Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 43 (24.10.1907)
- Date
- 1907-10-24
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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. der MiiWen Lehrer W den Landrabbinatsbezirken Emden-Oldenburg-Bremen beglückwünschte Herr hrer Wolf - Aurich das Jubelpaar. Mit einer Hebräischen Ansprache überreichte er darauf einen ^prachtvollen Silberpokal. In der Synagoge waren die Stzplätze des Jubelpaares mit Blumengewinden geschmückt und mit 'einer "sinnentsprechenden Inschrift Von Freundeshänden versehen worden. Im Laufe deZ - Tages gingen den Gefeierten viele Beweise der I: Lieoe und' Anerkennung zu, darunter ein in herzlichen Worten gehaltenes Schreiben des Herrn Oberbürgermeisters Fürbringer. Uereimwesen. Frankfurt a. M., 24. Ott. Die „Bereinigung zurPflege jüdischer Lebensanschauung" eröffnete an vergangenen Sonntag ihre Borträge für Damen mit dem Thema: „Die Frauenfrage und sie Ethik des Judentums". Referenten waren die Herren Moritz A. Loeb und Jacob Rosen heim. Der große Saal der Loge zum Frankfurter Adler war längst i vor Beginn des Bortrages überfüllt und Hunderte mußten umkehren, weil rein Plätzchen mehr zu haben war. An die Referate schloß sich eine lange und lebhafte f-, ^Diskussion. Wir kommen auf beides ausführlich zurück. .. gm Anschlüsse an die Versammlung wurde ein auf dem . Boden des überlieferten Judentums^stehender „Jüdischer ^Frauenverein" ins Leben gerufen, zu dem bereits . «sne große Anzahl Anmeldungen ergangen find. J'. Frankfurt a. M, 22. Ottober. In der hiesigen - Zio^Mischen Bereinigung hielt gestern Abend Herr Davis Tritt sch aus Jaffa einen Borttag über de Entwicklung Palästinas in den letzten fünf Jahren. L Der Redner ging zunächst auf die Entwicklung des Landes!■: 4nt allgemeinen ein, um dann im zweiten Teil seinersehr instruttiven Darstellung sich über die Gestaltung der ^Mischen Derhältnisse auszusprechen. Die Bevölkerung Palästinas,, in den Städten wie auf den: Land, ist in den letzten Jahrzehnten bedeutend gewachsen, zuweilen fast mit anterikanischer Schnelligkeit wie in Beirut. Der Handel hat fich stetig bedeutend gemehrt und auch die . Industrie hat trotz des bestehenden Einfu rzolles ansehny «che Fortschritte gemacht. Ter Berkehr ist außergewöhn lim gewachsen. Seitdem vor 15 Jahren die erste Eisenbahnlinie Jaffa Jerusalem ge chaffen wurde, find bis jetzt 13 neue Strecken eröffnet worden, allein im letzten Jahre vier. Der Kulturzustand des Landes ist gestiegen, die Lebenshaltung der Bevölkerung eine beffere geworden. Das.Reisen ist gegen früher bedeutend erleichtertauf .dem Libanon gibt es z. B. Hotels, wie man sie in den ' Schweizer Bergen hat. Bezüglich des von der türkischen > Regierung s. Zt. erlassenen Einwanderungsverbotes führt der Redner aus, daß dasselbe fich nicht gegen die Juden als Juden richte, sondern als Untertanen europäischer Mächte, die fich jener bedienen möchten, um ihre Position im tür kischen Gebiet zu festigen. Während der russischen Pogrome hat die Regierung humanerweise das Einwanderungsverbot außer Kraft gesetztebenso wie zur Zett der runiänischen Judenverfolgungen im Jahre 1899. Auch nach den Pogromen ist das Verbot nicht mehr zur 5 Anwendung gelangt. Die jüdische Bevölkerung hat an ' dem Bevölkerungszuwachs den größten Anteil. In; Jerusalem wohnen jetzt 50 000 Juden bei einer Gesamt- . ziffer von 75000 Einwohnern. 