Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 42 (17.10.1907)
- Date
- 1907-10-17
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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C.-Ct? xs1 - ' K npfl| '^!W^W8kWW^ Mkgt HK^Dtter WchÄSttk, MähMng ütth WarnMg^ Wer sind die "Seltsamen, die da sich weigernM^reit zu werden, zitternd den Lockwf; hören) der ihnen das Morgenrot einer neuen Zeit kündet, die Hände mit Sehnsucht nach den alten Aetttzn ausstrecken und um die Mauern des Ghetto weinen, als wären es Jerusalems Hützdersi? Sind es Sklaven,' die nicht mehr fähig And, für Freiheit zu empfinden, vor Kürze des Geistes und schwerer Knechtschaft? Israels Rabbiner sind es, die letzten Ausläufer einer dem UntergüNA. geweihten Epoche voll herrlichen TrtmnfHeS des Thorageistes, die zitternd und gogeitb mir Ufer stehen, wehrlos den gewaltigen Flutwellen einer neuen Zeit ausgesetzt, deren Charäkttt sie nur rein symptomatisch beurteilen können — und welche Symptome waren das? . Treuloser, feiger Abfall, Verrat und Tarffel Männer voll erhabener Liebe zum altüberlieferten Judentum, die, weil sie den Abfall nicht hindern können, lieber auf die ganze Emanzipation verzichten und freiwillig zu den alten Ketten und — der alten Treue zurückkehren wollen — —: Was weiß der Herr Profeffar von/ihnen, was von der von ihnen vertretenen „alten Orthodoxie" zu sagen? Sie find ihm beseelt -von „engherziger Furcht vor weltlicher BWurrg" (S. 27), find „Fanattker" (S. 65), „erfüllt Don Fanatismus und Obskurantismus" ’ (S. 74), die „Rabbis von Rußland von Bigotterie und einseittgstem Talmud- und Kabbalastudium * befangen" (S. 137). Rabbi Mosche Sopher ^Miöersetzt sich mit fanatischem Eifer der Begründung einer Volks-Normalschule", dahin- «gen „der treffliche Rabbiner Aaron Chorin — R. Mosche Sopher pflegte ihn nach den Anfangsbuchstaben feines Namens stets Acher zu nennen — also der „treffliche Rabbiner Aaron Chorin trat mtt Mut allem Aberglauben entgegen und trotz der grimmen Anfeindungen seiner hyperorWbpxen Widersacher die elementarsten Reformen durchführte. Chorin ist ein wahrer Märtyrer der Aufklärung geworden, der er durch seine Leiden den Weg in Ungarn gebahnt hat" (S. 174). Also Chorin ist ein Märtyrer, seine Widersacher Fanattker und Obskuranten, aber von dem Martyrium eines R. Salomo Trier, eines R. N. Trebitsch, eines R. Salomo Tikttn, Minner, die buchstäblich an gebrochenem Herzen gestorben find, und von dem wilden Fanatismus ihrer Gegner weiß der unparteiische Geschichtsschreiber nichts zu sagen. R. N. Trebitsch ist ihm „dumpf altorthodox" (S. 186); der Chacham Bernays, „ein geistvoller, aber durchaus verschrobener Mystiker" (S. 164) „verketzert" (S. 207) das neu aufgelegte Harn- Gebetbuch; R. S. Tikttn, der, ein Greis, vom Vorstand gezwungen, U* mtt einem Geiger Mammen zu amtieren, in seiner Verzweiflung sich an die Regierung wendet, wird „des gefährlichen Denunziantentums" (S. 200) beschuldigt, aber das Vorgehen Jacobsons, der die Polizei gegen die orthodoxen Gemeinden hetzt, findet er lediglich „zweifellos tadelnswert"- (S. 32), und von dem Borgehender