Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 45 (7.11.1907)
- Date
- 1907-11-07
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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«eitt lO. Nr. 46. Der JSraeltt. 7. November 1907. Ii £ I & fohn geheißen habe, eine Beschimpfung des Zions darstellen. Als Professor Arnold den Saal :at, herrschte zuerst vollkommene Stille. Kaum er redoch das erste Wort gesprochen, als ein ohrenlbender Lärm, zuerst Zischen nnd Pfeifen der 'Studenten losbrach. Man stampfte mit den Füßen und schlug mit den Stöcken aus den Boden. Zu bleicher Zeit erschollen stürmische Rufe: „Lesen Sie die Zeitung! Abzug!Pfui!" usw. Die nicht zionistischen Studenten, sowie die zahlreichen Hörermnen Arnolds brachen in begeistertes Händeklatschen und irk Heilrufe aui, Arnold aus. Als ein wenig Ruhe einge- 'treten war, sagte Professor Arnold: „Ich frage, oft Sie mich zu Wort kommen lassen werden?" — Stürmische Rufe: „Nein!" — Professor Arnold: „Ich ache den Demonstraten zu deoeuken, ob es ritterlich» wyal, ob es studentisch ist, einen Einzelnen zu bekämpfen nnd die Stimme eines Einzlnen durch Massenrafe zu übertönen. Sie kämpfen mit ungleichen Waffen." — „Nehmen Sie die Beschimpfungen zurück", riefen die Studenten, „wir wollen Sie ja nicht beschimpfen!" — Pros. Arnold: „Es wäre ja aussichtslos, wenn ich die Demonstranten — den Ursprung der Demonstration kann ich wohl vermuten — jetzt zu widerlegen trachten würde, da Sie m.ch ja nicht zu Worte kommen lassen." — Rufe: „O ja, wir Hassen Sie sprechen!" — Stürmische Gegenrufe: „916zug! Pfui!" — Prof. Arnold: „Meine Damen ne Herren! Ich bin der Ansicht, daß die Universität nicht der Boden ist, auf dem eine derartige Kontroverse auszutragen ist. Diese Kontroverse rst anderer älS wissenschaftlicher Natur!" — Stürmische Oho-Rufe: „Was Sie in Ihrem Buch sagen, gehört in kein wissenfthaftliches Buch!" — Professor Arnold: „Meine Herren, es ist. mir ganz unmöglich hier, wo ich berufen bin, Literaturgeschichte vorzutragen, meine Meinung über ein anderes Gebiet ausetnanderzusetzen. Es wäre mir ein leichtes, die akademische Autorität gegen die Demonstranten anznrnfen, welche sich in vollem Widerspruch mit den akademischen Gesetzen be- Kden. Ich bin der Meinung, daß es viel besser ist, nn Sie fetzt, nachdem Sie mir Ihr Mißfallen ausgg&tüdt haben, auch meine Meinung hören." — Rufe: Sie dürfen nicht beleidigen." — Neuerliche irnfe und Zischen. Darauf verließ Professor Arnold Hörsaal. — Professor Arnold wird morgen dem. Dekan der philosophischen Fakultät über die heutigen Vorgänge Bericht erstatten. Petersburg, 1. November. Die beiden ger.uubten jüdischen Mädchen Bella nnd Dora Postalitz sind, wie die kleine Bella einem Mitarbeiter des Pet. List, mitteilte, mit ihrer Zustimmung gesalbt und getauft worden. Beide Kinder sind derart von dem Fanatismus der Sektierer umstrickt worden, daß sie von den Eltern fort und zu den Sektierern zurückkehren wollen. verelnrnese«. Sr ff b'- : f - jfcv. i: Fraukfrt a. M., 5. Nov. Die Leitung des Vereins „Naala th Zwi" schreibt uns: «Nachdem es uns gelungen ist, von der Vermal ung der Israelitischen ReltgionSgeseUschast den Hörsal der neuen Synagoge für unsere zweite Abteilung zu gewinnen, sind wir in der angenehmen Lage, deren Kurs am kommenden rQW/ am 's. d. M., um 12 Uhr mittags eröffnen zu können. Herr Oberlehrer Dr. I. H. Bon di hat in liebenswürdiger Weise die Leitung dieses Kurses übernommen. Vorerst wird sich die Abteilung mit der Lektüre und Besprechung von S. R. Hirsch's „Neunzehn Briefen" beschäftigen. Wir laden hurzu jedermann ein und hoffen, daß sich insbesondere die Jugend recht stark beteiligen wird." Rhina, 4. Nov. Am vergangenen Samstag Abend veranstaltete der htcfige Synagogenchor eine kleine Abendunterhaltung. Bei dem Festmahl, bas aus diesem