Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 47 (21.11.1907)
- Date
- 1907-11-21
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2446951-2449244-2449292--63958-2506527- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
neigung gegen die Zulassung von Fremden ins Land weiterverbreiten könnte. Die Versammlung beschloß daher, an die jüdische Gemeinde Londons einen Appell ergehen zu lassen, der die Notlage de- Vereins darlegt und zu ernsterer materieller Unterstützung auffordert. Angesehene Mitglieder de- Board find mit gutem Beispiel vorangegangen; unter ihnen ist vor allem Lord Swatthlrng zu nennen, der sofort mit der Summe von 20090 Mk subskribierte. Das Jews College — das ist die Bezeichnung der Londoner Rabbinerlehranstalt — hat einen neuen Leiter erhalten. An Stelle des emeritierten Dr. Michael Friedländer ist Dr. Adolf Büchler zum Direnor gewählt worden, ein Neffe des vor einiger Zeit verstorbenen bekannten Oxsorder Bibliothekars Adolf Neubauer. Er ist ein Schüler des Budapester und des Breslauer Rabbinerseminars und war Dozent am Wiener jüdisch-theologischen Institut und zuletzt am Jews College selbst. . Ein zwischen den jüdischen Groß- und Kleinschlächtern vor einiger Zeit ausgebrochener Streits der zu der unangenehmen einer Koscher-Fleischnot hätte führen len, ist durch , die Bemühungen des Board of Mcklicherweise beigelegt worden. In der lttzken Sitzung des Board wurden'Delegierte beider Parteien empfangen und es wird Sorge getrngen - werden, daß die beidersettLvorgebrachten Beschwerden auf gütlichem Wege ihre Erledigung findest. — Der mit der Leitung des rmr>$tup fichtswesens bisher betraute Beamte, Herr Ban Thal wünschte aus Gesundheitsrückfichten in den Ruhestand zu treten. Der Board sprach Herrn Ban . Thal, der im 68 Lebensjahr steht, seine Anerkennung für die Gewissenhaftigkeit aus, mit der derselbe sein schwieriges Amt verwaltet hat. Mit General Bo oth, dem Haupt der Heilsarmee, hat jüngst ein " Vertreter des Jewish Comment in Baltimore ein Interview gehabt, in dem der General sich auch über die nach England einwandernder Juden in bemerkenswerter Weise aussprach. Mein Eindruck von den Einwanderern, sagte er, ist, daß fie ebenso fleißig uttd arbeitswillig und ebenso achtbar find wie die Armen anderer Völker. Wenn man ihnen dazu Gelegenheit giebt, so werden fie ausgezeichnete Staatsbürger sein. Der Sekretär des Generals, Herr Nicol, sprach fich besonders lobend über die Nüchternheit der Immigranten aus. Er erkärte, der General sympathisiere mit den Bestrebungen der Territorialisten. Wenn die Juden, so habe der General gesagt, das von England gemachte Angebot betreffs Ostafrikas angenommen hätten, so würde es nach seiner Ansicht ihnen gelungen sein dort ein glückliches Stüütswesett unter Englands Oberhoheit zu begründen. Frankfnrt g. M., 16. November. In hem Inseratenteil der letzten Nummer befindet sich eine Anzeige der Ämdyn u. Paris Hxchange, Ltd., London, in der zum Ankauf einer vpn. dieser Firma heransgeg^eneU Broschüre über AUlage und Spekulation in Londpyer Wertpapieren aufgefordert wird. Wir haben in Mfichrung gebracht, daß eS sich hier Um eine jener Banffirzmen handelt, vor denen die ernsthaffi Finanzpreffe seit längerer Zeit mit