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Der Israelit · 1907-11-07 · Heft 45 (7.11.1907) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 45 (7.11.1907)
Date
1907-11-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Sette 8. He. 45 ßiM ivetöen sie die Nadelstiche, die man aV Juden ihnen zufügt, mit der stolzen Würde des seiner Pflichtaufgabe bewußten Menschenzu ertragen wissen und darum nicht aufhören in Treue und liebender Dankbarkeit der reichen sittlichen Güter zu gedenken, die der Staat ihnen gleich allen anderen Staatsbürgern gewährleistet. Wahren wir prinzipiell unsre verfassungsmäßiaen Rechte, aber hüten wir wir uns vor der Uebertreibung, die Gleichstellung derJudenheit mit der Ehre des Judentums zu verwechseln und an die Stelle eckten religiösen Pflichtbewußtseins das hohle JoÄ der staatlichen Aemterjagd zu setzen. Das scheint uns der einzig richtige Standpunkt den wir als Juden und Äs Deutsche zur Frage der Gleichberechtigung heute einzunehmen haben und der sich nicht im Prinzip, wohl aber in der Tonart von demjenigen des Herrn Dr. Goldseiner <§r “ und seiner Gesinnungsgenossen unter- Wir haben nicht den Ehrgeiz den Herrn Rabbiner diesem Standpunkte zu gewinnen, aber wir lehnen auch feinen Bekehrungsversuch ebenso freundlich ab, wie er freundlich gemeint war. Die Sonnfagsrniie in Sremhreich- Das vor etwa Jahresfrist im französischen Parlament angenommene Gesetz über die Sonntagsruhe der Angestellten hat in der kurzen Zeit seiner Geltung so viel Mängel gezeigt, daß eine Abänderung unumgänglich erscheint und auch schon eingeleitet ist. Eine Kommission der Deputierten Kammer ist gegenwärtig mit oer Beratung der Frage beschäftigt und eS gilt nun für die jüdischen Interessenten, die Gelegenheit wahrzunehmen und die Einreihung der sonntäglichen Beschäftigung von Angestellten, die am Sabbath geruht hohen, unter die vom Gesetz vorgesehenen Ausnahmen durchzusetzen. Im vorigen Jahr ist bei der LegiSlatwe nichts Geeignetes in dieser Richtung unternommen worden. Eine vom Zentral-Konfiftorium an die Senats-Kommission abgeordnete Delegation führte ihre Sache dort so ungeschickt, daß die Senatoren schließlich in dem merkwürdigen Irrtum befangen waren, . als wollten me Juden ganz allgemein statt des Sonntags den Samstag Äs gesetzlichen Ruhetag festgelegt wissen. Daß unter solchen Umstünden an einen Erfolg nicht zu denken war, ist leicht zu begreifen. Das Zentral-Konsistorium scheint sich diesmal besser vorsehen' zu wollen. Es hat eines seiner Mitglieder mtt der Ausarbeitung einer ausführlichen Denkschrift beauftrag, die der Kammer-Kommission überreicht werden soll. An und, für sich darf man von der französischen Legislative eine billige Mckßchtncchme auf den Geist der gesetzlichen »erungen gewiß erwarten, und das wäre ja M das Geschick der jüdischen Interessen von ausschlaggebender Bedeutung. Die Frage ist nur, ob die Männer des Zentralkonsistoriums die rechten Vertreter der den Sabbath beobachtenden jüdischen Petenten sind, ob der Gegensatz zwischen den Wünschen, die sie für andere Vorbringen, und ihrer eigenen Abensgestaltung ihrem Vorbringen in den Augen der maßgebenden Faktoren nicht alles Gewicht nimmt. Auf jeden Fall werden die von dem Gesetz betroffenen jüdischen Geschäftsleute gut daran tun, sich zusammenzuschließen und ihre Sache im Einvernehemen mit dem Confistorium bei den zuständigen Stellen mit der nötigen Entschiedenheit zu führen. Um und 6!a«de«. Bon S. Schachnowitz in Endinge«. -rw .wmo nrrpni pn*'?pi '2 \ti ipyr nyrav nro** n20?ni*nö vryV Drrnij/öi ltowi v"nn wa iaa pn*' na 1,12 pptnir jra niontn itryn pn*' W ♦wy Als Abraham seinen Sohn Isaak opfern wollte, da weinten die Engelihre Tränen sielen in die Augen Isaaks und hinterließen dort Spuren, welche sich nun im Alter geltend machten und die Augen blendeten. (Midrasch rabba I, Kap. 65.) , Daß die Tränen der Engel nicht zunächst ihm, dem Vater, der den einzigen Sohn seiner grenzenlosen Gottesverehrung zu opfern bereit ist, sondern diesem Kinde, dem Opfer selbst, gelten und in die Augen fallen, mag wohl darin seine Begründung haben, daß in Gotteshöhen und Engelssphären ein anderer Maßstab für die Verehrung des Allmächtigen und die ihm