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Der Israelit · 1907-10-24 · Heft 43 (24.10.1907) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 43 (24.10.1907)
Date
1907-10-24
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Der Israelit. Nr.4S 24.' Oktober 1907 Sette 3V. Syrien, dem Gönner des Herodes, diesem zur Mucht. — Aus dem ganzen Zusammenhänge acht hervor, daß Schamai damals bereits im Mannesalter stand, aber als jüngeres Mitglied be8 Gerichtshofes jedenfalls nicht den Vorsitz führte. M Hillel war Naßi geworden, doch die politischen Verhältnisse ließen nicht zu, aus dieser Tatsache öffentlich die Konsequenzen zu ziehen und die Führung des Volkes offiziell wiederum einer Zentralbehörde mit dem Naßi an der Spitze anzuvertrauen. Vielmehr hatte der bedeutungsvolle Schritt in den Augen der argwöhnischen Regierung nur das Aussehen einer Angelegenheit ' auf dem Gebiete der Thorapflege. Um Hillel sammelten sich zahlreiche Gelehrte und Schüler, und neben Beth Schamai blühte die Schule Hillels, die an Zahl die erstere übertraf. Doch, wie es in der Mischna heißt, obschon die einen \ (cmf Grund der erschwerenden Tradition) verboten, die anderen erlaubten, die einen für tangt. die andern für untauglich erklärten, hielt Beth Schamai nicht zurück, Frauen von h Hillel zu heiraten, und nicht Beth Hillel von Beth Schamai . . . nnb die Boraitha fügt hinzu: Trotz der verschiedenen Divergenzen . . verkehrten sie in Liebe und Freundschaft miteinander und erfüllten das Gebot: Liebet die . Wahrheit und den Frieden! — Beide Schulen hatten ja dasselbe Streben, das Erbgut der Gemeinde Jakobs, wie es Mosche auf dem Sinai - empfangen, unverkürzt und ungetrübt zu er- : hakten, beide Schulen standen auf demselben Boden, dem heiligen Boden der Tradition, und schützten das Leben der jüdischen Nation, indem sie die Thora schützten, da ohne Thora, wie sie untrennbar in Schrift und Ueberlieferung erhalten ist, auch die jüdische Nation nicht bestehen MNN. So entfaltete sich unter den traurigsten politischen Verhältnissen, getragen von Hillels machtvoller Persönlichkeit, das regste geistige Leben, und der Baum des jüdischen Volkes, von außen «mstürmt und hundertfach verletzt, gewann im Innern neue Kraft und "Widerstandsfähigkeit. Lebt- und 5chächt--lmt. Vor einigen Jahren kam ein Rabbiner an einen kleineren Platz, um einmal nach dem Rechten . zu sehen. Er forschte unter anderem nach den Schulverhältnisien und erfuhr, daß die Kinder einen Weg von fast einer Stunde bis zur nächstgelegenen größeren Stadt zu gehen hätten, woselbst sie an dem Religionsunterricht teilnähmen. Häufig genug aber käme es vor, daß der Unterbricht ausfiele und die Kinder unverrichteter Dffige wieder heimziehen müßten. Das Interesse 0N dem Religionsunterricht und seinem Gegenstand würde dadurch nicht gerade sehr geweckt ' und gefördert. Als er nun nach den Schechitah- , Verhältnissen fragte, wurde ihm mitgeteilt, daß ' die Gemeinde dazu einen Mann bestellt habe, der, ein |ro, in einer Ehe lebte, die ihm als |TD religionsgesetzlich verboten ist, die aber auch wegen dss Borlevens der Frau einem gewöhnlichen Juden nicht gerade zur Ehre gereicht hätte. . Mr die Gemeinde wenigstens war es nach innen und nach außen nicht ehrenvoll, einen solchen Kultusbeamten