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Der Israelit · 1907-11-21 · Heft 47 (21.11.1907) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 47 (21.11.1907)
Date
1907-11-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
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H>« HßttM.' betene." Die Namen der Söhne Jakobs sind p.. im vergangenen Wochenabschnitt zartsinnig bef;. gründet. „Die Stämme des jüdischen Volkes G wurden unter dem Sonnenstrahl der wärmsten 'f und reinsten Gatten- und Mutterliebe und des f iiingebendsten Hinaufblicks zu Gott empfangen, f geboren, gepflegt und erzogen und in ihren i Namen dem jüdischen Volke alle die heiteren und ernsten Güter und Gei- £ st er verewigt, die das Glück der jüdischen Ehen und Häuser bedingen." (Hirsch.) Drastisch h" ist das Bedeutungsvolle, welches im Namen - liegt, bei den in der heiligen Schrift mehrfach f vorkommenden „Umnennung en" gekenn- 5 zeichnet: Abram-Abraham, Sarai-Sarah, Hoseat Jehosua, u. a. m. Die hierbei jeweils ausgesprochene Begründung beweist klar das Charakteristische, das der Name dar- . bietet. Man denke nun noch an alle die 6 Namen, die Composita mit dem Namen Gottes h: darstellen: Gabrielmeine Stärke ist Gott, Urielfmeine Leuchte ist Gott, Rafael-Heilung bringt ß! Gott, Chiskrjah - meine Stärke ist Gott, Jesajah- | meine Hilfe ist Gott, Elieser-Gott meine Hilfe u.s.f: Nach aHebern dürste es wohl von U, Interesse sein, gerade diejenigen |■' Namen heraus zugreifen, welche un- Aser Volkstum bezeichnen. Sicher find auch diese Benennugen höchst bedeuMngsvoll für 7. die Beurteilung des jüdischen Volkes, seines Wesens und Charakters, seiner Vergangenheit k■■■■* * und seiner Bestimmung. Wollten wir indeß erß schöpfend sein und alle Bezeichnungen des jüdi- W. ' scheu Volkes einer Betrachtung unterstellen, es würde den Rahmen dieser Arbeit und den zur Verfügung stehenden Raum weit überschreiten. Wir möchten uns daher nur auf die Namen Semiten, Hebräer, Israeliten beschränken. Sind doch diese drei Bezeichnungen uns am bedeutungsvollsten gewesen, bei dem ganzen geschichtlichen Werdegang, der in Jahrtausenden hinter uns liegt. Und wiederum ist in ihnen .ein Fanfarenruf für die fernere Zukunft zu erblicken, unser Sein und Wirken bestimmend.... Zunächst der Name Sem! Just vor einem Vierteljahrhundert, als der in unserem Baterlande neu erwachte mittelalterliche Judenhaß nach einer modernen Bezeichnung fahndete, ist die Erinnerung an Sem von neuem lebendig geworden! Unsere Gegner nannten sich Auti-Semiten, die Feinde der Nachkommen Sems. Daß diese Bemäntelung roher Instinkte durchaus ungeschickt gewählt war, wußten freilich viele Jünger jener „teutscheu Bewegung" nicht, vielleicht wissen sie es heute noch nicht. Genug, - seit benK Hervortreten des Nationalitätsprinzips in den 60 er Jahren kam die Rassen frage in Fluß und man brauchte e i ne F 0 r m e l für die Animosität gegen die Juden. Da wurden sie — Semiten „geschimpft". Welche Bewandtnis - hat es aber mit solchem Schimpf? Der Haß ist blind in der Wahl seiner Mittel, er ist es auch im wissenschaftlichen Erkennen. Wer war Sem? Die Rassentheoretiker weisen uns ins graue Altertum zurück, zum Buch der Bücher, das auch sie — „heilige Schrift" nennen. Dort aber hören wir von.dem zweiten Stammvater des Menschengeschlechts, der seiner Frömmigkeit halber eine völlig entartete Zeit überdauerte. Drei Söhne werden ihm geschenkt: Sem, Ham und Japhet. Er Pflanzt den ersten Weinberg und verspürt auch zum ersten Male die verderblichen Folgen menschlicher Vergessenheit beim Genüsse. Noach 'liegt entblößt im Zelte, sein Sohn Ham