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Der Israelit · 1907-10-17 · Heft 42 (17.10.1907) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 42 (17.10.1907)
Date
1907-10-17
Page
– (sequence 6)
Language
German
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NvKrr Seminarbildung Sorge zu tragen. Ge Wen dazu auch Jahre, so halten wir es doch fW notwendig zu betonen, daß auch von unsrem Standpunkt aus die Erteilung des Religionsunterrichtes durch regulär vorgebildete Lehrkräfte als Endziel nicht aus dem Auge verloren werden darf. D. Red.) Koch ein Aon über die Jescbibotb im Osten. In einem uns sehr nahestehenden gesinnungsgenössischen Organ findet sich eine Reihe sehr interessanter Artikel über den Jssur gegen die Schulen in Palästina, welche soivohl die Geschichte der Entstehung dieses Jssur als auch eine Kritik desselben enthalten. Es mag den folgenden Ausführungen*) die Versicherung vorausgeschickt werden, Daß wir den Verfasser derselben .durchaus hochschätzen als Jehudi und als Schulmann. Da jedoch der 3. Artikel auf unsere jüngsten Ausführungen über die russischen Jeschiboth (Ex Oriente lux, Israelit Nr. 37 u. 39) Bezug nimmt, so fühlen wir uns verpflichtet, in einigen Punkten ihm entgegenzutreten, indem wir zugleich der Hoffnung Raum geben, daß die prinzipielle Seite der Frage an einer anderen Stelle, als in der Publizistik zum Austrag gebracht werde. Zunächst sind wir dem Verfasser für seine Aeußerung in gewissem Sinne zu Dank verpflichtet, oaß sie die erste publizistische Aeußerung ist, die von den Ex Oriente lux-Darstellungen ausgelöst wurden. Da verschlägt es nichts, wenn auch mehr Widerspruch als Zustimmung zutage getreten. Schon früher führten wir aus, daß ein Urteil über den Ausgleich zwischen min -nob und „Bildung", wie er in der Mitte des XIX. Jahrhunderts in Deutschland versucht wurde, der Geschichte überlassen werden muß. Die Frage ist wohl teilweise noch im Fluß, ein abschließendes Votum ist daher kaum schon am Platze. Aber auch für uns hieße es „Eulen nach Athen tragen", wollten wir nochmals deduzieren, daß das „Talmudjudentum" in keinem Stadium wffsensfeindlich wird, daß es aber stets genau zu unterscheiden wußte, zwischen wirklichem Wis-* sen und Anhäufung leerer Kenntnisse, stets entscheidenden Wert auf die integre Persönlichkeit des Lehrers legte, stets auch vor allen Dingen dem Thorastudium die unbedingte Priorität einräumte. Es lag deshalb sicher nicht in unserer Absicht, anderen das Dursten anzuempfehlen; bloß der Weg sollte gezeichnet werden, auf dem unseres Erachtens in natürlicher Entwicklung der „Durst" der Talmudjünger im Osten ohne Gefahr .gestiyt. werden köMte. Gewiß, wir haben Me FWdrrMtzeti der Ueuzeit nur mit einer Reserve für die Jeschiboth in Rußland bejaht. Die statistisch nachweisbar große Zahl derer, denen die Wissenschaft zum Schaden gereichte, war doch nur ein Nebenargument; Hauptsache ist und bleibt, daß wenn die obenerwähnte Reserve in Wegfall kommt, einem wirklichen, intensiven Thorastudium auch in Rußland dasGrablied gesungen würde. Mein wir wollen nicht bereits Gesagtes wiederholen, auch nicht auf die theoretischen Ausführungen des Verfassers der Jssur-Artikel hier näher eingehen, nur ein Punkt bedarf zunächst der Auseinandersetzung, das ist das Verhältnis zu den Rabbinern. Wer sagt denn dem Verfasser, daß die Rabbiner in Rußland wirklich so gar kein Verständnis für die Kämpfe der Jugend haben? Weiß er denn nicht, mit welch tiefen schmerzlichen Sorgen sie diese Kämpfe belasten. Und weiß er denn nicht, mit welch geradezu rührender Ehrfurcht gerade Männer wie *) Wir werden auf die genannten Artikel auch nach anderweitig zu sprechen kommen. D. Red. Hildesheimer V'tfr und Hirsch diefest Heroen des Ostens