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Der Israelit · 1907-10-17 · Heft 42 (17.10.1907) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 42 (17.10.1907)
Date
1907-10-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Libau, Bialhstok» Reval uud-i IProfmof?diiippzs« und die OrlHüoxie. , Mer ein großes Gemälde betrachten, verstehen und beurteilen will, wird gut daran tun, M in eine gewisse räumliche , Entfernung von Hnr zp begeben, um sich den nötigen Ueberblick über.das Ganze zu verschaffen und so für die das Ganze beherrschende Idee des Malers BerstgrHyis zu gewinnen.. Aber er darf nicht zu west qhücken,. Wü er nicht Gefahr laufen, die Schärfe des Micks einzubüßen. Weder darf er lauter Eiuzelheitennoch lediglich eine ineinander verschwimmerwe Maffe vor Äugen haben. Nicht unähulich - geht es dem Historiker, der das große Gemälde mit einander, kämpfender Menschlicher Leidenschaften und Bestrebungen mit. prüfendem Bljck üsteWauh. Steht er. selber noch auf dem zeitlichen Schauplatz dieser Kämpfe, so wird er schwerlich mit allseitigem Verständnis den die S Epoche charakteristerenden, durch seine jeen individuellen Vertreter aber in tausenderlei 8W^. -fchTeM«k<-Kr«n-chpus erfassen, wird WMür, Kleinsichkest- Haß der Einzelnen sehen Wd ihnen, den zufällig so Gearteten, die folgenschwere Herantwortung für das aufladen, was - betmche - dsr Jd^'< Hm M aber Me wenig erfreuliche Wirklichkeit geworden, so wird er verständnislos kalt, ja mit Widerwillen sich von dem greMchen Chaos derer abwenden, die eine Banalität mit flammender Leidenschaft erfüllt?- -Sie ihr Herzblut' für eine Lappalie^ vergossen, für ein Nichts. — Niemand ist daher vMsscht so geeignet, eine Epoche darzustellen, als wer etwa in seiner Kindheit noch in dämmerndem Ahnen ihren Höhepunkt erlebt, in seinem Maunesakter aus dem Munde der langsam dahinwelkenden Gteise ihre eigenen Haten, die Taten ihrer Gegner, M Hoffnungen,, Triumphe und Gnttäuschunaen hat erzählen hären. Eon solchen Autorensind die klassischen Werke über die große französische Revolution, die deutschen Befreiungskriegs das Zeitalter der Reaktion entstanden. Wir Juden halten bis jetzt über unsere neueste Gesthichtk kein ähnliches Snft Die Jost, Graetz usw. wären zu sehr Parteimänner, selber zu sehr erfMt von der Leidenschaft der von ihnen geschÄerten Zstt^ Heute aber find die großem Männer des ' Zeitalter - der Reformen längst allesüMt Ml eMgsn Rrche eingegangen, und wer W Äs Manu tzekänttt haben WM, neigt bereits '£m GMeutum zu. Da hat und an dessen innerer und äußerer Gestattung ganz hervorragend mitschaffte." So seien chm „die Fragen, um die es sich hier handelt, von Kindheit an bekannt geworden, ja gewissermatzen in Fleisch und Blut übergegangen.^ Nun denn! Der Sohn HÄ nichts gelernt und nichts vergessen. Dieses Buch hätte der Vater, hätte Ludwig Philipp so n selber abemso geschrieben. Nur daß er, der geschicktere Schriftsteller, die Geschichte der politisMn Emanzipation der'Juden, die reichlich die Mste des Buches Mt, vielleicht minder eintönig und Nicht so zeitungsmäßig dataestellt, daß er, der geschnmckvolle Stilist, zwar stets volkstümlich gehoben wäre, sich aber vor überaus verbrauchten Wendungen freigehalten hätte, die der Sohn nicht scheut. Und freilich, die inneren Kämpfe, ine das Judentum damals erfüllten, hätte der Vater geistvoller, gläuzmder, .vor allem M mehr Pathos, mehr Feuer geschildert. Aber sein Urteil über Xie Orthodoxie u-nb deren Vertreter wäre das nämliche gewesen, dre näMche Verkennung, die näuÄiche Berachttmg, die nämliche ,MgeEMtz nur lvß M den Sohn nicht mehr die Hitze des Kampfes rnildewd v, ra ... daß' er im Tom der l, -der