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Der Israelit · 1907-11-21 · Heft 47 (21.11.1907) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 47 (21.11.1907)
Date
1907-11-21
Page
– (sequence 7)
Language
German
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. _JS mt'no emörr 1907. U« Asraetit. über" ihren Willen und ihre Stimme verfügt hat; in einigen Wochen schon wird es heißen: „warte nur, balde ruhest auch du." — Den Wahlaufruf — wenn man die Kandidatenliste so nennen darf — unterzeichnet an erster Stelle gebührend der „Liberale Verein". Gebührend, denn er ist . der Sieger, der es in der Hand gehabt hatlc, den Gegner völlig niederzuwerfen und die konservative Fraktion von der Tafel der Repräsentanten-Bersammlung auszulöschen. Noblesse . oblige. Er hat sich generös gezeigt und den Konservativen von den 18 zu vergebenden Mandaten die Hälfte zugebilligt, davon als Repräsentanten — wenn wir recht unterrichtet sind — 7 und 2 Stellvertreter. So ist denn folgende Liste fertig Geworden: ) Geh. Medizinalrat und Professor Dr.. Hermann Senator, NW., Bauhofstraße 7 (!./ 2) Gey. Sani*» kätsrat Dr. Julius Blumenthal, W., Bendlerstraße 20 (f.). 3) Rechtsanwalt Dr. Ignaz Cohn, W., Achenbachstraße 9 (k.). 4) Fabrikbesitzer Aron Hirsch, NW., Kronprinzen-Ufer 5/6 (k). 5) Handelsrichter Jacob Weinberg, SW., Belle-Alliance- Plcch 6 ft). 6) Kommerzienrat Gerson Simon W., Kürfürstenstraße 126. 7) Landschaftsmaler Julius B o d e n st e i n, W., Taubenstraße 43. (Bisherige Repräsentanten.) 8) Kursmakler Paul Schlochauer, Tharlottenburg, Hardenbergstraße 13. (Bisheriger (k.) Stellvertreter.» 9) Rentier Emil Cohn, Charlottcn-- burg, Mommsenftraße 40 (k.). 10) Fabrikbesitzer Dr. Max Ginsberg, NW., Brücken-Mlee 1. 11) Justizrat Dr. Max Guttsmann, 8W., Friedrichstraße 24/241. 12) Kaufmann Ätexander Hahn, SW., Rittefttraße 50. 13) Sanitätsrat Dr. Benno Holz, . Charlotrerrburg, Schlüterstraße 35. 14) Stadtverordneter und Architekt Siegfried Kuznitzky, Schöneberg, Martin Lutherstratze 24. 15) Kaufmann Adolph Lewinski, 80., Michaelkirchstraße 9/10 (k.). 16) Bankier Oscar Loewenberg, NW., Msenstraße 9. (t). 17) Oberlehrer Professor Dr. Moritz Türk, NW., Mt-Moabit 19. 18) Maurermeister S. Weile, NW,, Karlstrqße 6»; :*l*i \_U Auf der Strecke geblieben sind die Herren: * Prof. Baginsky (k.) und Hans Friedländer (l.). Das Ergebnis der Wahl wird also eine.Verstärkung der liberalen Partei sowohl in der Zahl der Repräsentanten wie der Stellvertreter sein, sodaß sie fortan über eine Zweidrittelmajorität in der Versammlung verfügt. Daß es im übrigen für die wahrhaft orthodoxen Interessen in Berlin irrelevant ist, ob die Liberalen oder die Konservativen regieren, ist hier schon zu oft dargetan worden, als daß es erforderlich wäre, es nochmals zu wiederholen. E. R. Berlin, 17. Nov. An Stelle des amtlich behinderten Herrn Louis Sachs eröffnete Herr Geheimrat Blumenthal die heutige Repräsentantensitzung mit einer Begrüßung des durch Krankheit lange abwesenden, zum ersten Male wieder erschienenen Gemeindevorstehers Herrn Julius Jacoby. Zugleich gibt der Vorsitzende Bericht über die Feier des 25jährigen Jubiläums des Herrn Professor Karewski am jüdischen Krankenhause. Herr Weinberg stellte sodann den Antrag einer Aenderung der Barmizwahfeier in der Synagogoge Kaiserstraße. Redner klagte, daß der Borstand dem Wunsche die Liturgie so zu gestalten, wie dieselbe in den Synagogen mit Orgelbegleitung gehalten würde, nicht Nachkomme. Aus der Fülle der nun folgenden Reden heben wir die des Herrn Benas Levy als eine an sich erfreuliche hervor. Derselbe betont insbesondere den Mangel an Bibelkenntnis. Man möge sich England als Vorbild nehmen. Dort sei in jedem jüdischen Hause eine Bibel zu finden. Er beantrage jedem Barmizwah eine Bibel zu schenken, er überlasse es der Beurteilung der Fachmänner, ob man die ganze Bibel oder eine Schulausgabe geben wolle. Die Herren Prof. Blaschke, Geiger und Kalischer wünschen eine mehr aktive Beteiugung der