Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 45 (7.11.1907)
- Date
- 1907-11-07
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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\^‘-Aif <V.vjf 'y. MLe 4. »r. 4S Der JSraM. hinter falsche Friedensliebe geflüchtet, wü er ^erzieherisch und veredelnd aus oie Gesittung seiner Glaubensbrüder hätte wirken sollen, durch wehr! Entschiedenheit und Vorsicht seinerseits jene Verbrechen der Unvorsichtigkeit, wie sie in den Verbannuttasstädten gesühnt wurden, unmöglich machen/konnte. Wäre die Welt immer so beschaffen, daß wir ohne Scheu und Enttäuschung das grenzenlose Vertrauen Isaaks auch auf religiösem Gebiete hegen könnten, um wie viel besser wäre es Um uns alle bestellt! Welche Lust und Freude wäre es zu leben! Aber da auch Isaak nicht nur einen Abraham vor sich hatte, oa auch ihm das grausam falsche und heuchlerische Leben in der Gestalt Esaus entgegentrat, so blieb auch ihm die traurige Kehrseite der herrlichen Medaille mit aff ihren erschütternden Wirkungen auf die reine Seele nicht erspart: Aus dem gleichen blinden Vertrauen, das Abraham gegenüber zur Quelle des himmlischen Liches ward, erwuchsen ihm all die Schatten und Leiden der Hölle bei der zu späten Erkenntnis des wahren Charakters Esaus nfctfte ninL Dir na ntn. ' , Als Isaak auf dem Altäre lag, t>a weinten die Engel heiße Tränen. Es waren Tränen der Rührung über die aus reinem Vertrauen entsprungene ungeheure Selbstverleugnung eines Menschenkindes. Da aber Isaak nicht unter Engeln, sondern unter Menschen zu wandeln hatte, so wurden jene Tränen der Rührung, deren Spuren er in seine Augen ausgenommen, später zu Tränen des Jammers, des tiefen, Schmerzes und der bittersten Enttäuschung. Augen, die zu den Engeln emporschauen, sehen die Bosheit eines Esau nicht. Es waren noch die Spuren der Engeltränen, die die Augen Isaaks im Alter blendeten. Lin Sevdschttibe« Dr. David bollmannr. Das bereits in Aussicht gestellte Sendschreiben des Herrn Rektor Dr Hoffmann betr. das badische Oberratsgebetbuch liegt nun vor. Die Vorzüge, die die anderen Werke des Verfassers auszeichnen, die seltene Abgeklärtheit und Gründlichkeit der Darstellung und die Schlagkraft der Beweisführung, sichern auch dieser Gelegenheitsschrift einen hohen Wert. Wir geben hier die wichtigsten Teile derselben wieder, freilich nicht, um noch ein weiteres zur Charakteristik des Gebetbuches beizutragen, sondern wegen der prinzipielle^. '•*; " ' ' 7.' weit über den Rahmen der Gelegenheit hlnäüs greifenden Bedeutung der vortrefflichen Aüsführungen. An den Herrn Vorsitzenden des „Verein zur Wahrung des gesetzestreuen Judentums in Baden". Sie waren so freundlich, mir Dr. Stellmachers „Denkschrift zur Begründung des von dem Großherzoglich Badischen Oberrate' der der Israeliten herausgegebenen Gebetbuchentwurfs" zuzusenden, mit dem Ersuchen, eine Widerlegung dieser Schrift zur Beruhigung und Stärkung Ihrer Gesinnungsgenossen Ihnen möglichst bald zukommen zu lassen. Nun glaubte ich anfangs, mir diese ganze Mühe, die mir doppelt schwer fällt, weil ich mich auf einem Sommeraufenthalte ohne die nötigen literarischen Hilfsmittel befinde, vollkommen ersparen zu können. Der Verfasser der „Denkschrift" schreibt (S. 96): „Das Werk des Oberrates war von vornherein nicht für die von den Gutachtern vertretene religiöse Richtung bestimmt," und ich meine mit noch größerem Rechte behaupten zu können, daß mein kurzes Gutachten (und ich. glaube dies auch von den übrigen gesetzestreuen Gutachten annehmen zu dürfen) einzig und allein den glaubenstreuen Juden Badens den erbetenen Bescheid erteilen wollte, wie sie sich bezüglich des neuen Gebetbuches nckch den Vorschriften des Religionsgesetzes zu verhalten haben. Wozu also das Debattieren zwischen zwei hinsichtlich der vorliegenden Frage vollständig voneinander divergierenden Richtungen? Der glaubens- und gesetzestreue Jude erblickt in den Institutionen des Judentums die untrüglichste Offenbarung des göttlichen Willens, sie sind ihm daher die einzigen MittK zur Erfüllung seines israelitischen Berufes. Als Schöpfung des ewigen Gottes haben sie für ihn ewige Bedeutung, und ihre zeitweilige Suspension ist ihm kern Beweis für ihre bloß