Anlaß stattfand, wechselten heitere Borträge mit von Humor gewürzten Toasten ab. Für daS Tischgebet wurde der respektable Betrag von 110 Mk. erzielt. Die Summe soll zu wohltätigen Zwecken verwendet werden. Zürich, 28. Olt. Im Verein „Montefiore" dahier sprach am Sonntag, 20. d. Mts. Herr S. Schachnowitz auS Endingen über „Jüdische Belletristik". Ter Redner, der auch den Lesern als Fachmann auf diesem Gebiete bekannt ist, erläuterte zunächst den Begriff der Belletristik und verfolgte dann die Pflege dieses Literaturzweiges bei den Juden aller Zeiten und Länder, von der talmudischen Zeit bis zur Blütezeit der hebräischen Dichtkunst in Spanien unter Jehüda Halevy und Iben Esrah und weiter bis zu Mendelssohn, in allen ihr.n Entwicklungsphasen. Er wteS ganz besonders auf das Hinübergreifen der sogenannten Aufklärungsepoche nach dem Osten hm, wo sie aber durch Preffe und Belletristik unter den ersten. Maskilim nicht nur eine aufklärende, sondern gleichzeitrg eine vrrherende Wirkung auSübt. Ohne die literarische Bedeutung eines Mapu, Smolenski oder gar deS genialen Dichters I. L. Gordon vertennen zu wollen, mutz man doch die Tatsache verzeichnen, daß die kulturelle Arbeit dieser Männer, weil sie aus dem Geiste der Verneinung und Zerstörung war, uns mehr zum Fluche als zum Segen gereichte. Die Giftkeime der östlichen Haskalah haben fich jedoch zu einer treibeüden Kraft entwickelt, die heute noch in der neuesten der ne en jüdischen Literatur, wie fie etwa von % erez und «sch vertreten wird, Gift und Haß in ta.usenbe junge' Herzen pflanzt. Wie beschämend, meinte Herr SchachhMitz, ist eS für uns, die wir ja auf der Entwicklung bei neu hebräischen Literatur und die sog. moderne jüdische Belletristik mit Stolz Hinweisen möchten, ste bei viel schmählichen Verleumdungen und Verdrehungen zu ~ id bei den Dichtern anderer Rayonen, wie bet Lefftng, Gutzkow, ja selbst bei Heine, der Rabbi als Sinnbild des Geistesadels von idealer Reinheit und Schönheit gilt, ist er den Werkm Mapius und GordonS der Ausbund alles Fanatismus, aller Heuchelei, der die Schuld an allem sozialen und geistigen, wirklichen und vermeintlichen Elende seiner Glaubenstreuen trägt. Die ntchrjüdischen Dichter — selbst diejenigen, welche wenig Verständnis und Wohlwollen für jüdisches Leben und jüdische Charaktere zeigen — lasten die Reinheit der jüdischen Familie unangetastet und können nicht die ethische Kraft leugnen, tie der Jude aus seiner unentwegten Anhänglichkeit zur Lehre seines Gottes schöpft. Freitags Ehrenthal ist ein Familienvater, den der Tod feines reinen Kindes in den Wahnsinn treibt. Masoch läßt den galizischen Juden, bei all seiner Schacherwut als frommes, gottergebenes Gemüt, als Menschen von Ehre und Treue gelten. Der fich aber nicht entvlödet, die jüdische Famiiie als Lasterhöhle und zudem noch die „heilige Thora" als Begleiterin der Unsttllichkeit auf die Bretter, die die Welt bedeuten, zu bringen, ist kein Anttsemit, sondern ein Jude, ein jüdischer Dichter modernsten Ka'ibers. Bon der deutsch-jüdischen Belletristik um die Mitte des 19. Jahrhunderts, weiß der Referent Erfreulicheres zu sagen. Philippsohn und Lehmann, Vertreter zweier Gegensätze innerhalb der deutschen Judenheit, beide aber gleich groß als Meister der jüdischen und historischen Erzählu g, haben Vortreffliches geschaffen. Ohne auf ihre religiösen Richtungen einz! gehen, schildert der Redner t ie charakteristischen Eigenschaften beider Autoren, ihre künstlerische Bedeutung ui& ihre Verdienste um die jüdische Belt etristik Lehmann nußte wie kein zweiter, wie es zu allen Zeiten und in allen Ländern um Juden und Judentum bestellt war, und verstand es meisterhaft, ob er von der Zeit der Gaonim oder der Inquisition erz> hlte, ob er einen Rabbi Joselmann oder das Stillleben einer jüdischen Familie in der Gegenwart