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Der Israelit · 1907-11-21 · Heft 47 (21.11.1907) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 47 (21.11.1907)
Date
1907-11-21
Page
– (sequence 10)
Language
German
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L ) und L»et> j3 aa«ia*» LD-a. ans der Schule an das Elternhaus. fte religiöse krrieiiung der Kinder im Borscfrufptlidiflaen Klier. Bon A. E (Fortsetzung) Aus unseren bisherigen Ausführungen ergibt sich die Wellung der Eltern in Bezug auf die ÄigiHe Erziehung von selbst: Der Vater wirkt WWgsweise durch das Beispiel, die Belehrung gtzht von der Mütter aus. Daß das Beispiel von Weittragendew Oiufiuß auf das jugendliche Herzkst,bedarf keines Beweises. Die Erfahrung lehrt ja, -aß die Kinder die Denk- Gesinnungsnnd Handlungsart, ja sogar die äußeren Manieren derjenigen erwachsenen Personen annehmen, unter denen sie leben. Es wirkt hier der Nachahmungstrieb, der bei dem Kinde besonders lebhaft ist. „Nachahmung, ist, was sich zuerst im Kinde regt, waS chm die schwache Hand, den zarten Mund bewegt." So ahmt es die Gebärden der Mutter beim Entzünden nach, bevor es noch sprechen kamr. Nun ist das ganze Leben des gesetzestreuen Juden ein fortgesetzter Gottesdienst und wenn zu der fast unbewußt wirkenden Nachahmung noch die Angewöhnung und die N eb ung hinzutritt, so ist für die religiöse Erziehung schon viel gewonnen. Was nun die Jugend täglich und stündlich vor sich sieht, was ryan ihr vorkebt und wozu sie zeitig angehalten wird, übt von selbst auf ihr Willensleben, auf ih« Neigungen und Gewohnheiten einen weittragenden Einfluß aus. Wie im Stundenglas der Sanduhr Körnchen um Körnchen fällt und so schließlich, ein Haufen entsteht, so verdichtet . sich auch durch die Bemühungen des Elternhauses die religiöse Uebuna zur religiösen Gesinnung, sobald durch die Schule der Sinn und die ttefere Bedeutung des Geübten klar wird. So besteht die Hauptaufgabe der Mutter darin, dafür zu sorgen, daß das Kind an dem religiösen Leben in der Familie mit Bewußtsein und UeVerlegung teilnimMt, daß es schon in seinem kleinen Kreise unter ihrer Aufsicht die Wktchten erfüllt, die später im selbständigen «wen seiner harren. Für den Lehrer ist es Me Sisyphusarbeit, wenn er über die BedeutMW von nVian und «mp usw. vor Schülern sprechen muß, die aus neologen Familien stammeneinen günstigen Boden für seine Belehrung wird er nur da finden, wo religiöse „Sachkenntnis" vorhanden ist, und diese kann das Kind nur im Gtternhaus durch die Anschauung erhalten. Als wichtigster Teil der fun m2CD aber sehen wir es an, daß das Kind jede religiöse Handlung mit freudigem Sinne erfüllt, ja daß es förmlich stolz darauf ist, an dem religiösen Leben teilnehmen zu dürfen. Was man liebt, vergißt und verwirft man nicht so leicht, und wenn der kleine Knirps beispielsweise den "i'tr mVyon mitsingen kann, so gewährt ihm das eine nicht geringe Freude und erfüllt ihn zugleich mit einem gewissen Stolz - für seine jüdische Gesinnnng aber ist es ein dauerhafter Gewinn. Wie das Kind dem Besucher stolz seine neuen Schuhe zeigt, so wird es auch sein neues gerne tragen, besonders wenn es aus farbigem Stoff verfertigt ist, denn das Kind liebt die Farben. Was für uns nur mxö mn ist, das bedeutet für es die Hauptsache,und wenn es sich an der Ausschmückung der roiD mit seinen schwachen Kräften beteiligen darf, so empfindet es schon das lebhafteste Vergnügen. In der ,*D1D aber sitzen zu dürfen, muß für den Knaben, geradeso wie das Tragen des ML23 ysiK eine Auszeichnung sein, auf die er stolz sein soll - dieses Gefühl seiner Wichtigkeit muß die Mutter in ihm wecken. Und noch ein anderes Gefühl, das für die religiöse Erziehung von Ausschlag gebender Bedeutung ist, muß sie zu erwecken und stets rege zu halten suchen: das der Gewissen Hastigkeit in der Ausübung übernommener Pflichten. Es kann auch in dem *pjn eine