Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 47 (21.11.1907)
- Date
- 1907-11-21
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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so rasch solchen gefunden, ist die lich in Vergessenheit geraten, ich wenmstens habe nicht Mehr daran gedacht und die Maina hatte nie davon gesprochen bis an dem letzten Abend ihres Lebens. Es ist merkwürdig, wie He sich da Mt einem Mal daran erinnert hat, hat sie es vielleicht geahnt, daß ich sehr bald allein sein würde? — Mit einem Mal fragt sie mich, ob ich mich noch daran erinnere, wie der Reb Jecheskel Altschul — so hieß der betreffende Gelehrte — alle Abend zu mir gekommen und mit welchem Eifer ich da immer den Talmud studiert, wie sie das gefreut habe und wie es sie freuen würde, wenn ich wiederum allabendlich einen Talmudgelehrten kommen lassen und mit ihm lernen würde. Darauf habe ich ihr versprochen, mir von dem hiesigen Rabbiner einen geeigneten Gelehrten empfehlen zu lassen und wie damals jeden Abend zu lernen." „Wenn es dir recht ist, lieber Vater, werde ich morgen den Rabbiner besuchen und ihn bitten, dir einen Talmudgelehrten empfehlen zu wollen, den ich dann sofort aussuchen und, womöglich, veranlassen werde, morgen Abend zu dir zu kommen, damit du mit ihm das Erforderliche vereinbarst." . „Tue das, liebes Kind, ich werde mich dir .dafür verpflichtet fühlen." .„Wenn irgend möglich, werde ich morgen früh, bevor ich ins Geschäft gehe," die Sache ins Reme zu bringen suchen, sonst gehe ich mittags zum Rabbiner. — Aber wenn ich dich jetzt bitte« dürfte, lieber Papa — hier ist dein Hut. Malwine könnte sonst ungeduldig werden und dann ist sie zuweilen nicht sehr liebenswürdig." Als sie auf die Straße traten, Minkte ihnen die junge Frau schon vom Balkon zu und als Theodor die Tür des Speisezimmers öffnete, flog sie ihrem geliebten Papa entgegen und bot ihm die Stirne zum Kusse und erbat sich seine Glückwünsche zu dem bevorstehenden glücklichen Ereignisse. Sie konnte sehr liebenswürdig sein, wenn sie wollte, und heute wollte sie es sein, denn sie wußte nicht, daß ihr Schwiegervater bereits ihren Wunsch erfüllt und ihren Gatten aufgejordert hakte. Me - seine Mußestunden ihr zu widmen. Darauf aber legte sie den höchsten Wert, denn, wenn sie ihn zuweilen auch sehr quälen konnte, sie liebte ihn doch noch über alles und Vergnügungen ohne ihn machten ihr wenig Freude. Als Theodor nach elf seinen Vater hinüber begteitete, sagte er: „Also morgen gehe ich zu dem Rabbiner, und auf wann soll ich den Gelehrten, den er eventuell empfehlen wird, zu dir bitten?" „Am besten auf Wends zwischen Acht und Neun. Ich werde es dir Dank wissen wenn du die Angelegenheit rasch in Ordnung bringst. Es ist nicht nur, daß ich dadurch, den letzten Wunsch der teuren Dahingeschiedenen erfülle, ich glaube, das Talmudstudium an und für sich wird mir wohltun. Man wird dadurch wider Willen ins Leben gerissen, in die verschiedensten Verhältnisse, wird dadurch zu> ernstem folgerichtigem Nachdenken gezwungen, das alles Grübeln und Träumen ausschließt." Sein Sohn blickte ihn erstaunt an. „Das hätte ich nicht gedacht, ich habe immer geglaubt, der Talmud wäre ein Buch voll Schwärmerei und Aberglauben." Gotthold schüttelte den Kopf. „Wer Schwärmerei und Aberglauben in dem Talmud gefunden haben will,-der hat nach meiner Ueberzeugung die betreffenden Stellen nicht verstanden. Ich freue mich darauf, das Studium wieder zu beginnen." ' „Ich werde dafür sorgen, daß morgen Abend ein Talmudgelehrter bei dir ist, verlasse dich darauf. Gute Nacht, lieber Vater!" Es war in der Tat merkwürdig und aller Welt fiel es auf, seit Gotthold seine Abende dem Talmudstudium widmete, war er wieder ein anderer Mensch geworden, hatte sich dem LebM wieder zugewandt und interessierte fich wieder für Alles. Schon nach wenigen Tagen, schon am ersten Freitag, den er bei seinen Kindern verbrachte, war seine Schwiegertochter durch die Veränderung geradezu überrascht. „Du, Theo, wenn das, was du behaupr*r test, Folge des Talmichstudiums ist, dann möchte ich, daß mein Papa sich auch damit blaffe." Theodor lachte laut auf, sich seinen Schwiegervater beim Talmudstudium vorzustellen, dazu gehörte in der Tat eine kolossale Phantasie.. Schröder war ein entschiedener Feind alles Jüdischen,' überhaupt alles Religiösen, sonst wäre 'tv vielleicht zu einer anderen Konfession übergetreten, aber er war ein Materialist vom Scheitel bis zur Sohle. „Warum lachst du?" fragte Malwine in-ärgerlichem Ton, „glaubst du, mein Papa könnte nicht auch studieren, wenn er wollte?" „Gewiß könnte er's, warum nicht? — Kannst ihm ja Vorschlägen, Unterricht im Talmud zu nehmen." (Fortsetzung folgt.) Sabbat-Anfang u. Ausgang. OBT: Anfang Datnm Ausgang MrlMn 1907 8097 MrkMlu. S3.Nov.!7.Ki«eN». Arankfnrt n. M 4 10 ö 25 Berlin .... — — 4 51 IDUbulu » 4 20 5 10 Sttastbnrg . 4 3Ö 5 S5 Stuttgart. . . 4 80 5 16 Pok«, .... — — 4 87 Nüinberg . . — — 5 10 Hamburg. . . — — 6 10 Prag. “ — 4 55 5-mlwimachNÄt i. (Unteren Abonnenten steht diese Rubrik kostenlos zur Be» füguna. Nichtabonnenten haben für die Aufnahme jeder Noü» eine Gebühr von 1 ML, die gleichzeitig einrufende« rst.ru entrichten. 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