Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 43 (24.10.1907)
- Date
- 1907-10-24
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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: fehlt doch viekeS in unserer Amsterdamer N>Ns). Und am allermeisten fehlt es uns an einer Anstalt, wie die von Hirsch gegründete Realschule in Frankfurt eine ist. R«Mmrd. Petersburg, 20. Oktbr. Wie das Blatt „Ssegodnja" berichtet, bereitet das russische Ministerium des Innern ein Gesetzprojekt über die Judenfrage zur Einbringung in die dritte Reichsduma vor. Dies Gesetzprojekt bringt den Juden keine Gleichberechtigung, sondern will nur die Bewegungsfreiheit der Juden außerhalb und innerhalb des Ansiedelungsrayons erweitern, die Lage der jüdischen Handwerker verbessern, indem ihnen das Recht gegeben wird, sich auch in den Städten außerhalb des jüdischen Ansiedelungsrayons niederzulassen, in welchen ihnen zur Zeit dies nicht freisteht, ferner den jüdischen Kaufleuten die Möglichkeit erleichtern, sich in Handelsgeschäften außerhalb des jüdischen Ansieelungsrayons aufzuhalten, und endlich der jüdischen Jugend freien Zugang zu den mittleren und höheren Lehranstalten gewähren. — Dieses Projekt wäre nichts neuesvon der Ausarbeitung eines solchen Gesetzentwurfs wurde schon vor Jahresfrist gesprochen, ohne daß man freilich davon, gehört hätte, daß auch diese die Lage der Juden gar nicht wesentlich ändernden Bestimmungen aus dem Stadium der Vorbereitung herausgekommen wären. Petersburg, 15. Oktbr. Im Laufe der letzten zwölf Monate, sind allein von dem Hafen von Libau aus im ganzen 216,000 Personen aus Rußland auc gewandert, darunter 125,000 Juden. Jerusalem), 13. Oktober. Vor etwa Jahresfrist ist ein gewisses Ehepaar K., vor den Pogroms in Odessa fliehend, in Palästina eingewandert und nahm in der hl. Stadt dauernden Aufenthalt. Herr K., Techniker von Fach, ist ein wohlhabender Mann von zu Hause aus. Ihn schreckte daher die Chaluka nicht. Seine Existenz ist gesichert, lind von dieser Unabhängigkeit macht Herr K. den ausgiebigsten Gebrauch. Er hält absolut nichts vom Judentum, läßt sogar sein Söhnchen, das ihm neulich geboren wurde, nicht beschneiden. Aehnliches ist in der hl. Stadt bis heute noch nicht vorgekommen. Ist es aber schon schlimm genug, daß ein solcher Fall in Vorkommen kann, so ist es meines Erachtens noch viel fchlimn ', wenn eine hebräisch redende, ein hebräisches redigierende Frau in Jerusalem glaubt, damit groß tun zu sollen, daß sie Herrn K. a.o Gesinnungsgenossen bezeichnet. Ein Vertreter des „Egyenlösäg" (Budapest), Nr. 18, 1907, der die Ehre hatte mit Frau Chemda Benjehuda, der Redakteurin der „Haschkafa", eine Unterredung zu haben, bei welcher Gelegenheit sie sich stolz zu dem Progamme bekannte, wonach in ihrem Hause nur hebräisch gesprochen wird, dagegen o'n'iBn on v"*i rat? längst daraus verbannt sind, hat den Namen der Nachwelt erhalten, dessen Träger unter vielen -äderen (leider!) die hohe Ehre zu Teil wu.