Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 43 (24.10.1907)
- Date
- 1907-10-24
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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fi MP'Meui ÄUsstattuirg zweiöt Mädchen 500 K.- 8. für einen Talmud lehrer, der die Jahrzeit des Testators nbhält und für arme Kinder erweiterten Religionsunterricht erteiltlOOO K.- 9. als Alterszulage für 2 pensionierte Lehrer 400 K. Ob diese Bestimmungen der Intention des Testators, daß mit zweit Dritteilen der Erbschaft Chewrah-Kadisch-Zwecke gefördert werden sollen, entsprechen, sei dahingestellt. Die Beschlüsse wurden meist mit Majorität gefaßt und die besiegte . Partei mußte sich ins Unvermeidliche fügen. Der Geist des bedingungslosen Majoritätsprinzips herrscht in allen Kongreßgemeinden. Dieses Prin- Ap entspricht auch den Grundsätzen der Kongreß- Verfassung, die auch in eminent religiösen Fragen <cks verbindlich gelten. Die Gemeindeleitung ging echer noch einen Schritt weiter. Der niedergetzmnnte Tempel wurde mit einem großen Kostenaufwande in glanzender Pracht hergestellt und ein neues herrliches Schulgebäude aufgeführt. Zur Tilgung des zu diesem Zwecke ausgenommeuen Darlehens werden mit Genehmigung der Regierung die in den Punkten 5, 6, 7, 8 und 9 angeführten Beträge herangezogen. Die Minorität fügte sich auch dieser Vereinbarung der leitenden Männer der Gemeinde und Chewrah-Kadischah, aber zu einer Beruhigung der aufgeregten Gemüter wollte es doch nicht kommen. Die Neubauten wurden einem jüdischen Bauunternehmer übertragen, und an dem jüdischen Schulgebäude, in welchem die gottgebotene Sabbatheiligung gelehrt wird, wurde am Sabbath wie an den Wochentagen gebaut. Die Arbeiten ruhten blos an den Sonntagen. Der Oberrabbiner hat gemahnt, gewarnt und gebettelt, daß man diesen biVn vermeide. Es fanden sich auch Mitglieder, die für die evtl. Mehrausgaben, die die Beobachtung des Sabba'h erfordern würde, aufkommen wollten. Sie fanden kein Gehör. Die neologe Unduldsamkeit, der Trotz und der Eigensinn haben auch hier den Sieg davon getragen. Auch an der Synagoge wollte man am Sabbath arbeiten lassen. Es hat auch deswegen Szeney in der Gemeinde gegeben, doch konnte man diese Sabbathentweihung doch noch nach dem Beginn verhindern. Nun ist der Tempel eingeweiht, die Schule ihrer Bestimmung übergeben, das Greisenheim errichtet, die Erträgniffe der Herzschen Stiftung flüssig gemacht, die Gemeindeschulden sind konverttert,' die neologen Führer haben auf der ganzen Linie ihren Willen durchgesetzt, die Konservativen haben, resigniertüber allen Wipfeln ist Ruh'! In der Gemeinde gab es immer noch einige Mitglieder, die die große Synagoge nicht besuchten. Einer derselben, Jakob Haas, ein hochgeachteter, gebildeter und gottesfürchtiger Kaufmann, wurde dieser Tage zum Präsidenten der Chewrah-Kadischah erwählt. Es ist immerhin bezeichnend, daß in dieser Kongreßgemeinde ein Mann zum Chewrah - Präsidenten gewählt wird, der den offiziellen Kultustempel nicht besucht. Es wurde auch konzediert, daß von den Erträgnissen der Erbschaft in den angeführten 5 Punkten ein Drittel der Chewrah-Kadischah überlassen wird. Budapest, 19. Okt. Auf Anregung des orth. Landespräsidenten Adolf Frankl wurden im Verlaufe dieser Woche in sämtlichen jüdischen Gotteshäusern Bittgottesdienste für die baldige Genesung Sr. Majestät des Königs Franz Joseph I. veranstaltet. In vielen Gemeinden werden im Rahmen des täglichen Gottesdienstes Gebete für die Genesung des kranken Königs verrichtet. Budapest, 9. Okt. Die hiesige orth. Gemeinde, die in Miellokalen ihre Aemter und Betstätten hat, will nun ernstlich zu einem Synagogenbau schreiten. Das zu diesem Zwecke entsendete Komitee hat in der jüngsten Sitzung den Beschluß gefaßt, auf dem der Gemeinde gehörenden Grund eine Synagoge mit 500 Männermit 9 Lehrfälen und NebenräuaÄiWeittn, Rabbinerwohnung,^V-Chewrah-Lokalitäten,Sitzungssaal und Trauungspavillon zu errichten. Der Kostenvoranschlag wurde auf 400,000 Kr. festgestellt. Budapest. 