gegenüberstanden? Was ist denn das überhaupt für ein Wort von den „geistigen Schranken des Ghetto", und wer hat es denn geprägt? Hildesheimer und Hirsch wahrlich nicht. Es hat uns wahrlich unendlich tief im Innersten geschmerzt, dieses Schlagwort in solchem Zusammenhang lesen zu müssen. Wir müßten die ganze Frage von der Definition des Begriffes Bildung aufrollen, um das Unsinnige jenes Wortes zu erklären, das wirklich die in unseren früheren Ausführungen gezeichnete Schranke zwischen West und Ost bis zur Unübersteigbarkeit erhöht. In dieser grausamen Nacktheit ist und bleibt es eine ckiminutio capitis des Thorastudiums. Nun aber das Wichtigste, das uns von dem Gebiete theoretischer Erwägungen auf das eminent praktische Feld des ]H, der Religionsvorschrift führt: dem Verfasser ist gewiß nicht unbekannt, was unsere Codices über die Stellung des tnntH too sagen. Nun führt freilich Verfasser aus, daß es eine mit dieser religiösen Machtvollkommenheit in Palästina ausgestattete Persönlichkeit gar nicht gebe; da wir die Verhältnisse dort nicht genügend aus eigener Anschauung kennen, müssen wir in diesem Punkte die Angelegenheit zunächst auf sich beruhen lassen. (Allerdings sind wir überzeugt, daß frühere Generationen gar so leichtherzig sich über jenen Jssur nicht hinwegsetzten; es wurde wiederholt dem Hilfsverein nahegelegt, seine Schulgründungen in Palästina zunächst an einem anderen Orte, als Jerusalem zu domilizieren, weil u. W. der Jssur nur Jerusalem .selbst und weniaen anderen .Plätzen Geltung Hat.) Aber in. Rußland ist doch wohl trotz Kronrabbinat die religiöse Potenz des *nnt«n KID unbestritten. Und da sollten wir, gerade wir, die Rabbinen als quantite negligable nicht nur behandeln, sondern auch zu behandeln uns berechtigt erachten? Das wäre denn doch ein sehr bedenklicher Sieg westeuropäischer Bildung. Das wäre der Freibrief für die von uns bisher so sehr bekämpfte Art der Schulgründungen der Alliance rc. Ob aber nicht so das wirkliche Licht des Ostens zum Erlöschen gebracht würde? Discite moniti! P. Rabbi Seligmatm Bär Bamberger V'up Zum 100. Geburtstag. 5. Marcheschwan 5568 (6. November 1807J. (Schluß.) Mit gleich großer Begeisterung und Anerkennung war bereits früher eine andere kleine Schrift allseitig begrüßt worden, die bestimmt J war, in alle jüdischen Kreise zu dringen, und die darum in schlichter deutscher Sprache ohne alles gelehrte Beiwerk ihren Gegenstand behandelte, wir meinen das jüdische Frauenbuch Amira LebsthJacob. Die wichtigsten jüdischen Frauenpflichten,. insbesondere die Ehegesetze wurden in vielen Häusern nicht mehr mit der alten heiligen Ehrfurcht geübt, ohne daß überall der Grund in der allerdings leider schon grassierenden sog. Reform hätte gesucht werden dürfen; Mangel an Wissen war es vielmehr in zahlreichen Fällen, der jüdische Männer und Frauen gegen diese Pflichten sich vergehen ließ. Mit der Feststellung dieser Tatsache war für den zielbewußten und schaffensfrohen Rabbi der Entschluß zur energischen Abhülfe gegeben. Die vorhandenen alten Belehrungsschriften zu verbreiten, konnte nicht genügen, die neueren Zusammenstellungen waren nicht vollständig und vor allem nicht korrekt; es mußte ein Neues geschaffen werden und es wurde geschaffen. Uebersichtlich, klar, einfach und leicht verständlich wurden die Gesetzesvorschriften geordnet und zusammengestellt, den Nrddahgesetzen diejenigen über Challah und „Lichtzünden" antzefügt (in einer späteren Auflage kamen die Bestimmungen über das Fleischsalzen hinzu, die zur Belehrung junger Mädchen auch gesondert erschienen), und ... r ., ...... des Druckes decken unb die zahlreiche Wstemöse Verbreitung ermöglichen sollte, verbreitet. Acht Auflegen hat das genau vor 50 Jahren zum ersten Male erschienene Werk