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Der Israelit · 1907-10-10 · Heft 41 (10.10.1907) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 41 (10.10.1907)
Date
1907-10-10
Page
– (sequence 11)
Language
German
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lewe ^Unterrichte erziehlich!" das ist nun eine der ersten Forderungen -er Methodik. Aber durch unsere Nebersetzung des Wortes miD verdunkeln wir seinen Sinn, ohne daß eigentlich ein rechter Grund dafür vorliegt. Die Verpflichtung ihre Kinder religiös zu belehren, besteht ja auch hertte für die Elterndas biblische Gesetz von 0NNV71 02^22 ritf pn# ist nie außer Kraft gesetzt worden, und noch heute müssen sie ihr Lehramt ausüben, soweit es ihnen eben möglich ist. Ultra posse nemo obligatur; das gilt auch hier. Wenn nun auch für die Unterweisung im schulpflichtigen Alter der Lehrer Kat exochen die Eltern vertrittfür das vorschulpflichtige Alter müsien sie allein ihre Pflicht nach bestem Wiffen und Gewiffen erfüllen. Das gilt vor allem in Bezug auf die religiöse Unterweisung. Nun weiß ich wohl, daß auf eine weitgehende Mithilfe des Vaters' bei diesem so wichtigen Teil des Erziehungswerks kaum zu rechnen ist. Die Anforderungen des Erwerbslebens sind so stark, daß man ihm nach dieser Richtung hin kaum viel zumuten darf. Deshalb wende ich mich vor allem an das apy n'2, an die Mutter. Sie ist die natürliche Lehrerin ihres Kindes für das zarte Jugendalter und auch später soll sie eine Gehilfin des Lehrers sein. Der Mutter und dem Hause fällt vor allem die erste Erweckung der kindlichen Vorstellungen und die Bildung seines Gemütes und die Pflicht des "pn, die Einführung in das religiöse Pflichtteben, liegt vor allem ihr ob. Die moderne Erziehung stellt ja an das Elternhaus in bezug auf die Unterweisung der Kinder im vorschulpflichtigen Alter ziemlich hohe Anforderungen - ich verweise auf „Fröbels Mutterschule". Um so größere Berechtigung hat aber die Forderung, daß in der religiösen Erziehung, die sich heute für die Schule so äußerst schwer gestaltet, vor allem die Mutter ihre volle Schuldigkeit tue, und zwar etwas mehr als dies bisher der Fall war. Es wird von allen Lehrern die Klage erhoben, daß selbst Kindergesetzestreuer Eltern nicht mehr wie in früherer Zeit mit einem Fond religiöser Kenntniffe zur Schule kommen, sondern häufig pi sind. Das hängt ja auch mit unseren modernen Anschauungen zusammendas Kind soll nur ja nicht Unverstandenes lernen. Da möchte ich nun' den Müttern zeigen, daß sie in der glücklichen Lage sind, den Anforderungen der modernen Erziehungslehre gerecht zu werden, auch bei der religiösen Erziehungich möchte ihnen zeigen, wie sie ihre Kinder in religiösen Dingen für den Schulunterricht vorbereiten, ihnen und dem Lehrer einen wichtigen Dienst leisten und ihrem Titel als Lehrerinnen Ehre machen können. „Anschauung!" „Anschaulich sei der Unterricht!" Das Judentum ist eine Religion der Mschaüung. Erregung der Selbsttätigkeit fordert die Pädagogik - auch diesem Verlangen wird unsere Religion gerecht, denn sie legt den Nachdruck auf die Tat, auf die Erfüllung der Gebote. Von Religiösität im strengen Sinne des Wortes kann ja bei Kindern im zarten Alter überhaupt keine Rede sein- und es wäre verkehrt, von ihnen fromme Gefühle und Empfindungen zu erwarten. Was sie in diesem Sinne in sich tragen und kundgeben sollen, sind nur Liebe, Ehrfurcht und Gehorsam gegen die Eltern und die Grundlagen zu einigen moralischen Gefühlen wie Wahrhaftigkeit, Verträglichkeit, Bescheidenheit und Wohltätigkeit, respektive Mildtätigkeit. Mit letzterem streifen wir schon wieder das Gebiet der anschaulichen Tätigkeit- und auf diesem kann und soll die jüdische Mutter am meisten erreichen. Nicht was das Kind an Kenntnis der kleinen Gebete mit in die Schule bringt, ist die tauptsache, sondern was es bisher in religiösen nschauungen gewonnen hat. Es ist ja eine bekannte Tatsache, daß Kinder häufig die Gegenstände