19. Okt. Die jüdischen Reichstagsdeputierten sind um eine Erfahrung reicher und um eine Hoffnung ärmer geworden. Die Kossuthpartei, die gegenwärtig in der Majorität ist, hat sechs jüdische Abgeordnete, die bisher in den verschiedenen Ausschüffen Stellen bekleideten, nicht wieder gewählt, ja garnicht kandidiert. Handelsminister Kofsuth hat sich selbst für einige derselben, die als hervorragende Fachmänner sich bewährten, eingesetzt, aber die reaktionären Elemente der Partei trugen den Sieg davon. Ein Zeichen der Zeit. P r e ß bürg, 19. Oktober. Herr Oberrabbiner Akiba Schreiber wurde durch ein Reskript des Kultusministeriums in seiner Stelle als Direktor der mit Oeffentlichkeitsrecht ausgestatteten orth. Landesrabbinerschule definitiv bestätigt. Obwohl mit Beginn dieses Schuljahres die Aufnahme der Schüler strenger als bisher gehandhabt wurde, ist doch in der Schülerzahl keine Verminderung eingetreten. Schweiz Basel, 18. Oktbr. Am vergangenen Sonntag wurde in Basel die erste Konmissionssitzung des neugegründeten „Vereins zur Förderung des gesetzestreuen Judentums in der Schweiz" abgehalten. Gegenstand der Beratung war zunächst die bessere Organisation der Stellenvermittlung für N2V 'imv. Herr Abr. Erlanger - Luzern regte die Ausbildung einer jüdischen Krankenschwester, Herr Rabbiner Korn fein die Errichtung einer jüdischen Volksküche in Zürich an. Wir werden über die Konferenz noch des Näheren berichten. K»U«rnd. Nmllergamer 8riek. (Bon unserem Korrespondenten.) Amsterdam, 17. Okt. Der Vollblut-Amsterdamer Jude ist stolz auf seine Gemeindenebenbei auch auf seine Stadt - über Amsterdam — „mokaum ollet“, wie die Holländer, auch die Nichtjuden, sagen — geht nichts in der Welt. Für den echten Amsterdamer, so las ich einmal — ich weiß nicht mehr wo —, gibt's nur zwei Weltteile: „Amsterdam und „draußen" - „brüten", wie er sagt, das ist alles, was außerhalb Amsterdam liegt, im engeren Sinne: die Mederlande, im weiteren Sinne: die ganze Welt. Die Amsterdamer nSnp hat auch wirklich etwas eigentümliches, starkes, alt-junges, jüdisches! Es ist mir öfters passiert, daß ich bei dem Begräbnis einer bekannten jüdischen Persönlichkeit Worte hörte, wie: „Man kann doch sehen, daß Amsterdam noch eine btwn □x'i Ty st". Und es ist nicht eine V? nötig, um zu zeigen, welch große Maffen jüdischer Gesetzestreuen es hier noch gibt. Man gehe an einem rat? in die verschiedenen Räume der großen und kleinen rvnsn, man lasse sich das rege Leben der Gemeindeeinrichtungen zeigen, man sehe in dem Jneratenteil der jüdischen Blätter, wie viel Eßwarengeschäfte aus geschäftlichen Gründen den NI^V^-Nachweis zu besitzen erklären! Die Amsterdamer jüdische Gemeinde mit ihren mehr als 50,000 Mitgliedern kann , in der Tat Anspruch auf die Bezeichnung als OKI machen. Allerdings, das CDyn'1'! p-W svV'l hat sich auch in Holland bewährt- und hier vielleicht auch buchstäblicher als sonst irgendwo, wie das bei den holländischen Juden übuche Embonpoint zeigt. Den gesetzesseindlichen Fanatismus aber, den man z. B. bei den deutschen Juden wohl kennt, findet man hier nicht. Was nicht gesetzestreu ist, ist gleichgiltigkümmert sich um das ganze Judentum — auch um das halbe und viertel Juden- Juden machen, was sie wollen, und wird M liebsten durch nichts, kaum durch einen rutMl vwn und iibd DV an seine Religion erinnert. Wie in Allem gibt es natürlich auch hierin Ausnahmen. Aber diese sind