Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 41 (10.10.1907)
- Date
- 1907-10-10
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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M M S) euilleton. Oer €nkeh Erzählung von Friedrich Rott. (Fortsetzung.) UM iur bestimmten Stunde stand der Wagen vor oem Hause, sie stiegen ein und fuhren nach dem Friedhof, doch keiner sprach ein Wort, es schien als hätten sie sämtlich das Sprechen veickernt. Der israelitische Friedhof war bald erreicht, das Tor stand offen, sie traten eiu. Das Grab das sie suchten, lag am entgegengestzten Ende des Friedhofes in der zweiten Gräberreihe. Zwischen der Mauer und der ersten Gräberreihe schritten sie dahin, Frau Gotthold zwischen - dem Gatten und dem Sohn schien wiederholt zu wanken, doch ihre sorgsamen Begleiter stufen sie. Jetzt war die Gräberreihe zu Ende, sie bogen die Ecke, und vor ihren Augen lag der frisch- Grabhügel, den sie suchten, lber auf demselben lag knieend eine weibliche in Trauerkleidung, einen Kranz von Meißen Rosen in der einen Hand, ein weißes Kreuz in der andern. Sie war eben im Begriff, d-s Kreuz auf den Grabhügel aufzupflanzen Gotthold mit lautem Aussthrei herbeistürzte, ihr das Kreuz entriß, es zerbrach und sortfchleuderte. 1 Sie war aufgesprungen, an allen Gliedern rend stand sie ihm. gegenüber. „Warum" — nnelte sie. „Wer sind Sie?" schrie Gotthold „und was ireiben sie hier?" ' „Jch war die Braut Ihres Sohnes", erwiderte sie, sich aufrichtend, „Ihres Sohnes, der entschlossen war, sich am nächsten-Sonntag taufen zu laffen, darum bin ich berechtigt, das Symbol unseres Glaubens auf sein Grab zu pflanzen." „Lüge! Lüge!" schrie Gotthotd dazwischen, Elende, niederträchtige Lügnerin!" Mit erhobener Faust schien er auf sie zu trzen zu wollen, Theodor fiel ihm jedoch in Arm. „Du bist im Irrtum, Papa, sie lügt taümslte zurück, als wäre er vom Schlage getroffen, hätte der Sohn ihn nicht gehalten, er wäre zu Boden gestürzt. „Sie lügt nicht?" flüsterte er, „sie lügt nicht? — das heißt? — das heißt?" „Daß mein unglücklicher Bruder in der Tat die Absicht hatte. — Ich habe mich vergebens bemüht, ihn davon zurückzuhalten, habe ihm gesagt, daß Ihr das nie zugeben würdet — darum hat er euch gegenüber davon geschwiegen, wollte das kalt aeeompli euch gegenüber stellen und hoffte —" Ein unartikulierter Laut entrang sich Gottholds Lippen, er schlug beide Hände vors Gesicht und lehnte wie gebrochen gegen die Friedhofsmauer. In seiner Brust arbeitete es mächtig, sie hob und senkte sich unheimlich rasch und plKAich entquoll ihr ein Ton, der nicht aus einer Menschenbrust zu kommen schien, es war wie das Todesröcheln, wie der letzte Aufschrei eines Verendenden Wüstentieres. Gleich darauf entstürzte ein Strom von Tränen seinen Augen und sein Wildes Schluchzen Luft erzitternd. Es fo erschütternd oen großen stattlichen Mann so weinen zu sehen, so schluchzen zu hören, daß selbst das fremde Mädchen Mitleid mit ihm empfand. „Verzeihen Sie mir!" bat sie weinend, „wenn ich gewußt hätte, daß es Sie so — so — und verzeihen Sie ihm auch — das hat er sicher nicht gewußt — sonst — und Sie können ruhig sein — ich komme nicht wieder her — nie wieder — es könnte seine Ruhe stören." Sie nahm den Kranz und das zerbrochene Kreuz und eilte hastig fort. Gotthold hatte sie nicht gehört, er sah und hörte überhaupt nichts als seine eigene Tränen, als sein eigenes Schluchzen, er schien vollständig vergeffen zu haben, wo er sich befand. Angstvoll sahen Mutter und Sohn einander an. Theodor legte die Hand auf des Vaters Arm. „Papa, ich bitte Dich — lieber Papa. —" Er hörte nicht. Endlich legte seine Frau ihre Hand auf seine Schulter. „Louis, um Gotteswillen, fasse Dich! — Bedenke doch, er hat es doch nur wollen — aber er hat es nicht getan — Du weißt es doch — er ist als Jude gestorben." „Dafür werde ich Gott danken, so lange ich lebe," erwiderte er, noch immer schluchzend. „O mein Gott! mein Gott! ich danke Dir! Du hast meinen Sohn gerettet, daß er das Entsetzlichste nicht getan! — O mein Gott! mein Gott! — Jetzt verstehe ich alles — jetzt erst begreife ich Deine Güte. Ich habe es nicht fassen können — diese ganze Zeit