schuldigen Opfer angelegt wird als bei uns Staubgeborenen, in der Welt der irdischen Bedürfnisse, Begierden und Leidenschaften. Was unseren menschlichen Begriffen unermeßlich erscheint und als größte Selbstverleugnung höchste Bewunderung herausforoert, mag von ihnen, den rein geistigen und über alle Erdenqual und Mühsm erhabenen Htmmelssöhnen qls selbstverständliche, vom Verhältnisse des Schöpftrs zu seiner Schöpfung notwendig abgeleitete Folgerung weder bewundert noch beachtet werden. Dem Kinde aber, das ohne unmittelbaregöttliche Erscheinung in blindem Gehorsam dem Vater an den Opferaltar folgt, können auch diese Reinen und Weltfremden ihre Bewunderung nicht versagen. Ihm gelten ihre Tränen der Rührung, deren Spuren unverwischbar find und noch im Alter wirken. Daß Isaak in die göttliche Mission des Vaters ptrrn Fälle nicht den geringsten Zweifel setzt, fällt schon unseren Weisen auf, umsomehr ms es sich doch um eine Tat handeltdie dem Geiste der Thora, von dem unsere Väter schon durchdrungen waren, direkt zuwiderläuft — T13JJ7 MW) ppvIV p#. n"l — und sie können sich es nur durch das unbegrenzte Vertrauen, das der Sohn dem Vater entgegenbrachte und das auch ein Abraham als pmiv K'ni, als bewährter Prophet, in allen en verdiente, erklären. (Sanhedrin 89, 2.) Man soll nicht jedem, der als Prophet im Namen des Herrn anftritt, blinden Glauben schenken (Jebamoth 90). Ja selbst einer himmlischen Stunme, einem 7ij> ra, wird nicht die autoritattve Macht zuerkannt, in Sachen zu entscheiden, bei welcher die feststehenden Normen der Thora (der Thora, die der Erde und nicht dem Himmel gchört) allein kompetent und maßgebend sein können. (Baba meziah.) „Es soll damit," bemerkt R. M. Sofer in seinen Responsen zum Orach Chajim 208, „dem Mißbrauch des göttlichen Wortes vorgebeugt werden und dem Unfug, eigne Irrlehren als himmlische Eingebungen zu deklarieren und zu verbreiten." Und hat Israel die wilde Macht des GlaubenSwahnes nicht schon gar oft erfahren müssen? Wie oft haben wir, wenn der Aberglauben die Herzen ergriff, der wilde Fanatismus, geschürt durch falsche Propheten und spekulierende Demagogen, die Massen irreleitete, die Zeche Achten müssen? Die entmenschten Rotten, die im Mittelalter den Rhein mit jüdischem Blute färbten und in der heiligen Stadt Zehntausend unserer Glaubensgenossen niedermachten, waren Gottgesandte in chren Augen und in den Augen, der. christlichen Mitwelt. Das Autodafö war ein gutes Werk zu Ehren Gottes für Torquemada und alle, die mit dem Blicke des religiösen Wahnsinns sich an seinen Opfern weideten. Glaubt doch die Judenmission heute noch in aller Bescheidenheit, mtt der winzigen Beute an Menfchenseelen das Gottesreich zu errichten. Und erst in unserem eigenen Lager! Sabbathai Zewi und Jakob Frank find überwunden, doch hat. das fÄsche Prophetentum seine Arbeit nicht eingestellt, nicht aufgehött als Verkünder neuer Lehren in dieser oder jener Gestalt aufzutreten. Das eine Mal ist es die religiöse Reform, die ihre iptzm gefunden, das andere Mal daS sogen. Kulturproblem, die jüdische Moderne, die nationale Renaissance oder die neue Ethik, die als Schlagwörter herhatten müssen. Und an fanatischen Anhängern, die der Reiz der Ne oder der Mystik lockte, hat eS nie gefehlt, naive Glaube, das grenzenloseBerttauen eines Isaak würde auch uns, seinen Nachkommen, zur Zierde gereichen, wenn — ja wenn wir es nur mttMännern wie Abraham zu tun hätten. Aber ¥ A 4 ä Masse der Bevökerung ist dem alten Spantolijche» treu gevttebrn BvnSpmitrn auS ' hat/ Man den - paniolen nahegelegt, daS Spantokifche mit den, Kastilianisch n zu vertauschen. Aber dieser Borschlag hat noch viel weniger AuSchr auf Verwirklichung als der vorangehende, da wie, bereits erwähnt, keinerlei kommerzielle und kulturelle Beziehungen mtt der alten Heimat mehr bestehen. Wenn auch infolge des weitverbreiteten französischen Unterrichts — in neuerer Zeit lernen die Spaniolen auch deutsch — daS alte Spantoltsch als Sprache der feMeren Gesellschaft vom Französtschen verdrängt wt d, als Umgangssprache der großen Massen und und als Geschäftssprache dürste es wenig verliere«. Siidomttei». OL Daß man in dem Annoncenteil einer großen Tageszeitung oft viel