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Der Israelit · 1907-10-17 · Heft 42 (17.10.1907) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 42 (17.10.1907)
Date
1907-10-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
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17. Oktober 1907. Der Israelit. Nr. 43 Seite 7 bei Professor Strack einschreiben ließ, war dessen spontane Frage, als er oen Namen Bamberger las: „Sind Sie ein Verwandler vom Verfasser des Kore beemeth?" Einiger kleinerer Schriften sei nur noch im Fluge gedacht. R. S. B. Bamberger hat auch im Kampfe um die Emanzipation der Juden in Bayern seine Stimme erhoben, er hat Philipp so ns Bibelübersetzung mit seiner (anonym erschienenen) „Fackel der Wahrheit" scharf und wirksam beleuchtet und — der öffentliche Streit der Gesinnungsgenossen war und bleibt ein schmerzliches Ereignis, aber der objektive Berichterstatter darf, um vollständig zu sein, nicht daran vorübergehen — im Streit um den Austritt auf den „offenen Brief" Samson Raphael Hirschs in einer „offenen Antwort" erwidert. Der „treue Zionswächter" und andere Zeitschriften enthalten manche wertvolle Artikel aus seiner Feder, z. T. mit, z. T. ohne Nennung seines Namens. Die zuletztgenannten aus ihrer Zeit und für ihre Zeit entstandenen kleineren Schriften sind weniger bekannt geblieben, um so dauernder ist die Wertschätzung, die den anderen Veröffentlichungen zuteil geworden ist. Sie sind z. T. unentbehrlich geworden, haben den Namen des Verfassers auch denen überliefert, die seine ragende Persönlichkeit nicht mehr gekannt, und werden seinen Ruhm forterhalten, solange jüdisches Leben und jüdisches Wissen gepflegt werden. krlSvteniiige« «na Seaavuen. kl« jüdisches Schatxkästiein Bon Rabbiner Dr. Kaach in Zabrze. (Fortsetzung.) 55 Sie Sünde ITIofis. Ueber die Frage, worin die Sünde Mosis (4. B. M. 20) bestanden habe, ist unendlich viel geschrieben worden. Eine völlige Beantwortung dieser Frage dürfte wohl bei der die Begebenheit nur leise andeutenden Art, in der die Schrift den Gegenstand behandelt, nicht möglich sein. Aber nach dem Vielen, was darüber gesagt worden ist, dürfte doch ein erneuter Versuch, einen kleinen Beitrag zum Verständnis der schwierigen Stelle zu liefern, nicht gänzlich überflüssig erscheinen. Daß Moses gesündigt, sagt die Schrift mit deutlichen Worten: „Weil ihr mir nicht treu gewesen seid, mich zu heiligen vor den Armen der Kinder Israel . . . (4 B. M. 20.12. Vgl. 27. 14.) „Weil ihr euch inmitten der Kinder Israel an mir vergangen habt am Haderwasser von Kades in der Wüste Zin, weil ihr mich nicht geheiligt habt inmitten der Kinder Israel. .. ." (5. B. M. 32. 51.) ' Durch welches Verhalten Moses aber diese Schuld auf sich geladen, das ist aus der Schrift nicht klar ersichtlich. Vielleicht kann zur Klärung die Erwägung beitragen, daß die Schrift uns hier nur die Worte und Handlungen, nicht aber die Gesinnung, in der Moses redete und handelte, die Art, in der er seinen Auftrag vollzog, mitteilt. Versuchen wir es auf diesem Wege den Andeutungen der Schrift nachzugehen: Das Volk hadert und murrt, weil es ihm an Wasier fehlt. Da gebietet Gott dem Moses: „Nimm den Stab, versammele die Gemeinde, du und dein Bruder Aron, und redet vor ihren Augen zu dem Felsen, daß er sein Waffer hergebe. Lasse für sie Wasser aus dem Felsen hervorgehen und tränke die Gemeinde und ihr Vieh." (4. B. M. 20. 