Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 42 (17.10.1907)
- Date
- 1907-10-17
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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17. Lktsön Der JSMeltt. f? -• % l e & & &■'■ fe- | [f &- ■ I:?.. ■!? cn Eilfertigkeits-Charakter desselben auch durch die Zubereitungsart symbolisiert hätte. Die Thora sagt nämlich: „Und so sollt ihr es vermehren: eure Lenden gegürtet, eure Sandalen an den Füßen, eure»! Stav in der Hand, und ihr sollt es in Eilfertigkeit verzehren." (2. B. M. 12. 11.) „In Eilfertigkeit bist du aus Egypten gezogen." (5. B. M. 13. 5.) Man hätte nun leicht glauben können, daß es im Sinne der Thora sei, die Eile auch durch die schnellste Art der Zubereitung zu symbolisieren. Darum hebt die Thora ausdrücklich hervor, daß das nicht geschehen, ebensowenig wie der Charakter durch die l a n g s a m st e Zubereitungsart, das Kochen im Wasser, völlig außer Acht gelaffen werden sollte. Vielleicht hängt mit dem sNLN - Charakter auch das Verbot 12 nstrn dxjn (2. B. M. 12. 46.) zusammen. * * *. 63. Kranhenoebef. Es ist ein frommer Brauch, in die Psalmen, die man für die Genesung eines Kranken betet, die Worte einzuflechten: ptp jnp „Vernichte den Versucher!" Diesem Brauch kann folgender Gedanke zu Grunde liegen: Wenn der Kranke, für dessen Genesung man betet, trotz des Gebetes stirbt, dann kann leicht der Versucher nahen, welcher dem Herzen zuflüstert, daß das Beten und das Vertrauen auf die göttliche Hilfe unnütz sei. Darum fügt man hinzu: „Vernichte den Versucher!" d. h. Laß unser Vertrauen auf dich und auf die Macht des Gebetes nicht zu schänden werden! 64dottesebenbilglickkett. Warum wird im ersten Kapitel der Genesis hervorgehoben, daß Gott den Menschen „männlich und weiblich" schuf (1. B. M. 1. 27.), was bei den Tieren, die doch auch männlich und weiblich geschaffen sind, nicht bemerkt ist? Der Grund dürfte folgender sein: Im zweiten Kapitel wird erzählt, daß Gott den Menschen aus Staub von der Erde bildete und ihm Odem des Lebens einhauchte «B. 7), daß aber die Fr au von der.Rippe des Mannes geschaffen wurde (V. 22). Daher hebt die Schrift in vorwegnehmender Ergänzung der Darstellung des zweiten Kapitels schon im ersten Kapitel hervor, daß nicht nur der Mann, sondern auch die aus einem Teile des Mannes geschaffene Frau unmittelbar in göttlichem Ebenbilde geschaffen wurde, und sagt: „Es schuf Gott den Menschen in seinem Ebenbilde, im Ebenbilde Gottes schuf er ihn, männlich und weiblich schuf er sie" (sc. im Hbenbilde Gottes). (1. B. M. 1. 27.) Das ^ste und das zweite Kapitel der Genesis hängen aufs engste zusammen. 65 Die flehnlichheif der Seilen. Im □'Dan - Gebet danken wir Gott für das, was er unseren Vätern erwiesen hat, „in jenen Tagen zu dieser Zeit." Das kann folgendermaßen ausgelegt werden: In jenen Tagen, welche dieser Zeit d. h. der unsrigen ähnlich waren, welche in vieler Beziehung unserer Zeit glichen. * * * 66 Aus den Sprüchen der Väter. Es heißt in den Sprüchen der Väter: „Derjenige, welcher sich schämt, wird nichts lernen." (2.5.), Seine Scham kann der Schüchternheit entspringen,' aber auch dem Dünkel, indem er fich scheut zu verraten, daß er etwas nicht wisse oder verstehe. (Wird fortgesetzt.) LVrQ.. orrespondenzen und Nachrichten. Deutsches Kelch. Frankfurt a. M., 15. Okt. Am Sonntag, vormittags 11 Uhr, fand im