in ihrer nächsten Umgebung und des täglicher Gebrauches nicht richtig zu benennen wiffen- und es gab eine Zeit, wo man den formalen Anschauungsunterricht, das heißt der Gewinnung gegenständlicher BoriMÄWmg einen sehr breiten Raum im Unterrichte gewährte. Darum dürfen wir ütts auch gär nicht wundern, daß Kinder aus strengreligiösen Häusern, welche die Uebung religiöser Gebote und Vorschriften täglich und stündlich vor sich gesehen, ja sich sogar vielleicht daran beteiligt haben, sich ihrer kaum recht bewußt geworden sind. So kam es mir vor, daß ein kleiner Schüler, der die Hayrdolohkerze schon seit Jahren mit großem Stolze hielt, von r6"nn nichts gehört hatte. Hier fehlte nichts als die Bezeichnung. Viele andere dagegen wiffen nicht, daß Wein und Gewürze dazu gehören, denn der Vater hat sie nicht an dem Gewürz riechen und von dem Wein kosten taffen. War letzteres aber der Fall, so haftet durch diese Mitbetatignng, die mse selbst und die Art ihrer Ausführung im Gedächtnis, besonders dann, wenn zur äußeren Anschauung auch die innere hinzukommt, wenn also die Kinder ausdrücklich auf das aufmerksam gemacht werden, was sich vor ihren Augen vollzieht. Unsere Kleinen befinden sich fast durchweg auf dem Standpunkte des jnv .WK; nur selten sind sie imstande, Fragen zur Aufklärung zu stellen, und deshalb heißt es auf dem ganz.n Gebiete der religiösen Belehrung: 1*? nns nntt sei d u nicht sparsam mit deinen Fragen und deinen Erläuterungen. (Fortsetzung folgt.) - (Die Fortsetzung des Artikels „Inwieweit ist eine Umgestaltung des hebräischen Uebersetzuugs- «nterrichtes nach Stoffanswahl, Stoffverteilung und methodischer Behandlung notwendig?" wird in nächster Nummer von „Erziehung und Lehre" zum Abdruck gebracht werden.) Mob Zlurmann. Zu seinem 50jährigen Amtsjubiläum. Am 1. Oktober dieses Jahres vollendete der Vorsitzende des jüdischen Lehrervereins Ostpreußens, Prediger Jakob Stur mann in Osterode, 50 Jahre seiner beruflichen Tätigkeit. Der Tag wurde von der gesamten jüdischen Lehrerschaft unserer Provinz mit freudiger Teilnahme begangen. Der Jubilar hat es während seiner langen Wirksamkeit als Leiter unserer Vereinigung verstanden, sich die Liebe und Verehrung aller Mitglieder derselben zu gewinnen. Sein aufrichtiges, herzliches Mitempfinden für jede Art Leid, das einem unserer Kollegen aus seinen amtlichen Beziehungen erwachsen, und sein unerschrockenes warnlherziges Eintreten für sie in solchen Fällen haben ihn als einen wahrhaften Freund der Lehrerschaft erkennen lassen. Seine Treue im Amte, seine Tüchtigkeit als Lehrer und Kultusbeamter, sein bedeutendes hebräisches Wissen neben einer großen allgemeinen Bildung, seine Frömmigkeit und das Würdevolle seines ganzen Wesens im Auftreten machten ihn zum Borbilde für alle jüdischen Lehrer Ostpreußens und gaben ihm die natürliche Autorität, die es ihm leicht machte, die ganze Beamtenschaft unserer Provinz in Einigkeit und Friedfertigkeit um sich zu scharen und sie mii ernstem, eifrigen Streben für die gemeinsamen Interesse unseres Standes zu begeistern. Die jüdische Lehrerschaft Ostpreußens verdankt dem Jubilar eine Fülle wettvoller Anregungen und lehrreicher Anweisungen auf methodischem und allgemeinpädagogischem Gebiete, die in Referaten oder Vorträgen auf unseren Jahresversammlungen geboten, immer die Merkmale praktischer Erfahrung und eigeneil tüchtigen Könnens an sich trugen. Aus seinen tiefernsten Darlegungen. über die traurigen matettellen Verhältnisse der jüdischen Lehrerschaft Ostpreußens im Jahre 1895 erwuchs auch der Anttteb zur Gründung unserer so wohltätig wirkenden ostpreußischen Pensionskasse. Sturmanns Wort für die jüdische Lehrerschaft wird auf den Berbandstagen der ostpreußischen Synagogengemeinden stets mit Achtung und Wertschätzung ausgenommen. Er steht als Mitglied der Berbands-Schulinspektion zugleich im Ehrendienste des Gemeindeverbandes. So darf das Jubiläum unsres Sturmann nicht bloß für unseren