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Der Israelit · 1907-10-31 · Heft 44 (31.10.1907) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 44 (31.10.1907)
Date
1907-10-31
Page
– (sequence 10)
Language
German
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ME Ver.ASraeltt. ..in die ^ünv^gEchliche Würde des Einzelnen, ###«»; oberWeih, die auf dem in ihm leoenden MWesstrNkeL betagt, fefiir tobt» zu fdjtäßm. Merdkugs beruht diese Würde homMSchllch auf der sitt- AKn Berpfkichtuna^ bes EknzÄlnen gegenüber Hchn Weltall. Der tälyiudnche Ausspruch nnn W«ii »*03 ^72V2' ist hierfür besonders charaktttistisch. Die jüdische Lehre aber weiß andererseits No' ungeheuren. Mucken Gefahren der Predigt voU dem Recht auf schrankenloses Airsleben oer Jndivwualität zu würdigen und hat daher alles aufgedoten, um dem Einzelnen das überragende Recht der Gesamtheit, der Gesellschaft, des Volkes Mrch tausend pädagogische Maßnahmen zum Bewußtsekfl zu bringen. Redner wies nach, wie auch dieses Mmecht der Gesamtheit im Geiste des Judentums ND auf ihrer Macht, sondern wiederum ausschließfich in ihrer s ittlrchen Aus gab e wurzele, und Me auch die modernste Ethik (Wundt) keine andere Basis für die Begründung sittlicher Verpflichtung kenne «cks den — allerdings sehr notdürftig mit Götterwürde umkleideten — Gesrmftwiklen. IN gleicher Werse findet im Rahmen der jüdischen Whik aiäh ein anderer Zentralgedanke der modernen Frauenbewegung: die „Liebe" seine wohlbegrenzte rmd berechtigte StellMA. Der Redner führt anch hie- 8r eine. Reihe von Belegen aus dem Gebiete des ' Üttschen Schrifttums und der jüdischen Lebensanchauung an . und entwickelt dann, wie nach der An- Mstmng. des Judentums allerdings die Liebe in der Lhe gipfele. Innerhalb der jüdischen Ethik fei demjMräß zu allen Zeiten, bei aller Schätzung der Kräfte Mttkenden Poesie der Liebe, ihr eigentlicher sittlicher ttrtergrund, die Weiterentwicklung des von ott gestifteten großen Menschheit- I«u es mit Recht dem Bewußtsein gegenwärtig gehalten worden. Mit leuchtender Klarheit tritt das namentlich in den tiefen Gedanken unserer Hochzeits- S^genssprücke hervor, deren Grundgedanke pprintp *w inp p» «DD V? alles was an Wahrem und Echtem in jenen niobemen Jdeengängen sich findet, in sich begreife. Es ist kaum möglich, auch nur mttgermaßen erschöpfend all die einzelnen Momente zur Darstellung zu bringen, in denen sich der unvergleichliche sittliche Adel der jüdischen Ehe aus- Egt. Die jüdische Lehre allein, hat es durch ihre uchegesetze verstanden, jene „Feierstunden des Lebens" zu schaffen, von denen eine Ellen Ke yträumt, die aber n|fr durch bie Mittel einer das Leben genau kennende» praktischen Gesetzgebung für einen größeren Kreis heworgezaubert werden können. Redner beleuchtet dann dm Charakter der j. bischen Ehe als einer gesellschaftlichen 'Institution, einen Charakter, der durch die Anwesenheit der any bei der Eheschließung besonders starke zum Ausdruck kommt, und präzisiert dann die Stellung der jüdischen Ethik zu der von dem Bunde Mc Mutterschutz besonders stark betonten Frage der Unehelichen Mütter. Eine „neue Ethik" tue allerdings Mt aber nicht in dem Sinne einer Zertrümmerung der alten Eheformen, sondern nach der Richtung einer höheren sittlichen Schätzung des Mutteröeruses. Es bleute ein ungeheueres sittliches Manko, wenn im 5deeise junger Mädchen sowohl, als auch der verheirateten Frauen der Mutterberuf in keiner Weise in fesiter vollen sittlichen Würde geschätzt und geehrt werde. Neben der Ehereform ist das wichtigste Postulat Nr modernen Frauenbewegung die Berufsbildung. Der Redner stellt zunächst fest, daß in der Erkenntnis