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Der Israelit · 1907-10-24 · Heft 43 (24.10.1907) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 43 (24.10.1907)
Date
1907-10-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
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'dENt' System oer Bereinigung von vmb Chor kommen nicht nur diese beiden, sondern auch das betende Publikum zu kurz. Der herrliche Synagogenbau und der vorzügliche stN genügten'zur Befriedigung des Bedürfnisses nach schöner Gestaltung des Gottesdienstes vollständig, während die Ueberraschungen, die der Chor bereitet, störend und verwirrend in die Andacht eingreisen; wie soll man es anders bezeichnen, wenn am D"' die mno rhtpy t?7t? entgegen der gewohnten Uebung vom ‘ Chor vorgetraaen werden! Wenn man sich darauf beruft, daß vom aus nichts dagegen einzuwen^en sei, so ist zu beachten, daß dock auch auf die Empfindung der Beter Rücksicht genommen werden sollte. So ist schließlich der Synagogenverband an der Bewegung, die ihn beträchtlich zu schädigen droht, selbst schuld: und er entfremdet sich noch obendrein diejenigen, die seine natürlichen Anhänger und Vorkämpfer sind. Ein besonders eifriger Reformator wollte sogar dem jrn verbieten, den Talis z. B. bei Dtttt n^fin über den Kopf zu nehmendagegen ist denn freilich mit Erfolg opponiert worden. Der Synagogenverband würde sich ein großes Verdienst erwerben, wenn er energisch gegen die Entstehung neuer Verbände ankämpftedieselbe würde den Ruin unserer mnp bedeuten, während diejenigen, die die Gründung neuer Verbände erstreben, nur Genugtuung über die gelungene Zerstörung empfinden würden. Göttingen, 14. Okt. Die hiesige Synagogen-Gemeinde hatte auf Grund des am 1. April 1908 in Kraft tretenden Volksschul-Unterhaltungsgesetzes die Errichtung einer israelitischen Volksschule beschlossen und bei der Staatsregierung den Antrag gestellt, diese Schule auf den Gemeiudeetat zu übernehmen. Der .Minister hat indes das Bedürfnis zur Errichtung einer israelitischen Schule nicht anerkannt. Die überwiegende Mehrzahl der jüdischen Kinder besuche die höheren städtischen Schulen. (Eine Gemeinde wie Göttingen sollte nicht anstehen, als jüdischer Schulverband eine öffentliche jüdische Volksschule selbständig ins Leben zu rufen. Dagegen hat der Minister selbstverständlich nicht das Mindeste einzuwenden und die Staatszuschüsse stehen dann ebenso sicher zur Verfügung wie eine etwa zu beanspruchende Beihilfe von seiten der Kommune. Red.) Straßburg, 20. Oktbr. Am 3. November- Haben die israelitischen Wähler des U n terel saß drei Mitglieder für ihr Konsistorium zu wählen. Es scheiden aus die Herren Aron Durlach, Emanuel Meyer-Scheyen und Gustav Stein. Die beiden erstgenannten, die der konservativeren Richtung angehören, waren im vorigen Jahr nach einem heftigen Kampf der Parteien zu Konsistorialräten gewählt worden. Sie sind jetzt wieder als Kandidaten nominiert. Die andere Partei hat ihnen und dem an Stelle des Herrn Stein kandidierenden Bankdirektor Kaufmann in Straßburg die Herren Lucien Reishofer in Straßburg, Warenhausbesitzer Julius Kahn daselbst und Bankier Emil Meyer in Zabern gegenübergestellt. Auch diesmal ist ein ziemlich lebhafter Wahlkampf im Gang. Breslau, 21. Okt. In den Tagesblättern lesen wir: „Die von Jahr zu Jahr steigende Zunahme der Leichenverbrennungen hat auch für die Verwaltung der Synagogengemeinde zu Breslau die Frage der Beisetzung der Aschenurnen praktisch werden lassen. Auf eine Anfrage des Vorstandes der Synagogengemeinde hatten sich-die Rabbiner (leider! D. Red.) übereinstimmend dahin geäußert, daß gegen die Beisetzung der Aschenurnen auf den hiesigen jüdischen Friedhöfen ohne religiöse Feier nichts einzuwenden sei. Demzufolge sind bisher die Urnen von der Leichenhalle resp. von dem Vorplatz derselben aus an das Grab getragen und dort ohne jedes Zeremoniell beigesetzt