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Der Israelit · 1907-11-07 · Heft 45 (7.11.1907) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 45 (7.11.1907)
Date
1907-11-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
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RaKLmer : -?r, .j Hoch«rrmr§sch<m. kln BehehrungsDerfudi. Die kurze kritische Besprechung, die wir dem zweiten Judentag an dieser Stelle gewidmet, und m der wor unter bereitwilliger Anerkennung der erfreulichen Züge dieser Tagung, -och den unerquicklichen Eindruck nicht verhehlt haben, den das laute Rufen nach Staatsämtern auf jeden seiner Würde bewußten Juden machen mußte, hat RS in die.Reihen der „liberalen" Judenheit vielfache Zustimmung gefunden. Wir hätten solche Zustimmung nicht einmal erwartet, denn LS ist begreiflich, oaß für diejenigen Juden, die aus einem unbestimmten edlen Empfinden heraus §h gerne noch als Juden fühlen, ohne doch ihr eben dem Diktate der Mischen Lehre unterstellen zu wollen, wir meinen, eS isk"M greiflich, daß für diese Juden die Wahrung ihrer ürchveen staatsbürgerlichen „Ehre" zu einer An- ^egenhett von fundamentaler Bedeutung wird. Je weniger sie das beglückende Bewußtsein rennen, oaS die jüdische Pflichterfüllung ihrentreum Söhnen Mvährt, und das von aller Anerkennung äußerer Faktoren, und sei es selbst die Anerkennung des Staates, zu emanzipieren versteht, desto aufrichtiger wird sich ihrem gepreßten Gemüte der leidenschaftliche Ruf nach Gleichberechtigung entringen und desto inniger verschmißt ihrem irrenden Blicke auch die „Ehre des Judentums" — die überhaupt das Alpha «Ud Omega ihres religiösen Bewußtseins bildet — mit dem berechtigten polittschen Ehrgeiz seiner Bekenner. Wir begreifen es also durchaus, wenn dem neologen Telle der Judenheit das Verlangen nach gleichmäßiger Berücksichtigung der Juden bei der. Böschung der Staatsämter nicht nur ein polttisches Postulat (darin sind wir alle einig), sondern geradezu eine heilige Sache, eine sittliche Forderung allerersten Ranges ist. Wir haben aus diesem Grunde unserer abweichenden Meinung über die aesthettsche Wirkung des Judentags auch in der milden und vorsichtigen Form Ausdruck gegeben, wie sie die Rücksicht auf die wunden'Seelen unserer „zurückgesetzten" Brüder und auf die gemeinsamen antisemitischen Feinde erheischt. DäS genÜc Goldschmrdt m Offenbach nicht. Sein Ehrgeiz strebt höher als nach Mnisterseffeln. Er möchte den „hyperorthodoxen" „Israelit" (dieser Kosename soll jedenfalls die Objektivität, bekunden, zu der Herr Dr. Goldschmidt einleitend „sich selbst mahE!) bekehren und uns zu dem Bekenntnis nötigen, grade der „fromme" Jude habe alle Ursache in die lärmende Demonstratton des JudentagS mit Pauken und Trompeten einzustimmen. . Die Beweisführung des liebenswürdigen Mahners gipfelt in drei Argumenten. Erstens sei es gerade vom religiösen Standpunkte dringend nötig, gegen die Bevorzugung der getauften Juden bei der Stellenbesetzung zu protestieren, denn diese Bevorzugung bedeut« eine Prämie auf die Taufe. Zweitens haben die im „Verbände der deutschen Juden" zusammengeschloffenen Stammesgenoffen nicht sowohl als Juden, sondern als Deutsche gegen die Verletzung ihrer politischen Rechte remonsmert, und Deutsche seien doch auch die orthodoxen Juden. Dr i tt e n s endlich vermöchten wir unsere Kinder nicht im patriottschen Geiste zu erziehen, wenn das Gefühl der Verbitterung gegen den ihre Rechte verkürzenden Staat nicht aus ihren Herzen zu bannen sei. Ergo — sollen auch die orthodoxen Juden sich nicht darauf beschränken, ihre Rechte „vernünftig im Juristenstil" zu fordern, sondern Mt dem ganzen ethischen Pathos der Herren Cohen, Philippson und Loeb über die „blutenden Wunden die die Ungerechtigkeit schlägt", mitjammern. Wir bedauern, auf djesen beschwörenden Appell erwidern zu müssen, daß wir unser ethisches Pathos für viel, viel wichttgere Dinge im In nern der Judenheit nötig haben, und daß uns die „blutenden Wunden", die dem Judentum von seinen die Treue brechenden ungetansten Sühnen und Töchtern geschlagen werden, keine Zeit und keinen Gefühlsüberschuß lassen, um über die Breslauersche Denkschrift in „sittliche Empörung" zu geraten. Gewiß ist es eine unbegreifliche Kurzsichttgkeit, daß der preußische Staat die charakterlosen Mantelträger, die aus Strebertum ein für fie lügenhaftes Bekenntnis ablegen, durch Amt und Würden lohnt — aber Herr Dr. Goldschmidt möge sich doch nicht der verhängnißvollen Täuschung hingeben, daß das Judentum von der Zulassung der halb oder ganz assimilierten, wenn auch ungetauften jüdischen Staatskrippe irgend etwas würde. Im Gegenteil!! band der deutschen Juden" bände an Erstarkung eines allgemeinen jüdischen Bewußtseins gezeittgt haben, es würde wie Juristen rc. zur zu erhoffen haben Mes was der „Ber- und ähnliche Berv Mn e ver und keine n dem Augenblicke, da StaatSgunst uns aü Predigt auf der Kanzel zu an jenem Tage, so fürchten wir, den^ösligen Zusammenbruch des kärglich^ ÄWteS von Judentum aufzuhalten, den uns« Hsnsgen sich heute noch bewahren. Für uns, sas möge Herr Dr. Goldschmidt nicht übersehen, Veginnt der Abfall von Judentum nicht mtt der Taufe, und wenn der Staat eines Tages statt einer Prämie aAf die Taufe gerade durch die Verleihung seiner Würden eine Prämie auf d ie Sab - bathentweihung setzte,so wäredas vom Standpunkte des Judentums vielleicht noch schmerzlicher als der Ausleseprozeß, der heute die Schwachen und Charakterlosen der jüdischen Gemeinschaft völlig entzieht, um sie der Kirche in die Arme zu werfen. Vielleicht hat unser väterlicher Freund diese Gedankengänge von ferne noch geahnt, als er zum zweiten besonders betonte, die Berbandsgenoffen hätten nicht sowohl als Juden, wie vielmehr als Deutsche, im Ringen um die Erhaltung des eigenen patriottschen Gefühls, gegen die uns widerfahrende Rechtsverkürzung jo laut protestiert. Das ist ein Spiel Mt Worten. Jede ihre Interessen vertretende und dabet von ihrer sittlichen Berechtigung durchdrungene politische Partei innerhalb des deutschen Bstterlandes darf von sich behaupten, letzten Endes die idealen Interessen des Staatsganzen auf ihre Fahne geschrieben zu haben. Aber dennoch wird kein vernünftiger Mensch zu bestreiten wagen, daß die elementare Kraftihres polittschen Hanhelns, das Temperament, die Leidens chaft ihrer Akttonen doch aus derttefen Quelle des e ig e n st e n Rechtsanspruches, aus — in höherem Sinne— egoistischen Motiven emporsteigt. Darum möchten wir doch lieber annehmen, daß in Wahrheit das gekränkte jüdische Ehrgefühl auf dem Berbandstage gesprochen hat, und daß der Verband dem ihm jüngst erteilten Rat seinen Namen in „Verband der jüdischen Deutschen" umzuändern, sobald nicht Folge leisten wird. Was aber den dritten Punkt anbetrifft, die patriotische Erziehung unserer Kinder, so glauben wir im Geiste unserer Heimgegangenen Väter und Mütter ruhigen Herzens auf Knöpfe und Epauletten als pädagogische Hülfsmittel verzichten zu können. Seit dem Beginne der Diaspora hat die jüdische Vaterlandsliebe zu allen Zeiten aus dem festen Grund des religiösen Pflichtgefühls geruht und war unabhängig von dem Matze der Gunst, die Staaten und Völker dem wandernden Juden entgegenbrachten. Erziehen wir unsere Kinder zu echten Juden emes llo> ar« Sp«Ws. Bon Gnfto* Hertt in KonftantWyßM. Bon den zahlreichen Bölkerfchästtn undMtkStrüm- Mern der Levante gehören die spanischen JWä oder Spaniolen zu den interessantesten. Sie wohnen dr allen größeren Küstmstädten, vorzugsweise in Saloniki und in Konstantinopel) aber auch in BosnÄn^rnd der Herzegowina, in Bulgarien und in Rumänien Mben fie stärkere Kolonien. Ihre Hauptbeschäftigung Ät der Handel, doch b. treiben fie auch mancherlei Handwerke, wie die Glaserei, die Klempneret usw. Jn Saloniki find fie auch Lastträger und Bootführer, und dem Hausterwidmen > e sich überall. Ibmche Handelszweige fit förmlich monopolisiert, wie den Handel m t »schm und Glassachen, mit Lampen usw. Die armm tte unterziehen sich dm schmutzrgfien Arbeiten, Anstreichm usw. und begnügen sich mtt wenig. Die Männer tragm vielfach noch dm Kaftan, darüber einm Rock) merkwürdig ist die Tracht der Frauen in Saloniki. Im zemeinm ist der spanische Jude auch äußerlich sorgzer als der deutsch-polnische, wohlhabender und ge- Dte StznnstÄm find Ende des 15. Jahrhunderts aus Gpanim