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Der Israelit · 1907-10-17 · Heft 42 (17.10.1907) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 42 (17.10.1907)
Date
1907-10-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
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ton seinesganzen Wrftns. Die schmucke Laubhütte, der herrliche Aeststrauß, die stolze Palme, die duftende Myrte, das wohlriechende Esrog, die bescheidene Bachweide,- die Kelter fließt, die Scheune ist gefüllt, es ist iZnnvV ]öT, die Zeit der nationalen Freude. Wir winken den Friedensgruß mit den otd ymN alle Weltgegenden zu, wir verstehen aber auch die Freude zu dämpfen und heilsam einzudämmen. Mitten darin die ergreifenden Rufe „Mpvin", o, hilf doch! Am Hoschano-Rabbo wundersame Mischung des Jaumkippurernstes mit der frohen Sukkausstimmung, echt jüdische Eigenart! Und noch einmal ähnlich so beim DW - Gebet am Schlußfeste. Was doch alles über den Regen gedacht und geschrieben werden kann von Meistern des jüdischen Lebens. Und nun der große Schlußakkord: die Thorafreude ,min nnottf. Kein Trauer um unfern größten Mann und Propheten. Jubelnde Umzüge mit dem ewigen Gesetz, frohe Menschen Träger desselben. Dramatisch und finnig die Szene belebt durch Erkürung eines „Bräutigams der min", eines „Bräutigams zu nwo>". — mmn nan bpbw . „Laßt uns jubeln und frohlocken mit dieser min, denn fie ist uns Licht und Freude". — Mit der Thora im Arme scheiden wir von den Tischrifeiertagen. Könnte es einen schöneren Abschluß geben? Ja, mir rauschen jene Akkorde noch in den Ohren, ich schwelge noch im Nachgenuß, ich zehre im Monat Marcheschwan von der Erinnerung an den großen Tischri. Seine Vielseitigkeit und Reichhaltigkeit ziehen auch den Unkundigen noch in den Bann der frommen Väterart. Jst's wirklich nötig, neue Gebetbücher zu verfassen? Jst's wirklich möglich, das alte zu verbessern oder gar zu ersetzen? "Der Tischri mit seinem herrlich ausgestatteten Programm an nilSö und mVsn ist die Klagendste Aptwort darauf. Wie eine weite Ebene liegt jetzt die Zeit vor uns, welche zum nächsten 2lv UV führt. Ein volles Halbjahr verstreicht, ehe wir den nvs begrüßen dürfen. Der Gedanke fließt unmittelbar aus der Marcheschwanstimmung. Dazu kommt das Gefühl, daß wir der rauhen Winterzeit entgegengehen. Da erscheint ein aufmunterndes Moment, das die düstere Stimmung wieder fteudig hebt: Zwei Dinge find uns geblieben als treue Begleiter durch die kommenden Monate, min und nntjr! Jeder wöchentliche Ruhetag bildet einen tragkräftigen Pfeiler an der Brücke, über die wir jetzt zum Frühlings- und Freiheitsfeste hinwegschreiten, und die min adelt ihn. Durch die Verteilung der Sen Thora als Wochenpensen auf die einzelnen bathe des Jahres find jene in innigen Zusammenhang gebracht mit dem jeweiligen nntr, ja dieser führt seinen Namen nach der laufenden Perikope. Ist auch der schöne Festmouat dahin, der cnp rw ist geblieben, der doppelt traute Freund zur Winterszeit, wo das gesellige Leben sich mehr und. mehr im Hause konzentriert. In den ni2np' bei unfern Glaubensbrüdern im Osten beginnt jetzt ein doppelt intensives „Lernen", emsig fortgesetzt durch den langen Winter bis zum „großen Sabbath" oder zum eVD am Erew Pesach. Man kann behaupten, die Simchasthauro dauert da den ganzen Winter hindurch, min und natf, beide Säulen jüdischer Glaubenstreue, find die erhebenden Momente der im Marcheschwan einsetzenden Stimmung. nriDEn rnitt, Licht und Freude ist die Thora wie der Sabbath. Mögen fie mit ihrem reichen Segen einziehen in alle jüdischen Häuser und f»erzen, des Winters Dauer verkürzend, die erden des rauhen Lebens mildernd, unser Dasein verschönend. Audiatur et altera pars. Ein Wort zur Berständigung in Sachen des jüdischen Religionsunterrichtes. In mehreren Artikeln und Korrespondenzen der jüdischen Zeitungen und der Tages-Preffe wurde jedes Vorgehen zur Wahrung des Status quo im jüdischen Unterrichtswesen aufs entschiedenste verurteilt. Dasselbe