worden, — ein Vorgang, der nicht bloß von den Leidtragenden, sondern auch von ^dem Trauergefolge überaus peinlich ist deshalb angeregt worden, bei Beisetzungen von Urnen — wie dies u. a. auch auf dem Berliner Gemeindefriedhof geschieht — ein Gebet sprechen zu laffen7 Die beiden hiesigen Kultuskommifsionen, die in gemeinschaftlicher Sitzung aber diese Angelegenheit beraten haben, haben > sich in ihrer Mehrheit für Zulassung der Gebetverrichtung ausgesprochen, nachdem erklärt worden war, daß, wenn auch die Leichenverbrennung prinzipiell nicht erwünscht sei, die Verrichtung eines Gebetes vom religiösen Standpunkte aus wohl gestattet werden könne. Nur eine Bedingung wollten die Kultuskommiffionen an die Gebetsverrichtung geknüpft sehen, es solle auf keinen der bei der Beerdigung beteiligten Beamten ein Zwang dahin ausgeübt werden, das Gebet wider seinen Willen zu sprechen. — Der Gemeindevorstand hat jetzt eine entsprechende Vorlage für die Repräsentantenversammlung ausgearbeitet, wonach die Versammlung sich damit einverstanden erklären soll, daß bei Beisetzungen von Aschenurnen mit der vorhin erwähnten Maßgabe, auf Wunsch der Hinterbliebenen folgendes auch in Berlin eingeführte Gebet gesprochen werden kann: „Selige Ruhe wird unter dem Schutze Gottes den Lauteren und Reinen dort, wo des Höchstthronenden Barmherzigkeit und Gnade walten O, möge dort auch Seligkeit finden die Seele unseres Glaubensbruders . . . (unserer Glaubensschwester . . .), der Staub des (der) Vollendeten ruhe hier in Frieden, der Geist aber weile im Reiche der Seligkeit! Amen! " Ungarn. kine konservative. neologe Gemeinde. «Von unserem Korrespondenten.) Budapest, im Oktober. Konservativ und neolog! Wie passen diese zwei Begriffe zusammen? Die Einheitsduselei in den jüdischen Gemeinden und die eigentümlichen Parteiverhältniffe in Ungarn schaffen einen fruchtbaren Boden auch für solche Spezialitäten. Ein lehrreiches Beispiel ' für diese „Richtung" sei hiermit registriert. Lipto-Szt. Miklos ist eine alte jüdische Gemeinde, die stets hervorragende Männer zu Rabbinern hatte und in deren Mitte viel min gelernt wurde. Aber schon in den vierziger Jahren gab es hier gebildete Juden, die dem sogen. Fortschritt huldigten und auf kultuellem Gebiete Reformen einführen wollten. Diese „Richtung" konnte aber nicht glatt zur Geltung kommen. Die Gemeinde hatte in ihrer Mitte noch immer einige nun '32 und auch sonst wahrhaft fromme. Männer, die dem Drängen der neologen Elemente Einhalt geboten. Da aber die Gemeindeleitung zumeist Neologen anvertraut war, wurden allmählich auch gemäßigte Reformen in die von den Gesamtkosten der Gemeinde unterhaltenen religiösenJnstitutionenhineingeschmuggelt. Es ist selbstredend, daß in einer solchen Gemeinde auch die Reformen durch das Thoragesetz gestützt werden mußten, nun vnu2i rpojjrw Und es fanden sich immer rabbinische Koryphäen, die das Bestreben der Gewalthaber mit ihrer Autorität legitimierten. Die Gemeinde wollte den Almemor nicht mehr in der Mitte haben. Die religiösen Mitglieder waren dagegen. Es mußte eine Anfrage an drei Rabbiner gerichtet werden. Der V'xr ieid Dnn wollte es nicht gestatten. Ein anderer auf anderem Standpunkte stehender Rabbiner erteilte seine Zustimmung, und sein Votum kam zur Geltung. Die orthodoxen Mitglieder der Gemeinde hatten seitdem eine separate Andachtsstätte, aber die Einheitlichkeit der Gemeinde blieb bestehen. Zwistigkeiten gab es immer im Schoße der Gemeinde zwischen den „Alten" und „Neuen", aber zu einer wirklichen Teilung kam es niemals. Die Gewalthaber hüteten sich auch, tief einschneidende! Reformen einzuführen, denn sie fürchteten mit Recht, daß diese unbedingt zu einer faktischen Spaltung führen müßten. Im Jahre 1868 zählte die Gemeinde zu den Fahnenträgern der Kongreßpartei und konstituierte sich auch auf Basis der später sanktionierten Kongreßverfassung. Die orthodoxe