in die Türket etngewandert. Da der HandeleveÄehr zwischen; betdm Ländern sehr gering warm eS auch keine spanischen Kolonien in der Levante gab, »lle Beziehungen zwischen dm Ausgetrtebenen und » Heimat au.. 4ie Spanio'm warm vollständig selbst angewiesm und führtm nun als abgesprengter Bolkstetl ein eigenes nationales Dasein tnmittm einer fremtarttgm und vielsprachigen Bevölkerung. Trotzalledem habm fie ihre spanisthr Sprache treu bewahrt, allerdings etwas vermischt m« fremdm Wörtem. Ihre Aussprache des Span schm ist die des 15. Jahrhunderts, wo stcd das Kastilianische mehr dem Französischen und dem Pormgiestschen näherte. Die Spaniolm haben auch an dm altm Sprachforuun festgehalten, die dem Kmner des Spanischen als ArchaiSmm erscheinen. Wenn sich auch das Spanioltsche, wie wir es zum Unterschiede vom Spanischen nennen wollm, in der Aussprache und in dm Wortsormm konservativ gezeigt hat, so ist eS doch keine erstarrte Sprache, fie entwickelte fich vielmehr weiter, hauptsächlich auf dem Gebiete des Wortschatzes. Die hebräischen Wörter, die es enthält, hat es schon auL der altm Heimat mtt gebracht) in her nrüm Heimat find u. a. viele türkische hinzugerommen, Namentlich die Bezeichnungen für all die Dinge, die dem Ottmt eigm find, wie für die Vesonderm Früchte beS Landes, für gewisie soziale und poltttjche Einrichtungen usw. Diese Wörter find auch in andere orientalische Sprache» übergeganam und auch der Europärer eignet fie sich leicht an, tells well fie kurz und bündig find, teils well es an einer entsprechmbm Bezeichnung in der eigenm Sprache K. Größere Anlethm hat das Spantolische ferner Jtaltmtschm gemacht, daS in früheren Jahrhundertm als iinglls üaaea die allgemeine Verkehrssprache in dm Hafmplätzm der Levante war. Auch ins Türkische und inS Griechische sied viÄe ttaltmische Wörter etngedrungm. Als nach 1870 die Jtattmer aus ihrem AntillertkaliSmuS einen Ausfuhrartikel gemacht hatten, ging es mit Hem Gebrauche der italienischen Sprache zurück und das Fran- «e kam in die Höhe. Bet dm zahlreichen Schulm, e AMaaee Israältte ttnlverselle in der Levante in qllm Stäotm mtt Mischer Bevölkerung etnrtchtrte, ln bmm düs Franzöfische die Unterrichtssprache ist, ist es ganz natürlich, daß dadurch da» Spaniol sche beeürftußt wurde. Eine Mmge französtscde Wörter, besonders solche, die feistere Sitter; unL.LebensgewohfibLitm,FezeichyM, drangen ins Spanlö tscve ein. — Boy den Sprachm der Levante hat, mit Ausnahme des Türkischen, keine einzige einm nmnmSwertm Emfluß aufs Spanioltsche ausgeudt. Da» Spanioltsche ist kein bloßer Dialekt, sondern eine Schriftsprache. ES ist n cht allein die Umgangssprache der Spaniolm, sondern auch die Geschäftsfprache, in der Bücher geführt uns die Briefe abgefaßt werden, die Amtssprache der israelitischen Gemeinden und BtteMuko die Sprache der Reden in der Synagoge. In Saloniki kann man zahlreiche Schilber in spanischer Sprache sehm, und soll eine amtliche Bekanntmachung zur Kenntn s aller stelangen, so wirb fie auch in Spantoltsch ange chlagM. «eschttebm wird es mtt hebräischm Buchstabm) wendet man ausnahmsweise lateinische an, so bedient man fich der ftanzvstfchm Orthographie. Im Spanlolischm erscheinen verschtedme Zeitungm und zwar in Konst anttnope-l Dempo- und „el Telegrafo*, in Saloniki »1a Epocal und »e! Avenir“, ferner in Smyrna, in Egypten, in vulaartm usw. Auch eine BnchUteratur besitzt es. In der Hauptsache besteht diese aus religiösen uno moralischm Werken, wozu in der Reuzett die Ucbersetzungm franzvstscher Romane hinzukommm. Me hmttgm fpantolischen Schriftsteller vemöhm sich auch/ die türkischen und hebräischen Wörter durch fta^öfijche und ttalimstche und durch Reublldungm zu ersetzen. ,; . Denkende Spaniolm habm fich schon vetschrebattlich mtt der Zukunft chrer Sprache be,chäfttgtda ihr Geltungsgebtet beschränkt ist und ewig bteiom wird, und heule nur WeUsprachm zählen, ist der Geba>»ke autzj re-ucht,. die alte Dtutterlprache ganz aufzuhebm und bas FranMfche od r bas JtaliMische anzunchmm. edttge ws tge Famttte , dir dle E .rvpäer mü aller i hervinLehrm wollm, find diesem Stz»te^grfvkgt,jst«

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