der stttlichen Notwendigkeit der Arbeit für jedes Menschenwesen, namentlich aber für Mädchen und Frauen dis jüdische Ethik von keiner neuen Lehre übertroffen werden könne: rr**: >T2ö rfr’Ba'W DUJW- Prinzipiell sei also vom jüdischen Standpunkte die Einführung der beschäftigungslosen' Töchter in einen Beruf durchaus zu billigen. Anders stehe es mit der offen zu Tage tretenden Tendenz, die ganze Frauenwelt mit Gewalt in den Konkurrenzkampf 5e3 sozialen Lebens hineinzustoßen, um im Namen ißdres seine Grenzen verkennenden Persönlichkeitsdran-, ges die Frau künstlich zu einem möglichst hochent-> wickelten „Hyper-Kulturwesen" hinauf zu züchten^ Lln der Harro der neuen Forschungen Reibmayrs wies der Redner eingehend nach, welch ungeheure Gefahren es für die ganze Zukunft der Kulturmenschheit haben würde, wenn alles Naturhaste, Gefühlsmäßige in der Psyche der Frau allmählich vernichtet und damit die einzige Negenerationsguelle für dre Kulturmenschheit verschüttet würde. Der Redner schloß mit einem warmen Appell an die Anwesenden, sich an der Gründung eines jüoischen Frauenvereins zu beteiligen, innerhalb dessen unsere Töchter und Frauen theoretisch und prattisch rm Geiste der jüdischen Lebenslehre gekräftigt und gegenüber den Tendenzen der vorwärts stürmenden „neuen Ethik" zu widerstandsfähigen, ihrer Eigenart bewußten Jüdinnen herangebildet werden sollen. In der anschließenden Diskussion verlas zunächst Frau Dr. Heine mann eine Erklärung des Vorstandes der „Weiblichen Fürsorge" und der „Frauenvereiniaung der Frankfurt- Loge", in der die Gründung eines weiteren jüdischen Frauenvereins für überflüssig und schädlich erklärt wird. Herr L o e b bedauert, daß man für gut befunden habe, eine derartige Erklärung abzugeben, ohne erst das Ergebnis der heuttgen Versammlung abzuwarten. Wäre man nicht so rasch vorgegangen, so würde man aus den Referaten ersehen haben, daß von einer -onkurrenz gegenüber den bestehenden Vereinen keine Rede sein kann. Das Gebiet der Wohlfahrtspflege ist ein so unendlich großes, daß — zümälbei der steten Vergrößerung der jüdischen Bevölkerung — neben den bestehenden 'bMen KHemestMFDritter sehr wohl Raum findet. Es sprechen' ü. a.nochFrau Dr. Höx te r, i fym Jakob Wolf und Herr Dr. Wesll> so baß ‘ die Versammlung erst gegen 12 Uhr ihr Ende erreicht. Frankfurt a. M«, 30. Ott. Testern Abend fand die erste Hauptversammlung deS neugegründeten Jüdischen FrauenvereinS statt. Der große Saal der Loge zum Frankfurter Adler erwies fich wieder als viel zu klein, um die Menge der Erschienenen zu fassen, sobaß auch me Nebemäume sehr bald überfüllt waren. Herr Moritz A. Loeb, hieß die Versammlung im Austrage des vorbereitenden Ausschußes herzlich willkommen und erstattete einen ttirzen Bericht über dessen bisherige Tättgkeit. Besondere Befiiedigung gewähre der Umstand, daß Verhandlungen mit den bestehenden Vereinen im Gange sind, um die beiderseitige Tätigkeit «tsprechend abzugrenzen und ein friedliches Handinhand Arbeiten zu ermöglichen. Bei der Statutenveramng wurde der grundlegende 8 2 in folgender Fassung mit allen gegen 3 Stimmen angenommen: §2. Zweck des Vereins ist die gemeinsame Pflege der den jüdischen Frauen aus dem sozialen und geistig n Leben der Gegenwart erwachsenden besonderen Aufgaben im Sinne des gesetzrstreuen Jubentums. Insbesondere gehören zu dem Aufgabenkreis des Bereb S: a) die Förderung einer harmonischen, den Traditionen des Judentums entsprechenden' Geistesbildung im Kreise der jüdischen Frauenwelt; b) die Ausübung praktischer Wohltätigkeit und sozialer Fürsorge aller Art (nput und ion Nld'Ol) selbständig oder in Gemeinschaft mit ande en Vereinene) die