Frankfurter AufklärMgsfanattker schweigt er übevh aupt. Das H die Art. wie Philippson beiden „Richtungen" gerecht wird. Und so läßt er denn die „alte OrtMoxie", altersschwach und morsch, „geistig und vielfach auch moralisch verkümmert" (S. 146), mit ihrem religiösen Studium, „das rein mechanisch und banal geworden" (ibid.), mit ihren Formen, von denen sich jeder Gebildete abwenden müßte, — alles Dinge, die in seltßämem WidMpruch mtt den drei Tugenden stehen, die er ihr S- 147 beilegt: Inniges Familienleben, wantze Anhänglichkeit an die Religion der Väter, bewundernde Verehrung für das religiöse Schrifttum ihres Stammes — so läßt er sie in sich Zusammenstürzen, „das akademisch gebildete, vor allem auf die Predigt sich stützende Rabbi i.ertum siegt über die alten Rows", das Kantorentum Sulzers über das alte Chasonuß' (S. 173). Der Weg für die Reform ist frei. Diese Reform nimmt nun „naturgemäß" eine dreifache Richtung: „eine fortgeschrittene, eine gemäßigte, eine konservative" (S. 179). Vertreten wird bei dem Verfaffer diese dreifache Richtung der Reform durch Geiger. Philippson und — Samson Raphael Hirsch. Denn darauf kommt es nun dem Verfasser an, nachzuweisen, daß die an S. R. Hirsch sich anknüpfende Bewegung, Verfaffer beliebt sie stets die „Neu- Orthodoxie" zu titulieren, keineswegs mit der alten, in Deutschland wenigstens vollkommen untergegangenen Orthodoxie identisch sei, woraus sich dann leicht einige allerliebste Konsequenzen für die aktuelle Politik der Gegenwart ziehen lassen. Hirsch wendet sich, im Gegensatz zu Geiger und Philippson, die mehr „Verstandsmenschen" sind, an den „Glauben", stellt so für das Judentum „das gleiche Prinzip auf, wie das den christlichen Kirchen zu Grunde liegende" (S. 184) und befindet sich damit im Widerspruch „mit der Mehrzahl der denkenden Israeliten" (ibid.). Das ist die ebenso originelle . wie seltsame Art, wie Verfaffer das Wirken S R. Kirschs für die Erkenntnis des Judentums begreift!! Doch gehen wir darauf nicht näher ein; ist es ja ohnedies bald an der Zeit diese bei unseren Neologen zur Mode werdende Methode, S. R. Hirsch als den E r f i n d e r eines nagelneuen Judentums hinzustellen, einmal gründlich unter die Lupe zu nehmen. In der tiefen Scheidung zwischen Orthodoxen und Liberalen sieht der Berwmum faffer kein Un menschliches M^ ^cheint. Wr in der Natur begründet. Es hat stets Verstandesmenschen gegeben und solche, bei denen die Empfindurm vorherrscht. 'Sie kann nur in einer solchen Gemeinschaft fehlen, wo sie gewaltsam unterdrückt wird : In der weltlichen Despotte und in der katholischen Kirche (S. f85)< Von diesem Gedanken ausgehend, fallt es Verfasser nicht mehr schwer, in dem Streben Mt die Neu- Orthodox ie fahrenden Männer, wie Hirsch und Hildesheimer, nach Befreiung ihrer Gestmungsgenoffen von dem auf ihnen lastenden./Zwang der Neologie nichts geringeres zu sehen,- als einen Versuch, „katholische Kirche zu spielen" (S. 345). „Die erste ultra-orthodoxe Separatgemeinde wurde 1851 in Frankfurt a. M. begründet. . . Hirsch entMlte . . . im Jeschurun sein Programm: Nur im Lager der äußersten Orthodoxie