Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 47 (21.11.1907)
- Date
- 1907-11-21
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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euilleton Erzählung von Nriedrich Statt. li (Fortsetzung.) Als er in ihr Zimmer trat, eilte sie ihm mtgeptt und warf sich laut schluchzend an sene! Mm Gotteswillen, Malwi, warum weinst fe«^ Was ist voraefallen?" „Mchts, nichts^" schluchte sie. «Aber weißt -V jeS denn nicht? Hat d^r SanitmSrat es dir „Was der Sanitätsrat mir gesagt hat, erfüllt «ich Mt glückseliger Hoffnung s und ich begreife Acht, daß du dich darüber nicht auch glücklich Dhlst." „Aber ich fühle mich ja glücklich," schluchzte sie, sich noch fester an chn schmiegend, „wenn ich's ich nur erleben werde —" „Ach, sprich doch keinen Unsinn"" „Aber das ist .kein Unsinn, hat er's dir denn nicht gesagt, der^lhafte Mensch? — Er erlaubt mir jetzt nicht zu reisen, hier soll ich bleiben, -iS alles vorüber ist — das werde ich doch Dicht auShalten, darüber werde ich zu Grunde tzchkn^ — - - „Ich bitte dich, Malwi, sei^vernünftig. Komm', lgß uns jetzt hinüber gehen zu meinem Vater." ,-Z» Papa? — ach, da ist es jetzt immer so langweilig." -Medenke, Malwi, der Papa ist doch jetzt immer Mein —" ,Lch hin doch auch den ganzen Tag allein, toer hat Mitleides mit mir?" „Fängst du schon wieder an, du. närrisches „Nun ja, ich bin ein närrisches Kind. Aber mit Kindern muß man Nachsicht haben, weißt fen ba$ nicht?" „Habe ich denn keine Nachsicht mit dir?" „Nicht genügend. Den ganzen Tag bist du Än GeschHt und wenn du dann abends nach Sntfe kommst und es eben ansängt gemütlich ' werden, dann willst du gleich wieder fort stnd mich willst du auch mitschleppen." ,Menn du nicht mit willst, bleibe zu Hause vnd ich gehe allein auf eine Viertelstunde hinüber, ich habe Papa durch meinen Besuch bei dein Sanitätsrat heute noch nicht gesehen, es wäre unverantwortlich, wenn ich einen Tag vorüber gehen lassen würde, ohne mich von dem Wohlsein meines Vaters überzeugt zu habend" '' Sie machte eine schelmisch schmollende Miene. „Nach mir hast du gar keine Sehnsucht, mich hast fett gar nicht lieb." - Er blieb ernst, erwiderte nichts. „Du tust mir unrecht", fuhr sie einlenkend svrt „Du betrachtest.es als Herzlos, daß ich nicht gern hinübergehe —- das Gegenteil ist der Fall — die Räume drüben erscheinen mir jettz so leer, so öde — überall fehlt mir die Mama, wie eine Türe drüben aufgeht, glaube ich immer, die teure Dahingeschiedene tritt ins Zimmer ~H das regt mich aus, das übermannt mich. — M ist Unsinn, das weiß ich, aber ich kann nichH! dafür. Vielleicht ist das, was der Sanitätsrat konstatiert, mit dar^n schuld. "Er schlang den Arm um sie und zogsie an sich. „Verzeiht ich tat dir Unrecht. — Aber hinübergehen muß ich doch, wennauch nur auf eine Viertelstunde." „Freilich mußt du binübergehen, mußt doch auch Papa von dem Glück erzählen, das uns bevorsteht. — Weißt du was? bringe Papa herüber, sage ihm, ich lasse ihn bitten, bei uns das Abendbrot» einzunehmen und dann trinken wir ein Glas. Sekt auf die Erfüllung unserer Hoffnung." „Das» ist eine gescheidte Idee! Bist doch mein liebes gescheidtes Frauchen. Aber jetzt muß ich hinüber." Er griff nach seinem Hut und eilte fort. Sein Vater hatte ihn schon mit Ungeduld erwartet, es war noch nie vorgekommen, daß er den Sohn während des ganzen Tages nicht gesehen