Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 43 (24.10.1907)
- Date
- 1907-10-24
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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MWDWWNWWW L ) trzidfjümj and E#el?re Pädaaogiscl^e Beilage *um/Israeli! L.D-C. Die soziale Wirksamkeit des jüdischen Lehrers. III. Die ethisch-soziale Seite in der Wirksamkeit des jüdischen Lehrers ist ohne Zweifel die wichtigere, an äußeren Erfolgen aber bei weitem reicher wird die ökonomisch-sozialeRichtung seiner Tätigkeit sein. Der Lehrer als Mahner und Warner ist selten beliebt, was er aber an werktätiger Liebe in seiner Gemeinde geleistet, das bringt ihm fast stets Anerkennung und Ruhm. Unsere christlichen Mitbürger schauen mit einigem Neid auf die Leistungen der jüdischen Wohlfahrtspflege hin und wir haben iu der Tat einige Ursache, darauf stolz zu seinnoch immer bewähren sich unsere Glaubensbrüder als DUörP OUöm U2, auch jetzt noch feiert das jüdische terz seine schönsten Triumphe. Der genaue enner der Verhältnisse aber sicht mit Bedauern, daß in manchen Gegenden, besonders auf dem Lande, mit der Abnahme der Religiösität auch oer Sinn für Wohltätigkeit stark im Schwinden begriffen ist und wenn die „Freie Bereinigung" daran geht, der ländlichen Wohlfahrtspflege ihr besonderes Augenmerk *u widmen, so wird es ihre erste Aufgabe sein müssen, die in den Landgemeinden vorhandenen Kräfte wirksam zu machen. Aber noch ein anderer Umstand hindert uns, mit allzu großer Befriedigung auf unsere Erfolge zu schauen: die jüdische Armenpflege arbeitet teilweise ohne Plan und Ziel, und der jüdische Lehrer hat am meisten darunter zu leiden. Er wird mit Aufrufen aller Art überhäuft: Kranken- und Waisenhäuser, Knr- und Erziehungsanstalten, Präparandenschulen und Seminare, sie alle wollen bedacht sein und geben zuweilen viel Geld für Propaganda aus, um neues zu erhalten. Wir denken dabei gar nicht einmal an die Anstalten in Palästina, denn diese bilden ja ein Kapitel für sich. Daneben noch die Sorge für die durchreisenden Armen und die Sammlungen für — selbstverständliche immer höchst würdige — Arme des In- und Auslandes, die in einen plötzlichen Notstand geraten sind! Ist es da wirklich zu verwundern, wenn Gemeinden und Lehrer schließlich gar nicht mehr auf diese Aufrufe reagieren? Es kann nun unsere Aufgabe nicht sein, im Rahmen - dieses Artikels zu erwägen, was zur Heilung und vollständigen Beseitigung dieses Uebelstandes zu geschehen hätte. Aber auf einen Punkt möchten wir heute doch schon Hinweisen. 6 christlichen, besonders in evangelischen Kreisen >en alljährlich Kurse statt, in denen Geistliche, rer, Beamte und sonstige Personen, die sich für das soziale Hilfswerk interessieren, eine sehr eingehende Belehrung über die beste Art und Weise erhalten, wie man seinen sozialen Pflichten gerecht werden soll. Die Armen- und Wohlfahrtspflege ist ja eine Kunst und eine Wissenschaft zugleich, sie will erlernt sein. Solche Veranstaltungen aber fehlen bei uns. Wohl besitzen wir sowohl in 2n22tr rmn als in 's'atr'n eine ganze Reihe vortrefflicher Gesetzesbestimmungen, die uns eine vorzügliche Anleitung bieten können, wie man echtes nvn ni^oa zu üben hat,*) aber jede Zeit hat eben ihre besonderen Bedürfnisse und die richtige Anwendung der betreffenden Vorschriften ist die Hauptsache. In den vom „Bund g. j. Lehrer" eingerichteten Fortbildungskursen sollte schon heute, nachdem rmn u. ntoy zu ihrem Rechte gekommen, in den sich anschließenden fteien Besprechungen auch dieser so wichttge Teil der Aufgaben des jüdischen Lehrers eingehende Beachtung finden. Da wo Bezirksrabbinate bestehen, müßte in besonderen Konferenzen zwischen Rabbiner und Lehrern eine Einigung auf diesem Gebiete gemeinsamer Tätigkett angestrebt werden. In keinem Falle aber darf sich der Lehrer weder durch Enttäuschungen und bittere Erfahrungen — sie bleiben keinem erspart, — noch durch die Fülle der Anforderungen davon abfchrecken lassen, ein Vater der Armen und Gedrückten zu