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Der Israelit · 1907-11-21 · Heft 47 (21.11.1907) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 47 (21.11.1907)
Date
1907-11-21
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Dichter geschaut hat,2 wobei er die Sprache des Dichters die Sprache 'des Kindes wird, überetzen müssen' Alles, was man aber sonst nach er Formalstusentheorle bei der unterrichtlichen Verwertung literarischer^ Stoffe für notwendig wie Vergleiche, Auffinden einer Lehre, Anu ng auf das Leben des Kindes, hat hier zu unterbleiben- Das Bibelwort selbst dringt im Schüler schon bis zu demjenigen Punkte des Seelenlebens hinab, wo es Wurzel schlagen und Denken, Fühlen und Wollen vonlinnen heraus bilden wird. Neben dieser religiös bildenden Wirkung verspreche ich mir von einem derartigen Unterricht doch etwas ganz Besonderes: eine tiefere und nachhaltigere Wertschätzung ^der Bibel. Man klagt gegenwärtig allgemein fdarüber und mit Recht, daß das Buch der Bücher bei vornehm und gering in keinem großen Ansehen mehr stehe, daß es wohl das am meisten verbreitete, aber auch das am wenigsten gelesene Buch sei. Aber ich frage: Was tut die Schule, um die Bibel den Kindern lieb und wert zu machen? Ganz abgesehen davon, daß wir den Bibeltext fast immer erst aus abgeleiteter Quelle schöpfen —: Bieten wir etwa den Schülern etwas anderes als Brocken? Muß nicht geradezu in den Schülern die Meinung entstehen, die Bibel sei ein Sammelsurium von Sprüchen Vorschriften usw., die man sich gedächkniSmaßig einzupragkn habe? Ja wahrlich : von dem „leisen Locken," womit uns das Bibelwort, fast ohne daß wir es merken, auf den rechten Weg leitet und darauf erhält, von der Sättigung, die es dem hungernden Gemüte gewährt von der Kraft, mit der es Misere ganze Persönlichkeit von Grund auf erneuert — lassen wir die Schüler so gut wie gär nichts gewahr werden. Wäre unser Unterricht ein wirklicher Religionsunterricht d. h. «in auf Gemütsbildung berechneter, dann würde er das Bibelwort mit seiner ganzen Fülle, mit seiner ganzen Seele, mit seinem aanzen Dufte und Schmelz in seinen Dienst stellen, d. h.: er würdedas Bibelwort ohne viele methodische Kunst, so wie es ist, auf das Gemüt der Schüler wirken lassen. Welchen Mißbrauch die biblischen Geschichts- und die syst. Religionslehrbücher mit den Bibelsprüchen treiben, ist gar nicht zu sagen: Anstatt den Spruch da stehen zu lassen, wo er steht, wo er schon für stch reden wird, ja wo er recht, verstanden werden kann, reißt man M aus seinem natürlichen Zusammenhang heraus, um ihn wie ein Schmuckstück einer biblischen Geschichte ans Gewand zu heften oder als Autoritätsbeweis irgend einem. Lehrsatz scheinbar stützend unterzuschiebey. Demgegenüber empfehle ich: 1. Jeder Bibelvers muß oa Verwendung finden, wo er im großen Ganzen seines Zusammenhängens vom Gemüt ergriffen werden kann. % Man lasse nur solche Bibelverse auswendig lernen, die stch nach ArE unser deutschen Sprichwörter wegen ihrer Kürze und scharfen Prägung dem Schüler förmlich ins" Gedächtnis hineinbohren. Das erste heißt bloß eine allgemein anerkannte methodische Forderung für den botanischen Unterricht auf . den biblisch-literarischen übertragen. Wie .jenes früher beliebte massenhafte Ausrupfen von Pflanzen nur Gemütlosigkeit gegen die Pflanzenwelt groß ziehen mußte, so trägt das rücksichtlose Herausreißen von Sprüchen nur dazu bei, Pietätlosigkeit gegen die Bibel zu mebren. Fortsetzung folgt. Mel« der