Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 46 (14.11.1907)
- Date
- 1907-11-14
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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euilleton. Der kvirel. Erzählung von Friedrich Rott. 14 (Fortsetzung.) Eine Wohnung war längst gemietet mit allen möglichen Bequemlichkeiten und der herrlichsten Aussicht auf die waldbewachsenen Bergesriesen und den glitzernden Spiegel eines Gebirgssees. Die Reise dorthin betrug raum sieben Stunden, das junge Ehepaar war hingefahren, um die zweckmäßigste Wohnung auszusuchen und Malwine ward nicht müde wieder und wieder alle die Annehmlichkeiten auszuzählen, die ihrer dort warteten. „Dort wird Mutti ganz gesund werden, Du wirst es sehen, Papa. Aber Muttchen Du darfst Dich um nichts kümmern, es wird schon für alles gesorgt werden. Meine Marie weiß doch genau, was Du sonst immer mitgenommen hast, darum habe ich ihr gesagt, sie soll Herkommen und unter meiner Aufsicht wird alles geordnet Und geschlichtet und gepackt, Du darfft Dein liebes Köpfchen gar nicht anstrengen." Sie umarmte die chr liebevoll Zulächelnde, huschte in ihrer leichten, anmutigen Art durch die Zimmer und ohne daß man ihr Ueberstürzung oder nur Eile ansah, war unter ihrer gewandten Leitung sehr bald alles aufs Beste angeordnet. Als Theodor Abends zu seiner Mutter kam, drückte sie chm die Hand und sagte: „Kind, Kind, was hast Du für eine Frau? ' Von Tag zu Tag sehe ich es mehr, Du hast das große Loos gewonnen." „Gott sei Dankst sagte er innig, „aber auch Dir sei Dank, liebe Mama!" „Für was dankst Du mir?" „Dafür, daß ich, wie Du Dich ausdrückst, in meiner Frau das große Loos gewonnen habe. Malwine war nicht immer so, wie sie jetzt ist, so ist sie erst durch Dich, durch den Umgang mit Dir geworden." „Aber Kind, was Du Dir nicht einredest!" „Ich rede mir gar nichts ein, liebe Mama, ich . liebe, meine. Frau aufrichtig und schätze sie nach ihrem vollen Werte, aber ich weiß auch, um wie viel dieser Wert gestiegen ist, seit ich sie Dir zugeführt habe. Uebrigens urteilt Malwine über sich genau so wie ich." „Das begreife ich nicht." „Süme heute nicht mehr darüber, liebe Mama, Du bist müde, Dir fallen die Augen zu.. Wir wollen uns auch auf den Heimweg machen, Malwine hat auch zu Hause noch Einiges zu ordnen, auf morgen will sie sich nichts lassen, da will sie bei Zeiten wieder hier sein. Gute Nacht, liebe Mama!" Er umarmte die Mutter, drückte dem Vater die Hand und nachdem auch Malwine die ctttern umarmt hatte hing, sie sich in lnyzMdscheide verließen das Elternhaus um ybam von ihrrzm eigenen, vom Balkon aus nychmsks einen guten Nachttvunfch herüber zu rwra, zdem die jungen Leute sich entfernt hatten ich,Gotthold gleichfalls sehr bald zurück, die schien matter Es in den jüngstverflossenen r , auf die - geplante Reise schien es daher doppelt wünschenswert, die nächtliche Ruhe möglichst auszudehnen. Er hatte gehofft, daß er sie bereits schlafend verlaffen, er mußte sich jedoch getäuscht haben, denn gleich darauf hörte er die Pflegerin sie fragen, ob sie etwas wünsche. Die Antwort der Kranken war ihm nicht verständlich, doch nach kaum einer Viertelstunde hörte er die Pflegerin dieselbe Frage wiederholen und nach zehn Minuten abermals und so fort bis nach Mitternacht. Bon da an jedoch herrschte lautlose Stille im Krankenzimmer und auch Gotthold legte sich sehr bald nieder. Als er am folgenden Tage erwachte, war es ihm, als hätte er seinen Namen rufen und an seine Tür klopfen gehört. Aber er hörte nichts weiter, er hatte sich vermutlich geirrt. Dennoch erhob er sich hastig und kleidete sich an. Als er jedoch aus seinem Zimmer trat fand er die Pflegerin im Begriff, die Tür des anstoßenden Krankenzimmers von außen zu öffnen. „Guten Morgen, Schwester. Wie geht es meiner Frau? Sie haben mich doch nicht gerufen?" „Ich habe mir erlaubt — aber ich habe bereits zu dem Herrn Sanitätsrat geschickt, er wird vermutlich sehr bald hier sein." „Der Sanitätsrat? mein Gott warum denn? — hat meine Frau Schmerzen?" „Ich glaube nicht," erwiderte die Schwester mit niedergeschlagenem Blick, „sie scheint zu schlafen." Kopfschüttelnd öffnete