^. Gesinuungsgenoffe des Herrn Benjehuda zu sein. Es ist dies Herr K.! Und in der Tat gleichen sich die beiden Männer bisein Haar. Sie haben be'de längst mit dem Judentume gebrochen, sie sind beide gleich verbissene Territorialisten und a'erchwie Herr K. das unschöne Bestreben hat, Me öffentliche Meinung zu kränken, indem er sich gerade den v"'1 rav gewählt zu seinen Jagdvergnügungen oder zum Ausfahren durch die Judengaffenebenso freudig begrüßt Benjehuda jede Gelegenheit, die ihm Anlaß gewäh.t, der jüdischen Oeffentlichkeit ins Gesicht zu schlagen. Neulich mußten die Kabalisten herhalten. Die Äabüla hat, trotz ihrer, vielen Anhänger in der hl. Stadt, Benjehuda in einem öffentlichen Bortrage "WM,, geschimpft. (Hafchkafa, JTO rV'Dnn). Egyenlös6p" (ibid.) nennt das Pro- , 2t*' noch „verrückt". Man wäre nun versucht, zu meinen, daß die Kabala Herrn Benjehuda die Klarheit des Denkens geraubt hat. Zur Steuer der Wahrheit sei aber versichert, daß Benjehuda, ■WP 'TD, kein Wort von der N^2i) v.rsteht. Verstünde er etwas von ihr, wie könnte er sich so äußern? Nur der unschöne Hang, demonstrativ auszutreten, hat ihn das Wort ausfrechen lassen. Eines hat Benjehuda vor Herrn K. voraus: die hebräische Sprache. Damit sucht er Schule zu machen. Welcher Geist in dieser Schule herrscht, ist leicht zu erraten. Herr Benjehuda weiß noch, wie ein gläubiger Jehudi aussehen mußin den Augen seines 10jährigen Sohnes dagegen ist derjenige ein guter Jehudi, der hebräisch spricht. Und als neulich ein Lehrerssöhnchen gefragt wurde, ob es schon an diesem Tage gebetet hätte, erwiderte mit stolzem Selbstbewußtsein der Knirps: „Was? Beten? bin ich denn ein Christ, daß ich Sonntags beten soll? Ich und mein Vater — wir sind Juden, wir gehen nicht Sonntags, sondern n2tf in die Synagoge (um zu . . .?)" Und das sprach der kleine Bursche rein hebräisch! Von wem hat er das gelernt? Ist es nicht ein altes Sprichwort: „Wie die Alten brummen, so die Jungen . summen?" Ich will nicht sagen, daß alle, sicher bin ich aber, daß viele der nur hebräisch Redenden gleich Benjehuda denken. Es wird gewiß keinem Jehudi beifallen, das Verdienst derer zu schmälern, die sich namentlich im hl. Lande um die Verbreitung derheiligen (nicht: hebräischen!) Sprache bemühen: tp"p *oipi '"to mn *?2 p «in ph ,ttmpn 712^2 -12-1121 rwjn mrw K2H D7iyn, hat schon Rabbi Meir gelehrt CW #,B irtKn ’hsd). „Wer in Erez Israel wohnt, morgens und abends Z)Q2? liest und die hl. Sprache redet, der ist sicher der künftigen Welt". Um Jude zu sein, genügt aberVilpri allein durchaus nicht. Ein Jude muß auch zweimal täglich Gott bekennen. Dieses Bekenntnis leitet uns zur Ausübung der Thora aneines ohne das andere ist nicht denkbar. Ein frivoles Beginnen aber ist es, das Judentum nriK *?:n zu stellen, auf das Hebräis ch e. Alles Heilige verspotten: die Tradition verneinen, die Thora negieren, Gott leugnen und dabei den Mut haben, zu behaupten, das sei Judentum, und dann mit dieser den Geist verpestenden Kost die leichtgläubige Jugend infizieren — das ist ay2T> ri2PQ, oas ist Missionsarbeit. sagen unsere Weisen, ist TsNlV. Apostatische Lehren haben eine große Anziehungskraft. Das kann man ja zumal hier auf Schritt und Tritt sehen. Früher oder später wird dagegen Front gemacht werden müssen. Dann aber, fürchte ich, könnte es aus Kosten der Ausbreitung der hl. Sprache geschehen. „Um der p'B willen", lehrt R. Nathan, „hat man die nrain mtpy aus dem täglichen Gebete entfernt" — (b. Berachoth 