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Der Israelit · 1907-11-07 · Heft 45 (7.11.1907) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 45 (7.11.1907)
Date
1907-11-07
Page
– (sequence 7)
Language
German
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7. Ror«cker 1907. ,.. ■ .-■■■■-- i - .■■■■■■ Hermann Lehmann und Jakob Strauß in Frankfurt a. M., sowie Herr Distriktsrabbiner Bamberger in Würzburg nehmen Gaben für die Schule Ez Chajim entgegen. Berlin- 4. Novbx. Der Hilfsverein der Deutschen Juden hat gemeinsam mi dem „Frankfurter Hilfskomitee für die notleidenden osteuropäischen Juden" für die durch Brand heimgesuchte Stadt Shwanez 5000 und für Maisad, das abermals von einer Brandkatastrophe betroffen worden ist, weitere 1000 Mk. überwiesen. Breslau,' 1. November. Wir haben in voriger Nummer. mitgeteilt, daß die Repräsentanten.versammlung der hiesigen Gemeinde beschlossen hat, fürder bei der Bestattung von Aschenurnen auf dem Friedhof die Verrichtung eines Gebetes (den Wortlaut haben wir zitiert) durch den Rabbiner zuzulassen. Es soll jedoch weder auf den amtierenden Rabbiner noch auf andere Beamte ein Zwang, das Gebet zu sprechen, ausgeübt werden dürfen. Letztere Bestimmung war auch in der vom Gemeindevorstand den Repräsentanten zur Beschlußfassung gemachten Vorlage enthalten, fand aber in der Debatte seitens des Repräsentanten Dr. Reich heftige Gegnerschaft. Dieser Herr, der Vorsitzende des „Liberalen" Vereins der Synagogengemeinde Breslau, hat sich nämlich nach dem Jüd. Bolksblatt, dem wir freilich die Verantwortung für die Genauigkeits des Berichts überlassen müssen, in folgender denkwürdiger Weise geäußert: .......... Bis jetzt hot die Beisetzung ohne Andacht stattgefunden. Der Vorstand will Abhilfe schaffen, das erkenne ich dankbar an. Aber was er mit der einen Hand gibt, nimmt er mit der andern. Er will niemand zwingen, das Gebet zu sprechen, das ist noch schlimmer. Bisher wußten die Angehörigen wenigstens, daß nichts gesprochen wird; jetzt kommen sie hinaus (auf den Friedhof) und werden getäuscht. Wenn der Vorstand es beschlossen hat, so muß -der Beamte das Gebet sprechen. Man soll sich nur an den Beamten halten, der es tut? Jeder muß das Gebet sprechen: der es nicht will, soll sein Amt niederlegen... . Im Namen der großen liberalen Aynagogengemeinde Breslaus verlange ich, daß der liberale Rabbiner das Gebet spricht, wenn der orthodoxe Fanatiker es ablehnt. Es handelt sich hier um die Erfüllung einer humanitären Pflicht, um eine rein ethische Sache, die mit der Religion nichts zu tun hat. Wenn wir es beschlossen haben, müssen es die Beamten tun. .... Wir haben unfern Kontrakt mit den Rabbinern. Wir haben mit dem liberalen Rabbiner vereinbart, daß er auch andere Zeremonien aüsübt, das hat er zu befolgen. Als er einmal sich weigerte, ein Kind, das die Eltern nicht beschneiden wollten, einzusegnen, hat ihn der Vorstand darauf aufmerksam gemacht, daß er nach seinem Kontrakt das Gebet zu sprechen hat. Wir sind nicht von unfern Rabbinern abhängig, sondern die Rabbiner von uns. Wenn die Gemeinde liberal ist, so kann sie nicht alles tun, was die Rabbiner wollen. Die Herren wollen ja auck' in die Gemeindeverwaltung hineinkommen. Es wird ja auch vielleicht einmal dahin kommen. Bis dahin haben, wir noch den Rabbinern vorzuschreiben. Die Rabbiner haben den Gemeinden zu folgen. Sie können sich darauf verlassen, daß niemand etwas verlangen wiro, was gegen die Religion ist.' Das sollen sie uns noch bewerfen. Das sind Worte, die den „Liberalismus" und die vielgerühmte Toleranz unsrer „liberalen" Juden trefflich beleuchten. Die vom Führer der Breslauer „Liberalen" in aller Unbefangenheit gemachte? Aeußerungen über die Art, wie er sich das rechte Verhältnis des Rabbiners zur Gemeindeverwaltung denkt, sind ein unschätzbares Dokument, das nicht der Vergessenheit anheimfallen darf. B r e s l a u, 6. November. Der Gesamtausschuß des Kaufmannsgerichts hat am 22. Oktober in Sachen der Sonntagsruhe