jüdischen Lehrer in den Rabblnatsbczirkcp ,, Linden-Oldenburg- Breme«. Protokoll über die 33. Konferenz in Nordheimers Gasthof - ~ zu (Stuben am 25. August 1907.; ß * Eröffnet wurde die außerordentlich stark besuchte Konferenz durch drn Vorsitzenden Löwenstein-Jever, der als Motto seiner Begrüßung den Satz gewählt Hatte: d^jq oft# aVlD ODIN 'ND7N, den er dahin erläuterte, daß wir jetzt, da dir Zeit öeS Kampfe« hinter uns liege, unsere ganze Kraft zur Friedensarbett in Schule, Haus und Gemeinde einfchen müßten. Als Vorbild in diesem Streben stellt er unseren erhavmm Kaiser hin, der auch alle Kräfte sammele, um seinem Lande den Frieden zu erhalten und die Wohlfahrt zu sichern. Mt einem jubelnd aufgenommenen Kaiserhoch schloß er die tiefdurchdachte Ansprache. Darauf verliest der Borfitzende die inzwischen eingegangenen Begrüßungsschreiben, wovon öaS des Bunoesvorfitzendm Direttor Dr. Lange seines herzlichen Tones wegen besonders hervorgehoben zu werden verdient. Der Geschäftsbericht für das abgelaufene Jahr verbreitet fich über die Jubiläen der Bereinsmttglteder Levy-Norden und Abt-Emden und erörtert des weiterm die vom Bereinsvorstand an den Herrn Mnister gesandte Petition, in welcher um Besoldung des Boroeterdienstes und um Anrechnung der Dienstzeit an den jüdischen Religionsschulen gebeten wird. Zur Rechnungsablage wird bemerkt, daß die Jahresrechnung mit einem Kasienstand von 5,20 Mark schließt. Herr Landrabbtner Dr. Löb richtete, hierauf herzliche Begrüßungsworte an die Versammlung. Anknüpfend an die Ansprache des Vorsitzenden führte er aus, daß die Lehrer das Prophetenwort «oilN D^HSPiTI NOttN als Wahlspruch für ihre Amtsführung nehmen möchten, es müsse ihre Aufgabe sein, den Frieden zu erstrebender fich auf Wahrheit gründet. Es gebe aber nur eine Wahrheit und diese sei für uns unverrückbar in der min festgelegt. Einen Frieden auf dieser Grundlage aufzubauen und zu erhalten, sei des Schweißes der Edlen wert. Nunmehr erhält Kollege Klein-Norden das Wort zu seinem Bortrage: „Ein Jahr Religionsunterricht in meiner Ftlialgemeinbe". Im Anschluß an seinen Borttag vom vergangenen ' Jahre: Der Religionsunterricht in den Filialgemeinvcn," in welchem er diesen Gegenstand theoretisch behandelt hatte, führt nun der Referent in. der heutigen Konferenz einen auf Wochen verteilten Stoffverteilungsplan für ein Jahr vor, den er in der Praxis durchgearbeitet hat, und bei besten Jnnehaltung nach Bekundung des inspizierenden Schulinspektors selbst bei knapper Zeitbemeffung fich den Berhältniffen entsprechende günstige Resultate erzielen laflen. Da der Plan wahrscheinlich im Bereinsorgan veröffentlicht werden wirb, so erübrigt es fich, hier näher darauf einzugehen. In der stch anschließenden sehr lehaften Besprechung zeigte es fich, mit welchem Interesse die Bersammelten dem an uno für sich etwas ttockenen Stoffe gefolgt waren, und die DankeSworte des Borfitzenden für den Referenten fanden denn auch lebhaften Widerhall bei den Zuhörern. In der Debatte ttaten die verschiedensten Anfichten inbezug auf den Umfang der vorgetragenen Stoffe zutage. Einige Fächer sollten erweitert, andere gekürzt werden. Zum Schluß wurde der Anttag gestellt und angenommen: Den vorliegenden, nur etn Jahr umfassenden Stoffplan, nach den gegebenen Gesichtspunkten in großen Umriffen und mit hauptsächlicher Angabe deS Lehrzieles für alle Schuljahre weiter auszuarbetten und evt. später drucken zu lasten. In der nun folgenden, durch Strauß-Papenburg