Pflege einer den Zusammmenschluß fördernden edleren Geselligkeit. Mitglied, dts E eretns kann jede Jüdin werden, auch Herren find als uußerordentliche Mitglieder willkommen. Zn den Vorstand wählbar find alle auf dem Boden des gesetzestteuen Judentums stehenden Mitg teder. — Das ganze Statut fand alsdann einstimmige Annahme. In den Vorstand wurden 7 Damen und 3 Herren gewählt. T em jungen Verein find bisher gegen 300 Mitglieder beigetteten. s Frankfurt a. M., 30. Ott. Der Verein zur Pflege jü ischen Wissens QvnrQ mi©n wird in den nächsten Monaten folgende Vortragsabende avhalten: Rabbiner Dr. I. Horovttz: „Koheleth",' Emil Gottlieb: „Raschi's Leben und Wirken"- Leopold Oppenheimer: „Ein Tag im Tempel" - Manfred Rosenblatt: „Die Juden in China"- Dr. phil. M. Mainzer: „Lehrgebanken aus den Psalmen"- DiskussionSabeno: „F auenrecht im altjüdischen Staat"- Ernst Gottheimer: „Die Geschichte der Frankfurter Juden in ihren Anfängen"- Dr. I. Heinemann: Thema Vorbehalten- Arthur Hirschberg: „Aus -er Glanzzeit jüdischer Porste in Spanien". Berlin, 23. Ott. Zie einer erhebenden Feier hatte der „Jüd. Fortbildungsverein Montefiore* seine Mitglieder geladen. Es galt das neue Vereinsheim im Hause Gips st ratze 12a einzuweihen und die finnig geschmückten neuerstellten Rstume dem heiligen Zwecke deS Thoralernens entgegenzusühren. Der Ehrenvorsitzende und Mitbegründer des Vereins, Herr Dr. Ed. Bi berfeld, beleuchtete rückschauend die Wanderzüge des Vereins und den häufigen Wechsel der Räume und gab der Hoffnung Ausdruck, daß hie unter Mithilfe des „BerbandeS der Sabbathfreunde" neugemieteten Räume von dem gleichen Eifer ernsten und wahrha tigen Sttebens durchflutet werden möchten, wie die seither innegehabten. Der Geist Israel Hi desheimer's b")th der in dem Hause gewaltet, möge für daS Vereinsstreben vorbildlich werden! In kerniger Rede kennzeichnete hierauf der Bereinsvorsitzenöe, Herr Edmund Levy, die wichtige Tättgkeit, die ein jüdischer Lernverein heute zu leisten habe. Endlich sei es dem Verein möglich geworden, seinen langgehegten Wunsch nach Bereinsräumen, in denen eine gesunde, echtjüdifche Geselligkeit neben dem „Lernen" gepflegt werden könne, erfüllt zu sehen, und der Verein sei damit in ein'neues bedeutsames Stadium seiner Wirksamkeit eittgetteten. In munterer Festcsstimmung, gewürzt von Begrüßungsansprachen der Vertreter des Vereins „Dibbuk Chawerim" und der „Bereinigung jüdischen Akademiker", sowie Reden der Herren Rabbiner Dr. Munk, Rabbiner Dr. Winter und einiger Vereinsmitglieder blieb man in den behaglichen Vereinsräumen bis gegen Mitternacht zusammen, gettagen von dem Bewußtsein, fich an einer Städte zu befinden, die im Leben der gesetzestreuen Jugend Berlins eine aus schlaggebenbe Bedeutung erlangt hat. — Die neuen Bereinsräume bestehen aus einem Bibliothekseinem Lesezimmer und einem Saal zur Abhaltung von Schiurim und Vorträgen. Durch Verbindung mit den im gleichen Hause befindlichen Restaurant Simon ist auch dem Bedürfnis nach Speise und Trank Rechnung gettagen. Sämtliche Räume werden von den Abenden der Woche, sowie während deS ganzen Sabbaths und Sonntags jedermann zugängig sein. war erknachesnander Mckblner der Städte PopelaNi iprd Huwalk. In Lublin n tttte er 16 Jäbre lang Mb erstellte fich allgemeiner Beliebtheit und Wertschätzung Vp|"2!