schilderte, den einfachen, herzlichen Ton, den Weg zum jüdischen Herzen zu treffen. Von den speziellen Ghetto dichter n hob der Redner besonders Franzos, Kompert, Samueli, S. Kohn und Zangwill hervor, indem er auf das hinwies, was die Werke dieser chriflsteller auszejchnet, aber auch auf das, was ihren Wert beeinträchtig:. Reicher Beifall lornte den Vortragenden für stine schönen und lehrreichen . usführungen. Personalien. Mannheim, 1. November. Vor Kurzem feierte Herr Joseph Feist dahier mit seiner Gemäht in das Fest der coldenen Hochzeit. Der Jubilar steht im Alter von 77 Jahren, seine Gattin ist 69 Jahre alt) beide erfreuen sich großer Frische des Körpers und des Geistes. Herr Feist gründete vor über 50 Jahren in Ma nheim ein Taoakgeschäft, das er durch seine kaufmännische Tüchtigkeit, besonders aber durch die strenge Recht ichkeit seiner Grundsätze zu hoher Blüte brachte, svdaß es bis zur Auflösung vor zwei Jahren infolge .Krank:eit des Besitzers zu den angesehensten der Branche gehörte. Davon legten die zahlreichen Beweise hoher Ächtung, die Herrn Feist anläßlich der goldenen Hochzeit aus allen Kreisen der Geschäftswelt, ohne Unterschied der Konfession, erfuhr, schönes Zeugnis ab. Man schätzt in Herrn Feist aber auch vor allem den edlen Menschen, als welchen er fich in seiner manigfaltigen Tätigkeit im Dienste gemeinnütziger Zwecke bewährte. Bor fünf Jahren wurden seine Verdienste vom Großherzög durch die Verleihung des Zähringer-Löwen-Ordens anerkannt. Die Anteilnahme an der Feier der goldenen Hochzeit des Ehepaares war eine überaus starke und herzliche. Hunderte von Telegrammen und Briefen brachten die Glückwünsche und eine Fülle von Blumenspenden und Geschenken bewiesen die allgemeine Beliebtheit der Jubtlare. Unter den Blumenspenden ist die des Nationalltberalen Vereins hervorzuheben, zu dessen ältesten und treuesten Mitgliedern Herr Feist gehört. Auch der Verein für entlassene Sträflinge und der Verein für Jugendschutz, deren Vorstandsmitglied er ist, befanden sich unter den Gratulanten. Der Shnagogenrat her Gemeinde hat zur Beglückwünschung des Mitgliedes ihres Ausschusses eine Deputation entsandt. Der Vorstand der August-Lamey-Loge, deren Mitbegründer Herr Feist ist, überreichte einen goldenen Becher. Auch die Großloge (Bne Bris) in Berlin gratulierte durch Telegramm. Der Großherzog schenkte den Jubilaren ein schönes in Gold gerahmtes Bildnis seiner Eltern, das durch den Berzirksamtsvorstand unter sehr herzlicher Ansprache ausgehändigt wurde. Das Bild zeigt das großherzogliche Paar im Schmucke der eigenen goldenen Hochzeit. Hervorgehoben sei, daß Herr Feist und seine ob ihrer Herzensgüte hochgeschätzte Gattin in ihrem Leben und Wirken eine echtjüdische Religiosität betättgen. Hanau, 6. Nov. Am vergangenen Freitag wurde unsere Gemeinde durch den Tod des an der Schwelle des 74. Lebensjahres stehenden Herrn Anselm Für th n"y in tiefe Trauer versetzt. Der Verewigte war der letzte Sproß der alten Hanauer Familie Fürth, die seit langem eine Zierde unserer Gemeinde bildete. Wegen seiner Geistesgaben und seiner trefflichen Eigenschaften geachtet und geehrt, hat er über zwei Dezennien das Amt des ersten Vorstehers in unserer Gemeinde verwaltet und als solcher die Integrität der Gemeindeinstitutionen stets zu bewahren gewußt. Auch im Dienst der jüdischen Armenpflege entwickelte er eine segensreiche Tätigkeit. Die Kraft und Innigkeit, mit der [et an dm DWU D'©' als 1128 JT^tP die Herzen der Beter bewegte, wird allen, die .ihn gehört haben, dauernd in Erinnerung bleiben. Sein Hinschetden schlägt der Gemeinde Hanau eine schwere Wunde. DaS kam auch in.tan ergreifenden- ■•ivi -©DD/ in dem Herr ProvtUztalrabbiner Dr. Bamberger daS Charakterbild deS Dahingegangenen zeichnete, zu lebhaftem Ausdruck. n"^uin. Burgkunstadt, 4. Nov. Heute wurde unter