temporäre Giltigkeit, vielmehr harrt er mit Zuversicht auf das Ende der vorübergehenden Nnbrechung dieser Institutionen und glaubt er mit Gewißheit, daß sie zur Messiaszert wiederhergestellt sein werden. Dies gilt sowohl von„äÜ den Pflichten, die mit dem Boden des heiligen Landes zusammenhangen, als auch von den Gesetzen^ die vom Bestände des Tempels bedingt sind. Mit heißem Verlangen sehnt er sich daher nach der Zeit des Messias, die einerseits ein goldenes und beglücktes Zeitalter für die ganze Menschheit bedeutet, andererseits es dem Israeliten ermöglichen, wird, der Segnungen auch derjenigen Einrichtungen des Judentums teilhaft zu Herden,. die durch Erfahrung gewitzigt, von der Geschichte gewarnt, sagt uns der weise Rat der alten Lehrer: „Verschwendet eure Glaubenskraft nicht an Unwürdige, auch nicht an diejenigen, die mit Wundern und himmlischen Zeichen ihre vermeintlichen gött- . lichen Eingebungen zu bekräftigen suchen. Suggestion uno Blendwerk, im; besten Falle Selbsttäuschung ist es!" — Und übersetzen wir diesen Gedanken in die Sprache des (Möglichen Lebens. Wieviel naiver Leichtgläubigkeit begegnen wir doch täglich auf religiösem Gebiete! „Es ist ein Jude und auf seinem Schilde steht “itto, so kann M ohne Bedenken bei ihm essen." Sie wäre geradezu rührend, diese Arglosigkeit, diese Vertrauensseligkeit, wüßte man nicht, daß dieselbe harmlose Seele vor einer Viertelstunde trotz aller Beteuerungen und Behauptungen des Geschäftsfreundes, der ebenfalls Jude. ist, dessen Angaben solange in Zweifel zog, bis sie sich durch eigene gründliche Prüfung von den Vortellen des Geschäfts überzeugt hatte. Rührend wirken auch jene harmlosen Naturen, jene treuen Gemüter, die mit arglosem Heitzen und geschloffenen Augen in ihrer Umgang wandeln, ohne sehen und hören zu wollen und die sich noch auf diese Friedensliebe und Allerweltsfreundlichkeit etwas zu tun. Wer nichts sieht, dem wird es trotzdem nicht entgehen, und wer Nicht denkt, dem bleibt es selten geschenkt. Wurde die Leiche eines Entschlafenen gefunden lehrt die Schrift — so mußten die Aeltesten der nächsten Stadt ein Katb opfern und bekennen: „Unsere Hände haben dieses Blut nicht vergoffen, unsere Augen haben es nicht gesehen." Und warum Opfer, Buße und Bekenntnis, wenn sie den Mord weder begangen, noch verschuldet, noch je etwas davon wußten? Die Antwort liegt, nach einer ebenso wahren wie geistvollen Schrifterklärung in der Form und dem Wortlaute des Bekenntnisses selber: „Wohl hüben unsere Hände dieses Blut nicht vergoffen, Und doch können wir sie nicht ganz in Unschuld waschen, denn unsere Augen haben nicht gesehen." Das Nichtsehen, da wo Me Natur der Sache offenes Auge und eingehende Prüfung Erfordert, kann zur gewaltigen Unterlassungssünde werden, deren Folgen unberechenbar sind. Mußte doch auch der Hohepriester mit dem trau- 3' en Faktum rechnen, daß die wegen unbeabtigter Tötung Verbannten seinen Tod, durch allein sie aus ihrer Verbannung befreit werden konnten, herbeiwünschten, well, wie die Lehrer erklären, nrlb ti1?) ninv? i? rrntr, er vielleicht oft das Auge geschloffen, wo er hätte sehen müssen, sich bequemer Weise zurückgezogen, ptben betrügen taffen. Also: Rudow liegt bei Rirdorf und dieses bei Berlin. In besagtem Rudow ließ sich ein jüdischer Arzt nieder, der nicht nur deutsch genannt, sondern auch als christlich bekannt werden wollte. Und flugs ließ sich der junge Arzt taufen und stellte sich eines Tages dem Pastor als Glaubensgenosse vor. Der sieht überrascht den frischen Christen an. „Und was hat Sie veranlaßt, Ihren Glauben zu wechseln?" Der soeben verflossene Jude antwortete, er fitze d'och täglich mit den Herren Honoratioren an deren Tafelrunde als der einzige Jude und habe angenommen, daß sein Uebertritt den Herren nur angenehm sein könne. Darauf der Pfarrer: „Ein Mensch, der wegen solcher Lappalien fernen Glauben abfchwört, ist ein Lump, und mit einem solchen mag ich überhaupt nicht verkehren!" £, daß es doch vieler solcher charaktervoller Geistlichen gäbe! Im Großen, Ganzen nehmen die Taufen noch immer zu und man zählt deren noch allmonatlich 20 bis 25. So ließ sich ein in Alt-Moabit an^ süffiger, aus-Breslau gebürttger Arzt taufen, um — Eisenbahnarzt werden