Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 41 (10.10.1907)
- Date
- 1907-10-10
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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LD-CX. 7 rzic^ung und Lctjr« Pädagogische Beilage zum/Israeli!" z Die soziale Wirksamkeit des jüdischen Eehrers. n. In seinem Bestreben das sittliche Niveau seiner Gemeinde zu heben, darf sich der jüdische Lehrer nicht darauf, beschränken, vorhandene Hehler und Unarten, Schwächen und Mängel rügen und auf ihre Abstellung zu dringen, ondern er muß auch prophylaktisch wirken und zwar kann er dies auf einem Gebiete, auf b«n eine Einwirkung in größerem Maßstabe noch kaum versucht wurde. So alt die Fabel von den drei Ringen ist, so alt ist auch der Streit, welche der drei monotheistischen Religionen am besten geeignet ist, ihre Bekenner zu wahrer Sittlichkeit zu erriehen. In der Neuzeit hat man versucht, mit Hilfe der Statistik wenigstens einen Anhaltspunkt dafür zu gewinnen. Diejenige Religion steht nämlich nach dieser Anschauung sittlich am höchsten, deren Bekenner unter sonst gleichen Verhältnissen sich die wenigsten Vergehen und Verbrechen zu Schulden kommen lassen. Unsere Feinde haben nun mit dem durch Haß geschärften Blick sehr bald erkannt, daß sie ihre Behauptung von der sittlichen Minderwertigkeit der Juden nur dann aufrecht erhallen können, wenn sie Nachweisen, daß die Juden ein größeres Kontingent von Verbrechern stellen, als eigentlich aus sie entfallen dürste. Nun zeigt die KriminalstatWk ja glücklicherweise, daß wir geringere verbrecherische Neigung besitzen cäs die Bekenner anderer Religionen, daß insbesondere die s chweren Verbrechen bei uns verhältnismäßig recht selten sind und es bedurfte plumper Fälschungen seitens der Antisemiten, um das Gegenteil darzutun. So erfreulich nun auch dieser Nachweis für uns ist, so läßt sich anderseits doch nicht in Abrede stellen, daß die Kriminalstatiftik auch eine dunkle Seite für uns aufweist. Es gibt nämlich eine Reihe von Vergehen und Verbrechen, wie Wucher, Betrug, Meineid, Hehlerei, einsamer und betrügerischer Bankerott usw. bei denen die Juden unverhältnismäßig stark beteiligt sind. Zwar erklärt sich das häufigere Vorkommen dieser Delikte fast überall durch ihre vorwiegende Beschäftigung mit dem Handel, aber es wäre ein wahrhafter Btfr, 8mp, wenn es durch eine planmäßige und zielbewußte Arbeit gelänge, eine namhafte Verringerung herbeizuführen. Daß dies aber erreichbar ist, zeigt ein Blick auf die erwähnte Statistik. Schon bei einer oberflächlichen Durchsicht der betreffenden Zahlen und Daten finden wir nämlich auffallende Unterschiede. Während in fast ganz Süddeutschland das Verhältnis zwischen jüdischen und christlichen Verbrechern ein für uns außerordentlich günstiges ist, zeigt der Norden und Osten Deutschlands ein weniger erfreuliches Bild. Wirtschaftliche Verhältniffe allein erklären diesen Unterschied nicht, denn der bayerische und würtembergische Jude verdient sein Brot schwerer als etwa der im Bezirk des Oberlandesgerichts Minden oder Oppeln, wo vor etwa einem Decenium besonders ungünstige Resultate Vorlagen. ° Aber dort herrscht noch Einfachheit, Sparsamkeit und — ein geregeltes, blühendes jüdisches Volks- und Religionsschulwesen. Der Tätigkeit tüchttger und lange an demselben Orte wirkender Lehrer ist ein recht wesentlicher Einfluß auf die Hebung der Moralität zuzuschreiben. Aus denselben Ursachen ist auch die immerhin auffällige Tatsache zu erlären, daß die so gerne verlästerten kurheffischen Juden der Statistik nach besser sind als die der angrenzenden Provinzen, trotzdem jene lange Zeit unter recht abnormen wirtschaftlichen und politischen Zuständen litten. Unsere reichen „liberalen^ Glaubensgenossen, denen die.Ehre des Judentums nach außenhin doch so sehr am Herzen liegt, könnten allen Ernstes gar nichts Besseres tun, als dafür zu sorgen, daß überall gute jüdische Volksschulen entstehen, denn daß diese noch viel segensreicher nach