Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 41 (10.10.1907)
- Date
- 1907-10-10
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Berichten' Auf jegliche- Kritik würde -Ä» Sichtet biL. aus einen einzigen Punkt — bei jedem Vereine Wurde eingehend berichtetob er Frauen in die Leituna entsendet oder nicht. Der „Verband der Sabbathfreunde", die Freie Bereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums die Israelitische Stvtlenvermittlungszentrale ü. a. mehr wurden gänzlich, mit Stillschweigen übergangen. Ob der Grund dafür in einer Unkenntnis der Vortragenden oder aber in dem Umstande zu suchen ist, daß alle diese Vereine auf dem Boden des gesetzestreuen Judentums stehen, vermögen wir nicht zu entscheiden. Das letzte Referat hielt Frau Fürth- Frankfurt über „Berufswahl der Töchter". Auf diesen Vortrag, dessen glänzende äußere Form in einem scharfen Gegensatz zu seiner Inhaltsleere stand, kommen wir noch zurück. Arankfnrt a. M., 6. Okt. Die Bereinigung zur Pflege jüdischer Lebensanschauung (\38 versendet ihren Lehrplan für das Wintersemester 1907-98. Vielfach geäußerten Wünschen entsprechend hat der Verein das bisher üblich gewesene System der Lehrgänge verlassen und statt dessen eine Anzahl von Einzelvorträgen in den Lehrplan ausgenommen. Den Referaten schließt sich wie bisher eine freie Aussprache an. Neben diesen Diskussionsabenden bildet die neugegründete Institution der Leseabende einen bedeutsamen Teil der Bereinstätigkeit. An diesen Wenden soll zu gründlicherem Eingehen auf die Quellen Gelegenheit geboten werden. Es findet abwechselnd Woche für Woche je ein Diskussions- und ein Leseabend statt. Um diese Leseabende — dem verschieden abgestuften Grade der Vorbildung unserer Mitglieder entsprechend — recht gewinnbringend zu gestalten, werden sie in zwei Wteilungen geführt, in die sich die Mitglieder je nach dem Stand ihrer Kenntnisse beliebig einreihen können. Es ist ferner vorgesehen, bei einem Teil der Vereinsabende die Beteiligung von Damen zu erbitten, und wird dies jeweilig auf den Karten bekannt gegeben werden. Zur Erreichung eines größeren gegenseitigen persönlichen Anschlusses unter den Mitgliedern werden von Zeit zu Zeit gesellige Äbende veranstaltet. Der Lehrplan sieht folgende Diskussionsabende vor, die immer Mittwoch um 9 Uhr, im Bereinslokale Schützenstraße 2, stattfinden werden: 1. Sabbathfeier. 2. Moderne soziale Errungenschaften im Lichte der jüdischen Gesetzgebung. 3. Betrachtung über die Speiscgesetzc. 4. Jüdische Dichtungen in alter und neuer Zeit. 5. Welche Erziehungsmaßnahmen sind gegenüber den modernen Zeitströmungen geboten? 6. Literarischer Abend: Wegener, „Wir jungen Männer". 7. Naturwissenschaftliche Hypothesen im Lichte jüdischer Anschauung. 8. Zum 100. Geburtstage von Samson Raphael Hirsch b"it!- 9. Staats- und Bürgerpflichten des Juden. 10. Freier Diskussionsabend. 11. Die Redigierung des Talmud und die Kodifizierung des Gesetzes. 12. Maimonides' Bedeutung. 13. Die Wichtigkeit, der rabbinischen Anordnungen. Der in der Abteilung I der Leseabende zu behandelnde Stoff wird jeweils per Karte mitgeteilt. In der Abteilung ir wird unter Leitung des Herrn Dr. I. H. Bondi die Lektüre der „Neunzehn Briefe" vorgenommen. Die Vorlesungen für Damen finden Sonntag Nachmittag 5—6 Uhr in der Realschule am Tiergarten 8 statt. Der Beginn wird noch bekanntgcgcben. Frankfurt a. M., 8. Okt. Eine erhebende Feier beging vorgestern abend in seinem Hörsaal in der Schützenstratze der hiefige Verein Mek^r Chajim. In 20jährigem Studium war das Lernen der mo DtSHP welchem wöchentlich zwei Stunden gewidmet werden, .beendet