hatte. Mit den Händen auf dem Rücken übereinander gekreuzt, wandelte er hin und her in dem schönen geräumigen Wohnzimmer, in dem er so viele Kahre sich so glücklich gefühlt. Aber Malwine hatte nicht Unrecht, die schönen Räume, obgleich hell erleuchtet, gewährten keineswegs einen freundlichen Anblick, wenn man feen einsamen Mann, der in den lebten Monaten um Jahrzehnte gealtert schien, darin umher wandern sah. Theodor klopfte leicht an die Tür und öffnete sie gleichzeitig. „Guten Abend, lieber Vater, wie geht es dir?" ,Westen Dank, lieber Junge und gleichfalls guten Abchtd! — Wie geht es denn bei euch? ich war schon besorgt, weil ich dich heute noch nicht gesehen habe." „Das hatte seinen guten Grund", erwiderte Theodor, bedeutungsvoll lächelnd, „ich war bei dem Sanitätsrat." „Bei dem Sanitätsrat? — weshalb? — Malwine ist doch nicht unwohl?" „Unwohl ist sie nicht, aber sie ist-in jüngster Zeit häufig sehr verstimmt, heute habe ich absolut nicht mit ihr auskommen könnest —" „Nun, was hat der Sanitätsrat gesagt?" „Er hat sie besucht und versichert, daß alles in bester Ordnung ist, und daß ivir ün Laufe des kommenden Winters ein freudiges Ereignis zu gewärtigen, haben." - Gotthold ergriff die Hand seines Sohnes und drückte sie herzlich. „Gott segne Dich, mein Sohn —" f ^Aber, liebes Kind, du mußt deine freie it jetzt vollständig deiner Frau widmen, darfst nicht immer an mich denken, ich werde schon allein fertig werden." „Aber daß du ganz allein bist — den ganzen Abend allein — das ist mir ein unerträglicher Gedanke. — Komme zu uns hinüber, Papa. Malwine läßt ausdrücklich darum bitten, du mögtest bei uns das Abendbrot einnehmen und dann mit uns anstoßen auf die Erfüllung unserer Hoffnung." „Das will ich gern tun", entgegnete Gotthold lächelnd, „für heute nehme ich eure freundliche Einladung mit Dank an, aber für immer —" „Immer mußt du den Abend bei uns verbringen, Papa, ich bitte dich!" „Laß' mich ausreden, Kind, ich weiß nicht, ob es dir bekannt ist, aber die Mama war die Tochter eines sehr bedeutenden Talmudgelehrten und auf Wunsch desselben habe ich in den ersten Jahren unserer Ehe allabendlich einen Talmudgelehrten kommen lassen und bei ihm mindestens eine Stunde Talmud studiert, aber es sind sehr häufig zwei Stunden daraus geworden, denn es ist das ein überaus' interessantes Studium. Wir haben immer drinnen in meinem Zimmer gelerntdie Verbindungstür zum Wohnzimmer war gewöhnlich offen und sehr häufig HM feie Mama hier zugehört. Als nach ewigen .Iahten der betreffende.GeWrte gestochen M habe 2ch längere Zeit nach Ersatz für ihn gesuchtals (Fortse wir empfehlen [der Hufmerftfamheif unterer EejerdieLöer heutigen »Nummer beiliegende Beftellharte [und weilen darauf hin, daß W dort ner?eichnefen, hei uns erftfiiehenen Bücher lick Dorfrefflich ju Chanuhagefdfenhen eignen. Verlag des Israelit, 6. m b fl. . Eranhfurt a. IN., flanfahaus. Für ben fftef lameteil ist bie Redaktion nicht verantwortlich: insbesondere ist es «mSschliestlich dache be» Leser, die im Reklameteil entfaltenen Empfehumj ritueller 0»aren ober sonstige Angaben religi lichen Ehorakters auf ihre Znverlüffigkeit z« □ 4 Landeshüter t Leinen- und Gebild-Weberei j F.V. Qrünfeld Königl., Qrossberzogl. u. Fürstlicher Hoflieferant B«H|o W-, Ulpzlgerstnsas 21-1 {rosste AaswaU aller Wflscbeartikel - für die Hausbedarf. 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