Ön Zprecbrasl. Ei» weiteres Wort zum jüdischen Fraueyvereiu Ein wahres, offenes Wort zur rechten Stunde! Mit diesem freudigen Ausrufe darf man den Arttkel im Sprechsaale der letzten Nummer des „Israelit" begrüßen. Wahr, denn er hat vielen gleichgesinnten Mädchen so recht aus der Seele gesprochen, off en, denn es hat sich bis jetzt wohl nory keine gefunden, die dsem inneren Zwiespalt, der ja doch einmal in der Seele eines sieden denkenden jungen Mädchens wohnt, öffentlich Worte geliehen, sie hinausgerufen, dem gepreßten Herzen Luft machend; und endlich zur rechten Stunde, denn wahrlich, es war notwendig, daß endlich einmal eine den Mut gefaßt hat, öffentlich das Geständnis abzulegen: „Ja, es ist wahr. Die modernen Zeitströmungen haben uns den Kopf verwirrt, haben uns irre gemacht und -unsere ttanke Seele ringt, aufgerütkelt durch, die herrlichen Worte der Referenten jenes Abends, nach der einzigen Wahrheit." Ja, dieses Geständnis kam zur rechten Sttrnoe. Denn wer könnte ermessen, welches Unheil bereits in unserer männlichen und weiblichen Jugend, durch jene modernen, aber falschen Apostel angerichtet worden ist. Es ist das hauptsächlichste Verdienst der Herren Referenten, daß sie der anwesenden weiblichen Jugend ein Halt znriefen, daß sie die Krankheit richtig erfaßt'und erkannt haben, und nun die Schätzen aufdeckten, um gleichzeitig,, und das ist das Ü>esent!iche, Mittel diesen Schäden erfolgreich entgegenzntreten. Unbegreiflich ist mir dabei, daß einige meiner Freilnd innen der seltsamen Meinung waren, der eine Referent habe für Ellen Key eine Lanze gebrochen. Wohl ließ der Redner der seelischen Eigenart Ellen Keys volle Gerechttgkeit widerfahren, allein er hat dann mit voller Klarheit und strengster Folgerichtigkeit bewiesen, daß alle Ideen Ellen Keys ein Kartenhaus sind, das in dem Augenblick zusammenbrickt, in dem es die Schriftstellerin versucht, die Forderung der Vorbereitung zum Kinde mit ihrem ersten Postulat, dem Sichausleben des Individuums, in Einklang zu bringen, und daß ihre schillernde Ideenwelt in ihrem Glanze verblaßt vor der Hoheit und dem Reichtum der jüdischen Sittenlehre. Als prakttsches Ziel wurde ein aus dem Boden des überlieferten Judentums stehender jüdischer Frauenverein vorgefchlagen. Marl zögerte nicht lange, man schritt vom Wort zur Tat, und es erwies sich, daß man es mit diesem Vorschläge richtig getroffen hatte. Es ist unserer Ansicht nach heiligste Pflicht eines jeden noch jüdisch denkenden Mädchens dem Vereine beizutreten, und wenn wir uns hier erlauben, eine besondere Anregung zu geben, die der Verein in den Kreis seiner Aufgaben einschließen möchte, so sprechen wir sicher im Namen vieler. Es ist einmal Tatsache, daß der Bildungsdrang unserer weiblichen Jugend sie nicht ruhen und rasten läßt, sie dahin treibt, wo auch nur das geringste Moment dafür spricht, daß ein Plus an positivem Wissen'-zu erreichen ist, sie veranlaßt, das gefährlichste Gift, das uns täglich in Form von Zeitungen ins Haus geschleppt wird, in sich auszunehmen. Aus diesem Grunde wird es eine der schönsten Aufgaben des Vereins sein, seine Mitglieder mit einem reichen Schatz posittv-jüdischen Wissens auszustatten, daß sie gewappnet seien gegen jede Versuchung, daß sie die Verlomrngen, die ihr von überall, mit dem Mäntelchen der Wissenschaftlichkeit umhängt, dargeboten werden, mit selbständiger Kritik zu empfangen im Stande seien. Schon nach dieser einen Richtunghin kann und wird sich der Verein ein unsterbliches Verdienst erwerben. <' s. ► H. Personalien. Lublin, 23. Okt. Heute wurde unter außerordentlicher Beteiligung aller Bevöfterungsschichten der hiefige Oberravbiner, Rabbi H illel Le.ib Lip schi tz, zu Grave gettagen. Der Verstorbene gehörte zu den min- Er erreichte ein Alter von 68 Jahren. Früher i Landeshuter t O Leinen« und Gebild »Weberei F. V. Grünfeld Königl., Grossherzogi. u. Forstlicher Hoflieferant Berlin W., ütlpzfgentrastt 20-2. 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