12a). Ist es Herrn Benjehuda und Genossen ernstlich darum zu tun, die hebräische Sprache — nach ihnen, die hl. Sprache — nach Uns — zu verbreiten, dann möge er — namentlich Herr Benjehuda, mehr auf seine Aeußerungen achten und sich künftighin enthalten, Irrlehren zu verbreiten. Als Hebraist füllt er seinen Platz aus. Missionare im Judentume brauchen wir nicht. Dr. L. Grün Hut. Uermi$d>te$. Arankfnrt <u M., 21. Oktober. Die Diskin sche Waisenanstalt in Jerusalem, die jetzt über 300 elternlose Waise verpflegt und erzieht, besitzt bis heute noch kein eigenes Heim und hat ihr Domizil in gemieteten .Häusern, was sowohl die physische wie auch die geistige Entwicklung der Pfleglinge beeinträchtigt. Um den im vorigen Jahr begonnenen Bau eines Waisenhauses fertigzustellen, dazu fehlt es noch sehr an Geldmitteln und es ist daher ein verdienstvolles Werk, die Institution tatkräftig zu unterstützen. Der Vertreter derselben weilt gegenwärtig hier und sei dem Wohlwollen der Glaubensgenossen bestens empfohlen. ° München. 12. Oktober. Zwischen dem weitaus größten Teile der Mitglieder der Kultusgemeinde Zweibrücken uno dem Bezirksrabbiner - Dr. .EWn MeherM „ teren Jahren ernste Differenzen. Die Erbitterung flttg immer mehr und zeitigte schließlich den Entschlich» Dr. Meyer die Ausübung seiner Funktionen als RMbiner in der Snyagoge unmöglich! zu machen. Scho» im Oktober 1905 kam es während des Gottesdienstezu einer erregten Szene zwischen dem Rabbiner und dem Kantor, Religionslehrer und Schächter Max Bachenheim e r wegen der Berechttgung zur Bornahme gewisser Handlungen, was sogar ein strafrechtliches Ev» mittelungsverfahren zur Folge hatte, das jedoch eingestellt wurde. Am 14. März d. I. erschien in de« Zweibrückener Blättern eine vom 13. März datierte Notiz folgenden Inhalts: „Wie. unhaltbar das Verhältnis zwischen der israelittsch«L.^Kultusgemeinde Zweibrücken und dem Bezirksrabbrner Meyer ist, zeigte wieder der gestrige Tag. Die Synagoge mußte an diesem Tage wegen der Befürchtung, daß das unerwünschte Amtieren des Rabbiners Störungen verursachen würde, geschlossen werden. Das Bezirksamt hatte laut Beschluß vom 28. Februar dem BezirGrabbiner jegliche Ausübung von Funkttonen in der Synagoge untersagt. Auch die Regierungsentscheiduttg vom 6. März hob auf eine diesbezügliche Beschwerde hin den bezirksamtlichen Beschluß nicht auf. Trotzdem versuchte der Bezirksrabbrner, im gestrigen Fest» gottesdienste Predigt zu hatten. Um eine Ruhestörung zu vermeiden, wurde die Synagoge nicht geöffnet und als der Rabbiner im Talar erschien, fand er geschlossene Türen. Hoffentlich wird letzt die Behörde dreien traurigen Zuständen ein Ärde bereiten". Wegen dieses Artikels stellte Dr. Meyer gegen de« Verfasser, Kantor Bachenheimer, Privatklage und Strafantrag wegen Beleidigung; er fühlte sich beleidigt, daß ihm Auflehnen gegen ein behördliches Verbot vorgeworfen und daß er selbst in einer Situation durgestellt wurde, die ihn lächerlich machen müsse. Ein behördliches Verbot der Ausübung seiner Funktionen in der Synagoge ist nicht ergangen. Me 8e* hauptung des Artikels, daß der Rabbiner trotz einesolchen Verbots im Festgottesdienste vom 12. März (Geburtstag des Regenten) zu erscheinen und zu predigen versucht habe, entbehrt der Wahrheit. Der Rabbiner ist überhaupt nicht an die Synagoge gvkommen, konnte also keine geschlossenen Türen frwden. Kantor Bachenheimer wußte, daß das BeznÄamt dem Rabbiner nicht die Ausübung jeglicher Funktionen in der Synagoge untersagt habe. Das Schöffengericht sowohl als die Strafkammer sprachen de« Beklagten trotzdem frei, da sie ihm den Schutz deir 193 Str.