jeder Richtung hin wirken können als bloße Religionsschuken, ist für jeden Einsichtigen klar. Es wäre nun ganz verkehrt, wenn der Lehrer in Predigten und Borträgen nur immer von strenger Rechtschaffenheit Und von Redlichkeit im Handel und Wandel sprechen würde,' auch hier ist die größte Anschaulichkeit und Deutlichkeit notwendig. Wie aber die planmäßige Einwirkung nach der vorbeugenden Seite hin beschaffen sein soll, wollen wir an einigen Beispielen klarlegen. Wir erwähnten oben, daß Hehlerei bei Juden häufiger vorkommt als bei Christen. Das rührt zweifellos davon her, daß das Trädlergewerbe noch verhältnismäßig recht zahlreich unter uns vertreten ist, nicht nur in der Stadt, sondern auch auf dem Land, wo der jüdische Händler so ziemlich alles kauft, „was ihm unter die Hand kommt." Es ist nup sehr häufig nicht die Sucht nach mühelosen Gewinn, sondern mehr eine gewisse Sorglosigkeit und Leichtfertigkeit, die zur Begehung des genannten^ Delikts führen, das uns als ein „Verbrechen erregendes" doppelt gebucht wird. Es muß nun das Bestreben des jüdischen Lehrers sein, die Jugend von dem Trödler- und Hausirergewerbe fernzuhalten und dem Handwerk oder sonst einen ehrbaren Berufe zuzuführen; er verstopft dadurch eine Quelle schwerer Vorwürfe gegen Juden und Judentum und wirkt wahrhaft sozial. Auf die Erwachsenen aber wirke er ein durch ernste Mahnung vor den Folgen des Leichtsinns und der Gewinnsucht. Aehnlich verhält es sich in bezug auf den Meineid. Es ist uns wiederholt von maßgebender Seite das ehrende Zeugnis ausgestellt worden, daß dem Juden der Eid heilig ist, daß er häufig lieber einen Prozeß verliert, nls einen Eid leistet, auch wenn er es mit gutem Gewissen tun könnte, aber die Zahlen werden als Waffe gegen uns verwendet. Auch hier wird die wiederholte Mahnung, beim Abschluß der Geschäfte vorsichtig zu sein — schriftliche Abmachungen oder im Beisein zuverlässiger Zeugen — die Zahl der Eide und dadurch auch der Meineide bedeutend vermindern. Im übrigen wird es kein Lehrer an der eingehenden Behandlung des 3. Gebotes in der Schule und in der Belehrung < über die Heiligkeit des Eides, ja selbst des gegej denen Wortes fehlen lassen. Zum Schluß möchten wir noch auf ein Vergehen Hinweisen, daß den angeführten zwar an Bedeutung weit nachsteht, seiner Häufigkeit wegen aber doch einigermaßen in die Wagschale fältt: die Verbalinjurien. Die nervöse Erregbarkeit und Reizbarkeit ist noch ein trauriges Erbteil des Ghettos und es ist schwer gegen die Folgen derselben anzukämpfen, aber was vermieden werden müßte, das wäre, daß Juden gegen Juden in solchen Fällen klagend auftreten, denn die schmutzigste Wäsche kommt bei solchen Gelegenheiten zum Vorschein. Je angesehener und einflußreicher der Lehrer ist, desto leichter wird es ihm gelingen, solche Klagen zu inhibieren und einen Vergleich auf gütlichem Wege anzubahnen. Krankheiten zu ^verhüten ist besser als sie zu heilen und Schäden Vorbeugen ist leichter als sie auszubessern: aber so wenig es der fortgeschrittetenften Hygiene gelingen wird, alle Krankheiten und Seuchen zu verhüten, eben so wenig wird es möglich sein, alle moralischen Schäden der menschlichen Gesellschaft zu beseitigen und auch der gewissenhafte Lehrer wird einsehen, daß das Erreichte weit hinter dem Erstrebten zurückbleibt. Das wird ihn nicht hindern an rüstiger Arbeit, denn auf dem sittlichen Gebiete ist schon der Wille eine Tat, ist schon das Säen ein Ernten. (Fortsetzung folgt.) Brief aus der Schule au das Elternhaus. Die religiöse Erzieh ung der Kinder im vorschulpflichtigen Alter. Bon A E. So oft ich einen übersetzte mo zur Hand nehme und im Tischgebet die Uebersetzung der Stelle Ynio 'DK riKI - - - mo 'DK nK mH „meinen Vater, meinen Erzieher und meine Mutter, meine Erzieherin" sehe, regt sich in mir der WiderspruchmiD heißt doch Lehrer und die nb"ün nD3D nwK haben wohl mit Vorbedacht dieses Wort angewandt und nicht ]D1N d. h. Erzieher. Wohl soll, jeder Lehrer auch ein Err- ' ■ 2* - . .h