aller Gckschjedenheck warnt. Infolgedessen haben wir selbstverständlich die weitere Aufnahme des Inserates verweigert und warne» auch unsererseits unsere Leser davor, sich in eine Verbindung mit der genannten Firma einzulassen. VreSlän, S. November. Der hiesigen Synagogenvemdinde sind große Grundstücke unter der Bezeichnung „Naak und Jenny ^eb. Llsner) Schäfer-Stiftung geschenkt worden. Aus den Reinerträgen her besten Häuser soll«» au ^esige wohltätige und genwinnützM ArqtMm entrichtet werden: an die israelitische Altersversorgung 12,000 Mark, an die israelitische WaisenaNflqlt 6M0 Mk., an den Jüdischen TaubttMverein'1V0V Wk., a» has jüdische Schweswry- «w an bie Gesellschaft der Freunde je 3000 a» die Gefellschastder Brüde^ und Ne Zwecks BrüdergeseNfchaft je 1600 Mk., firner 300 Mi. an die israelitische Industrieschule, den Verband der Erzieh ung hilfsbedürftiger israelitischer Kinder, den israelitischen Jungfrauenverein und das israelitische Lehrerinnenheim. Stuttgart, 20. November. Der Württembergische Tierschutzverein veröffentlicht einen scharfen Protest gegen die durch das Stopfen der Ganse begangene Tierquälerei. Die Qual dieser Tiere, so führt die Kundgebung aus, über die Zeit von mehreren Wochen ist entsetzlich. Ost ist ein solches Tier in eine Kiste so eng eingepfercht, daß es keine Bewegung machen kann. In manchen Ställen bei strenger Kälte friert das Tier am Boden an. Durch das gewaltsame Einstopfen von Futter entzünden sich Gaumenhöhle und Speiseröhre. Dazu kommen die Leiden an den inneren Organen, (Leber rc.). Die Tiere können das Uebermaß der eingestopsten Nahrung nicht verdauen, sie werden krank und müssen dann rasch geschlachtet werden. Würde man den Tieren das Futter hinstellen, sy würden sie soviel fressen, als sie verdauen können, sie würden gesund blerben, dabei fett werden und 'nicht den fürchterlichen Martern unterworfen sein. — Wir möchten diese Tatsachen unter Hinweis auf das Thora« Verbot von Q^n TJD der allgemeinen Beachtung empfehlen. Zweibrücken, 12. November. Die von der israelitischen Kultusgemeinde Zweibrücke nim Februar dieses Jahres beschlossene Entlassung des Rabbiners Dr. Eugen Meyer ist nunmehr von der Kgl. Regierung durch Schreiben vom 27. Oktober bestätigt worden. Es ergibt sich damit der eigenartige Zustand, daß die Funktionen von Dr. Meyer als Rabbiner für die Stadt Zweibrücken aufgehört haben, während er füp den übitigeU Bezirk Zweibrüsten auch weiterhin als Rabbiner tätig bleibt. Trier» 16. November. Zu den heute beginnenden Stadtverordnetenwahlen hat die Zentrumspür t e i in der ersten Klqsse auch einen Israeliten (Kaufmann Loeb) auf ihre Liste gesetzt und zwar, wie der Vorsitzende, Stadtverordneter Hartroth, ausführte, aus Rücksichten der Billigkeit und der Toleranz. Es sei eine betrübende Erscheinung im Trierer Wahlkampfe,. daß bei vielen Wählern der Gegenseite konfessionelle Gesichtspunkte für ihre Stimmabgabe entscheidend seien. Ein solcher Zustand passe nicht ins 20. Jahrhundert. Bayreuth, 13. November. Bor dem Schöffengerichte in Bayreuth hatte sich am 12. November der Redakteur des „Bayreuther Tageblatts", Kunkel, wegen Beleidigung des Antisemitenführers Wengg (Münchens zu verantworten. Wengg, der auch die Geschäfte des