ist daS reine wahre Judentum, außerhalb seines Bezirks wohnt eitel Trug, Abfall und Ketzerei (sie.) . . . Diese Richtung hätte am liebsten alle anders denkenden Juden von der 'Gemeinschaft, ausgeschloffen!!. (Ibid.) Diese Richtung setzte schließlich das sogen. Austrittsaesetz durch, in dem natürlich der Verfaffer die schreiendste Ungerechtigkeit sieht. Selten sind so schwere Angriffe gegen die, deutsche Orthodoxie gerichtet, worden, wie von diesem „Leiter einiger der größten Vereinigungen deutscher Israeliten", der von sich selbst in der Vorrede behauptet, wahrhaft jüdische Bestrebungen unparteiisch würdigen zu können. Selten aber auch hat sich jemand in einem so gewaltigen Irrtum befunden, und hat eine solche totale Unfähigkeit gezeigt, die Bestrebungen der deutschen Orthodoxie zu verstehen, wie Professor Philippson. Allerdings sind Konservativismus und Liberalismus naturgemäße Erscheinungen innerhalb des menschlichen Gesellschaftslebens. Der Staat oder die staatähnliche Organisation würde sich der furchtbarsten Despotie schuldig machen, wenn sie in ihrem Kreise einer bestimmten Sinnesrichtung zu ausschließlichem Siege verhelfen wollte. Der Staat und die staatsähnlichen Organisationen sind eben Zwangsorganisati o n e n, denen jeder, so lang er an einem bestimmten Orte oder unter bestimmten Verhältnissen, weilt angehören muß. Dieser Zwang, der sich gegen alle richtet, ist bei einer einigermaßen entwickelten Differenzierung der Menschen überhaupt nur dann ausführbar, wenn der Eigentümlichkeit der Einzelnen möglichster Spielraum gelassen ist. Die Schaffung einer staatsfreien Sphäre ist das Hauptverdienst des modernen Staats. Die jüdische Gemeinde hingegen soll lediglich die frei gewollte Verbindung Gleichgesinnter sein zur Erreichung von .— " — ■■■— ——> — oMtt; In Kampfe mir Dämonen. £ Tine heitere und lehrreiche Gespenstergeschichte von S. Schachnowitz in Endinge«. > (Schluß.) , , der Sappe nach. Er springt rechts, fie wendet S5L2I? Hä?! ü WU?* entgegen, sie fliegt über den, Zura" c deugt das Knie, breitet die Arme auS und > «Hüfte fangen, da liegt er der Länge nach im nassen ^.r?*Npensttge Mütze st ringt weite? die wilde Jagd zu Ende und Jauno hat seine , «Behauptung" wieder. Aber, o Entsetzen! Er hat dm verloren Vom gefürchteten Kirchhof hat er über- > Haupt keine Spur, das Ltchttein blinkt nicht mehr. — ich immer weiter vorwärts gehe," denkt Muno, ^fo werbe ich irgendwo htnkommm. So schön *5® * überall sein. Und besser, ich ließe > Ach von der verdammten Kappe" — er gab ihr bei den r aSTS* Ä* der Faust, baß auch der Kopf, m AttgeMlich gar nicht anging, zu brummm begann : •rys?” von der Kappe irregeleitet, als von den ,Schediun, also immer weiter, Jauno!" £ h» Da fängt es an. Jauno konnte eS bei - unmöglich sehen, ob es KalbSfüße oder Hahnenfüße waren. Aber der Tritt und die Stimme ganz genau. Es ist kein Zweier, der Spuk AMchutt in ber Gestatt von Perez, dem Käser. l" lachte der Dämon, ganz nahe an ihn ^MWyrmwnb. „Du da, bet dem Wetter und so spät? berheld? He he! Und mein Schadchonus?" „Ich kenne Dich, Du Satan! Du Tmfel täuschst mich nicht. Hier! hier!" schreit Jauno, außer fich vor Anast_unb Aeraer. igtt^rem Kusmtnck k« «♦*<*«* 1 "Söwio, bist meschugge I" schrie der Geist, „bringt ihn tr^ rollhaus, er ist tobjüchttg!" 