großen Saale des Saalbau die stark besuchte zweite Tagung des Verbandes der deutschen Juden statt. Justizrat Lach mann-Berlin eröffnete die Versammlung und begrüßte die zahlreichen Delegirten und die Ehrengäste. Regierungsrat Walter antwortete namens des Regierungspräsidenten zu Wiesbaden und Stadtrat Schaumann als Vertreter Frankfurts. Es wurde ein Huldigungstelegramm an den Kaiser gesandt. Der Vorsitzende erstattete den Geschäftsbericht. Er erwähnte in erster Linie die Tätigkeit des Verbandes in Sachen des preußischen Schulgesetzes, dessen günstigere Gestaltung, wie der Redner behauptete, dem Verband zu danken sei. Ferner kommen in Betracht die Bemühungen des Verbands anläßlich der Beratung des Toleranzantrags und des Reichsstempelsteuergesetzes und zur Wahrung der Rechte der Ausländer. Der Verband hat an verschiedene Regierungen Denkschriften gerichtet wegen Zurücksetzung der Juden bei der Schöffen- und Geschworenenauswahl und im Justizdienste. An den Bundesrat wandte er sich mit einer Denkschrift betr. die Sabbathruhe. Er hat auch eine Kommission zur Abwehr von Angriffen auf das Schächten eingesetzt. Mit dem Gemeiydebund zusammen hat er den Entwurf einer staatlichen Organisation der preußischen Juden durchberaten. Im November wird dieser Entwurf nochmals beraten, um dann den Gemeinden zur Begutachtung vorgelegt zu werden. — Das erste Referat in der Versammlung hielt Geheimrat Prof. Cohen-Marburg über „Religiöse Postulate." Als die religiösen Postulate des Judentums kennzeichnete der Vortrag die Idee der Einheit Gottes, die Hingabe der Juden ans Vaterland und die intensive Pflege der jüdischen Wiffenschaft. — Pros. Dr. Martin P h i l i pp s o n sprach über „Staatsinteresseund Judenpolitik." Der Redner beginnt mit einem geschichtlichen Exkurs, indem er ausführt, daß im Altertum der Staat sich gegenüber fremden Religionsgesellschaften gleichgültig verhalten habe, solange sie nicht die Staatsreligion angegriffen, während im Mittelalter und später die christliche Kirche das Prinzip der Bekehrung und gegen die Juden Demütigung und Unterdrückung anwendete. Erst die französische Revolution brachte eine durchgreifende Aenderung. Heute ist in Deutschland vielfach eine liberale Richtung auf die praktische Durchführung der Gleichberechtigung wirksam, nur Preußen und Sachsen entbehren völlig dieses liberalen Geistes. Volle Gerechtigkeit genießen die Juden allerdings in keinem deutschen Staate. Die Forderung gleichen Rechtes für alle ohne Unterschied der Konfession zur Geltung zu bringen, sei eine Hauptaufgabe des Verbandes der deutschen Juden. — Nach einem Korreferat von Dr. Max-Loeb- Mainz, das die gegenwärtigen Rechtszustände der jüdischen Bürger beleuchtet, wird folgende Resolution angenommen: „Die durch Reichsgesetz und Verfassung gewährleistete Gleichberech- »der deutschen Staatsangehörigen jüdischen ens wird sowohl im Heere wie bei der Besetzung öffentlicher Aemter fortdauernd verletzt. Dee Verbano wiederholt seine Forderung endlicher Durchführung der Gleichberechtigung tm Reich und in den Einzelstaaten. Er fordert dies auch im Interesse des Staates selbst, dessen Daseinsberechtigung und wesentlichste Aufgabe in dem Schutz und der Auftechterhaltung von Recht und Gesetz besteht. Der Verband erhebt Wiederspruch dagegen, daß durch Gewährung staatlicher Vorteile eine Belohnung des Glaubenswechsels