wegen des Geschickes, als wenn sie ihm, noch bevor es, die Heimat verlassend, hinausfährt auf die hohe See, deutlich in der Ferne den Leuchtturm zeigt, der, an der Landungsstätte sich erhebend, einen sicheren Hafen der Ruhe verheißt und den hellen Schein seines Lichtes erheiternd und aufmunternd den mit den Unten Kämpfenden entgegenwirft. So dürfte wohl auch die Begegnung Schimons mit Alexander ein Ereignis sein, welches am Beginne eines erbitterten Kampfes zweier Kulturelemente der Menschheit die Beteiligten den Ausgang vorausschauen ließ: Die Anerkennung des Judentums durch die Nationen. Seitdem hat sich die Kulturwelt gebeugt vor dem jüdischen Wort, sitzt die lernende Menschheit, um Herz und Geist zu bilden, zu Füßen der jüdischen Bibel, und zur Einheitsidee des vom Judentum gelehrten einzigen Gottes strebt der Forschergeist der Erkenntnis. Unendlich viel hat die Gesellschaft von dem Sittengesetz der Bibel sich angeeignet und für den Weg der Humanität hat das Judentum die Wege geebnet, . die Herzen erschlossen. Soviel der Gegensätze auch noch bestehen zwischen dem Judentum und den übrigen Kulturelementen : Das Verständnis für „die Institution des Lebens", die wir Judentum nennen, dämmert doch auf in den besten Köpfen der Nationen. Für die Grundsätze seines Rechtes und die For- „Jch kann's nicht raten.' Dabei wurde ihr Gesicht immer röter. „Bon einem feinen Herrn." Rosa machte noch immer ein erstauntes Gesicht. ,Na^, Mädel, stellen Sie sich doch nicht so, Sie wissen ganz genau, daß ich Herrn Goldschmidt meine. Er fragte, ob er Sie nicht auch mal sprechen kann?" „Mich? Wie denn? Wo haben Sie ihn denn getroffen?" „Auf der Straße/ er ging mit dem anderen Herrn. Wir wollen nächste Woche abends zusammen ausgehen, haben wir verabredet." „Erlaubt denn das Ihre Frau, Dina." „Ach, die frage ich danach!!! Da werde ich mich schön hüten! Na, da ist im Bürgerverein ein Bortrag, da war ich schon mal drin mit meiner.Freundin/ es war fein, mit lauter Lichtbildern, da ist nächste Woche wieder einer, das erlaubt die Frau sicher, daß ich hingehe. Unnachher gehe ich mit dem Herrn noch aus. Herr Goldschmidt sagt, sie sollen mitkommen. Ihre Frau erlaubt, sicher auch, daß Sie. mit mir in den Verein gehen." Rosa, zögerte. Die Sache kam ihr nicht richtig vor. Da sollte sie Hinter, dem Rücken der Hausfrau fremde Herren treffen. wache«, Me doch keinen Unsinn. Rosa", derungrn seiner Sozialgesetzgebung wird das . geweckt. Die Notwendigkeit und der Zwang der sich gestaltenden Verhältnisse führen die nach Labung Lechzenden zu den Quellen des Menschenheils im Judentum. Würde man nur den Suchenden aus der Judenheit heraus mehr entgegenkommen und den mühsamen Fund ihnen halbwegs entgegenbringen. Würde man nur in der Heiligung fortschreitend zur Höhe streben und jeden Tag nur als gewonnen betrachten, der Vertiefung in den Geist und Verinnerlichung der Sitte der Thora uns brachte. Gar bald würde aus unseren Häusern das Licht erstrahlen, das der Welt offen und frei bekundet, daß Gott fn Israels Mitte wohnt und doch nur von Zion aus der Menschheit Lehre geht und das Gotteswort von Jerusalem. SescdlcdMcdes zn ßftannkaft. Man überträgt gern Begriffe, die anderswo gang und gäbe sind, auf das Judentum, ohne in Wirklichkeit die Sache damit zu treffen. ES ist das ein Ueberbleibsel des hellenischen Geistes. Man scheut sich, die erhabenen Begriffe des Judentums zu nennen, aus Furcht, man würde verlacht, weil jüdische Gedanken unter dem Bann der Unwiffenschaftlichkeit schmachten, und wer könnte die „Schmach" ertragen, von Zeitgenossen als „unwissenschaftlich" bei Seite geschoben zu werden! Ob das Judentum dabei verlacht, ob die realistische Anschauung dabei die ideale verdrängt, ob die Gottesidee dabei verkümmert, das Gottesbewußtsein völlig verloren geht, was kümmert das den „Wissenschaftler"? An der Hand stattstischer, nationalökonomischer, hygienischer und ähnlicher Materialien will man dem Judentum seine Zukunft berechnen und „Vergangenheit" erklären und glaubt, der ewig lebende wahrhaftig wahr, den ganzen Tag soll man sich schinden, und das bißchen Vergnügen gönnen sie einem nicht. Da soll man jeden Abend in der Küche sitzen und wenn man todmüde ist, noch seine Sachen flicken. Na! ich hab's satt und will auch mal ausgehen und mich amüsieren. Meinen Sie, Ihr Fräulein geht nie mit fremden Herren? Wie sie neulich auf dem Ball war, hat sie auch ein Herr nach Hause gebracht, und die Mama war nicht dabei!" „Was Sie nur immer reden, Dina. Das Fräulein kann doch nachts nicht allein nach Hause gehen, das ist doch w^s anders." „Was ist denn das anders", sagte Dina energisch, „lassen sie uns abends vielleicht nicht allein gehen, wenn wir spät am Donnerstag abend Kuchen oder Berches zum Bäcker bringen? Oder, denken Sie mal, vorige Woche mußte ich doch abends um 11 allein hingehen, um unsere beiden Fräuleins aus der. Gesellschaft abzuholen. ®<t lief ein Kerl hinter mir her/ na, ich Htzbe mich halbtot gefürchtet." „Na, das will die Frau Rechtsanwalt auch nichts Wenn unser Fräulein abends ausgeht, darm verabredet sie sich mit anderen, wegen- Nachhausekommens/ die Frau Rechtsanwätt sagt, die Rosa kann ebensoleicht jemand erschrecke«

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