-G.-B. zubilligten. Nun legte der Kläger Revision beim Obersten Landesgericht ein; er ergriff in unzulässiger Weise die Feststellungen der Borinstanz an. Der Strasienat erkannte auf kostenfällige Verwerfung der Revision, da diese, soweit sie nicht unzulässig ist, als unbegründet erscheint. Posen, 16. Ottober. Die jüdischen Hausväter des Gemeindebezirks Jaratschewo Stadt, Kreis Jarotschin, find vom 1. Oktober d. I. ab bei gleichzeittger Auflösung des jüdischen Schulverbandes Jaratschewo in die evangelische Kirche Jaratschewo eingeschult worden. Dresden, 21. Oktober. Heute feierte das Kran? ken Unterstützungsinstitut für Israeliten sein 100jäh- ' riges Bestehen. Ans Ostfriesland, 20. Okt. Der feit einer Reihe von Jahren in Aussicht genommene Bau eines Waisenhauses für den Bezirk des Landrabbinats Emde» konnte, nachdem durch reichliche Spenden, durch Stiftungen und hauptsächlich durch die Sammlungen de- Herrn Landrabbiners Dr. Lob das Bercinskapital die Höhe von 100,000 Mk. erreicht hat, endlich in Angriff genommen werden. Die Feier der Grundsteinlegung fand unter reger Beteiligung am Donnerstag, den 17. Oktober statt. Man hatte diesen Tag, den 9. Cheschwan, dazu bestimmt, um dem Vorsitzenden des Waisenvereins, dem Herrn Landrabbiner Dr. Löb, der an diesem Tage an der Seite seiner Genrahlin, einer Tochter des sel. Oberrabbiners Dr. Löb aus Altona, die 25jährige Wiederkehr des Ber» mählungstages feiern konnte, ein sichtbares Zeichen der Ltzrcrkcnnung und des Dankes zu geben. Die Feier der Grundsteinlegung begann um 11 Uhr und wurde durch einen passenden Gesang von Kindern der jüdischen Volksschule eingeleitet, worauf der Synagogenchor Pf. 113 vorttug. Dann hielt Herr Dr. Löb eine ergreifende Ansprache. Es folgte die Verlesung der Stiftungsurkunde. Dieselbe berichtet, daß der fu. La r.drabb irrer Dr. Buchholz im Verein mit den Lehrern seines Bezirks im Jahre 1886 den Verein gestiftet, um die Waisen im Landrabbinat zu versorgen. Dr. Buchholz war es gelungen, für diesen Zweck bizu seinem 1894 erfolgten Tode 6000 Mk. zu sammeln. Dieses Kapital soll mit dem Namen „Dr. Buchholz-Strstung" belegt werden, uüd so die Erinnerung an "den Begründer des Vereins bewahren. Hieraus wurden unter entsprechenden Worten die üblichen Hammerschläge von dem Vorstand und der Baukommisfio« vorgenonrmen. An diese Feier schloß sich im Hause des Herrn Landrabbiners'die Ehrung des Jubelpaares. Geführt von dem Vorsitzenden der Synagogen-Gemeinde Emden, Herrn Jakob Pels, erschienen der Vorstand und die Repräsentanten der jüdischen Gemeinde. Herr Pels bekundete in beredten Worten die freudige Anteilnahme der Gemeinde an dem Familienfeste ihres, geistigen Führers, dessen segensreiche Wirksamkeit aÖ- Stadt- und Landrabbiner er schilderte. Herr Vorsteher Meyer sprach darauf die Wünsche und de»