hat auch viel unerfreuliche Setten, gleichwohl muß die Petttton der jüdischen Lehrer jedem, der die Sachlage unbefangen und eingehend prüft und dabei das rechte Herz hat für unsre vitalsten, jüdisch-religiösen Interessen, auch dem wärmsten unserer Freunde höchst bedenklich und darum verwerflich erscheinen. Bor allem darf nicht außer Acht gelassen werden, wie gefährlich die Herbeiführung neuer Schranken für den jüdischen Religionsunterricht ist, die demselben unter oen zur Zeit obwaltenden Verhältnissen in der Tat äußerst verhängnisvoll werden müssen. Herr Dr. Vogelstein-Königsberg hat wohl in der Zeitung des Judenthums das relativ nebensächliche allzugünsttae Zeugnis, welches der Vorstand des Rabbiner-Verbanos den nicht staatlich geprüften Religionslehrern in Bezug auf ihre Vorbildung ausstellt, beanstandet, er, der Rabbiner hat aber den Kernpunkt, daß nämlich bei Gewährung der Petitton tausende jüdischer Schulkinder die Wohltat eines jüdischen Religionsunterrichtes völlig entbehren müssen, auch nicht mit einem Worte gewürdigt. Die Petttton der Lehrer beschränkt sich nämlich nicht — wie behauptet worden ist — „harmlos" auf Ortschaften, in welchen staatlich geprüfte Lehrer bereits vorhanden sind, sondern beantragt geradezu die gänzliche Aufhebung der Erlasse vom 19 März 1863 und 3. Oktober 1870, nach welcher nötigenfalls Vorbetern, Schächtern und ähnlichen Personen die Erlaubnis zur Erteilung des Unterrichts in der Religion auch ohne Ableguug einer vollständigen Lehrerprüfung gestattet werden kann. Hierbei ist aber noch besonders zu berücksichtigen, daß der leider nur allzuoft als allein selig machend gepriesene systematische Religionsunterricht, der die Religionslehre, die bibliche und jüdische Geschichte begreift, hier überhaupt gar nicht in Frage kommt, da dieser, wo nur eine genügende Anzahl von Schulkindern vorhanden ist, heute fast allenthalben an Profanschulen erteilt und schon darum fast ausschließlich staatlich geprüften Bolksschullehrern oder akademisch gebildeten Rabbinern übertragen wird. Es handelt sich vielmehr nur um den Unterricht im H e b r ä i s ch e n, der zunächst das sprachliche Verständnis der hebräischen Grundgebete und wenigstens der Hauptteile des Pentateuchs und sonstiger biblisch-liturgischer Stücke zum Ziele hat und der, wie zum Glück noch die Mehrzahl unserer Glaubensgenossen fühlt, zur Vorbereitung für die Teilnahme am jüdischen religiösen Leben unerläßlich ist. Dieser Unterricht ist — wenn er auch nur im religiösen Geiste erteilt werden darf — ein vorwiegend sprachlicher, hat in Altpreußen wenigstens nur den Charakter eines Privatunterrichts und wird, wo nur angängig, naturgemäß von staatlich geprüften oder sprachwissenschaftlich geschulten Lehrern erteilt. Soll aber da, wo die kleine -Gemeinde—mir auf einen KultuSkecnnten angewiesen ist, oder da, wo der jüdische Bolksschullehrer bereits überlastet ist und, wie in vielen Gemeinden, zur Bewältigung des elementarsten Unterrichts in der Unterabteilung noch einer Hilfskraft bedürfttg ist, soll da fortan der hebräische Unterricht diesen Hilfskräften entzogen werden? Können wir dies mit unserem jüdischen Gewissen verantworten? Man sehe sich nur einmal das Elend in den Dörfern und Zwerggemeinden an, wo die jüdische Jugend ohne jeden hebräischen Unterricht aufwächst und nicht einmal des hebräischen Lesens kundig, an den heiligsten Tagen dem Gottesdienst völlig fremd und verständnislos gegenübersteht. Es wäre gewiß zu wünschen, daß auch, diese Hilfskräfte allgemein gebildet und vor allem durchweg des korrekten Gebrauches der deutschen Sprache mächttg wären,- aber zu behaupten, besser gar kein Religions-Unterricht, als unsre Kinder vom unvollkommen Gebildeten, die nur das Hebräische und feine Literatur gründlicher kennen, unterrichten zu lassen, ist ebenso gewissenlos wie absurd. Wie viele lernen heute skrupellos Französisch und Englisch bei solchen, die das Deutsche nur höchst mangelhaft beherrschen