auch wirklich Ausnahmen. Die Leute, die in Vereinen, Stiftungen u. f.w. als Vorstände auftreten, sind durchweg gesetzestreu. Die Orthodoxen und die Neuen gehen in dieser Hinsicht immer zusammenwenigstens tritt der Gegensatz der Anschauungen niemals in einer Gesetzesverletzung durch eine offizielle Veranstaltung zutage. Ein eigentliches Reform-Judentum gibt es also hierzulande nicht. Als einmal ein Gast aus Deutschland bei mir weilte, fragte er mich am Freitagabend: „Und wann zeigen Sie mir die Amsterdamer Orgelschul?" Ich war einen Augenblick verblüfft. Die Verbindung der zwei Begriffe „Amsterdam" und „Orgelschul" war mir fremd! „Gibt's hier nicht!" Da war die' Verwunderung auf der anderen Seite: „Was? gibt's hier nicht?" „Nein, in ganz Holland nicht!" Wie wenig man das niederländische Judentum in Deutschland kennt! Die Juden, die nicht auf gesetzestreuem Boden stehen, sind viel zu gleichgiltig, als daß sie sich der Mühe unterziehen sollten, eine Reformgemeinde zu gründen, sind viel zu phlegmatisch, als daß sie sich erwärmen wollten für ein Judentum, von dem sie dank ihrem nüchternen holländischen Verstände sehr gut wissen, daß es doch kein Judentum ist. Es soll einmal vor einigen Dezennien — ich glaube in den sechsziger Jahren — hier ein Versuch gemacht worden sein, eine Reformgemeinde zu gründen. Aber gleich bei der ersten Sitzung schon wollte die Sache nicht recht in Gang kommenman gedachte natürlich mit ganz einfachen Dingen anzufangen, z. B. dreijährigem Zyklus der Thoravorlesung, aber man wollte doch auch, den bv W mto dv abschaffen. Da soll einer der Herren aufgestanden sein und geftagt haben, ob sie nicht eigentlich Narren seien: „jetzt halten wir keinen von den beiden Tagen DV», dann aber müssen wir anstandshalber den einen Tag halten. Es wäre besser, wir lassen alles wie's ist". Und dieses Wort soll der ganzen Geschichte ein Ende gemacht haben. Es ist hier wirklich kein Boden für Reformbestrebungen. — Dazu kommt noch, daß man, will man etwas vom Judentum wissen, sich doch immer an die Oberrabbiner hält - und da es in Holland nur ein jüdisches Seminar gibt — das Seminar hier in Amsterdam — und fast alle Rabbiner und Oberrabiner dort ausgebildet sind, so stehen die Persönlichkeiten, die in der Judenheit und in der jüdischen Wissenschaft hervorragen, immer auf traditionellem Boden- und dabei bleibt es. Man würde für eine andere Entwicklung die leitenden Persönlichkeiten nicht finden. Es würden auch zu heftige Widerstände zu überwinden sein. Die ganze jüdische Presse würde sich dagegen erheben - alle die 'etwas vom Judentum wissen, würden im öffentlichen und privaten Leben dagegen ankämpfen- und um trotz aller dieser Hindernisse die Sache durchzuführen — dazu ist bei etwaigen Reformbegierigen das jüdische Wissen zu klein und die Gleichgiltigkeit zu groß. Allerdings, wie die Reform gibt es in der holländischen Judenhnt auch nicht den aus deren Bekämpfung hervorgehenden engere» Zusammenschluß und lebhafteren Tätigkeitstrieb der gesetzestreuen Juden. Auch bei diesen zeigt sich jene Gleichgiltigkeit. So hat z. B. der Gemeindevorstand in Amsterdam schwere Mühe gehabt, dieses Mal zu den DW)3 O'v' für alle Gemeindesynagogen und □'»ypin zn finden. Und wenn die zwei größten Gemeindesynagogen (es gibt deren neun in Amsterdam, außer den Betsälen, die jährlich nur an den D'K*vu □'D’1 eröffnet werdenjedenfalls eine geringe Zahl für eine Gemeinde von 50,000 Seelen), die „große Schul" und die fast zweihundert Jahre alte, aber noch immer den alten Namen führende „Neue Schul", dieses Jahr bis auf den letzten Platz besetzt waren, so hat man dies der Tatsache zu danken, daß in den beiden „Schulen" im letzten halben Jahre v'2M-Proven gehalten