y. a. folgenden Beschluß gefaßt: „Diejenigen jüdischen Engrosgeschäfte, welche Sonnabends völlig geschlossen halten, dürfen, auf eine Petition der Verbandes der Sabbatfreunde hin, ihr jüdisches Personal Sonntags von 8—9 und von 11—ly* Uhr beschäftigen, jedoch unter Ausschluß des Verkaufs zu anderer als der sonst zulässigen Zeit." — Hoffentlich findet dieser Antrag die Zustimmung der städtischen Gremien. Der JSraeltt. Rr. 48 Sette 7 Str aß bürg, 4. Novbr. Wie nicht anders m erwarten war, hat die Partei der Herren A. Durlach, Em. Mcyer-Scheyen und K. Kaufmann bei der am Sonntag stattgcfundenen Wahl gesiegt) in Erstaunen gesetzt hat nur die große.Zahl der Stimmen, die Herr A. D. und damit sein System auf sich vereinigt hat. Bei der sehr energisch betriebenen Agitation der Gegenparteien (denn am letzten Tage hatte sich noch eine dritte Partei gebilde t) bis zur letzten Minute hatte man für die andern Kandidaten ein günstigeres Resultat erwartet. Es wird, wie in dem letzten Bericht bereits angedeutet war, nunmehr aber der Sitz des Herrn Jules Klein frei, der in der Sitzung vom 28. Oktober erklärt hat, nicht mehr mit Herrn Durlach zusammen arbeiten zu können, falls letzterer nicht eine konsistoriale Geschäfte betreffende Behauptung zurücknimmt, was nicht geschehen ist. Außerdem hat Herr Mathieu Bloch sein Amt niedergelegt. Die jetzt unterlegene Gruppe kann somit binnen kurzer Zeit nun doch ihr Ziel erreichen, wenn sie sich jetzt der Durlachschen Partei anschließt. Für Kenner unterelsässischer Konsistorialverhältnisse gilt das als nicht unwahrscheinlich. Straßburg, 24. Oktober. Die Gründung des „Vereins zur Förderung des gesetzestreuen Judentums in der Schweiz" hat einen biederen jüdischen Eidgenossen von der anderen Fakultät in große Aufregung versetzt, der er durch einen in der „Straßb. Wochenschrift" veröffentlichten Artikel Ausdruck verlieh. Der Zusammenschluß der Orthodoxen, den wir für einen sehr erfreulichen Vorgang halten, erscheint ihm als eine furchtbare Gefahr für den Bestand des schweizerischen Judentums. Gilt ihm doch, nach berühmten Mustern, gerade die Orthodoxie als die Ursache, des religiösen Niedergangs. Er scheut sich nicht einmal, sogar die Mischehen, die in der Schweiz in der Zunahme begriffen seien, berv Orthodoxen aufs Schuldkonto zu schreiben. „Auch die Mischehen," sagte er, „hat man ebensowenig wie die Neuorthodoxie (!) vor 20 Jahren bei uns gekannt. Die Gegensätze berühren sich." Das steht tatsächlich auf dem geduldigen Papier der „Straßb. Wochenschrift." Auf welches sittliche Niveau die Hanswurftiade, die auch von der „frummen Gemeinde Basel" spricht, sich erhebt, das möge durch folgenden Passus illustriert werden: „In nächster Zeit wird die Gemeinde Bern die Existenz der neuen Macht (des orthodoxen Vereins) zu fühlen bekommen. Das dortige Tauchbad entspricht zu sehr westeuropäischen Begriffen, dem soll abgeholfen werden. Der Volksmund, der gern an Nebensächliches anknüpft, spricht darum von der Gesellschaft für die Gründung eidgenössischer Mikwehs." In diesem nobelen Ton ist der ganze Artikel gehalten. Das Opus war offenbar erst dem „Schweizerischen israel. Wochenblatt" zum Abdruck angeboten und dort abgelehnt worden. Der Verfasser richtet nämlich heftige Angriffe gegen diese Zeitschrift, die — auch das ganz in der Weise der von einer verjudeten Presse redenden. Antisemiten — orthodoxer Anwandlungen bezichtigt wird. Das Schweizerische Organ wird dann auch in verhüllter Form geschäftlich bedroht und gleichzeitig die Gastfreundschaft des Straßburger Blattes gelobt, „das ja auch in der Schweiz recht erfreuliche Erfolge aufzuweisen habe." Auf jeden Fall bekundet die „Schweizerische israel. Wochenschrift" noch einen gesunden Geschmack und auch Sinn für geschäftliche Reinlichkeit, wenn sie solchen und ähnlichen Auslassungen in ihren Spalten kein Heimatsrecht gewährt. Straßburg, 4. Novbr. Die Redaktion des Straßburger Israel. Familienblattes verwahrt sich in einem Schreiben an uns gegen einen