sein. Ihm gilt ja auch die Mahnung najr kVi *op' *nn w ti npyro um otm „wer sein Ohr verstopft gegen das Jammern der Armen, der wird auch einmal rufen und nicht erhört werden", an ihn, den sozial Gedrückten, wendet sich der weise König besonders, wenn er sagt: nvmo 2N ury mono ptt trV? jnu „wer den Armen gibt, wird selbst keinen Mangel leiden, wer aber seine Augen (von der Not) abwendet, dem werden viele Flüche". Den jungen Kollegen aber, denen es an jeder Erfahrung auf diesem Arbeitsfelde fehlt, möchten wir hier einige Winke geben, wie sie von Misserfolgen bewahrt werden. Für durchreisende Arme empfiehlt sich auch in kleineren Gemeinden die Gründung einer Kaffe - man darf jene nicht der Gefahr aussetzen, von Gendarmen aufgegriffen und mit Gefängnis bestraft zu werden. Der gar nicht kleinen Mühewaltung, die Gaben zu verteilen, muß sich der Lehrer unterziehen, denn in der Regel ist nur er in der Lage, die Würdigkeit der Armen zu prüfen. Der nuflD von trrnw nD32H entspricht man am besten durch Ausgabe von sog. Billeten, wenigstens für ö"n n2tf, dagegen ist die Unterbringung der DTnm in Restaurationen oder bei Metzgern nur ein Notbehelf und bringt den großen Nachteil mit sich, daß die junge Generation der schönen von den Vätern in so liberaler Weise geübten Sitte, die Fremden gleich Hausgenossen zu bewirten, ganz entwöhnt wird. *) Siehe besonders ripTJt njn ITTP* Für die ortseingesessenen Armen und Hilfsbedürftigen ist in fast allen kleineren, aber auch in vielen mittleren Gemeinden nicht in ausreichendem Maße gesorgt. Nun ist es ja selbstverständlich, daß für die Unterbringung von Kranken, Siechen und Waisen die nächste Großgemeinde in Anspruch genommen wird, für die Unterstützung von Armen und Hilfsbedürftigen sollten aber vor allem die ei geneHilfsqu eilen benützt werden und nur in außerordentlichen Fällen sollte sich der Lehrer an reiche auswärttge Glaubensgenossen wenden. Für nicht unbedenklich halten wir den Weg, den manche Kollegen einschlagen, durch ein Inserat die Hilfe „edler Glaubensgenossen" für eine verarmte Familie zu erbittenvon der Beschämung abgesehen, ist der. finanzielle Erfolg oft ein recht mäßiger. Daß man auch in kleinen Gemeinden bei einer zweckmäßigen Organisation wirksame Hilfe leisten kann, das zeigt das Beispiel einer Nachbargemeinde mit ca. 12 nur mäßig begüterten Mitgliedern. Sie besitzt eine m2n, die so ziemlich alle Zweige der jüdischen Wohltätigkeit umfaßt und die im Laufe der Zeit ein nicht unbedeutendes Kapital aus ganz kleinen Beiträgen ge-, sammelt hat, mit dem schon viel Gutes gestiftet wurde. Daß in der betreffenden ni2N jeden Abend zu uvl2 2'iyo ein Gottesdienst mit Schiurlernen ftattfindet und daß sie auf diefe Weise neben ihrem edlen Zweck ein ausg^eichnetes Bindemittel für die kleine Gemeinde geworden ist, sei hier nebenbei erwähnt. Wir empfehlen dieses Beispiel zur Nachahmung. Die Sammlungen für auswärttge Anstalten liegen fast immer dem Lehrer ob und wo er sie aus Indolenz unterläßt, da geschieht für Wohltätigkeit in der Regel fast gar nichts. Aber selbst wenn er sich in seiner Gemeinde der allgemeinen Achtung und Beliebtheit erfreut, so nehme er sie doch nicht auf eigene Faust, sondern im Auftrag einer Chevra vor, wo eine solche existiert. Sie sollen in ziemlich regelmäßigen Zwischenräumen erfolgen: am Purim, Chanuka, wo möglich auch nach jedem v nativ. Das Erträgnis derselben fließe zunächst in die Chevra- resp. Bereinskasse und erst am Ende des Jahres werde über die Verwendung der Gelder Beschluß gefaßt. Dabei sollen zunächst die Humanitären Anstalten ins Auge gefaßt werden, die in der Nähe sind, also die der benachbarten Großgemeinde, denn wenn die Zuwendungen auch naturgemäß nur klein sein können, schon der gute Wille erfreut und es wäre undankbar,, ohne jede Gegenleistung Ansprüche an jene Institute zu erheben. Es bedarf wohl auch nicht erst der Erwähnung, daß die Pensionskaffen für Lehrerwitwen und -Waisen nicht vergessen werden dürfen pomp "puy, das gilt auch hier.