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Der Israelit · 1907-10-24 · Heft 43 (24.10.1907) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 43 (24.10.1907)
Date
1907-10-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
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rkmcMik in Iatta-?alä5tina. Wir sind in der Lage nachstehend das Pro« gramm der aus Kreisen der Jaffaer O r t h o d o jr ije begründeten Handwerkerschule „Beth Melach a h", über die wir schon vor kurzem einiges mitteilten, zu veröffentlichen und können bereits einige Photographien von Schülergruppen des neuen Instituts reproduzieren. rmb rstechantsche Werkstätten in betracht kommest. Die AuÄildung zum Handwerk soll mit strengreligiöser, altjüdischer Erziehung Hand in Hand gehen. Das Lehr- und Arbeitsprygramm dieser in Verbindung mit der talmudischen Ausbildung noch ganz neuartigen Handwerkerschule ist wie folgt gedacht : Die Lehrzeit erstreckt sich auf 3 Jahre. Die Arbeit des ersten Jahres wird darin bestehen, den Knaben die verschiedensten kleinen Handfertigkeiten beizubringen. Es sollen dabei von ihnen kleine einfache Gegenstände verfertigt werden, deren Erlös der Schule zugute kommt. Direkte Bezahlung bekommen die Schüler des ersten Jahres nicht, dagegen werden sie, wo es not tut, mit Essen und Kleidung unterstützt. Das Tagespensum des ersten Jahres soll sein: 3 Stunden praktische Arbeit. 1 „ theoretischer Unterricht. Die übrige Zeit des Tages Talmudstudium. Der tbeoretiicke Unterricht wird folgende UnterrichbSsPrüchewird hebräisch seist,öie au , als Umgangssprache während der Arbeit allein gebraucht werden soll. Im 2ten Jahr wird eine Fabrik eingerichtet werden, in der hanptsächlich solche Artikel fabriziert werden sollen, die jetzt von Europa bezogen werden, und zwar handelt es sichdabei wie bereits erwähnt, um Schlosserei- und Mechaniker-Arbeiten. Das Tagespensum des zweiten Jahres soll sein: 4 Stunden praktische Arbeit, die im Gegensatz zu der des ersten Jahres bezahlt wird. 2 „ weitere Fachausbildung. 1 „ theoretischer Unterricht. Das Tagespensum des' dritten Jahres sein: 6 Stunden praktische (bezahlte) Arbeit. 2 . „ weitere Fachausbildung. * 1 „ theoretischer Unterricht. Nach Ablauf der 3 jährigen Lehrzeit, sollen die Schüler in der Fabrik als Arbeiter verbleiben können. soll ftanaglossen. Gottesbewritztsein. „Mit seinem Fernrohr habe er das Weltall durchforscht, doch habe er nirgends Gott entdecken können." So^hat einmal eiir Ueberweiser M ,/?■ «: Das der Schule der Talmud-Thora „Schaare- 7, Tora" in Jaffa angegliederte Institut „Beth Melachah" hat den Zweck, diejenigen Schüler, ,, die für das höhere Talmudstudium nicht ausreis chend befähigt sind, in einem Handwerk auszu- < bilden, wobei zunächst Schlosserei, Schmiederei klärten die weisen Herren vom jüdischen Rathaus in der Oranlenburgerstraße, wird die Synagoge in der Fasanenstraße gebaut; natürlich mit einer Orgel. Daß darüber wohl( noch drei und mehr Jahre vergehen, macht nichts aus. Daß aber der Synagogenverein „Moabrt" mit seinem alten Ritus durch eine Svnagog^ zu der viel Privatmittel zugesteuert würden, durch das geringste Entgegenkommen unterstützt werden soll, davon ist natürlich keine Rede. So sehr man sich auch in manchen konservativen Kreisen gegen ^k"^?l^j^ttsgedanken wehrt, so scheinen gerade die Verhältnisse in Nordwest, wo nicht das geringste von der Verwaltung geschieht, würdigere Zustände zu schaffen, noch der Ausgangspunkt einer solchen Beweauna zu werden. - Doch das ist eine eura posterior, zu der man aber unwillkürlich hingclenkl wird, wenn man an die alljährliche Synagogemniserc erinnert wird, ans die allein sich die geistigen Kräfte der Verwaltung zu konzentrieren scheinen, während man sür das per m a - nente Bedürfnis vieler hundert Familien offenbar kein Verständnis hat. Doch bleiben wir einmal bei unseren Festtagen. Wie alljährlich füllten sich die Bethäuser um 'die zehnte Morgenstunde mit Andächtigen, und solche, die es besonders eilig hatten hineinzugelangen, kamen fer Automobil. Und deren waren es nicht wenige, esonders am Jomkippur, wo die Kraftwagen z,l Dutzenden an die modernen Gotteshäuser heranfnhren, um vor den Portalen ihre vornehme Fracht abzuladen. Wenn sich die verschiedenen