18t 0 wohnten dort nur 16000 Judenähnlich liegen die Berhältniffe überall. Redner tritt der Anficht entgegen, daß die Jerusalemer Juden kein geeignetes Kolonisationselement seien, und wesst auch die gegen die Chaluka erhobenen Angriffe ausführlich zuruckdie Mißstände in der an sich segensreichen Institution ist nian im Begriff zu beseitigen. Es empfehle sich für alle in Palästina interessierten jüdischen Kreise mit der Chaluka Fühlung zu nehmen. In den Kolonieen ist zwar seit 10 Jahren ein gewisser Stilstand zu verzeichnenimmerhin ist die Bevölkerung der Kolonien seitdem von 5000 auf 8000 gestiegen. Auch viele Taglöhner finden dort ihren Unterhalt, in Prtach Tikwa > nd eS 300. Der Weinbau ist von den Juden vorttefflich erlernt worden, und es besteht die beste Hoffnung, vagste fich auch die Behandlung der neuen Kulturen, die nun einzuführen jm Begriff ist, rasch und sicher aneignen werden. Eine Reihe von Jndustrieen wird von Juden betrieben, wie die Weinkellerei, das Müllergewerbe, die Verarbeitung von Olivenabfällen, die Wollwäscherei, die Stuhlindustrie. Eine Aufgabe von hervorragender Wichtigkeit ist die Förderung der Kleininduftrie, die ohne Maschinen und mit billigem Material viele Menschen ernähren kann. Redner geht dann a f die Kunstgewerbeschule Bezalel, die Tätigkeit des von Prof. Marburg begründeten Jndustrieshndikates und die verdienstliche' wirtschaftliche Wirksamkeit des zionistischen Kreditinstitutes in Palästina, der Änglo Palestine Company ein. Er schließt mit der Bemerkung, daß zwar nicht gewaltige Ereignisse aus der wirtschaftlichen Entwicklung des heiligen Landes zu berichten seien, daß man aber durch zähe Arbeit und Geduld Großes erreichen könne. Frankfurt a. M., 20. Okt. Der hiesige Verein Montefiore (Verein zur Pflege der idealen Interessen jüdischer junger Leute) hat für dre Monate Ottober, November und Dezember nachstehendes Vortragspkogramm aufgestellt: Dr. jur. Alfred Apfel, Cöln: Renaissance des jüdischen Bewußtseins- Heinrich Einstädter: Der „heilige Mann" von Offenbach - Dr. jur. Siegfried Schwarzschild: Reiseerlebnisse m Palästina- Julius Sommer' Der Rabbi von Bacharach, Hcines Stel.ung zum Judentum- Dr. ^Jul. Hülsen: 1. Ern kunstgeschichtliches Thema (mit Lia.tbüdern) - Mufikalisch deklamatorische Borträge- Dr. ^Jul. Hül en: 2. Ein kunstgeschichtliches Thema- Dr. med. Gustav Löffler: Das Lied (mir vokalen und instrumentalen Erläuterungen)- I. B. Levy: Shnagogenmelodieen. Außer öiesen Vorträgen veranstalttt der Berein wie bisher Fortbildungskurse und Turnun erricht und stellt seinen Mitgliedern ein Lesezinrmer und eine Bibliothek zur Verfügung. Personalien. «erlitt, 31. Okt. Am 31. Oktober begeht Herr I. Mali na, vMV der Adas-Jisroel-Gemeinde, sein 25jähriges Dienstjubiläum. Der Jubilar hat das Amt des tarnt? früher in Bensheim, Regensburg, Rotterdam und anderen Gemeinden versehen und wurde vor 11 Jahren von der Adas-Jisroel in seinen jetzigen Wirkungskreis berufen. Obgleich er sein Amt stets mit Treue und Hingebung wahrnahm, fand er doch immer noch Zeit zu eifrigem Thorastudium und zu eifriger Uebung von vielseitigem Er hat auch eine Anzahl Schüler um stch geschart, die von seinem bedeutenden talmudischen Wissen gerne Nutzen ziehen. Gleichzeitig mit seinem Dienstjubtläum begeht Herr Malina mit seiner Gattin die Feier der silbernen Hochzeit. Zabrz 21. Ott. Sein 25jähriges Amtsjubiläum feierte vor einigen Tagen der Vorsitzende des Vorstandes der Synagogengemeinde Zabrze, Herr Michael Kaiser. Aus diesem Anlaß fand eine Feier statt, bei welcher Herr Rabb. Dr. Kaatz und mehrere andere Herren Ansprachen hielten und