veranlaßten Besprechung über Gründung und Erhaltung jüdischer Volksschulen wurde manche falsche Anficht über das neue Schulunterhaltungsgesetz und dessen Wirkung auf die jüdischen Schulen berichtigt und seitens des Lanbrabviners, Herrn Dr. L3V, Mitteilung von dm Schritten gemacht, die die orthodoxe Freie Bereinigung in Frankfurt in dieser Sache getan habe. Kollege Wolf macht darauf aufmerksam, daß die Firmen M. Lehrverger unb S. Lehrberger u. Ko. aus Rödelheim Lehrbücher ihres Verlags für die heutige Versammlung emgefandt hättm, deren Bestchtigung er den Konfermztetlnehmern empfiehlt. Während des gemeinschaftlichen Mirragmahles erfreute uns Herr Landrabbtner Dr. Mannheimer-Oldenburg durch einen religiösen Borttag, der mit feinem Humor gewürzt, einm tiefernsten Hintergrund hatte und in dem er die scheinbarm Widersprüche in der laufmbm Sidroh (tfjjn D) mit Bezugnahme auf die gegenwärttqen religiösen Strömungen in den verschiedenen jüdischen Verbänden und Vereinen Deutschlands spielend löste. Den folgenden Punkt der Tagesordnung bildete die Lesebuchfrage, die durch dm Unterzeichnetm mit etwa folgenden Worten etngeleitet wurde: Bis Ostem 1908 müffm für unsere Schulen dec neuen Rechtschreibung wegen neue Lesebücher beschafft werdm. Zu diesem Zwecke müffm entweder die jetzigen umgearbeitet oder es muß ein anderes Lesmch ganz neu bearbeitet werben. Bis jetzt wurden in der ganzen Provinz Hannover die im Aufträge der beiden in der Provinz bestehmdm Lehrervereine von Levh — Reuß — Spanier bezw. Stern bearbeiteten Lesebücher benutzt. Auf der letzten Pfingst» Versammlung hatte nun der hmmoverfche Verein über die Lesebuchfrage verhandelt und Beschlüsse gefaßt, ohne unfern Verein, der 70 Prozent der zu bearbeitenden Lesebücher benutzen muß, davon in Kenntnis zu setzen. Offenbar sollte der diesseitige Verein in der ganzen Sache als qaantit« negligeabie betrachtet werdm. Angesichts dieser Sachlage wurde darum die Frage erörtert, ob es nicht zweckmäßig sei, mit bem Vorstände deS Ostfrtestschm LehrerveretnS in Verbindung zu treten, der gegenwärtig ebmfallS etn Lesebuch bearbeitet, das vor dem Hannoverschen noch den Borttil habm wird,daß es außergewöhnlich viel heimatlichen Stoff enthält,' außerdem werbe eS aber auch in einem Bande erscheinen und in dieser Form für einllassige Schulen bester zu verwerten sei«. ES müßten alSbann die konfessionell-christlich«. jüdischen Inhalts erietzt we^m. Dieser Weg' soll «der erst dank beschriften' werden, wenn fich keine Mittel und Wege finden ließen, mit dem Hannoverschen Vereine in dieser Sache zusammmzuarbeiten. In der Besprechung, an der fich fast alle Anwefmden beteiligten, macht Levh- Rordm die Mitteilung, daß er dm Verhandlungen in Hannover betgewohnt habe und vom dorttgen Verein in die Lesebuchkommiffton gewählt worben sei und gibt wettere Auskunft über dm gegenwärttgm Stand der Lesebuchftage. Bon verschiedmm Seiten wurde hervorgehoben, oaß unser Verein außerdem noch durch ein von uns selbst gewähltes Mitglied, das nicht gleichzeitig dem hannoverschen Verein angehört, in der Kommiffton verttetm sein müsseals ev. Kommtffionsmitglied wird darauf Selrg- Emden gewählt. Zum Schluß wird folgender Anttag eingebracht und angenommen: Auf Grund des Berichtts seitens des Herrn Hauptlehrers Levy über dm Stand der Lesebuchftage in der Provinz Hannover erteilt die Konferenz Herrn Levh den Auftrag, dem Verein jüdischer Lehrer in der Provinz Hannover mitzuteilen, oaß wir bereit find im Interesse der