Kinder in dem Sinne, daß der Barmizwah einen Abschnitt "aus der Thora selbst vorliest, auch könnte die Liturgie etwas kürzer gefaßt sein, wie es in tmnkfurt a. M. geschieht. Von Seiten des prstandes erklärt Herr Netter, es hätten in dieser Angelegenheit schon viele Verhandlungen stattgefunden, die Sache sei noch nicht spruchreif. Dasselbe gilt von der Einrichtung der früheren ^Ehorräume in der Synagoge Kaiserstraße. Es folgen sodann als weitere Gegenstände der Tagesordnung die Zuwendung der Frau Mathilde Priester geb. Knopf an die Altersversorgungsanstalt von 12 600 M., sowie Rechnungsabschlüsse und Bewilligungen/ Berlin, 13. Nov. DasDeuts che Bureau der Alliance Israelite Universelle teilt mit: Das Central-Comitee der Alliance hat in einer seiner jüngsten Sitzungen beschlossen, eine Studienkommission nach Abessinien zu entsenden zur Erforschung der wirtschaftlichen, sittlichen und gesellschaftlichen Lage der Falaschas in den verschiedenen Provinzen, wo das Vorkommen von solchen durch frühere Forschung festgestellt worden ist. Mit der Leitung der Expedition ist Herr Nahum beauftragt, Professor am Rabbinerseminar in Konstantinopel, der in der Schule für lebende orientalische Sprachen und in dem Rabbinerseminar von Paris seine Ausbildung erhalten hat. Unter den Begleitern des terrn Nahum wird sich auch ein israelitischer rzt befinden. Berlin, 16. Novbr. Der Hilfsverein der Deutschen Juden hat gemeinsam mit dem Hilfscomite für die notleidenden ostruropäischen Juden in Frankfurt a. M. weitere 225000 Francs an die Centrale für die rumänische Hilfsaktion, die Israelische Alliance in Wien überwiesen. Eine Fortführung des Hilfswerkes erweist sich leider noch als notwendig, da die wirtschaftlichen Folgeerscheinungen der Frühjahrsexceffe noch fortdauern, namentlich weil die Behörden mit rigorosen Ausweisungen nicht nachgelassen haben. Für das durch Brand sehr schwer heimgesuchte Nowodwor bei Warschau hat der Hilfs- Verein ein Darlehen von 10000 Mk bewilligt, damit die Betroffenen müglichst rasch über die erste Not hinwegkommen und den Gewerbetreibenden und Handwerkern aufgeholfen werden kann. Halberstadt, 20. Nov. In der Handelskammer zu Halberstadt berichtete nach einer Meldung des „Konfektionär" der Syndikus in einer der letzten Sitzungen: Die Kammer wird gebeten dem an den Bundesrat gerichteten Antrag : „bei der Neuregelung der Sonntagsruhe für den Fall eines gänzlichen Verbotes der Sonntagsarbeit in Geschäften ohne offene Verkaufsstellen als Ausnahme zu gestatten, daß jüdische Angestellte in solchen Geschäften an Sonntagen .und allgemeinen Festtagen zwei Stunden beschäftigt werden, wenn die jüdischen Geschäftsinhaber im voraus sich verpflichten, ihre Geschäfte an Samstagen und jüdischen Feiertagen festgeschloffen zu halten" ihre Unterstützung zu leihen. Der Berichterstatter hält den Wunsch nicht für unbillig, da man es als berechtigt anexkennen müffe, wenn diejenigen Juden, die ihrer Strenggläubigkeit wegen an ihren Feiertagen nicht arbeiten, aus geschäftlichen Gründen wünschten, die wichtigsten geschäftlichen Maßnahmen am Sonntag treffen zu dürfen. Köln, 15. Novbr. Die Repräsentantenversammlung der israelitischen Kultusgemeinde beschäftigte sich in ihrer letzten Sitzung mit der Frage des Wochentaggottesdienstes. Es wurde ein Antrag angenommen, den wochentäglichen Gottesdienst in der Synagoge Roonstraße (Orgelsynagoge), der sich nicht mehr des nötigen Zuspruchs erfreut, aufzuheben und versuchsweise in die Gemeinde-Synagoge Glockengaffe zu verlegen. Ein weiterer Antrag, für diesen Gottesdiensteinen Hülfsvertreter anzu stellen, wurde u. a. damit begründet, daß viele Besucher sich dagegen verwahren würden, daß in der Glockengaffe ein Kantor der Roonstraße singe, daß man aber anderseits dem einen Kantor nicht zumuten könne, andauernd zu fungieren, während der andere das nicht brauche. Dieser Antrag fand jedoch keine Zustimmung, die Frage der Anstellung eines Hilfsvorbeters würde vielmehr, nachdem der Antrag zurückgezogen