ostpreußischen Lehrerverein, sondern für die gesamte jüdische Lehrerschaft Deutschlands und jvieWtDiue Semttrcke, fo W tveftsse MeM nnstper Provinz als ein besonders freudiges Ereignis gelten, an dem sie alle mit herzlichen Wünschen für sein ferneres Wohlergehen und eine ihm noch lange vergönnte, segensvotte Wirksamkeit im Dienste des Judentumes Airteil nehmen. Bon seiten unseres Lehrervereins aber rufen wir dem treuen Manne zu seinem Jubeltage noch besonders zu: „Gott leite Dich noch weiter mit liebender Hand, er labe Deine Seele mit reichen Freuden und stärke Deine Gebeine zu vollkommener Gesundheit, daß Du seiest wie ein getränter Gatten, dessen Wasser nie versiegt." — Aus dem Lebensgange unseres Jubilars sei noch Folgendes mitgeteilt: Jakob Sturmann ist am 19. Oktober 1838 als ältester Sohn des Kultusbeamten Baruch Sturmann in Neumark in Westpreußen geboren. Schon in jungen Jahren wurde er von seinem Vater in Bibel und Talmud unterttchtek. Er besuchte zunächst die jüdische Volksschule seiner Vaterstadt, ging dann nach Posen, um zu „lernen" und von dort nach Breslau, wo er für kurze Zeit in die damals dort bestandene Lehrabteilung des theologischen Seminars eintrat, gleichzeitig aber auch Lehrvotträge beim Rabbiner G. Tiktin hörte. 1857 bestand er die Religionslehrerprüfung. Die Volksschullehrerprüfung, für die er sich pttvatim vorbereitet, legte er am Königlichen Lehrerseminar in Benzlau ab. Seine erste Stelle nahm er am 1. Oktober 1857 als Religionslehrer und Kantor in Lüben in Schlesien an, wo er bis 1863 verblieb. Bon dort wurde er nach Neustadt in Oberfchlesien berufen, und kam am 1. April 1865 nach Osterode, wo er noch heute segensvoll wirkt. 1890 feiette er dort sein 25jähriges Amtsjubiläum für den Ott und 1905 unter großer Beteiligung der ostpreußischen Lehrerschaft sein 40jähttges Amtsjubiläum in Osterode.— Ein inniges Verhältnis verbindet ihn mit den meisten Mitgliedern seiner Gemeinde, die alle seine Schüler waren. Dies zeigte sich besonders auch in den schweren Schicksalsstunden, die er durchzumachen gehabt, als ihm vor 3y2 Jahren seine geliebte Frau durch den Tod entrissen worden. Eine Schar wohlgeratener Kinder und froher Enkel hilft ihm sein Alter verschönern und sein Leben glücklich gestalten. Möge er ihnen und uns noch lange erhalten bleiben. A. P. K. rücherscha«. Deutsche Uebersetzun., zum hebräischen Gebetbuche. Für den Schulgebrauch bearbeitet von Heinrich Einstädter, Lehrer an der isralitische» Volksschule zu Frankfurt a. M. Dritte Auflage. Verlag von I. Kauffmann, Frankfurt.». M. 1907. Preis 70 Psg. Der „Einstädter" ist unseren Kleinen eine ebenso geläufige und vertraute Bezeichnuna wie der vorigen Generation der „kleine Flehinger". Dieses unentbehrlich gewordene Lehrmittel verdankt seine Popularität nicht nur seiner Brauchbarkeit, sondern auch feiner Billigkeit. Der billige Preis ist immer ein Vorzug beieinem Lehrbuch, besonders bei einem jüdischen, denn für ein solches haben die Eltern in der Regel nur sehr wenig Geld übrig. Die neue Auflage ist auch eine vermehtte und verbefferte, den» fie ist durch die Aufnahme der rna# 'pTB/ sowie einiger kleinen Gebetsstücke wie die verschiedenen ,rWT7p #DTO /|2an QvflQ ,118 nyo erweitert worden. Der lieber» fetzung der #*q ist die Erklärung des mKOD ZU Grunde gelegt. Die Gebetsstücke, die gewöhnlich in den unteren Klassen übersetzt werden, find so behandelt, daß fie auch in der Wortfolge mit dem hebrätschen Texte möglichst im Einklang stehen, ohne daß dadurch der deutsche Ausdruck leidet. Die Stichwötter der einzelnen GebetSsMcke find punktiert worden, was in Derbindung mit dem gut geordneten Inhaltsverzeichnis das Aufsuche» derselben sehr erleichtett. Die Hoffnung des geschätzte» "mit Verfassers, daß sich das Werkchen auch ferner gute ^reunüe erwerben wird, teilen auch wir, denn es v auf ttchttgen pädagogischen Grundsätzen und ist pro erprobt.

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