erfolgt. Der Verband erblickt eine Kränkung auch der deutschen Juden in der Ausweisung von Ausländern nur wegen ihres Bekenntnisses zum Judentum und in der fast ausnahmslosen Nichtgewährung der inländischen Staatsangehörigkeit an Ausländer jüdischen Glaubens. Der Verband fordert, daß entsprechend den Grundsätzen des modernen Staatsrechts, der Staat, soweit er den Religionsgemeinschaften Berücksichtigung und Förderung gewährt, diese der jüdischen Religionsgemeinschaft in gleichem Maße wie den christlichen zuteil werden lasse." — Eine Diskussion fand nicht statt, und nach Vornahme der Wahlen wurde die zweite Tagung des Verbands nachmittags 2 Uhr geschlossen. Berlin, 13. Okt. Dem Hilfsverein der Deutschen Juden werden folgende Einzelheiten über die neuesten Pogrome in Odessa am 6. Oktober gemeldet: Nach der Ueberführung der Leiche des Gehilfen der Geheimpolizei Delfinski auf den Bahnhof zur weiteren Beförderung nach Moskau fanden in der schwergeprüften Stadt wiederum ernste Unruhen statt, welche von 2 Uhr nachmittags bis spät in die Nacht andauerten und die das bekannte Bild aller Pogrome aufwiesen : Vergewaltigungen,Mißhandlungen,schwere Verwundungen, Einbruch in jüdische Häuser und Schießen auf jüdische Passanten. Als die Hooligane vom Bahnhofe zurückkehrten, teilten sie sich in mehrere Gruppen und begannen alle ihnen zu Gesicht kommenden Juden zu mißhandeln. Prügeleien fanden gleichzeitig im Innern der Staat statt, hauptsächlich auf den lebhaftesten Straßen. Die Mißhandelten waren fast ausschließlich Juden. Alle Krankenwagen der Sanitätsgesellschaft „Schnelle Hilfe" mußten in Tätigkeit gesetzt werden; sie sammelten vor allem die durch Messerstiche, Gummischläuche und Kugeln Schwerverwundeten und transportierten sie in die Krankenhäuser, Apotheken rc. Die Erscheinung der Horden rief überall eine fürchterliche Panik hervor. Um 3 Uhr nachmittags erschien wieder eine Gruppe der Gelbblusenträger (Hooligans) auf den Straßen von Preobraschenski und Jamskaja, und mit Steinen bewaffnet begannen sie unter tosendem Lärm die Fenster der Magazine zu zerschmettern und die flüchtenden Juden zu verfolgen. Die Straßen widerhallten vom Schreien, Heulen und vom Seufzen der Mißhandelten. Auf der Preobraschenskajastraße wurde' eine jüdische Konditorei und ein Eßwarenmagazin geplündert. Eine zweite Gruppe von Plünderern drang in das jüdische Restaurant Kleinmann ein, zerbrachen die Gefäße und verwundeten durch Schüsse drei Juden. Als sie mit dem Restaurant fertig waren, zerstreuten sich die Hooligane in die verschiedenen Straßen und ließen Niemand vorübergehen, ohne ihn zu mißhandeln. Die Wohnungen vieler Juden wurden beschossen. Einige Kugeln sielen in die Wohnung des jüdischen Arztes Dr. Kiefer auf der Basarnajastraße. Von einer Kugel wurde das 10 monatliche Kind des Doktors verwundet. Unter anderem mißhandelte eine Gruppe von Hooligans aufs grausamste den jüdischen Schlächter Tubowitsch. Einer stieß ihm ein Messer in den Leib, sodaß der Schlächter blutüberströmt zusammenbrach. Ein Wagen der „Schnellen Hilfe" nahm ihn auf. Unterwegs stieß derselbe Wagen auf einen zweiten im Blute liegenden Juden, der sich als der 18jährige Schneidergeselle Zepa erwies. Ein 70jähriger Greis Ornitz wurde durch drei Kugeln aus den Tod verwundet. Wien, 17. Okt. DieAffaire des Rabb.Dr. Bach, der bekanntlich infolge mangelnder Sorgfalt