allgemeiner Beteiligung Herr Hauptlehrer Jonas Rorbhäuser von Altemunstadt in, Alter von erst 58 Jahren zu Grabe getragen. Um ihn trauert mit der Familie und den zahlreichen Freunden die Gemeinde, in der er 28 Jahre hindurch seines Amtes als Religions- und Elementarlehrer gewaltet hat. Bon nah und fern war man herbeigeeilt, um dem hochverehrten Mann, dem wackeren Jugendbildner, der sich allgemeiner Achtung und Liebe erstellte, das letzte Geleite zu geben. Herr Distrikts rabbtner Dr. Goitein von Burgkunstadt schilderte am Grabe in tiefempfundenen Worten das Leben und Wirken des Heimgegangenen, Herr Hauprlehrer Löwenstern daselbst sprach im Namen der anwesenden Kollegen und nahm in ergreifender Weise Abschied von dem Verwandten und Freunde. Auch der Bezirkslehrerverein Wetsmatn brachte seine Teilnahme an dem Verlust in herzlicher Weise zum Au< druck. ,1"28^N - Kronach, 1. Nov. Samstag, den 10. ds. Monats, waren 25 Jahre verfioffen, seitdem unser bei der hiesigen Bevölkerung ohne Unterschied des Glaubens überaus beliebter und geachteter Lehrer und Kantor Herr M. Metzle r seine Wirksamkeit in der hiefigen Kultusgemeinde begonnen hat. Das Jubiläum gestaltete sich zu einer würdigen und sehr herzlichen Feier, v m Freitag Abend brachte der Gesangverein „Cäcilia" dem Jubilar e n Ständchen, wobei auch treffliche Ansprachen gehalten wurden. In der Synagoge predigte Samstag morgens Herr Bezirksrabb ner Dr. Gottein,' er gedachte in seiner Rede der Verdienste des.Jubilars und betonte besonders, daß dieser die Thora nicht nur lehre, sondern der Jugend und der Gemeinde in ihrer Erfüllung mit vorbildlicher Weise vorangehe. Nach dem Gottesdienste versammelte sich die Gemeinde in der Wohnung des Herrn Wetzler, wo ihm Herr Roß mann als stellvertretender Vorstand herzliche Worte des Dankes und der Anerkennung aussprach und wertvolle Geschen e im Ngmen der Gemeinde überreichte. Das Gleiche besorgte > ann Herr Marx als Vorsteher der Gemeinde Overlangenstat. Biele Glückwunschschreiben und Depeschen waren eingelaufen. Es war eine verdiente, für den Jubilar und seine Gattin erhebende, unvergeßliche Ehrung. Frankfurt a. M., 4. Nov. Frau Johanna Hichenberg feierte im Kreise ihrer Familie am vergangene/! Samstag unter vielseitiger Teilnahme ihren 70. Geburtstag. Zustellung des Israelit! Sämtliche für unsere Post - Abonnenten bestimmten Exemplare liefern wir der hiesigen ZeiwngSsielle Donnerstag abend ein» so daß jeder Abonnent innerhalb Deutschlands spätestens Samstag in den Besitz der Zeitung gelangen muß. Sollte in der Zustellung des Blattes eine Verspätung Vorkommen oder eine Nummer gänzlich ausbleiben, so bitten wir dringend, bei dem Postamte am Wohnort deS Abonnenten reklamieren zu wollen. DaS betreffende Postamt ist verpflichtet, unverzüglich von dem hiesigen Postzeitungsamt Nachlieferung der fehlenden Nummer zu verlangen. Erfolgt jedoch auf diese Beschwerde hin, keine Remedur, so bitten wir, erst dann uns entsprechende Mitteilung zu machen. Nur Abonnenten, die unsere Zeitung unter Streifband zugestellt erhalten, wollen direkt bei rms Reklamationen einreichen. Verlas äes Israelit. 6; m. b. H. Frankfurt a. M„ Hansabäus. Tamiliennacftricbten. Verlobt: Lina Re ich mit Sigmund Harburg er. Recktndorf-LeuterSbausen (Baden.) — Alma Schwarz mit Feist Samuel, Schildberg-Hohensalza. Geburten: Ein Sohn:Distriktsrabbiner Dr. N. Cohn (Auerbach), Bnrgpreppach. — Eine Tochter: Emanuel Landau (Hirsch), Frankfurt a. M. Barmlzwohfeier: Siegfried, Sohn von Benno Frank, Thüngen (Payern). Sabbat-Anfang u. Ausgang. nn^rv ORT: Anfang Datum Ausgang UhriMin. 1907 5667 UhrlMin. 9. Nov. 3. Kislew. Frankfurt a. M 4 25 5 40 Berlin ... — — 5 l8 München . . . 4 30 5 25 Straftburg . 5 00 5 40 Stuttgart. . . 4 30 5 32* Pole» . . — — 4 54 Nürnberg — ■ — $ 25- Hamburg. — — 5 25- Prag. . .. . ,.— [f .(F 10>