wurden. Unser Leitung des Herrp Karl Gaggenheim wuiche der ityW begonnen, fortgesetzt von Herrn Dr. I. H. Bondi und zu Ende geführt von H.'rrn Rektor Halk Der "NZNV hat sich — nicht zum mindesten infolge der trefflichen Lehrweise der genannten Herr.n — immer der regsten Teilnahme erfreut. — Gleichzeitig wurde der siebenjährige Cyklus des minn bv llv'V zum Abschluß gebracht. Dieser -njpjp besteht aus Mitgliebervorträgen. Aüsabbathlich wird eine riEHD der betreffenden miD vorgetragen und erläutert, bis in sieben Jahren .olle sieben ny»Bno gelernt find. So war eS dem Vereine, der in eifriger Lehrarv.it vermittels zahlreicher □'niyiP -alle Gebiete des jüdischen Schrifttums seinen Mitgliedern zu erschließen sucht/ nunmehr vergönnt, einen Doppeb- TUD zu begehen. Kein Wunder, daß eine große Freunüesschar sich zufammtzngefunben hatte, um au dem Feste teilzunehmen. Nachdem die Herren Rektor Falk und MarkuS Hirsch die Endabschnitte dorgetragen hatten, f.tzte man sich.zur reichgeschmückten Tafel, und in fröhlichster Sttmmung nahm das Fest seinen Fortgang, humorvolle Reden wechselten mit poetischen und mufickalischen Darbietungen. Das Gedicht „Die Variationen deS Kadisch" von Direktor Mendel Hirsch y'xr wurde von einem Herrn sehr hüsch vorgetragen, und eS war chegreiflich, daß sich eine lebhafte Huldigung für den Verfasser, der zugleich der erste Lehrer deS Vereins rwar, dieser Darbietung anschloß. Herr Julius Lewtn führte in gebundener Rebe geschickt das Präsidium. Frankfurt a. M., 6. Ott. Die „Bereinigung -zttr Pflege von Literatur und Geselligkeit 3905" schreibt uns: »Unsere Bereinigung versammelt allaoöchentltch unter der .bewährten Leitung ihres Dozenten, -deS Herrn Professor Adolf Wehl, jüdische junge Leuten diesich^tn die SchHe dtt deutschest Literatur zu vertiefen suchen. Für die positiv-jüdische Ausbildung der Jugend ist in Frankfurt in' zahlreichen Vereinen Sorge getragendie Bereinigung zur Pflege von Literatur und Geselligkeit 1905" aber bildet dazu eine wertvolle Ergänzung im Kreise der auf dem Standpuntt des überlieferten Judentums stehenden Vereine. .Schon im letzten Semest« haben wir bei der Lektüre von Lesfings »Nathan der Weise" Gelegenheit genommen, uns eingehend über die Stellung des gesetzestreuen Judentums zu diesem Meisterdrama auszusprechen, und da wir für daS kommende Semester u. a. Gutzkows „Uriel Acosta" auf unser Programm gesetzt haben, so wird auch in diesem Semester Gelegenheit zu einer ähnlichen Aussprache Geboten sein, bei der manche irrige Auffassung ihre Berichrigung finden kann. Wir glauben uns nicht zu überheben, wenn wir hier öffentlich konstatieren, daß der Verein in seinem zweijährigen Bestehen vielen jungen Leuten als schöne Beigabe zu ihrer positiv-jüdischen Ausbildung einen Schatz allgemeiner Bildung vermittelt hat. Das beweisen die Sympathien, deren sich der Vere n in allen beteiligten Kreisen erfreut, und die stets im Wachsen begriffene Mitgliederzahl. Mögen diese Zeilen dazu beitragen, die Eltern insbesondere der schulentlassenen Jugend zu veranlassen, ihre Söbne unserem Vereine zu;uführen. Die jungen Leute, insbesondere die von auswärts kommenden, in hiesigen Geschäften tätigen, dürften den Anschluß an unseren Verein nicht zu bereuen haben. Sie werden neben den Vorteilen einer gründlichen literarischen Ausbildung auch noch die Wohltaten einer angenehmen Geselligkeit dankbar empfinden. Anfragen sowie Beitritisecklärung sind zu richten an den SchriftMrer^Herrn^Perez Mosbacher, Schöne Aussicht 5/*. moe«, 8. Oktober. Der hiesige^Montefiore- Berein eröffnete am 6. Ottober sein Wintersemester mit einem Vortrag des Herrn