Gotthold die Tür des Krankenzimmers und trat ein, lautlosen Schrittes nahte er dem Bette, aus dem seine Frau ruhte. Sie schien in der Tat zu schlafen, sie regte sich nicht. Leise schob er einen Seffel näher und ließ sich auf demselben nieder, ihres Erwachens gewärtig. Bald darauf kam der Sanitätsrat. Er nickte dem neben dem Bette Sitzenden grüßend zu, neigte sich über die auf demselben Liegende, nahm ihre Hand, neigte sich nochmals und legte das Ohr an ihr Herz, dann richtete er sich achselzuckend wieder auf. „Mein lieber Herr Gotthold — mein lieber Freund — es ist vorüber." — Gotthold stieß einen unartikulierten Laut aus und sprang auf. „Wa—wa—was?" stammelte er. „Um's Himmelswillen, fassen Sie sich! — Sie sind doch ein frommer Mann — es ist Gottes Fügung — Ihre arme Frau hat ausgelitten." Wie vom Schlage getroffen taumelte der baumstarke Mann zurück, er wäre zu Boden gestürzt, hätte der Arzt ihn nicht gehalten. Mit Hilfe der „Schwester" geleitete dieser ihn in ein anderes Zimmer und hier brach der Unglückliche vollends zusammen. Das Begräbnis war vorüber. Wieder saßen Gotthold und sein Sohn sieben Tage lang trauernd aus niederem Schemel, zum zweitenmal innerhalb sechs Monaten. Wieder kamen Verwandte und Freunde und auch nähere Bekannte, um ihr aufrichttges Beileid auszusprechen, denn alle waren tief erschüttert durch das Hinscheiden der sanften allbeliebten Frau, der der Schmerz über den Verlust des Sohnes das Herz gebrochen atte. Wieder machte Malwine in tiefster ^rauertoilette die Honneurs und tat ihr Möglichstes den trauernden Gatten zu stützen, dem schwer getroffenen Vater Trost zu bitten. Alle Welt war chres Lobes voll. Als jedoch nach Ende der Trauerwoche die Zerren wieder ins Geschäft gingen und die junge rau nun seit lcmgrr Zeit wieder auf sich selbst angewiesen war, da machte sich in ihrer Stimmung ein seltsamer Umschwung geltend. Stundenlang saß sie müßig, die Hände im Schoße, jede Beschäftigung ekelte sie an und doch wußte sie sich vor Langweile nicht zu lassen. So oft chr Gatte nach Hause kam fand er sie in Thränen und wenn er fragte, was ihr fehle dann schluchzte sie: „Mamachen! Mamachen! ich halte es hier nicht aus ohne Mama!" — Oft warf sie sich an seine Brust und beschwor ihn unter Thränen, er möge mit ihr reisen, hier müsse sie zu Grunde gehen. Gern hätte er ihrem Wunsche entsprochen, aber er wagte es nicht seinen Vater gegenwärtig allein zu lassen. Gotthold klagte zwar nie, aber er war in oen letzten Wochen unglaublich gealtert. „Laß uns mit dem Reisen noch ein Weilchen warten," bat Theodor, „bis Papa sich wenigstens einigermaßen erholt haben wird. Wenn wirsort' sind, ist er doch ganz allein. Du siehst, wie Mama dir fehlt, dem Papa fehlt sie doch '^sicher viel mehr — und wenn er da ganz allein wäre —" Sie schüttelte den Kops wie ein eigensinniges Kind, seinem fehlt die Mama so wie mir und keiner hat sie so lieb gehabt wie ich. Und überdies, jeder ist sich selbst der Nächste, wenn ich hier bleibe, gehe ich zu Grunde, darum will/, ich fort." ' 4 (Fortsetzung des RomanS siehe nächste Sette). aaa-aaa—Baas9S999Sä=SBsaa#-. Für de« fRetlametetl ist die fftebattimt nicht t/ermut*'. wörtlich: insbesondere ist eS ansfchliehlich Sache ktf' Leser, die im Reklameteil enthaltene« lkmpfeh ritueller Ware« oder sonstige Plnaabe« rel' liche» Charakters tmf ihre Zuverlässigkeit •:4 1 versprechende Reklame zu machen ist nur dem* Fachmann möglich. * Des* halb sollten Sie nicht versäumen sich unsere Dienste kostenlos nutzbar zn machen, indem Sie uns Ihre Inserate übertragen. Sie inseriren durch uns nicht nur billiger sondern sichern sich auch größtenteils weh alle diejenigen Vorteile, wdche wir auf Grund unserer langjährigen Beziehungen mit den Zeitungen genießen. Haasenstain Ai Vogler, R. B., * Frankfurt!. riS., Za» 4$ I. ■.i '■H -M Die ganze redende, singende UM Hat es ausprobiert und die glänzendste« Zeugnisse sprechen dafür, baß Fachs ächte Sodener Mtneral-Pastrlken für jeden, der viel sprechen oder fingen muß, für de» Parlamentarier, den Geistliche», de» Lehrer,- den Schauspieler, den Sänger unentbehrlich sind. 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