Bundes der Landwirte führt» hatte am Tage vor den Landtagswahlen in fast allen bayerischen Wahlkreisen Flugblätter verteilt und sich selbst als Zählkandidaten für die Antisemiten aufgestellt. Damit trat dieser Vertreter des Bauernbundes in Bayreuth als Gegenkandidat seines eigenen Parteifreundes, des bauernbündlerischen Kompromißkandidaten Brendel auf. Das „Bayr. Tagbl." beleuchtete dieses politische Borgehen Wenggs in einem scharfen Artikels. Wegen dieses Artikel, in dem die Ausdrücke „angeborene unerhörte Frechheit", „politischer Ignorant", »ordinäre Judenhetze" vorkamen, stellte Wengg. gegen Redakteur Kunkel Beleidigungsklage, wurde aber, auf Grund der Zeugenaussagen und der Ausführungen des Bellagten über die polttische Tätigkeck Wenggs im allgemeinen und in diesem besonder« Falle, kostenfällig abgewiesen. In der Urteilsbegründung wurde dem Beklagten nicht nur der Schutz des § 193 zugebilligt, sondern auch hervorgehoben, daß die gefallenen Ausdrücke zwar sehr scharf seien, aber angesichts des polrtischen Borgehens des Klägers in diesem Falle die Grenze des Zu lässigen nicht überschritten h ätten. Zürich, 16. November. (Sine Entführungseschichte hält gegenwärtig die hiesige Oessentchkeit in Erregung. Es handelt sich um die Tochter eines wohlhabenden jüdischen Ehepaares aus Bialystock, religiöser Leute, die vor kurzem erst eine Tochter durch den Tod verloren haben, und deren Sohn halb erblindet ist.' Auch die ihnen gebliebene Tochter, ein ISjähriges Mädchen, ist schwach und nervös, sodaß ihr die Aerzte das Studieren verbalen mußten. Nachdem das Mädchen das Gymnasium in Bialystock absolviert hatte, gaben die Eltern es in ein jüdisches Pensionat ttt Hannover. Sie erlaubten ihr mck verwandten eine: Reise nach der Schweiz uxtb Italien zu machen. In Weggis lernte sie einen «fischen Student«»,. Dr. Mikuschewitsch kennen, mck dem sie» die Berwarrdten verlassend, nach Zürich ging, um dort zu studieren, von dort' ans schrieb sie an ihre Eltern, die sich in Karlsbad zur Kur aufhielten. Die Eltern reisen unverzüglich nach Zürich, um zu verhindern, daß die Tochter rn den revolutionären Zirkeln der russischen Studenten ihrer Famllie und dem Judentum entfremdet wird und ins Unglück gerät. Sie treffen das Fräulein in Gesellschaft des Dr. Mikuschewitsch abends an, und sie bespricht am andern Morgen zu ihnen ins Hotel zu kommen. In der Frühe will sie dann der Bater auffuchen, aber ohne Erfolg, derm fie ist fort, niemand weiß, wohin. Trotz aller Bemühungen gelang «S de« betrübten Eltern nicht, den Sufenthau ihrer Tochter ausfindig zu machen ur»d sie warteten auch vergebens auf eine Rachruht von ihr. Ein Rorschacher Advokat trat mck ihrem Rechtsvertreter in Verbindung und versprach, wenn die Eltern das Mädchen in Zürich studieren lasten wollten, eine Unterredung derselben mck dem Vertreter zu ermöglichen. Darauf gingen die Eckern jedoch nicht ein und sie mußten schließlich, da auch die behördlichen Nachforschungen resuttatloS verliefen, Zürich traurigen Herzens verlassen, um ohne die Tochter in die Heimat zurückzukehren. Sonderbar! Wie«, 11. November. Wie alljährlich am Tage vor Martini wurden auch diesmal, einem uralten Brauche gemäß, von einer Deputatton der israelitischen