verspottet ihn darob. Sem und Japhet hingegen breiten voll Ehrfurcht den Mantel kindlicher Liebe über die Schwäche des Vaters und geben so der Menschheit das erste Beispiel eines edlen, reinen Familienlebens. Sie lehren das unter die zehn Gebote aufgenommene Wort: Ehre Vater und Mutter, auf daß du lange lebest und es dir wohl ergehe! Sie.sind die herrlichen Repräsentanten jenes hohen Sittengesetzes, ohne das die Menschheit nicht bestehen kann: Liebe und Ehrfurcht gegen die Eltern als Vorbedingungder An erkennungGottes! Wo — wie bei Ham — die rohe Betrachtung des Sinnlichen, nur der Gedanke an die leibliche Abstammung von den Eltern vorwaltet, da ist keine Grundlage für den geistigen Aufbau und die geistige Entwickelung der Menschheit vorhanden. In weitschauenden prophetischen Worten kündet Noach seinem Ham die Entartung und den Niedergang an, Sem und Japhet aber gehört die Zukunft! Sie sollten Bildner und Lehrmeister der Menschheit werden. Alles was an geistigen Schätzen die Erde gewonnen, verdankt sie diesen beiden, und heute noch knüpft alle Bildung und Erziehung der Menschheit an das an, was ihr Japhet unh Sem gebracht: Gotteserkenntnis, Kunst und Wissenschaft. Japhet hat die Welt ästhetisch veredelt, Sem siegeistig und sittlich erleuchtet*). Brauchen wir uns zu schämen, Semiten zu heißen? — Haben wir nicht allen Grund, auf unseren Stammvater stolz zu sein? Mögen sich die „Gegner Sems" - immerhin der stolzen Burgen rühmen, die ihre Vorfahren als Raubritter und Wegelagerer bewohnt, mögen sie uns immerhin Vorhalten, daß unsere Vorfahren nicht auf der Bärenhaut lagen und tranken: wir sind zufrieden in uns selbst, wir fühlen uns wohl unter dem Namen Semiten, er ist uns ein Ehrenschild! Weniger umfassend und darum-bezeichnender als der von Sem abgeleitete Name ist bas Wort *iny, Hebräer. In das jüdische Bolsbewußtsein ist nie die Tatsache, daß wir von Sem abstammen, mit solcher Lebendigkeit gedrungen wie der Gedanke an den Patriarchen Abraham. Das Wort ir3K D»TOK ist durch Schrift und Wort uns in Fleisch und Blut übergegangen, es ist uns seit Jahrtausenden geläufig und löst bei dem glaubenstreuen Juden Gefühle höchster Ehrfurcht aus. Und mit dem Namen Abraham bleibt auch die Bezeichnung Jbri vereint. Welche Ideen verkörpern sich in dieser Benennung unseres Stammvaters, die auf die späteren Enkel überging? Zunächst sind zwei Deutungen aus der Tradition bekannt. ein Urenkel Sems, war ein Vorfahre Abrahams. Von Sem und Eber berichtet die Ueberlieferung, daß sie ein Lehrhaus unterhielten, in welchem sie die Gotteserkenntnis verbreiteten unter den Menschern Der Name Ebers verband sich so mit Abrahams Namen- Abraham isi der von Eber Stamm ende*). „ In der finsteren Nacht des Heidentums leuchtete also schon das Ahnengeschlecht unseres Stammvaters innerhalb der übrigen Menschheit durch seine Gotteserkenntnis und Sittenreinheit hervor. In jener altersgrauen Zeit — schon eine Schule, ein Lehrhaus! Isis Ueberhebung wenn als Blüte der semitischen Menschheit wir Eber nennen und als dessen herrlichsten Sproß Abraham, unseren Vater? Gerade Abraham ist und bleibt der würdigste Repräsentant des Sem-Eberschen Geschlechtes, seine Lebensaufgabe war nur die einzige: Lehrer zu sein! nx DfroK .□HMn nK rwue mir, D'iraKn, Abraham bekehrte die Männer zum Gottesglauben, Sarah hie Frauen. Als er von der Heimat wegzog, war Gott nur O'Oir 'p1?