hindurch —. habe es nicht begreifen können — daß der Allmächtige — der Allgerechte — der Aüliebende uns das — das hat tun können! — an attem habe ich gezweifelt — denn ich habe doch alles mögliche gelobt, wenn er mir meinen Sohn erhalten wird — ich war überzeugt, mein Gebet mußte erhört werden. Und wenn es erhört worden wäre — dann wäre alles noch weit schrecklicher. Mein Gott! mein Gott! ich danke Dir, daß Du mein Gebet nicht erhört hast!" Noch immer entströmten Tränen seinen Augen, noch immer schluchzte er laut, aber die Wildheit des Paroxismus war doch vorüber. „Papa, lieber Papa, die Mama steht schon so lange hier in der Kälte, ich fürchte —" „Du hast Recht", versetzte .Gotthold, sich hastig aufrichteud, indem er sich mit dem Tuche über das tränenfeuchte Gesicht fuhr. „Verzeihe liebes Kind," wandte er sich an seine Frau „ich hatte an alles vergeffen. Führe die Mama zum Waaen, Theodor, ich folge sofort." Er zog bei diesen Worten ein Gebetbuch aus der Tasche, um die auf dem Friedhof üblichen Gebete zu sprechen, seine Frau wollte auf ihn warten, er aber bat durch Zeichen, sie möge voraus gehen, so ging sie. dann am Arme des Sohnes langsam dem Ausgang zu. „Der Papa wird sich hoffentlich jetzt leichter fühlen," sagte Theodor. „Hoffentlich. — Es war schrecklich," fügte sie in sich erschauernd hinzu. „Arme Mama! „und doch wünschte ich, Du könntest auch weinen." „Sie schüttelte trübe den Kopf. „Ich kann nur innerlich weinen." „Das ist nicht gut, Tränen nach Innen geweint nagen. am Hetzen." Sie hatten den Wagen erreicht und waren ein gestiegen, gleich darauf kaüi Gotthold raschen Schrittes. herbei. Er schien sich in der Tat leichter zu fühlen, wenn es auch noch hin und wieder in seinem Antlitz zuckte und wenn man guch noch. Mn Bestreben gewährte, ruhiger zu erscheinen als er Wirklichkeit war, er hatte seine Fäffung doch ivieher erlangt. . . .Schweigend hatten sie die Fahrt bis zur Fabrik 'zurückgelegt, dann nahm Gotthold oen Sohn bei Seite. „Ich möchte Dich. bttten zu dem Vorsteher der Beerdigungsbruderschaft gehen (Fortsetzung LesRomausstehr nLchsteSrite.).; Für de» Reklameteil ist die Redaktio« nicht verantwortlich: insdefondere ist es anSfchttestttch Sache der Leser, die im Rettameteil enthaltene« Empfehlung ritneller Ware« oder sonstige Angabe» religioni liche» Eharakters ans ihre Znverläfligkeit z» prüf Kaiser Friedrich Quelle 6346) ——— Offenbaeh a. H. - „Hegen dielst u. Rheumatismus bewahrt.“ Aber sind sie denn noch wirklich sott Was — Fays ächte Sodener Mineral- Pastillen? Aber großartig, sag ich Ihnen. Unser einer hat doch vielerlei Mittel zur Hand, aber ich selbst nehme mit Vorliebe -Fays ächte Sodener. Und dann: wer einmal welche gekauft fjtu, kommt immer wieder; ich habe Kunden, die eigentlich das ganze Jahr nur der Pastillen wegen hereinkommen und von meinen Handverkaufsartikeln gehen Fays ächte Sodener am besten. — Hier, bitte, die Schachtel kostet nur 85 Pfennige. — In jeder Apotheke, Drogerie oder Mineralwasserhandlung zu haben. Gne voMlichelpaffö im Konkurrenr-Kampk ist ela wirkungsvoll abgefasstes Inserat am richtigen Platze. Derartige Vorschläge hat Tür Sie kostenlos die Firma Naasenstalh & Vogler, ft. 6., Frankfurt a. M.f Zeü 481. 4 Landeshuter t Leinen» und Gebild «Weberei v. König}., Qrossherzogl. u. Fürstlicher Hoflieferant Berlin w., Leipzijtntratse 28-2. Grösste AastfaW aller Wäscheartikel für du Hausbedarf. Miiiii wztr ÜBSStittHii». Preisliste mit Attiidungen sowie KostenansclilAge za Diensten. (7959) LF C Bingen a, Rh. Am Rheinischen Technikum zu Bingen fanden in diesen Tagen die Jngenieurprüfungen in Gegenwarp des Staatskommiffars, Herrn Baurat Knapp, statt. Bon 78 Kandidaten, die sich gemeldet hatten, bestanden. 66, darunter einer mit Auszeichnung. — Das neue Schuljahr beginnt am 21. Oktober cr. Gewerbe-Akademie Friedberg i. H. Die Dwektiou konnte nunmehr di^Stadtyextretuna. auf Grund kontraktlicher Vereinbarung auffordern, mü dem langst sManIm Neubau zu «new Studiengeväudr des PLlhtechrtischen Slstttttts rm Frühiti&c nÄchsten Jahrezu begirmen und merden daher die Detailpläne im Wintersemester von den Studierenden der. Hsta/Mpe äwsgeapbeitet werden:? ’KÜ