Neujahrstronipetcr bis dahin eingebildet hatten, die Autofahrer hätten eS nur deshalb so eilig gehabt, weil sie noch zum «chofarblasen rechtzeitig erscheinen wollten, so wurden sie am Jomkippur gründlich enttäuscht. Damit ger) den Schofarbläsern aber auch ganz recht, denn haben in den weitaus meisten Fällen auch das Publikum enttäuscht. Allgemein war die Klage, daß so miserabel wie Heuer noch nie aoblasen ",,d aas «rfu,- Fächer umfassen: # Arithmetik, Freihandzeichnen, geometrisches Zeichnen, Geometrie und Physik, worin die Schüler im Laufe der 3 Jahre so weit ausgebildet werden sollen, wie es das betreffende Handwerk, für das sie sich eignen und das sie erlernen, nötig macht. far zuvor noch nie so mißbraucht worden sei. Und Ihr Berichterstatter, der in einer großen konservativen Privatsynagoge im Westen Berlins seiner Andacht oblag, kann nur bestätigen, daß die mit dieser Funktion Betrauten den Gottesdienst förmlich herab gewürdigt und es augenscheinlich gar nicht der Mühe wert gefunden haben, sich über ihre eigene Unfähigkeit zu vergewissern oder sich auch nur mit der Qualität des Schofars öertraut zu machen. Man kann daher auch die Indignation derjenigen begreifen, die noch auf eine würdige Ausübung dieser Funktion Wert legen. Aber, mein Gott, was hat denn noch einen Anstrich von hehrer Würde und Innigkeit, selbst in solchen Berliner Synagogen, in denen man der Orgel und den Damenchören noch keinen Einlaß gewährt hat! Warum nicht auch das in den Kantorenschulen gelehrt wird! Es wäre notwendiger als manche Sangesweise, die wir in ihrer „verschönerten" Form als Nigunim kaum mehr zu erkennen vermögen. tteber den Schofarbläserjammer in vielen Synagogen und noch mehr in den Geschäftsunternehmen derer, die „Privatgottesdienst" einrichten, sollte endlich einmal ernstlich Stellung genommen werden. Es ist eine Schande, daß man gegen den damit getriebenen Unfug seitens Unberufener und Unfähiger bisher nicht Stellung genommen hat Und das, was dem erhabenen Fest seinen bedeutungsvollen Eindruck geben soll, derart in den Staub ziehen und dem Spott verfallen läßt. Man schämt sich fast für den Menschen, der der mit solcher Unverfrorenheit sich hinstellt und eine heilige Handlung profaniert. Wer also selbst per Anto zu spät zum „Schofarblasen" (?) kam, der hatte in den meisten Fällen nichts versäumt und wenigstens das voraus, das er in seiner Andacht nicht verstimmt ward. Noch wären die Neujahrspredigten zu erwähnen. Sie verdienen ein ^trakapitel, das wir ihnen noch widmen wollen. A. 8. gesagt und Tausende haben es ihm seitdem gläubig nachgesprochen. Als ob Gott ein Komet oder ein Fixstern wäre, der in die Linse eines Teleskopes fällt. Als ob man Gott nicht gerade dort als die absoluteste Gewißheit aller Gewißheiten erfahren müßte, wo die Technik mit deni ganzen Heer ihrer Hilfsmittel nicht hinreicht, als ob man Gott nicht kennen lernen müßte, wie Vater und Mutter, denen wir unser Leben danken. Wer Gott von der Physik, an der Hand astronomischer, geologischer oder philosophischer Einsichten kennen lernen will, wird ihn nie kennen lernen. Man muß Jhu als Kind vom Vater, von der Mutter erfahren haben. Man muß, wenn im Haus, irr Schul von ihm die Rede war, als Dreijähriger aufgehorcht haben, um noch als silberhaariger Greis in seinem Lichte zu wandeln. Man muß ihn in der Schule vom Lehrer erfahren haben, man muß den ganzen Ernst, die ganze Liebe, die ganze Hingabe eines gotterfüllten Elternpaares, eines gotterfüllten Lehrkollegiums gekostet haben, damit er einem zum Stab und zur Stütze m allen Fährnissen werde. Man muß Gott erlebt haben, um ihn nicht zu vergessen. Dann braucht man ihn im Universum nicht zu suchen. Man trägt ihn mit sich in Geist und Herz durchs Leben und findet ihn dort, wo alle Mächtigen der Erde enden. Das ist Gott. Ist er ein Begriff, ein momentaner Gefühlsüberschwang? Ist er das Ideal des Dichters, des Künstlers, ein philosophisches Postulat? Nein, er ist der Schöpfer der Welt und der ewige Allerreger alles Seienden und Werdenden. Wer möchte so dumm sein, ihn mit einem Fernrohr zu suchen, wenn er weiß, daß der Trieb selbst, das Weltall tele- und mikroskopisch zu erforschen, eine göttliche Offenbarung ist! *

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