#, ein Gott des Himmels, auf Erden kannte man ihn nicht. Durch Abraham wurde der Gottesname auch bei der übrigen Wett bekannt, der Schöpfer wurde (Genesis, 24, 7). Abraham ist ein Universalcharakter. Milde Liebe, Friedfertigkeit, Erbarmen sind bei ihm innig gepaart mit männlichem Mut, Kraft und Entschlossenheit. Dieser „Jbri" ist das Muster der edelsten Gastfreundschaft selbst Wildfremden gegenüber, ein Anwalt den durch Gewalt Unterdrückten und Beraubten, das Bild vornehmster Uneigennützigkeit, ein freiwilliger Fürsprecher für strafwürdige Sünder, der Typus ritterlichen MuteS im Kampfe um eine gerechte Sache, eine unerreichte Größe *) Siehe Hirsch's Kommentar z. St. *) Nach anderer Auslegung heißt Eber «jenseits" und Abraham der von »jenseits des Stromes" Gekommene. Bergt. Josua, Kap. 21, 2. im hingebenden Gehorsam, ein zärtlicher Gatte und besorgter Familienvater, ein vielfach und schwer Geprüfter, der alle in ihn gesetzten Erwartungen erfüllt. Gleichsam wie ein Edelstein m immer neuen Farben erglänzt, nach welcher Seite man ihn auch wenden mag, so Abrahams Charakterbild. Er wagt es mit Frau und Kind allein gegen den „Strom der Zeit" zu schwimmen, besiegt Hindernisse auf Hindernisse, erträgt Spott, Feindschaft, Verkennung der Mitwelt, bleibt unentwegt treu seiner Aumabe und lehrt durch Wort und Beispiel bis an sein Lebensende. Welche Seelenstärke, welcher Heroismus gehörte dazu, allein zu stehen, allein zu gehen, allein auszuharren im Kampfe gegen heidnische Uebermacht! Gar schön und sinnig deutet ein Wort der Weisen den Namen „Eber" mitBezug auf Abraham : ->"3) inn -ayo tfim in# -ayo 'teoViyn Vu, 'ND), die ganze Welt stand gleichsam auf der einen Seite, und Abraham auf der andern! — So war der erste „Hebräer" ein Herold Gottes, sein Gang durch die Geschichte war ein Lichtpfad, sein Lebenswerk eine Lichtsaat. Sollten wir nicht etwas Ahnenstolz empfinden, zu den „Hebräern" zählen zu dürfen? — Doch auch Israel werden wir genannt, ja es ist ist dies im jüdischen Schrifttum wie im^ Gebete der gebräuchlichste aller Namen unseres Volkes. Und welche Bewandtnis hats mit ihm? (Schluß folgt.) LDf*. Korrespondenzen und Nachrichten. Deutsches Reich. Berlin, 17. November. „In den Armen liegen sich beide usw."; aber nicht die alten, unzertrennlichen Freunde, sondern die Feinde von gestern und ehegestern, die sich gegenseitig manches bittere, böse Wort sagten, bis sie ihre währe Natur erkannten und zu ihrem Erstaunen merkten, daß keine Weite der Weltanschauung sie schied, keine prinzipiellen Gesichtspunkte sie trennten, sondern lediglich parteipolitische Bezeichnungen, Worte ohne Mark und Kraft, und daß es sich nicht lohnt, sich darum das Leben zu verbittern und die Massesi „da draußen" aufzuregen. So ist denn das Kompromiß zustande gekommen, von dessen vorbereitenden Schritten an dieser Stelle schönem vorigen Symmer berichtet wurde, und heute veröffentlichen die Tagesblütter bereits die vom „Liberalen-Berein" und dem „C e n t r a l - V e r e i n" gemeinsam Unterzeichnete Kandidatenliste, auf der Liberale und Konservative nebeneinanderstehen. Kein Begleitwort wurde für nötig erachtet, kein Wort der Aufklärung für den blöden Hödur, den Wähler, der doch eigentlich ein Anrecht hätte — sollte man meinen — darüber belehrt und unterrichtet zu werden, wie es kam und warum es so kam; kein Programm, kein Glaubensbekenntnis bieten die Kandidaten, die, ob alt ob neu, in dieser Gestalt doch sämtlich novi homines sind. Wozu auch! Die Kandidaten werden auch so eine ansehnliche Stimmenzahl auf sich vereinigen, die Mehrzahl der Wähler ist schon heute damit ein-? verstanden, daß der „Chillul-ha-schem" einer Wahlagitation diesmal sich vermeiden läßt; eine kleine, bewußtere Minorität ballt heute noch die Hand in der Tasche, weil „man" so ohne Weit««- 3 ft

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