Förderung dieser wichttgm Frage gemeinsam mitzuarbettm, wenn der genannte Berein an dm Borstand unseres Vereins in dieser Sache heranttitt. Bei der nun folgenden Borstandswahl wird der bisherige Vorstand und Delegierte in dm Vorstand Les „Bundes g. j. Lehrer" durch Zuruf wiedergewählt. EP In dm freien Besprechungen macht Klein- Norden Mitteilung über die Schritte, die er betreffs Umarbeitung des ostfttefischm LieoerbuchS für jüdische Schulm getan hat. Demnach hat der Vorstand deS ostfriesischen Lehrervereins unter annehmvarm Bedingungen gestattet, daß die in dem genannten Liederbuche enthalte»«, christlich-konfessionellen Lieder durch solche jüdtfchm Inhalts ersetzt werdm dürfm, so daß wir Aussicht habm in nicht allzuferner Zeit etn eigenes für jüdische Schulm bearbeitetes Liederbuch zu erhaüm, das dm neuzeitttchen Ansprüchen gerecht wird. Damit war die reichhaltige Tagesordnung erschöpft. Mit einem Ueberblick über die heutigen Arbeiten schloß der zweite Borfitzende die Versammlung. Der Schriftführer: A. Gottschalk -EfenS. Eingesandt. ^Geprüfte und mrseprSfte Lehrer. Die'Redaktion deS „Israelit" stellt fich hei obiger e-rage auf den Standpunkt, daß e« bei dem auf dem ande herrschenden Lehrermangel bester sei, daß von sog. Kantoren und Schächttrn Religionsunterricht erteilt werde, als gar keiner. Die Voraussetzung, daß ein Mangel an Lehrern vorhanbm ist, Verübt auf Irrtum. Das Gegenteil ist richtig. Der beste Beweis ist wohl der, daß sich bei einer ausgeschriebenen guten Stelle zuweilm 50 Bewerber meldm. Daß die meisten Lehrer, bet einer Borbildung bis zum 20. Lebmjahre es oft dorziehen, lieber aus dem Leyrerstande auszuttetm, als eine Stelle anzunehmen, bei der sie ^ein Nachtwächtergehalt erhaltm, kann ihnen kein Mensch übelnehmen. Wenn solch ein geprüfter Lehrer von einem Schächter, der oft gar keine allgemeine Bildung besitzt, ersetzt wird so ist der Erfolg auch danach. Selbst wenn diese Schächter gute Juden find uno wenn fie auch eine Prüfung vor einem Rabbiner in hebräischen Fächern abgelegt habm, so schaden fie doch mehr als fie nützen. Ein Unterrichtserfolg ist nur da möglich, wo Lehrgeschick vorhanbm Ist. Das steht für jeden Schulmann fest, und Lehrgeschick kann, wo keine Vorbildung besteht, auch nicht möglich sein. Sie schaden aber dem Judentum auch indirett in anderer Weise. Es macht doch einm kläglichen Eindruck bet Nichtjuden, wenn solche Lehrer, die in Wirklichkeit. gelernte Schneider oder Uhrmacher find (solche amtierttn bis vor zwei Jahren in Oberheffm), bei BeerdiKmgm usw. öffmtlich sprechen und so zeigm, daß fie nicht einmal so viel Wissen besitzen, um sich deutsch auszudrücken. Wie kann den Kleingemeinden geholfen werdm? Wer die Einrichtung im Regierungs-Bezirk Kassel und anderen Beztrkm keimt, hat auch die Antwort auf die Frage. Die Lehrer der größeren Gemrindm «rtttlen auch den Unttrricht zweimal wöchmtltch in dm -ZUeingemeindm. Wenn die Gemeinden nicht mehr ganz leistungsfähig find, gebm die Borsteherämter Zuschüsse. Auf diese Weise ist dm Gemeinden unb. dm Lehrern geholfen. Die Kinder erhalten regelmäßigen Unterricht und der Lehrer kann auf der Stelle bleiben. Etn jährlicher Wechsel find« nicht statt. Wer also wünscht, baß ein guter Religionsunterricht erteilt wird, daß wir einen unabhängigem sozial gut gestellten Lehrerstand bekommen, der wird über die Frage geprüfte ober ungeprüfte Lehrer" nicht mehr im Unklaren fein. Ein Leser.

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