interessantere Dinge zu lesen bekommt, als im redaktionellen Teil, ist tetne Neuigkeit. Man sollte daher auch die.lieben Dame« des Dauses und deren Töchter nicht tadeln, wenn lie des Morgens beim Frühstück zunächst die Familiennachrichten durchstiegen, schadenfroh die Verlobungen und BermSHlungen Uen und zwischen der zweiten und dritten Tasse Gebürts- und Todesanzeigen durchstudieren sich inzwischen doch die Männer das «ich« am Im Vergleich hiermit wählen si de». mtermanteren Teil, was wir hier weifen wollen. Die Monotonie der rein jüdischen B. im „BerÜuerD «Mischverlobung' WichV ttt iftnun Sehen IUI Name des Bräutigams, denn spezifisch jüdische Namen gibts überhaupt so gut wie kchttüdische jüdische \ gar nicht mehr. Und einen Knaöen heute MoseS, Abraham und Jsak anstatt Kurt, Heinz und Erich zu nennen, würde geradezu als ein unauslöschlicher Mittel empfunden, mit dem man das Kind stigmatisiert hätte. Das gilt aber nicht nur für radikal reformerifche, sondern auch für wirklich konservative Kreise. Auch ein Zeichen der Zeit. -Eher ist das sicherste Erkennungszeichen für die Verlobung einer Jüdin mit einem Nichyuden der unter dem Namen des Bräutigams beigefugte Titel: Leutnant d. R." Die Leute draußen in der Provinz haben keine Ahnung davon, wie stolz sich eine Kalle aus Berlin *W. gebärdet, wenn „chr" Kurt, Heinz oder Gerhard, nicht nur Christ — meist Assessor — sondern auch Leutnant der Reserve ist. Ging doch ein bereits druckfertiger Sckidduch (Braut vom Kurmrstendamm) in die Brüche, Werl der Bräutigam nicht Leutnant, sondern nur Bizeav< er feldwebel war. Die Sache war peinlich, drang glücklicherweise nicht in weitere Kreise; selbst der zur Disposition gestellte Bizefeldwebelbräutigam bewahrte bisher delikateste Diskretion; er betrauert nicht nur die in die Lappen gegangene Braut, sondern auch eine Mitgift von, wie man sagt, ca. 350 Mille. Das lohnt sich schon. Wie mag sich da der blamiette Mssckeheschaochen geärgett haben! Uevrigens kommt das Schadchentum durch die Zeitungen etwas ins Hintertreffen. Annonciert da vor einigen Wochen ein „freidenrender und vorurteilsloser Herr aus den höheren Gesellschaftskreisen" — der Adelsgrad war nicht angegeben —, daß er gesonnen sei, sich mtt einer sehr vermögenden Dame, gleichviel welcher Konfession nnb mit sorchigen angenehmen Eigenschaften zu verehelichend Genau eine Woche später stand an derselbe« Stelle, daß fiir eine sehr reiche, hübsche rc. tc. Israelitin, freidenkend, eine mg mit einem Herrn aus den höheren' tän- , Konfession gleichgiltig, gesucht wird. Die Ein- «eihten lächelten verständnisvoll, fie kennen diese ücks" sehr wohl und ihre Frauen sehen jetzt die Singe erWhi den, geweihten „Tricks" sehr wohl und ihre Frauen sehen jetzt „Boffifche" durch — die Adelspattie kommt doch sicher zu Stande.' Und der Schadchen ist der Geprellte. Sie sollten sich zu einer Gewerffchaft zusammentun, oder einer Genossenschaft, einer Koalition, die um so notwendiger wrrd, als sich gerade jetzt die Fälle gehäuft haben, wo ihnen ihre Tantieme vorenthalten wurde, und ejnige Fälle sogar die ärztlichen Ehrengericht beschäftigt haben. So wenig nun der Name der Perlobten und Geborenen mehr einen Anhalt dafür bretet, welcher Art und Nam und .Sippschaft sie sind, und was aus jüdischen Kreisen noch dem Judentum angehört, ebensowenig ist das aus Todesanzeigen erkennbar. Wurde doch vor drei Wochen ein jüdischer alter Mann mtt dem Namen Christian, was zu Deutsch der Christliche heißt, in Weißensee beerdigst. Warum gerade dott? Uebrigens haben die Konverttten in Berlin und Men, sobald ein Sterbefall in der Zeitung bekannt zu machen ist, ein und dasselbe auffällige Bestreben gemeinsam. Wie in der Wiener „Neuen Freien Presse" wird in den Berliner Zeitungen auf den kirchlichen Charakter des Begräbnisses ostentativ hinaewiefen. Es liegt nun einmal in der g geistigen und sittlichen Beschaffenheit der nae, sich in den Augen der Wett lächerlich und ihren „neuen Glauben" in ein zweif' zu stellen Wenn es viele solcher Geistlii or in Rudow, so würde die Renegaten sehr schnell im chen Behörden um» Geistliche Zi •VH lgen, wie schmählich sie sich von den tensich

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