zu können; ein junger, edler Mensch, aus Ratibor gebürtig, um als abgängiger Einjährig-Freiwilliger die Knöpfe zu bekommen, ein ebenso charaktervoller junger Mann, aus Liegnitz an *ber Katzbach gebürtig, um direkter aus sein juristisches Ziel lossteuern zu können, zwei Pennäler, um das Band der Markomannen tragen und mit diesen kneipen , zu dürfen, einer, um den Namen Cohn los zu werden. Das Köstlichste ist folgendes, das nicht etwa ein schlecht 1 erfundener Witz, sondern eine auch in weiteren Kreisen ' bekannte Tatsache ist. Ein Mann, nennen wir ihn Z , j der im Börsencafö täglich mit glaubensgenössischen Geschäftsfreunden verkehrt, teilt diesen eines TaaeS «it, daß er sich aus „OpportunitätSgründen" habe! taufen lassen. chäränf erheben sich zwei der Herren j ° 1 und erklären, mit ihm keinen Verkehr Pflegen zu wollen, denn das seien sie ihrer Ehre als Juden schuldig. Der arme neue Christ ist ganz unglücklich, denn bisher hatte kein Taufjude durch seinen Uebertritt auch nur das Geringste bei den ehemaligen Glaubensgenossen an Ansehen verloren. Und nun auf einmal dieser unerklärliche Stimmungswechsel. Er geht der Sache näher auf den Grund und hört zu seinem Erstaunen, daß er eine höchst ehrlose Handlung begangen. Die folgende Unterhaltung spielte sich nun wortgetreu crfrT Z.: „Mer so hat man doch bis heute mcht über das Taufen gedacht." P.: „Nun wissen Sie aber, daß jeder anständige Mensch es ehrlos findet, als Jude sich taufen zu lassen, und ich wünsche nicht weiter mehr mit Ihnen zu verkehren." Z. * zu sämtlichen drei Anwesenden: „Na, wenn Sie nur deshalb nicht weiter mit mir verkehren, will ich meinetwegen wieder Jude werden." Tatsächlich ist Z. „wieder Jude". Näheres im Börsencafö oder zwischen 1/21—2 Uhr im Cas6 Bauer zu erfahren. Wenn es auch schwer ist zu sägen, ob die Jüdentaufen in Berlin ihren Kulminationspunkt erreicht oder schon überschritten haben, so kann man doch, wahruehmen, wie in gewrffen einflußreichen Kreisen'' der jüdischen Gesellschaft sich ein wachsender Widerwille dagegen geltend macht Daraus freilich weitergehende optimistische Schlüffe zu ziehen, wäre sehr verfehlt. Denn schließlich besteht doch das Judentum .nicht einfach im Si^nichttaufen- ) A. 8. lassen. (Iltiter de« Ra«e» Keplerbnnv) ist eine Ber- Äniaung von Gelehrten und Laien im Entstehen be- Iftssen, düi im Gegensatz zum Monismus eine Ber- -hrrung Äerfiester' Nctlurerkenntnis mit philosophischer Einsicht und religiöser Erfahrung für möglich hält und sie-durum erstrebt. Der neue Bund erläßt einen Aufriss, der von über 200 Namen guten Klanges unterzeichnet ist. Die Namen umfassen «2 Naturwissenschaftler und Angehörige der philosophischen Fakttltät, 33 Mediziner, 30 Juristen, 29 Theologen, 21 Industrielle und Kaufleute, 14 andere Berufe; darunter sind 41 Hochschulprofessoren. In dem Aufruf heißt es: „Die Fortschritte oer Naturwisenschast erwecken andauernd und im wachsenden Maße die Aufmerksamkeit und Bewunderung unserer Zeit. In das Verständnis ihrer Ergebnisse ernzudringen und sie *ur Ausgestaltung unseres Wetbildes zu verwerten, ist mcht nur eine unerläßliche Aufgabe aller gebildeten und aller denkenden Menschen, sondern zugleich eine Quelle immer neuer Freuden. Und wie eng hängt die Auffassung der. Natur mit unserer. Weltanschauung, der Grundlage unseres geistigen', sittlichen und religiösen Lebens zusammen. Es ist daher ein .hochbedeutsames und zugleich ideales Werk, an welches der neugegrundete Keplerbund herantritt, wenn er sich die Förderung der Naturerkenntnis in der Gesamtheit unseres Volks zum Ziele setzt. Was die Forscher in emsiger Arbeit gefunden haben, das soll in Wort und Schrift barch Männer der Wissenschaft in gemeinverständlicher. Übersichtlicher Form dargeöoten und unter Beobachtung der Ganzen des Naturerkemrens mehr und mehr zu einem Bestandteil des allgemeinen Wissens gemacht werden. Der Keplerbund steht auf dem ÄodMi der FteihTt der Wissenschaft und erkennt als einzige TeniEErgründung und den Dienst der Wahrheit" ttn. dÜbSr der Ueberzeugung, daß die Wahrheit ttt monie der wissenschaftlichen Tatsachen mit hifchen Erkennen und der religiösen Ert, Dadurch unterßchewet. sich der •..ftwe# ssrwekfe von t&m in mmettmrstifchech DdU- JS