Kultusgemeinde in Preßburg gestern die Martinigänfe in der Hofburg abgegeben. Es waren drei in feines weißes Lmnen gehüllte Prachtexemplare, die mit Bändchen und Machen in den ungarischen Nattonalfarben, Rot-Weiß-Grün, geschmückt waren. Die Gänse wurden auf eine große sllberne Tasse gelegt und in der Kammer des Kaisers von einem Hausoffizier übernommen. Die Deputation wird an einem später noch zu bestimmenden Zeitpunkte, sobald der Kaiser toieoer allgemeine Audienzen erteilen wird, empfangen werden. Preßburg, 18. November. Auch hier liegt ein Fall vor, wie der kürzlich in Ihrem Blatt berichtete, daß ein bisher am Sabbath geöffnetes Geschäft sich eines Besteren besann. DaS hiesige Schnittwarettgeschäft Josef Schwarz, in dem 14 Jahre hindurch am ro& gearbeitet 'worden war, ist fett dem Monat Mai dieses Jahres am fQtf und geschlossen. Ueretoswm». 3? Be kin 15. Nov. In dm Gemeinderäumen der Abatz Jisroel, A ttlleriestraye 51,- finden jebm Mittwoch Abend Vorträge für Damen statt. Dm Doettetr Cyclus dieses Wintersemesters hat Herr Rabbiner Dr. I. Bleichrode übernommen. Er wckd über ^Kulturgcschichttiche Bilder aus der Epoche deS EL Tempels^ sprechen, beginnend am 27. November. PmoRalied. Hoffeuhe « (Baden), IS. Rov. Ganz jäh wurde uns dte»er Tage die fett wentgm Monatm verwitwete, Frau Rosa Reis durch dm Tod entriffm Sie hat iu ihrer lauterm Frömmigkeit und Götter ebmhrck die ihr zugewiesmen Pflichten stettreulich erfüllt und mck cmS» gezeichneter Selbstlosigkeit dm Anforderungen, die dich Leben au fie stellte, entsprochen. Die Pflichttreue, die sie in allm Lebenslagen bewährte, gewann auch auf dm Werdegang ihrer Sinder nachhaltigen Einfluß. Durch diese Tugenden erwarb fie sich die Hochachtung ihre» Be anntmkretseS, die beim Leichenbegängnis durch eine ungewöhnlich starke Beteiligung Kim Ausdruck kam. W en, 15. Rov. Im Alter von 88 Jahrm .ist Frau ulte Herzl, Theodor HerzlS Gattin, nach dre^ jähriger Witwenfchast in Auffee, wo sie Erholung suchte, verschieden. Wie ihr Gatte, ist auch fie durch ein sthwerrS Herzleiden nach langer Krankheit dahingerafft worden. bk&r' ■ . y . Kndor, 18. Nov. Frau S. H. Weil deS wett und Vreck ob seiner Wohltättgkett un! bekannten Sal. Weiß ^f, ist dtefir Tage in MesV-Sach im Alter von 75 Jahren verstorben. Sie war die würdige Gefährtin deS ihr um 14 Jahre im Tode vorangegangmm Gatten. DaS Hans, bas fie mit chm geführt, war eine Stätte unvergleichlichen Edelfinns, ein Haus, m dem die. echt jüdische npT2 in glänzender Weise vetättgt wurde. DaS edle Ehepaar, dem der Kindersegen versagt gewesm, hat mehrere Waism erzoE und später reichlich ausgestattet. Auch als Frau Weiß nach dem Tode chr«s Gattm allein staub, hat fie in überreicher Weise WMtättakett geübt, und als infolge ihrer HerzmSgÜte chr Wohlstand geschwundm war, strengte fie alle khre Kräfte an, um die alle Tradition ihres Hauses mtfrecht zu -epha ten. Bittere Entäuschunaen find chr nicht Kiefen, aßit fie hat fich dadurch nicht fetrrm ist im Glück tote im Unglück immer dieselbe hochfinrttge Persönlichkeit gebltebm. erwart stelafien. Gck Infolge hes gestrige» bürgerliche» Feiertags er», leibet die Ausgabe der heutigen Nummer tittc «t|r< stünbige GinySgeruug, die wir gütigft z« e«tsch«lbige» bitte».