Paffus der Korrespondenz in voriger Nummer über die Konsistorialwahlen im Unter-Elsaß, in dem sie den Vorwurf der Parteilichkeit während des verflloffenen Wahlkampfes zu erkennen glaubt. Die Zuschrift erklärt es für falsch, daß die Redaktion des Blattes einen Unterschied „zwischen dem Bericht eines Einsenders ohne exitdeton Omans und demjenigen von einer „sehr geschätzten Seite" gemacht habe. Sie gebrauche die verschiedenartigen Bezeichnungen der Einfendunaen ohne Wahl und habe beide Parteien in gleicher Weise zum Worte kommen lassen. — Die Lektüre der betr. Nummer der Wochenschrift hat uns in der Tat überzeugt, daß die einander befehdenden Wahlkämpfer ziemlich unbegrenzte Redefreiheit in dem Blatte gen offen, sogar dann, wenn sie sich nicht sehr artig benahmen. Ungarn. Ein ungarischer Judenfag. (Bon unserem Korrespondenten.) I. B u d a p e st, im November. Der gewesene Reichstagsabgeordnete Dr. Paul Mandl, eine der bewährtesten Stützen des ungarischen Reformjudentums, hat in der Presse die Abhaltung einer „großen jüdischen Landesversammlung" in Anregung gebracht. Mandl, der im Kreise seiner Gesinnungsgenossen eine führende Stellung einnimmt, wünscht sogar, daß diese Veranstaltung zur permanenten Institution der ungarischen Judenheit ausgebjldet werde. Zu welchem Zwecke? Wir hören da die bekannten Lamentationen. Die ungarischen Juden sind nicht organisiert. Die bestehenden Juden-Verfassungen, die der Orchodoxen sowohl wie die der Neologen, haben keine esetzliche Basis, d. h. sie sind nicht von der egislative bekräftigt. Es gibt zwei jüdische Landeskanzleien, als offizielle Landesvertretung zählt jedoch weder die eine noch die andere. Jeder derselben fehlt die gesetzliche Grundlage. Die übrigen Konfessionen haben ih^e Verfassungen durch entsprechende Landesgesetze gesichert erhalten. Es muß auch für das ungarische Judentum eine Landesvertretung geschaffen werden, die dem. Staate oder der staatlichen Repräsentanz gegenüber der berechtigte Fürsprecher der Jntereffen der Gesamtjüdenheit wäre. Dann wird auch die jüdische Konfession die ihr gebührende staatliche Subvention nicht als Almosen, sondern nach Recht und Gesetz erhalten. Im Magnatenhause wird ein jüdischer Bischof sitzen. Die Konsumgenossenschaften werden die jüdischen Kleinhändler nicht zu Bettlern machen. Die jüdischen Fachmänner werden nicht nur zu staatlichen Stellungen, sondern auch zu Komitatsämtern ohne schwere Kämpfe gelangen. Und auch gegen die ungesetzliche Vollziehung der Taufe jüdischer Kinder wird der Schutz des Staates angerufen werden können. Die erste Landesversammlung soll noch Heuer in Budapest abgehalten werden, die fer- . neren jährlich abwechselnd an anderen Orten. Die Landesversammlung wird sich mit keiner politischen Partei verbinden, sondern sich lediglich auf die Angelegenheiten der jüdischen Konfession beschränken. Für diese Idee wird seit Wochen im offiziellen Organ der Neologen agitiert. Hervorragende Führer der Kongreßpartei haben schon mit großer Begeisterung ihre Zustimmung zu diesem Projekte erteilt, und wenn die Zeichen nicht trügen, so hat das gesetzestteue Judentum alle Ursache mit der Eventualität einer solchen Veranstaltung ganz ernstlich zu rechnen. Die ungarische Orthodoxie hat es hier mit einer neuen, aber picht minder gefährlichen, weil in der Form sehr verfänglichen Taktik der Neologen zu tun, die wir auf ihre historischen Äntecedentien und ihre Ziele eingehend prüfen wollen. Budapest, 1. Novbr. Es freut mich, aus dem neologen „Egyenlöseg" einmal eine auch für das gesetzestreue Judentum erfteuliche Nachricht reproduzieren zu können. Das Blatt berichtet nämlich, daß unter den Großhändlern eine Bewegung im Zuge sei, die Sabbath- und Jom Tow-Sperre der jüdischen Engrosgefchäfte herbeizuführen. Die Firma Brüder Grünbaum, die seit dem jüngsten Rosch-Haschonoh das Geschäft am Sabbath schließt und ihre zahlreichen Angestellten in die Synagoge schickt, hat den Anstoß

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