zu besitzen. Um diesen unhaltbaren Zuständen ein Ende zu setzen, machte der Rabbiner den höchst einfachen Vorschlag, zunächst einen eigenen Lehrer anzustellen und diesem dann zugleich die Schechitah zu übertragen. Damit hatte er aber in ein Wespennest gestochen. Und einer fand sich, der, was in den Mienen der emderen zu lesen war, gerade heraus sagte: „Aber, Herr Doktor, wie fou man vor einem Herrn, wenn kr im Talar hinter dem Leichenwagen als Seelsorger herschreitet, die schuldige Ehrfurcht haben können, wenn man unwillkürlich daran denken muß, daß derselbe Mann morgens mit aufgestülpten Aermeln mit dem Messer in der Hand im Schlachthaus stand." Darauf der Rabbiner: „Sie haben eigentlich recht. Die Amtskleidung scheint wirklich vertauscht. Es wäre viel sinngemäßer, man würde den Malach Hamoweß gleich mit aufgestülpten Aermeln und dem Chaliff in der Hand hinter dem Leichenwagen einhergehen lassen und zu der heiligen Arbeit der Schechitah, mit dem Talar bekleidet, im Schlachthaus erscheinen." Wahrlich auch uns dünkt das „Koscher oder treifah" für die Lebenden wesentlicher, als eine nachgeahmte, für uns Juden völlig halt- und sinnlose, menschlich unmögliche Seelsorge für die Toten. Die Schechitah ist kein „Bluthandwerk", wie das Schlachten durch rohe Burschen sich darstellt. Der Schochet verfügt über einen gewissen Bildungsgrad. Er muß theoretisch und praktisch vorgebildet sein. Und wie ganz anders führt derjenige das Messer, der, bevor er an den Ausführungsakt herantritt, den Segensspruch spricht und mit demselben es sich zum Bewußtsein bringt, daß er mit dem Schächten ein göttliches Gebot erfüllt, als der, der roh und wild das Tier schmerzvoll verenden läßt. Die Handhabung der Schechitah ist Gewissenssache. Es gibt Fälle, in denen nur der Schochet allein wissen kann, ob er den Schächtschnitt gut ausgeführt hat, oder ob das Tier Neweiloh geworden ist. Der Schochet ist nicht nur gebildet, er ist auch gewissenhaft. Also fordert das Schächtamt schon zwei Vorbedingungen, denen zu genügen sich niemand zu schämen braucht, die die beste Empfehlung für seine Person in den Augen derer bilden, die über das Wesen des Schächtens aufgeklärt sind. Gar bald werden aber die, welche davon weniger oder nichts verstehen, die Person des gebildeten und gewissenhaften Schächters nicht schätzen und ehren obgleich, sondern weil er das Schächtamt bekleidet und in einer Weise verwaltet, wie es die Vorschrift erheischt. Die ganze Institution der Schechitah, die durch teils gewissenlose, teils ungeschickte Handhabung so sehr an Ansehen verloren hat, würde sich wieder Achtung in den Augen der Welt verschaffen, wenn wir bestrebt sind, das Amt nur solchen Personen zu übertragen, welche die Garantie für fachgemäße Ausführung desselben im Sinne des Religionsgesetzes bieten. Wo es darum den Gemeinden unmöglich ist, einen Schochet besonders zu besolden, da scheint es uns Pflicht der Gemeinde zu sein, das heilige Amt der Schechitah dem Lehrer zu überantworten, und es dünkt uns Ehrenpflicht des Lehrers, dasselbe zu übernehmen. Dann hat er auch für für seine Person die Gewähr des Kaschruß seiner Kost, und er erwirbt sich die Achtung und Ehrerbietung der Gemeinde, die ihm als gebildeten und gewissenhaften Führer zukommt. C9-C, Lxegeikebe Miscellen. 