worden war, dem Vorstand zur Erledigung überlassen! — Auf der Tagesordnung stand auch die Vorlage des Vorstands betr. die Erhöhung des Gehaltes für die Minjanleute. Der Vorstand hat beschlossen, deren Rr. 47 Gew 7 Monatsgehalt von 10 Mk. auf 15 Mk. zu erhöhen. Ein Repräsentant meinte, die Institution der Minjanleute sei einer großen Gemeinte wie Köln nnwürdig, er hoffe, daß jetzt, wo der Gottesdienst in der Woche in der Glockengaffe allein stattfinde, die Minjanleute als überflüssig pensioniert werden könnten. Ein anderer Repräsentant ist mit der Erhöhung des Gehalts der Minjayleute einrerftanden, wünscht aber dann auch die Einführung von Disziplinarstrafen, da einige nicht dazu zu bringen seien, pünktlich zu erschein n. — Ein interessantes Zeitbildchen, diese Repräsentantensitzung. W ü r z b u rg, 19. Nov- Der Gedanke des Zusammenschlusses der gesetzestreuen jüdischen Studenten bricht sich erfreulicherweise immer mehr Bahn. So wurde vo igen Sonntag auch hier eine „Verein igung jü d ischerAkademiker" gegründet: eine umso beachtenswertere Gründung,, als die Würzburger Universität von orthodoxen Studenten ziemlich rege besucht wird. Die Mitgliedschaft einer stattlichen Zahl bereits im Berufsleben stehender Akademiker gibt die Gewähr, daß der junge Verein feinen hohen Tendenzen gerecht werden wird. Vorsitzender ist Herr stuä. meä. Willi Weil, Johanniterplatz 4. Aus dem Unter-Elsaß, 10. Nov. Man schreibt uns: In dem „die Consistoriumwahlen in Unter-Elsaß" übertriebenen Arttkel der Nr. 44 des „Israelit", finden sich am Schluffe einige abfällige Bemerkungen überdieTätigkeit desjenigen Mitgliedes des Confistoriums, das nach Angabe des Berichterstatters der jüdischen Sache „nach bestem Können hat dienen wollen". Die Gerechttgkeit verlangt, daß jene Aeußerungen richtig gestellt werden. Wer den Gang und die Entwicklung der religiösen Verhältnisse und das Bemühen jenes Herrn im Consistorium aus der Nähe gerecht zu beurteilen gelernt hat, wird zu einer wesentlich anderen Wettschätzung gelangen. ,Jn folge seiner Ueberzeugungstreue, seiner durch Kenntnis jüdischen Schrifttums unterstützten lauteren Frömmigkeit und infolge seiner klugen Taktik ist es jenem Herrn gelungen, innerhalb des Consistottums zu einer in religiösen Dingen kompettnten Persönlichkeit zu werden, deren Meinung stets ins Gewicht fiel. Bei der' Eigenattigkeit der Zustände ist es ja erneut Einzelnen geradezu unmöglich völlig Wandel zu schaffen. Aber es kann nicht bestritten werden, ' daß seinem Einflüsse nicht wenige im Sinne , unserer Religionsgesetze gehaltene Verordnungen des Consistottums zu verdanken sind, daß er viel erfolgreiche Mühe aufgewendet hat, die Beschlüsse des Consistottums im Geiste unserer Tradition zu beeinfluffen, und daß er durch Einsetzen seiner besten Kraft es oft erreicht hat, daß Vorschläge und Vorhaben hintan gestellt wurden, die der Festigung der nilBN in unserem Lande nachteilig gewesen wären. Es darf muh nicht übersehen werden, welche Vorurteile - im Schooße des Confistoriums gegen die Vertreter der gesetztreuen Grundsätze vor Eintritt dieses. Herrn in sein Amt herrschten und wie erst allmählich infolge des pflichtbewußten, tapferen, doch milden Verhaltens dieses Herrn die härtesten dieser vorgefaßten Meinungen geschwunden find. Man braucht durchaus nicht opttmistisch angehaucht zu sein, um zu erkennen, daß er der wahren jüdischen Sache nicht nur „hat dienen wollen", sondern daß er ihr auch tatsächlich wichtige Dienste geleistet hat, daß er Hoffnungen erfüllt, Schaden verhütet, Segen gestiftet hat, mag ihm auch in | der Hitze des Gefechts dieser oder jener Fehler 1 unterlaufen sein. Der Dank und die Anerkennung für sein Wirken wird ihm von den Gutgesinnten nicht vorenthalten werden. ICngavm. Die DrthoOoxe denfral-Kommisslon. (Von unserem Korrespondenten.) Budapest, 19. November. Unter dem Vorsitze des orthodoxen Landes - Präsidenten Adolf Frankl hat heute eine Ber-

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