erlebt, mehr als 20,000 Exemplare sind in alle Länder Europas und anderer Weltteile hinausgegangen und haben jüdische Pflichtkenntnis verbreitet und ihre Betätigung gebessert, wenn nicht neu geschaffen. Noch heute ist Amira Lebeth Jacob das unübertroffene Lehrbüchlein und der unentbehrliche Ratgeber frommer jüdischer Frauen, und, wenn leider die mangelhafte Kenntnis des Jüdisch-Deutschen seine Benutzung eingeschränkt, so wirkt das Schriftchen dennoch auch in den nach ihm verbreiteten deutschen Schriften segensreich fort. Neben der praktischen Arbeit hatte natürlich das theoretische Studium, nicht geruht, und auch es hatte schriftlichen Ausdruck gefunden. Bereits 1861 erschien ein den gelehrten Verfasser in seiner gewohnten Gewissenhaftgikeit und Gründlichkeit zeigender Commentar zu den in älteren Werken oft zitierten, aber selbst noch im Staube der Bibliotheken unerforscht ruhenden Halachoth des R. Isaak. Jbn Giath. Eine günstige Fügung hatte seinen Sohn, der das Werk dann auch der Öffentlichkeit übergab, den späteren Aschaffenburger Rabbiner R. Simcha Bamberg er, die Abschrift einer in der Pariser Bibliotheque nationale vorhandenen Handschrift erlangen lassen. R. S. B. Bamberger bearbeitete sie, berichtigte die vorhandenen Fehler, fügte erläuternde Anmerkungen und eine allen wissenschaftlichen Anforderungen genügende Einleitung über den Verfasser hinzu und ließ das Werk durch seinen Sohn, der selbst manche wertvolle Bemerkung hinzufügte, veröffentlichen, wiederum nicht ohne sich des Einverständnisses und der Anerkennung seiner bewährten Genossen versichert zu haben. Es gehört zwar nicht zu unserem eigentlichen Thema, aber es ist interessant genug, um hier gelegentlich erwähnt zu werden, daß die Edition der Halachoth des R. Isaak ibn Giath ihren Namen nicht dem Bearbeiter sondern seiner gelehrten Gattin, der Tochter des Juldaer Rabbiners R. Seckel Wormser verdankt, die an seinen Arbeiten verständnisvoll Anteil nahm und der er u. A. in der Einleitung zu diesem Werk ein ergreifendes Denkmal inniger und verehrungsvoller Zuneigung gesetzt hat. Noch über eine kleinere Schrift bleibt zu berichten, die uns den Verfasser auf einem ganz anderen Gebiete, dem der Agada, als Meister ,zxigt: die in zwei Heften £1871 und 18781 erschienene Schrift Köre beemeth, Erklärungen zu dennpn 7K im Talmud und einigen Midraschim. Der Zweck des Werkes ist der Nachweis, daß im Gegensatz zu den Kritikern, die in diesen Erläuterungen der Weisen eine Stütze für ihre Behauptung von der Unzuverlässigkeit des masüretischen Textes finden wollten — keineswegs an eine Textänderung gedacht werden dürfe. Es handle sich vielmehr stets nur um eine in der Anlehnung durch Gleichklang kurz formulierte inhaltliche Deutung der betreffenden Bibelworte, der Feststellung dieser Deutung und ihrer Ausführung dienen die Untersuchungen der einzelnen Stellen. Feines Verständnis für die Sprache der Bibel, liebevolles Eindringen in den Gedankengang der Talmudisten, große Belesenheit in den Midraschim zeichnen die Schrift aus, die eine Fülle moralischer Betrachtungen enthält und überraschende Aufschlüsse über dunkle Agada- Sätze bringt. Daß dieses Merkchen von der Kritik angefeindet und von Bröll in Geigers Zeitschrift als ein Rückschritt in die vorbibelkritische Zeit angegriffen wurde, kann gewiß nur zu des Verfassers Ruhme gereichen, ist es doch ein Beweis dafür, daß die Gegner es verkleinern mußten, um nicht durch die Wirkung der darin ausgesprochenen Wahrheit ihre Position erschüttern zu lassen. Aber auch in außerjüdischen Kreisen ist es nicht unbekannt geblieben und als einer der Enkel des Verfassers vor einer Reihe von Jahren sich als Hörer der hebräischen Sprachlehre i

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