die großen Verdienste, welche fich der Jubilar während des Bierteljahrhunderts seiner Amtstätigkeit um die Gemeinde erworben, rühmend Hervorhoven. Ermreuth, 18. Ott. In den nächsten Tagen wird unser Lehrer, Herr Schoß, nach 37jähriger Tätigkeit von Ermreuth scheiden, um fich in den Ruhestand zurückzuziehen. Mir einer zu Herzen gehenden Ansprache nahm er am vergangenen Savbath von seiner Gemeinde Abschied, indem er allen Mitgliedern für die ihm bei seiner Amtstätigkeit entgegengebrachte Unterstützung dankte und zur Aufrechterhaltung des religiösen Sinnes und zur steten Erfüllung des jüdischen Gesetzes mahnte. Für die israelitische Gemeinde bedeutet das Scheiden des Herrn Schloß einen schweren Verlustdenn er hat mit seltener Hingebung sich seinem Beruf gewidmet und auch außerhalb seiner Lehrtättgkeit den Gemeindemitgltedern immer mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Dieselbe Hochschätzung, wie in der israelitischen Kulturgemeinde, hat sich Herr Schloß in der politischen Gemeinde erworben - erwähnt sei, daß er viel zur Gründung der freiwilligen Feuerwehr beigetragen und später auch als deren Kommandant Verdienstliches geleitet hat. Die Verwaltung, an deren Spitze Herr Bürgermeister Müller, sowie Lokalschulinspektor Pfarrer Seeberger und Kantor stumpf, besuchten am Sabbath Herrn Schloß und brachten unter Ueberreichung eines wertvollen Andenkens den Dank der Mitbürger und deren beste Wünsche für die Zukunft zum Ausdruck. Zprecdraal. „Wir jungen Mädchen!" Der dieswöchentliche Bortrag des Vereins *QX der seine Besucher mit hoher Befriedigung erfüllte, ist auch an uns jungen Mädchen nicht eindruckslos vorübergegangen. In einer Zeit, in der die Frau, mehr als je, heraus, in den Vordergrund tritt, ist es wohl nicht verwunderlich, wenn auch die jungen Mädchen etwas zu sagen haben. Auch in ihnen gärt es, auch sie können sich dem Einflüsse der Zeitströmung nicht entziehen, wo so viel Wichtiges und Unwesentliches geredet wird, glauben auch sie mitreden zu müssen. Doch die Scheu, unsere Gefühle und Gedanken der Menge zu geben, und die Erkenntnis, daß wir doch nichts wissen können, zwingt uns, unsere Bewegung, unseren Zwiespalt in uns selbst nach Möglichkeit zu verarbeiten. Auch sind wir — vielleicht zu unserem Heile — noch nicht durch die generalisierende und individualisierende Kraft eines „Vereins" zur „Rednerin" erzogen worden. Wie geht es nun dem jungen Mann! Der jüdische junge Mann ist nach der Tagesarbeit in „seinem" Verein. Dorthin trägt er seine inneren Freuden und Leiden, wo Männer, die dieselben Kämpfe gekämpft, die Empfindungen und Ansichten der Jugend in die rechten Bahnen zu lenken. sich bemühen, dort spricht man über allerlei Menschen und deren Geistesprodukte, man hört von Nietzsche und Schopenhauer, von deren M'rken ich nur weiß, daß sie aufrührerische Keime in die junge Seele legen, kurz man zeigt dem Jüngling den Weg, den er gehen kann, der zu seinem Heile ist. Mich erfüllt es mit Freude, wenn ich sehe, wie der Verein •Ojj seine jungen Anhänger mit Liebe und Begeisterung für das Judentum erfüllt, wie er das jüdische Gemeinsamkeitsgefühl kräftigt, und auch das religiöse Veranwortlichreitsgefühl des Einzelnen in hohem Maße steigert. Und nun wir jungen Mädchen! Auch wir haben Mußestunden, in denen sich unser Geist nach Anregung und Betätigung sehnt. Die Menschen, die uns etwas geben könnten, haben nicht immer Zeit für uns, wir greifen zur Lektüre: Romane langweilen uns — für die Klassiker findet sich gelegentlich eine