dchMyistett- Mtesten senectatis priTileginm", wie er selber in seiner schönen Vorrede sagt, Gebrauch zu machen, hat sich der dankenswerten Aufgabe unterzogen, die „neueste Geschichte des jüdischen Volkes" zu schreiben, deren erster Band soeben erschienen ist. Er war sich der Schwierigkeit seiner Aufgabe bewußt. Kannte den Mangel an umfassenden Arbeiten, die ihm dabei hätten behilflich sein können. Kannte sich selber, der vom dem in den Kämpfen jener Zeit eine bestimmte Parteistellung einnehmenden Vater diese zunächst ererbt hatte. Mühte sich aber, „in diesem Buche allen Richtungen gerecht zu werden". Hofft, daß es ihm „einigermaßen gelungen" sei. Sieht darin kein Verdienst, sondern „lediglich Pflicht des Historikers". Führt schließlich an, „daß er als Leiter einiger der größten Bereinigungen der deutschen Israeliten tatsächlich, diese Unpartellichkeit, diese Würdiguna aller wahrhaft jüdischen Beftr^bunaen schon vor oer Oeffentlichkeit bewährt zu haben glaube." Sowie es manche Weine gibt, an denen nichts so gut ist, wie die Etikette, so gibt es manche Bücher, an denen die Vorrede das Beste ist, ein Traum ohne Erfüllung. Aehnlich steht es mit dem vorliegenden Buche. Der Umstand hatte den Berfaffer hauptsächlich dazu ermutigt, es zu schreiben, er an einer Stelle gelebt? wo die Mden des Mamten jüdischen Wesens zusammenttefen?' an der ^Gein die Wa Ueberlegung vorbringt, was aus dem Bättr dem Flammeneifer des Predigers he^vorgesptudstt wäre. Nehmen wir gleich vorweg, daß wir von dM guten Willen Philippsons fest überzeugt find? sicher annehmen, daß er jedes Wort seirwr schÄwtt Borrede wahr machen wollte. Aber mst umso erschütternder Gewißheit, mit/umso «ndringlsthsier Schärfe erhellt aus diesem Buche die iw Unfähigkeit des Verfassers, das und die Bestrebungen der OrthoNsWs in Vergangenheit und G^ße-stwarr begreifen und zu würdigem, Me kräu* rige, aber nicht mehr wegzuleugn^n-de Tatsache, duß die Kluft zwischen thodoxie und Neolog-ie, statt sl^h mlif der Z eit zu schließ e n, v on I ahr M Jahr nur immer weiter geworden W, b is zur vollsten Unfähigkeit der eigener^ S t a m me s g e n o ss e n, 1 r o tz b est e n W il l e ns > und größter Vorsicht, auch nur vlo' heiligsten Gefühle des Bruders schonen.. ’l;x Wir denken nicht daran, dem Historiker Äs Recht streitig zu machen, seine persÄr'iche Mber-- zeugung zur Geltung zu bringen/ sie ms MM' stab für die Bewertung der ZettsrstheimwWeG zulegen. Der Historiker darf Blatt sein. Aber je ausgeprägter seine HWM Stande sein, den SeekenzuflM' anders DM^ kender, anders Gearteter Kl amMere«, den ihre Handlungen begleiten, den GMWwn Mnam zu hören, und so, einem Dichter höchst ähnlich, die fremde PersöÄichkeit völlig zu erfasseu und zu reproduzieren. Eigenart ist die Borbedingung der Erkenntnis fremder Art« Und serner soll der Historiker, Ech hierin MW Dichter gleichend, das Typische an den FndwMkM begreifen und darstellen, soll, Mw anders^ nicht zum bloßen Chronisten herabsinken bmter der scheinbar willkürlichen Handlung m Einzelnen die NotwendigAit der Geschichte kennen, wie der Dichter die des aus CharÄteruiw Fügung sich schürzeuden Geschicks, u«d den wwmm Hauch d-S Fri-d-ns u°d d°r B.» söhnunq wahrnehmen, der, wre in reder EM Tragödie, so in jeder wahren Geschichtsdarstellung ^^Nichts von alledem in diesem unglückseligm Buch. Es nimmt seinen Ausgang von der Zeit der Revolution und des Kaiserreichs. Dep E niale Korse zerschmettert mit gewaltiger die Schranken Mitelalters und 4ri neuen-' leider etwas gewaltsamen-Eu Bahn. Auch die Mauem .des^Ghet allerorten. Aber in den Jubekruf der Mfreltw *^1 v:\ . 'Ä 1

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