1. B. M. 18. 1. NTl Bedeutsam ist in diesem Vers, daß 1^*1 dem n vorangestellt ist. Damit nennt die Thorah Awrohom als Veranlasser der Erscheinung. Ihm erschien Gott hinieden. Ihm, der eben die vollzogen. Es ist mit der Stellung der Gedankö ausgesprochen, dem der Midrasch -|''2 48, 4 Ausdruck verleiht: Awrohom habe einen Erdaltar errichtet. Es soll das Irdische zudem Altäre erhoben werden. Nicht wird das Irdische zur Höhe des Geistes verfeinert. Wir verpflanzen nicht die irdische Welt und ihre Bewohner in den Himmel. Vergöttern nicht das Jrd sche, legen nicht an den Himmel den Maßstab der Erde, sondern wollen auf die Erde den Himniel pflanzen, den Himmel pflanzen — ihn auf die Erde pflanzen und zu gleicher Zeit denr Irdischen als notwendige Grundlage sein Daseinsrecht anerkennen. Und das hatte Awrohom mit dieser Veredlung mit diesem nvn, für den er ein Zeichen an seinem Körper gegeben, seine Nachkommen gelehrt, er hatte den Menschen zum dauernden, ununterbrochenen Träger des Gottesbundes gemacht. Ihm, der die Wohnung Gottes im Menschenkreise gründete, erschien Gott. Darum vor allen Dingen auch n, während in den letzten Reden stets D"n^N stand. Dem das non übenden Menschen ist Gott nahe. Es beginnt jetzt so eigentlich die Erzählung von dem, desien Awrohom fähig war und was er durch sein Beispiel lehrte. Es ist darum die Bemerkung erklärlich, welche gerade jetzt die Gotteserscheinung in von Gott geübtem ion nitaä begründet. Der Gott mit den von ihm verlangten Pflichten und der von ihm gewollten Lösung der menschlichen Aufgaben, wie Awrohom ihn kannte, erscheint jetzt gleichsam selbst n"3 übend — die Menschen also belehrend über das, worin fie ihre Aufgabe zu erblicken hätten. Raschi bemerkt, Gott sei Abraham im Gebiete JODD erschienen, weil dieser ihm zugeraten habe, die zu vollziehen. Die Quelle hierzu ist der Midrasch Ya 43, 14. Wir sehen dort drei Freunde charaktertfiert, mit denen Awrohom fich nach dem Ausspruche der Weisen berät und die ihn beraten. Ein „guter Freund" rät ihm aber sei schon so alt; sich so dem Gesetz hingeben, ist gut für junge Leute, die haben noch Ideale, haben Kraft, die meinen, man könnte so alles in der Welt durchführen, wie man sich das dorstellt, genau so, wie man es gelernt hat. Dem ist nicht so. Im Alter denkt man anders darüber, man wird ruhiger, gesetzter, materieller, man muß auch auf die Gesundheit achten. Nicht das Gute, bas Nützliche, nicht das Ideale, das Vernünftige bildet das Lebensprinzip. — Es find die Nützlichkeitsphilosophen des Lebens — fie raten ab. Der zweite meint: die Sache an sich ist ja sehr schön, prinzipiell — das weißt du ja — denke ich durchaus so wie du-aber was soll man fich in den Augen der Welt lächerlich wachrn. Man will doch nicht als Sonderling gelten, sonst wird man von der Gesellschaft, und besonders von der feinen, verspottet und belächelt Und man kann doch viel mehr wirken, wenn man Konzefiionen macht, es ist doch besser etwas. Unwichtigeres aufzugeben und dafür Grundlegendes aufrecht zu erhalten. Wenn man fich fest an das Gesetz anlehnt, schadet man mehr als man nützt-er lehnt auch ab! es ist die Schwäche, die Feigheit. Der dritte Freund aber spricht ganz anders. Er weist auf die große wunderbare Errettung hin, die dem Abraham