8 * sauste der Stecken durch die Lust. •*** mtf>x l-ns° u«d schleunigst die Flucht. „Chajim ist kein Narr!" dachte Jaunoh und schritt JSj* HfHS* s“”6, "if4 Ute gekannter Kampfeslust Wetter, als eS wieder in den Weidenstauden zu rauschen und zu spukm begann. Und dieses Mal konnte Jauno aanr deutlich die Kalbsbeine sehen. Und nun kam es brummend "aher, o welche Schauer! Und nun sah es seiner Zkuh so ähnlich, wie ein Ei dem andern. „Neues Gaukelspiel!" sagte Jauno und erhob seinen WunderstaS? Aber es war ein feiges Gespenst Düne nur einen Schlag abzuwartm, hob ° es die Börderbeim nach obm, und mit furchtbarem GebttÄe nahm das gehörnte Gesvenst ReißauS. a . Avch das schrecklichste und grauenvollste kam jetzt, n ^bstalt seiner Schwiegermutter. Er hatte es kaum für möglich gehattm, daß der Teuftl fich jemÄs in diesen Leib hinein wagm könnte. Es graute ihm. „Du Schuft, Du Gmüom!" grinste jetzt der Geist im tfteltone, „wo bleibst die halbe Nachts Die Lkuh hat loSgerissen. Reißm soll man Dich^-" V V ~ die. ttchtig^ faßte sich Jauno Mut, also draus WS . Laß dich nicht unterkriegen! Und ew Hag^v^hetltgen Kususchlägen entlud sich auf dm Kopf "Mörder! Totschläger!" schrie der Geist fast so grell fow Stunn. „Fehlt auch noch! Gewalt! Zu Hilfe, er schlägt,unS tot. sperrt ihn ein!" . „Puff! Pass!" antwortete der Stock in einem fort. Da sah der Gerst mit seinen grau-grünen Augen wild um stch und lief davon, so schnell ihn die Kalbsbeine "Jaunowar ganz erschöpft. Seine Rechte war wie gelähmt und er wischte sich den Schweiß von der Sttme. Aber noch war der Kampf mit dm Dämonen nick» zu Ende. Denn wieder kam einer wie aus dem Sumpf gewachsen. Und dieses Mal, o welche Schande, er sah wie seine Frcku auS. „Wo ist die Mama? Wo ist die Kuh!" schrie der Teufel. ®te Liebe, die das Herz Jaunos zu seiner Holden erlitte, war nicht allzu leidenschaftlich. Aber es war doch immerhin seine Frau. Und ,o ohne Wetteres in Kleider hinetnzukriechen? Es war doch etwaS stark. Er fühtte nebm der Angst auch etwas wie Zom gegen das steche Gespenst. Und seine letzte Kraft zusmmnennehmend schlug er so wuchtig mit dem geweihten Stecken darein, baß das Gespenst fichtlich zusammmfuhr und wild aufschrte: 6 „Mama, Mama! Komm her, wo bist? Er schläat, er ist rasend, Mama!" M H / Doch als der Geist einsah, daß ihm keiner zu Hilfe Ct ^^b^lich auch lange Beine und verschwand mußte Jauno auSruhm, so müde undangerissen fühtte er sich. Dankbar umklammerte er seinen Stmm und dankbar dachte er an die klugen erfahrenen Fuhrleute im Borken. So wanderte er unter Rasten und Nachdenken, von keiner Erscheinung mehr behelligt, die ganze Nacht. Und als der Morgen graute, sah er zu seiner Frmde, daß er eigmlltch die Richtung gar nicht verloren hatte und fich letzt kaum 10 Meter vom „Molhos" mtfemt befand. ' .,F"n sah er schon im grauen Morgennebel ganz deutlich setn Haus liegen. Jauno senkte das Seine Hände hingen fchLpp herrmter, sodaß ihrp.