Landravbiner Dr. Mannheimer aus Oldenburg über »Hochzeit und Ehe". Den interessanten und belehrenden Ausführungen des Referenten spendete ein zahlreich erschienenes Publikum lebhaften Beifall. Königsberg, 7. Ott. Die Verband der ostpreußischen Synagogen-Gemeinden hielt seine diesjährige ordentl. Generalversammlun in Rastenburg ab. Die Versammlung war zahlreich besucht. Der stellvertretende Vorsitzende, Sanitätsrat Dr.Komnitzer-Allenstein, erstattete den G e s ch ä ft s b e r i ch t. Die Haupttätigkeit des Verbandes war wieder der Förderung der Religionsschulverhältnisie der Provinz zugewandt. Eine Anzahl Gemeinden wurden zwecks Anstellung eines eigenen Beamten mit Geldmitteln unterstützt. An einzelnen Orten ist der Verband beschäftigt mehrere benachbarte kleine Gemeinden, die sich nicht mehr selbständig zu erhallen vermögen, zu einem Schulverban.de zu vereinigen. Die Mehrzahl der Berbands-Religionsschulen find wieder durch die Berbanbs-Schulinspettion (Rabbiner und bewährte Lehrer) inspiziert worden. Auch den Bestrebungen des provinzialen jüdischen Lehrervereins, der auf die Hebung der Berufsbildung seiner Mitglieder und Förderung der Standesintereffen derselben bedacht ist, steht der Verband nach wie vor hilfreich zur Seite Die Pensionskaffe für für die ostpreußischen jüdischen Lehrer und Kultusbeamten erhielt wieder die regste ideale und materielle Unterstützung seitens des § er andes. Aber auch nach der Seite der sozialen Förderung der Mitg jeder der Berbandsgemeinden war der Verband außerordentlich rege. Die Vorbereitungen für das neue Verbands-, Alters- und Siechenhaus sind bereits so weit gediehen, d >ß die Eröffnung demnächst erfolgen kaim. (Ist inzwischen geschehen.) Das B rbandsvermögen ist nach dem Kassenbericht auf 13158 Mark gestiegen. — Den Bericht über die Schulinspektion im Jahre 1906 erstattete der Borsitzmde der Berbands-Schulinspe.tion, Rabb. Dr. B o g e l st e i n ° Königsberg. Die - Verhältnisse der Religionsschulen haben sich im ganzen etwas bester erwiesen als im Bvrjahre. Zu wirklich günstigen Resultaten werde man aber erst kommen, wenn man an Stelle der ungeprüften Lehrer ein methodisch gebildetes Lehrermaterial in Ostpreußen habe. Inspektor P e r i tz - Königsberg referierte über die neuesten statistischen Feststellungen bezüglich der Gehaltsverhältnisse der jüdischen Beamten in Ostpreußen. Redner ging dabet von dem Grundsatz aus: Wie die Besoldung, so im allgemeinen die Qualität der sich barbierenden Beamten. Die Berbandskommisfion für Regelung der BesoldungS-, AnstellungS- und Versorgungs- Verhältnisse dec jüdischen Beamten in Ostpreußen habe s. Zt. als notwendiges Mindesteinkommen eines jüdischen Beamten 1300 Mark bei freier Amtswohnung (ohne die Einnahme aus den sog. Kibbudim) anerkannt. Die neuesten Feststellungen. der EinkommenSverhältniffe in Ostpreußen hätten aber ergeben, daß ein Drittel aller jüd.schen Beamten in Ostpreußen dieses Mindesteinkommen nicht haben. Ja, es gebe noch erschreckend geringe, gar nicht menschenwürdige Beamtengehälter. Die Gehallsvervältniffe unserer Beamten könnten auf ein genügendes Maß gebracht werden, wenn einzelne Gemeinden, die namentlich benannt wurden, sich mehr als bisher in ihren Kultussteuern anstrengen wollten,' wenn die Gemeinden, die kein ausreichendes Gehalt m.hr für einen ordentlichen Beamten aufzubringen vermögen, mit andren Gemeinden der Nachbarschaft zu einem Gemeindebezw. Schulverbande vereinigt würden, und endllch, wenn der Verband in allen Fällen, wo auch auf diese Weise noch kein genügendes Einkommen für einen Beamten zu gewinnen sei, aus eigenem Antriebe ausreichen e Beihilfe