dereinst im Nimrodlande zu teil geworden, da er rücksichtslos auf die Wahrheit seiner Idee allein vertrauend im Gegensatz zu einer ganzen Welt den Mut der Wahrheit betätigte, weist hin auf die Rettung, die ihn dem Hungertod entrifien, seine Gattin, seine Familie aus der Aegypter Macht befreit — weist ihn also hin auf lein Geschick, besten gütige Leitung durch göttliche Gnade er anerkennen müßte, und auf die Pflicht der Dankbarkeit wonach er der Forderung dieses Gottes ohne alle Rücksicht auf die Gesundheit, die Zukunft die Person und Anficht der Welt nachzukommen habe. Im Gebiete dieses Freundes, d. h. im Geiste dieses Rates vollzieht Awrohom die Beschneidung. Dieses MOV will uns aber nicht nur über die Persönlichkeit Awrohoms eine Lehre geben, sondern legt auch das Verhältnis Awrohoms zu seiner Umgebung, dar. Wie schon 14, 18 erwähnt war, hatte er Freunde. So sehr er in der Isoliertheit lebte, so sehr respektierte seine Umgebung dieses in Eottvertrauen wurzelnde Selbstbewußtsein Awrohoms. Nur der Gedanke, eine wahre Sache zu vertreten, die von selbst zur Anerkennung gelangt, gibt diesen Rückhalt, er läßt sich aufsuchen und sucht nicht andere auf, läßt sich als Freund werben und trägt nicht die Freundschaft an. So sehen wir ihn für seine Umgebung wirken, doch nicht in sie aufgehen-' er sitzt krank da, Gäste zu erwarten, Gäste, die doch nur Götzendiener sein konnten. Wir sehen auch zugleich an dem Rat, den *ni2D erteilt, wie unbefangene Beurteiler sittlicher Arbeit selbst zu treuem Ausharren darin raten. Nur oberflächliche Kenner von Juden und nichr des Judentums können aus Rückficht auf gesellschaftliches Leben und Gesundheit von der Erfüllung des jüdischem Gesetzes abmahnen. 1. B. M. 22. 4. Als Abraham mit Isaak, seinem Sohne, zum Orte schritt, an welchem fie ihre Opferfreudigkeit erweisen sollten, da wurde ihm befohlen zum Berge Morijah zu. gehen. pmD Dlpon DK tfT'l. Und Abraham sah den Ort von fern. Und die Weisen fragen: „Was sah. Abraham, woran er sein Zül erkennen zu können glaubte?" Und es lautet die Antwort: Er erblickte eine schwarze Wolke, gelagert auf dem Berge. Und er sprach: „Das scheint mir die Stätte zu sein, an dem Gott meinen. Sohn hinzuführen mir befahl." Da fragte er Isaak: „Siehst auch Du, mein Sohn, was ich sehe?" Und jener antwortet: „Auch ich sehe es." Darauf ftagte er seine beiden Diener, die ihn begleiteten: „Sehet auch ihr^ was ich sehe?" Und fie antworteten ihm: „Nein \u Darauf Ahraham zu ihnen: „Weil ihr nicht zu sehcu vermöget und das Lasttier nicht steht, bleibt drum ihr hier bei dem Tiere und ich und der Knabe wollen dorthiu gehen." Wie anders versteht doch ein Awrohom die Zeichen der Zeiten zu deuten! Awrohom fieht in der Wetterwolke d e Ankündigung des Sonnenscheins. Wenn der Donner rollt und der Blitzstrahl zuckt, dann weiß er, daß. die Lust fich läutert, um klarer und schne ler den Blitzstrahl von der Sonne zur Erde zu fördern. Nur das durch Abrahams Diener verkörperte entgegengesetzte Prinzip lebt gleich den Tieren verständnislos in ten Tag. hinein^, nur den Glanz anstaunend und die Macht der Gegenwart, genießend nur das Jetzt. Darum aber auch nur: in der Gegenwart lestehend, während Israels Geist die: Zukunft gehört.

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