8.) Und Moses gehorcht. Aber nicht freudig, sondern widerwillig: „Da nahm Moses den vor dem Ewigen liegenden Stab, wie er ihm geboten hatte." (V. 9.) Was bedeutet „wie er ihm geboten hatte."? Moses tat es nur, weil es ihm Gott geboten hatte. Er tat es mißmutig, lediglich aus Gehorsam, aber nicht in innerer Uebereinstimmung mit dem Gebote Gottes. Ihm schien es besser, richtiger, daß Gott das Murren Israels bestrafte, statt ihm entgegenzukommen. Es waren schwache, menschliche Gedanken, mit denen er den göttlichen Auftrag vollzog. Er war hier nicht das freudig seinem Gotte sich weihende Werkzeug, sondern ein in Gedanken Widerstrebender. Das Volk erschien ihm nicht wert, daß wieder ein göttliches Wunder an ihm vollbracht würde. Aagen und Zweifel, nicht an der Wunderkraft Gottes, sondern an der Würdigkeit des Volkes, an dessen Fähigkeit, die ihm gestellte Aufgabe zu erreichen, erfüllten das Herz Mosis. In solcher Gesinnung versammelte er das Volk am Felsen: „Höret doch, ihr Widerspenstigen! Können wir euch aus diesem Felsen Wasser hervorbringen?" (V. 10.) Er sprach zum Felsen, aber sein Blick war auf das Volk gerichtet, das ihm ein Felsen zu sein schien, aus dem kein Quell entspringen konnte. Nicht Erhörung, sondern Züchtigung verdiene es. „Und Moses erhob seine Hand sind schlug den Felsen zweimal mit seinem Stabe . . . ." (V- 11.) Wie der Felsen geschlagen wird, so müßte das Volk geschlagen werden. Aber siehe da! „Es kam viel Wasser heraus und es trank die Gemeinde und ihr Vieh." (V. 11.) Nicht Mosis menschlicher Wille galt, sondern der göttliche Wille. Die fehlende Freudigkeit dem Gebote Gottes gegenüber, der Zweifel an der Fähigkeit des Volkes, die ihm gewordene göttliche Aufgabe zu vollbringen, war; die Schuld Mosis, der die Strafe entsprach: „Ihr sollt dieses Volk nicht in das Land bringen, das ich ihnen gegeben habe" (V. 12). •i* * 54. öur Pfychologie der Thora. Welch' psychologische Tiefe liegt in dem Satze: „Geben, ja geben sollst du ihm (deinem armen Bruder), und dein Herz sei nicht mißmutig, wenn du ihm gibst." (5. B. M. 15. 10.) Der Arme kommt und heischt von dir eine Gabe. Gib ihm! Aber er kommt bald wieder, nicht einmal, sondern vielmal. Geben, ja geben sollst du ihm. Doch ist es eine Schraube ohne Ende. Die Thora kennt das Gemüt des oft für die Not in Anspruch Genommenen. Sie weiß es, wie leicht er darüber verdrießlich und mißmutig wird. Aber sie sagt nicht: „Dein Herz sei nicht mißmutig, so daß du ihm nichts geben willst," sondern sie sagt: „Dein Herz sei nicht mißmutig, wenn du ihm gibst, da du ihm gibst." Sie weiß, daß er trotz seines Widerftrebens schließlich seine Hand doch öffnen wird. Und sie spricht zu ihm: Welchen Zweck hat dein Mißmut und. dein Aeraex? Da du schließlich doch gibst, geben mußt, ist es da nicht besser, deinen Mißmut zu unterdrücken und das, was du nun ärgerlich gibst, in freundlicher Gesinnung zu reichen? 55. Der Sabbath. Im Mußafgebet des Sabbaths sprechen wir: „Du hast den Sabbath eingesetzt und hast Wohlgefallen an seinen Opfern." Der Sabbath selber ist ein Opfer, das Gott von uns verlangt, und an dem er Wohlgefallen hat. * * * 56. Die Unentjiehbarheit der JTIenfchenpfüchf. Bei dem Gebote, das verlorene Gut seines Nächsten auszunehmen und zurückzugeben, heißt es: D^ynn*? fr?1? „du kannst dich nicht entziehen." (5. B. M. 22. 