Verfrühung geben und es ist nicht ganz leicht zu bestimmen,- wann man den Kleinen eine religiöse Pflicht auferlegen darf} hat man aber damit begonnen, so halte man auch mit Konsequenz aus die Erfüllung derselben, damit die Jugend zur Ueberzeugung gelange, daß die Ausübung eines religiösen Gebots nicht von der Laune und dem Belieben des Einzelnen abhängig gemacht werden darf. Gesetzestreu fein, heißt ja nichts anderes als gewissenhaft auch im Kleinen seindazu das Kind zu erziehen, ist nicht leicht, aber es ist eine unerläßliche Aufgabe für die Eltern. Er bedarf keiner besonderen Hervorhebung, daß die Gewöhnung an die rein menschlichen Tugenden, wie Wohltätigkeit, Verträglichkeit, Bescheidenheit und dgl. mit demselben' Ernst betrieben werden muß wie die spezifisch jüdischen Pflichtenfür uns sind auch sie „religiöse Poftulate." Der Vater der Hohepriester des Hauses, die Mutter aber die Lehrerin, das gibt eine Bürgschaft, daß Israels Nachkommenschaft auch dann dem Gesetze treu bleibt, wenn jeds Leitung, jede Beeinflussung seitens des Elternhauses aufgeyört hat. Es gibt aber auch dem Lehrer die Gewähr, daß er mit Erfolg an das anknüpfen kann, was das Kind dort gesehen und gehört, geübt und gelernt hat. So spinnen sich die Fäden aus dem Elternhaus an die Schule und wieder zurück zum Gedeihen und zum Glück beiderzum Heile dessen, was Israels Zukunft ist : unsere Jugend. Inwieweit ist eine Umgestaltung des hebräischen Uedersetrnngsunterrichtes nach Stottanswahi. Stoffverteilung und methodischer Behandlung notwendig? (Vortrag, gehalten bei der 28. Gener.Versammlung des Israelit. Lehrervereins für das Königreich Bayern in Aschaffe..bürg, von Seminaroberlehrer Jakob Stoll in Würzburg.) (Fortsetzung.) Was wir für unfern Religionsunterricht brauchen, ist die Bibel! Sorgen wir also zu-- nächst dafür, daß durch Bibellesen in unseren Schulen die Bibel dem Volke. wiedergegeben werde, die ihm lange genug vorenthalten worden ist! Reformieren wir einmal ernstlich, indem wir die Surrogate in Form von Leitfäden der Religion aus der Schule verbannen und den Kindern die Bibel in die Hand geben. Nicht Bruchteile derselben, sondern die ganze Bibel! Nach Maßgabe der verfügbaren Zeit möge übersetzt werden, denn das hebräische Wort enthält einen viel tieferen und umfassenderen Sinn als die deutsche Uebersetzung. Was nicht übersetzt werden kann, möge in der deutschen Uebersetzung gelesen werden. Es gilt also, dem Bibellesen einen breiten Platz in der Schule einzuräumen. Dies kann sehr leicht geschehen, wenn man den systematischen Religionsunterricht, der ja mit seinen Dispositionen und Definitionen, mit seinem umständlichen logischenApparat vom Religionsunterricht weiter nichts als den Namen hat, gänzlich streicht. Und auch aus dem Grunde, daß der religionsgesetzliche Teil des Pentateuch eine eingehendere inhattliche Behandlung und Besprechung erfahren muß, um zu zeigen, wie unser ganzes reÜgiöses Pflichtenleben im Worte Gottes vorgezeichnet ist. Es ist dann nur dafür zu sorgen, daß durch entsprechende Stoffgruppierung die inhaltlich verwandten Gebiete des Pentateuch zu Konzentrationsgruppen zusammengeschlossen werden. Damit aber kommen die begründeten Forderungen der „Systematik" genügend zu ihrem Rechte. Für die Art und Weise solcher Stossgruppierungen werde ich am Schluffe meines Bortrages Beispiele aus der Praxis folgen lassen. Ueber die inhaltliche Behandlung der nichtreligionsgesetzlichen Stoffe ist im allgemeinen, nur zu bemerken, daß die Bibel das Beste dem Kirche selbst zu sagen hat. Aufgabe des Lehrers ist hiebei nur, da, wo die Sprache der Bibel poetisch gehalten ist, wie bei . den Psalmen, den ganzen reichen Stimmungsgehalt einer solchen Poesie in „die Seele des Kindes hinüberzuspielen", dH. durch rechte anschauliche Darbietung des Stoffes das Kind schauen zu lassen, was her

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