Fraktion schrumpfte mit der Zeit zWte WMMchMÄMWMD glieder, um ein kleines Gemeinwesen zu bilden. Sie erhielten Subvention von der großen Gesamtgemeinde, hatten das Recht einen Gemeindeschochet mit Zustimmung des Oberrabbiners der Gesamtgemeinde auf deren Kosten zu wählen, unterhielten ein selbständiges nv32n n'2 und — der Gemeindefrieden war vertragsmäßig gesichert. Es sei aber konstatiert, daß bis auf den Alemor und einige mäßige Reformen auch in der Hauptemeinde alles beim Alten geblieben ist und daß ie Gemeinde das Glück hatte, in der Person des als wirklicher und min2 V)TJ bekannten Verfassers des *p*HDn einen hochgelehrten und frommen Mann als. Oberrabbiner zu gewinnen. So vergingen drei weitere Jahrzehnte. Man wußte, daß L. Szt. Miklos zu den besten Stützen der ungarischen Neologie zählt, man wußte aber auch, daß die praktische Reform dort stagnierte. Zu wiederholten Malen wurde von den Stürmern eine Aktion eingeleitet, um beispielsweise eine Orgel einzuführen. Dank der Gesinnungstüchtigkeit des Rabbiners und der besonnenen Elemente wurde aber jede solche Bewegung im Keime erstickt. Da erschien jedoch die Versuchung in Gestalt einer Halbmillionen- Stiftung und störte die Gemeinde aus ihrer Ruhe gründlich auf. Vy 82 mijns -}1? i'Kl Vjyn KDriö H2 jw Im Jahre 1895 starb dort ein wegen seiner Engherzigkeit berühmter Einwohner Philipp Herz, der auf seiner Wanderung durchs Leben oft seinen Wohnort gewechselt und deshalb in seinem Testamente verfügte, daß sein großes Vermögen diejenige jüdische Gemeinde erben solle, in der er sterben und begraben werden würde. L. Szt. Miklos war so glücklich diesen Mann ein Jahr vor seinem Tode in seine Mitte aufnehmen zu können und gelangte dadurch in den Besitz einer halben Million Kronen, die der Verstorbene zu einem Drittteile der isr. Kultusgemeinde und zu zwei Drittteilen der Chewrah-Kadischah hinterlassen. Die Verwandten wurden im Testamente nicht bedacht und die enterbte Frau wurde von der Kultusgemeinde im Ausgleichswege befriedigt. Was aber mit dem vielen Geld anfangen? Es tauchten verschiedene Projekte auf, eines Proseminars, eines jüdischen Gymnasiums u. dgl. Diese Dinge konnten nicht verwirklicht werden. Die ^Gemeinde hatte noch ernste Männer, die das Testament des Stifters nicht wie einen armseligen Fetzen behandeln ließen. Zu. zwei Drittelten mußten doch Chewrah-Kadischah-Zwecke gefördert werden. Schulen u. dgl. zählen aber zu den Gemeindeangelegenheiten. Und dann hatte auch die Kultusreaierung ein Wörtchen dreinzureden. Durch sieben Jahre hat diese unglückselige Erbschaft die Gemüter der Gemeinde in Aufregung gehalten. Zu einer friedlichen Einigung konnte es nicht kommen. Die neologen Gewalthaber wollten aus dein. glücklichen Zufall Kapital für Gemeindezwecke schlagen, die konservativen Elemente waren dagegen. Ein Elementarereignis und eine unerwartete politische Konstellation haben die Lösung herbeigeführt. Vor drei Jahren fiel das Gotteshaus und die Schule einer Brandkatastrophe zum Opfer und eine unparlamentarische Regierung, deren Justizminister aus Lipto-Szent-Miklos stammte leitete die Staatsgeschäfte. Gemeinde und Chewrah-Kadischah beeilten sich nun einen Stiftungsbrief auszuarbeiten, der vom Ministerium in allen Details gutgeheißen ward, und die Zinsen der Verlaffenschaft wurden unverzüglich der Gemeindeleitung zur Verfügung gestellt. Laut dieser Bestimmung sollen die Jahreserträgniffe des Stiftungskapitals in nachstehender Weise zur Verwendung gelangen: 1. Zur Erbaltung der isr. Volksschule 4000 K.- 2. zur Unterstützung isr. Armen und Kranken im Rahmen des Gemeinde budgets 2000 K.; 3. zur Unterstützung isr. Armen und Kranken im Rahmen des Budgets der Chewrah-Kadischah 4000 K. - 4. zur Errichtung und Erhaltung eines Greisenheims 2000 K.- 5. zur Errichtung und Erhaltung eines Alumneums 2000

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