3.) Wörtlich heißt es: „Du kannst dich nicht verbergen." (Vergl. Raschi z. St.) Wie tief ist das und wie bedeutsam! Wer der Unbequemlichkeit, die das Aufbewahren eines gefundenen Gutes und das Forschen nach dessen Eigentümer verursacht, entgehen will, der braucht sich nur zu „verbergen", das Verlorene scheinbar nicht zu sehen und achtlos daran vorüberzugehen. Daher sagt die Thora: Du kannst dich nicht verbergenvor Menschen wohl, aber nicht vor Gott und nicht vor dir selber. (Nach der Halacha, vergl. Sifte z. Sr., gibt es Fälle, wo man das Recht hat, sich dem Äufnehmen eines Fundes zu entziehen, wenn andere besondere Pflichten dem entgegenstehen. Diese besonderen Pflichten bewirken es eben, daß man jene scheinbare Pflichtentziehung vor Gott und vor sich selber verantworten kann.) Jesaja sagt in analoger Weise: .„Brich dem Hungrigen dein Brot und arme Verfolgte bringe in dein Haus! Wenn du einen Nackten siehst, so bekleide ihn und entziehe dich nicht deinem Fleische!" (Jes. 58. 7.) Tue nicht so, als ob du seine Leiden, seine Blöße nicht sähest! Suche die Notleidenden auf! 57. Der rechte flbfland. Wie ein Bild in richtigem Abstand betrachtet werden muß, damit der rechte Eindruck gewonnen werde, so kann auch die Geschichte nur in der richttgen, angemessenen Entfernung zutreffend beurteilt werden. Ebendasselbe gilt für die Beurteilung von Menschen, sei es einer Gesamtheit oder einer Einzelperson. 58. ein Stück kntwicklungslehre aus dem Talmud. Im Talmud wird erzählt, daß zwei Männer eine Wette eingingen, ob es gelingen könnte, Hillel zum Zorn zu reizen. Am Rüsttage des Sabbaths, als Hillel sich für den Sabbaty vorbereitete, klopfte es an Hillels Tür. Hillel kleidete sich an, ging hinaus und fragte: „Was willst du, mein Sohn?" „Ich habe eine Frage an dich zu richten." „Frage!" „Warum haben die Babylonier eine abnorme Kopfbildung?" „Du hast eine große Frage aufgeworfen: Weil bei der Geburt unvorsichtig mit ihnen umgegangen wird." Nach einer Stunde wiederholte sich der Vorgang: „Warum haben die Tharmudäer matte Augen?" „Du hast eine große Frage aufgeworfen: Weil sie in einer Sandwüste wohnen." Der Fragesteller kam zu drittenmale: „Warum haben die Afrikaner breite Füße?" „Du hast eine große Frage aufgeworfen: Weil sie in sumpfigen Gegenden wohnen." (Sabbath 31«.) Der Fragesteller hat es sich nicht träumen lassen, daß seine vermeintlichen Scherzfragen einst „große Fragen" sein werden. 59 Der Tphiiünbeutei. Unsere Weisen sagen: „Wer Tphillin an Haupt und Arm, Schaufäden am Gewand und eine Mesusa am Pfosten hat, der besitzt einen Schutz vor der Sünde." (Menachot 43 b.) Warum wird hervorgehoben: Tphillin an Haupt und Arm usw.? Nun, es gibt manche, oie wohl Tphillin haben, sie aber im Beutel liegen lassen. qe * —^ - * 60. „mein Iff die kacke". Gott seine Rache anvertrauen schützt sowohl vor Selbstrache als auch vor Stumpfheit und Apathie. * * 61. Treue den Toten. In der Schmone eßre preisen wir Gott, der „seine Treue hält denen, die im Staube schlafen." Diesem Gebete muß unser B orsatz entsprechen, selber unsere Treue denen, die im 'Staube schlafen, zu halten, das Erbe ftommer Ahnen nicht m verleugnen. * * * 62. Das Peffadiopfer. .In Bezugs auf das Peffachopfer gebietet die Thora: „Jhr^ sollt es nicht roh oder im Waffer gekocht verzehren, sondern am Feuer gebraten." (2. B. M. 12. 9.) Es wird vielleicht deshalb neben dem positiven Gebote, das Peffachopfer am Feuer gebraten zu verzehren, noch in negativer Weise hervorgehoben, daß es nicht roh gegessen werden soll, weil an sich das Verzehren des Peffachopfers in rohem Zustande den flTSn

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