stille Stunde — wir suchen ein wertvolles Buch, von dem wir glauben, daß es unserer Eigenart Rechnung trägt, uns Antwort auf in un§ auf* steigende Fragen gibt. Wir lesen Ibsen, lesen Ellen Key. Unser leicht beweglicher Geist nimmt rasch die verwirrenden, wenn auch neuen Ideen auf, wir haben nicht mehr die Fähigkeit zu verwerfen. Ein Konflikt muß entstehen. Hier verpflichtet uns Ellen Key zur Selbstanbetung, fördert die volle Auslebung der Individualität ohne Rücksicht auf Gesetz und Gesamtheit, eine Forderung, deren Gefahr wir nicht sofort kennen, d o et die. tyetuge Lehre, mssere ttttm.fi*,. Natur, die uns lehren, daß das Mische Weib , mir in Stifte und Bescheidenheit wirken soll, daß die jüdische Frau nur im engen Rahmen, des Hauses ihre hohe Aufgabe löst. Laufen wir nicht Gefahr in diesem Kampfe, unmerklich uns selbst zu verlieren? Ich weiß aus eigener Erfahrung, daß matt im Kreise jüdischer Frauen und Mädchen von Ellen Key „begeistert" ist. Diesen Verirrungen kann gesteuert werden, indem man auch den jungen Mädchen einen Quell erschließt, der ihnen den Weg zur geeigneten Lektüre zeigt und damit den wahren Stündpuntt gegenüber aktuellen Fragen. Aus diesem Wunsche heraus wäre die Gründung eines Vereins für Frauen und Mädchen analog den Bestrebungen des Vereins 13s frtudigst zu begrüßen. lamilienuacdttcdten. Geburten: Ein Solm: Alexander Birnbaum (Strauß), Frankfurt a. M. — Leopold Haas (Hahn) Karlsruhe. — Eme Tochter: David Sch önbcrg, Fürth i. B. Barmlzwohfeier: Ephraim, Sohn von Jacob Korngold, Frankfurt a. M. Verlebt: Johanna Meyer mit Julius Gans, Frankfurt a. M. — Hedwig Frohmann mit Hermann Mayer, Oettingen-Schnaittach-Hof. Verm&hlt: Jacob Wechsler mit Iohamia qeb. Schwarz sch ild, Frankfurt a. M. — Maier Stern mit Hedwig geb.Posen,Frankfurt a. M. — Dr. Lion Marx mit Martha geb. Schames, Frankfurt a. M. — Max Possenbeimer mit Bella geb. Löwen sie in. Bnrkundstadt (Oberfranken). — Leo P r e u ß mit Tbilde geb. B i rn b a u m, BreSlau-Firth i. B. Sabbat-Anfang u. Ausgang. OST: Anfang Datum Ausgang Ubr iMin. 1907 5667 UhrlMm. 26. Okt. 18. Frankfurt a. M 4 45 Cheschwan 6 00 Berlin .... — — 5 33 München . . . 4 50 5 45 Stratzburg 5 00 6 00 Stuttgart. . . 5 00 5 52 Posen ... — 5 19 Nürnberg . . — — 5 46 Hamburg — — 5 50 Prag. — — 5 30 Für de« Reklameteil ist die Redaktio« nicht verantwortlich; insbesondere ist es ausschließlich Sache der Leser, die im Reklameteil enthaltenen Empfehlungen ritueller Ware» oder sonstige Angabe« religionSgesetz» lichen Charakters auf ihre Zuverlässigkeit &« prüfen. Kaiser Friedrich Quelle 6346) —— Ottenbach a. H. -— „Gegen dicht n. Rheumatismus bewahrt.“ 4 Landeshuter t Leinen« und Gebild »Weberei F. V. Grünfeld Königl., Grossherzog!, v. Fürstlicher Hoflieferant Berlin W., WrlgMtlMS 20-2. Grösste Auswahl aller Wäscheartikel für den Hausbedarf. nilirtigiig ganzer Rgsstaigggg. Preisliste mit Abbildungen sowie Kostenanschläge zu Diensten. (7959) o Hon machen jSie aber MioeRedensartca! Ein Katarrh ist keine Krankheit und wohin sollt ich kommen, wenn alle meine Angestellten eines Katarrhs wegen daheim blerben wollten! Kaufen Sie sich gefälligst eine Schachtel Fays ächte Sodener Mineral-Pastillen, dann werden Sie Ihren Katarrh schleunigst los werden, ohne daß Sie mir die Arbeit liefen lassen. Fays ächte Sodener kaufen Sie für 85 Pfennig die Schachtel in jeder Apotheke,. Drogerie oder Mineralwasserhandluna^ lassen Sie sich aber keine Nachahmung ausschwatzen, sondern verlangen Sie bestimmt „Fays ächte Sodener".