gewährte. Die neueren Bestimmungen des allgemeinen GHul-RnterhultungSgefetzeS eröffnt* auch neue Aussichten für die Berbefferung der Einkommensverhältniste der L hrer. Referent beantragte, der Verband möge eine Kommission entsetzen, die die Förderung der Berhältniffe unserer Beamten in dieser Hinsicht zur Aufgabe erhält und ln jedem einzelnen Falle die geebneten Mittel für eine Berbefferung der Gehälter — zum mindesten bis zu bem-von der früheren Kommission bezeichnet«! Gehaltsminimum — festzustellen und in Anwenbunzu bringen hat. — Die Bersannnlung beschloß nach dem Anträge des Referenten, den BerbanoSgemeinden mitzuteilen, daß der Verband zur Anstellung von seminaristisch geprüften Lehrern besondere Unterstützungen z i gewähren bereit ist, ferner, baß die Bereinigung kleiner, letstungSunfähiger Gemeinden ru einem Schulverbcmde mit gemeinsamem, für das Schulamt ordentlich vorgebildetem Kulm beamten mit aller Energie betrieben werben soll, und überwies endlich die Angelegenheit im ganzen Dem Decernenten der neu gebildeten Abteilung für daS gesamte Schulwesen des Verbände-, Justizrat Holz- Königsberg, zur weiteren Betreibung in Gemeinschaft mit den sonst noch in bestimmter Richtung für Förderung von Schulangelegenbeiten tättgen Mitgliedern. — Darauf folgte die Beratung über die Bewilligung von Subventionen für einzelne Gemeinden. — Ueb« den Stand der Pensionskasse für jüdische Religionslehrer und Kultusbeamten in Ostpreußen berichtete Waisenhaus-Inspektor Perttz. Die Berhältniffe der Kaffe entwickeln sich aufs beste und lassen eine baldige Erhöhung der Pensionen erhoffen. Personalien. Darmftadt, 3. Okr. Am Simchas-Thora beging Frau Karoline Oppenheimer, Darmstadt, Mutter des Herrn Lehrer Oppenheimer, ihren 90. Geburtstag in. seltener Rüstigkeit und Frische. Konstantinopel, 7. Ott. In Konstantinopel starb kürzlich in seiner Sommerwohnung zu Böjükdereh der langjährige Hofjuwelier des Sultans Aronacci Essendi. Ec war der Beherrscher jener Abteilung des kaiserlichen Haushaltes, in der alljährlich tausende von Edelsteinen zu Geschenkzwecken für ausländische Potentaten, für Orden usw. verarbeitet wurden Obwohl zur Würde eines Geheimrats emporgestiegen, ist Aronacci als frommer Jude gestorben und wurde noch am selb« Tage auf dem jüdischen Friedhof in Schischli begraben. “Briefkasten der Redaktion. A K Ihr Wunsch wurde bereits erfüllt in unserer Nr. 15 dieses Jahrgang S. 2, stehe den Artikel ,,Mitgift". v «; 8. M. F. Ihre Fraze ist zu unbestimmt gehalten, um darauf antworten zu können. Wollen Sie uns, bitte, deutlich angeben, was für eine Anstalt Sie meinen. Sabbat-Anfang u. Ausgang. ♦m ««V: | Anfang Datm» Ausaano UhrlMin 1907J 5667 UhrlRi». 12. Ottl 4. Frmrkf«rta.M. 5 15 Cheschwan 6 30 iverli« .... — — « 12 Miinche» . . . 5 15 6 11 Straftburg . 5 30 6 25 Pose» ... . — — .r,; '' 5 58 Nürnberg . . — — 6 12 Hamburg. . . — — 6- 20 Prag. 6 00 Tamiliennackilcbten. (Unseren Abonnenten steht diese Rubrik kostenlos zur Verfügung. Richtabounentm haben für die Aufnahme jeder Notiz eine Gebühr von 1 Mk., die gleichzeitig einzasenden ist, zu eutrttfttat. Die Sendungen müssen immer spätestens am Mittwoche Vormittag vor dem Erscheinen der jeweiligen Nummer in unsere» Händen fetal Verlobt: Helene Gottlieb mit Isidor Frank» KünzelSau-Mühlheim (Ruhr). — Hedwig Cohn mit Aron Schwarzschitd, Frankfurt a. M. Vermahlt: Dr. Salomon Walach mit Lea ge^ Wormser» London-Karlsruhe, tt- Heinrich Ettinaer mit Claire geh. Simon, Frankfurt a. M. — Berthold Strauß mit Flora geb. Mainz, Ha.berstadt. Ctebnrten: Eine Tochter: Ja ko bsobn (Rubiustein).—» Rabb. Dr. L. Dünner (Levv), Rogasen.