und sind ihnen dankbar, wdnn sie sich kn dem Lande der Sprache verständigen können. Die teUtyt Sprache unserer Väter aber erscheint des Erlernens nicht mehr wert, wenn ihr Lehrer nicht das profane Wissensgebiet beherrscht. Daß aber das heutige Material an jüdischen Bolksschullehrern die Schächter und Borbeter — von allen sonstigen Bedenken abgesehen — schon numerisch nicht ersetzen kann und zum Teil auch gar nicht will, liegt auf der Hand. Nun ist allerdings gesagt worden, unsre Zeit drängt zur Einführung dÄ Wanderlehrer-Systems. Das liegt sehr nahe und klingt sehr schön. Me denkt sich aber der dies vorschlagende Herr seine Ausführung? Soll eine größere Anzahl sich nunmehr dem Lehrerberuft ausschließlich widmen, um später einmal in drei, vier Gemeinden den Unterricht in Religion und Hebräisch zu erteilen? Und ferner! Da mit den beschränkten Berkehrsbedingungen, den Sabbaten, Festtagen und der beschränkten schulfteien Zeit der Kinder zu rechnen ist, würden meist nur 2 Stunden wöchentlich auf die Schülerschaft eines Ortes fallen. Was und wer soll in diesen zwei Stunden zuerst berücksichtigt werdend Die Oberabteilung oder die Unterabteilung, die Religionslehre oder das Hebräische? Da erscheint denn doch ein intensiver, hebräischer Unterricht eines Ortsansässigen, wenn auch manches nach der formalen Sette zu wünschen übrig bleibt, unaleich erfolgreicher. Schließlich sei noch auf die Ausnahmefälle hingewiesen, die bisweilen durch die eigne Schuld einzelner Lehrer dazu führen, den Unterricht im Hebräischen dem staatlich geprüften Lehrer selbst da nicht zu überlassen, wo ein solcher am Orte wirkt. Jedes Unterrichtsfach an deutschen Schulen ist einer Aufsicht unterworfen, die sich selbst der vollkommenste Lehrer auch von dem pädagogisch minder geschulten Inspektor gefallen lassen muß. Im hebräischen Unterricht lehnt jedoch mancher jüdischer Volksfchullehrer jede Inspektion entschieden ab, hier will er ganz autonom sei. Es sei zugegeben, daß der Bolksschullehrer auch im Hebräischen die rechte Unterrichtsmethode im Allgemeinen selbst findetauch kann nicht geleugnet werden, daß viele mit dem regsten Pflichteifer und dem besten Erfolge auch unbeaufsichtigt den hebräischen Unterricht erteilen, aber wer sich einmal hierin umgefehen hat, weiß doch auch, wie verschieden die Leistungen gerade im hebräischen Unterricht sind. Ganz so wie Zahl, die Dauer und Regelmäßigkeit dyr Stunden und die religiöse Gewissenhaftigkeit sehr verschieden ist. Aus diesem Grunde wird man die jüdischen Väter, welche in solchem Falle den der Kontrolle sich unterwerfenden Beamten dem Volksschullehrer vorziehen, nicht verurteilen können. Ja, jeder Sachkundige wird zugeben, daß, solange die Einführung einer allgemeinen Inspektion des hebräischen, wie des Religions-Unterrichtes ein pium desideriam bleibt, die bloße Möglichkeit der wenn auch oft un- *4 «iw y«!)«« Cij)«n >(>. jedenfalls erscheint es bei unseren heutigen miserablen hebräischen Unterrichtsverhältniffen als eine heilige Pflicht aller Wächter der religiösen Interessen des deutschen Judentums auf die schweren Bedenken des Antrages der Lehrer an geeigneter Stelle hinzuweisen, um nicht noch mehr die religiöse Unwissenheit xu züchten. Denn wenn wir auch den jüdischen Lehrern eine Besserung ihrer sozialen Lage von Herzen wünschen und gönnen, so dürfen wir darum doch nie vergessen: 8alus rei pnblicae (i. e p"mn) suprema lex! Ein seit 20 Jahren im Unterrichtsfach tättger Rabbiner. (Wir sind mit dem Verfasser der vorstehenden Ausführungen insoweit vollkommen einverstanden, als an eine sofortige Erfüllung der von den Lehrern vorgebrachten Wünsche überhaupt nicht gedacht werden kann. Nur eine wesentliche Erhöhung der Lehrergehälter könnte den Zuzug zum Lehrerberufe in genügendem Maße steigern, und auf diese Weise auch der gesetzestreuen Judenheit die Möglichkeit gegeben werden, für die Heranbildung einer ausreichenden Zah

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