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Der Israelit · 1907-10-10 · Heft 41 (10.10.1907) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 41 (10.10.1907)
Date
1907-10-10
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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AsWWkonMoMin find auf den 14. Nüvemder bestimmt. Türkei. Konstantinopel, 4. Oktober. Der Sultan hat in den letzten Tagen wiederum einen Beweis dersreundlichen Gesinnung gegeben, die ihn für seine jüdischen Untertanen beseelt. Am 24. September feierte der Sultan seinen Geburtstag und die obersten Staatsbeamten und die geistlichen Häupter der verschiedenen Gemeinden fanden sich wie üblich zur Gratulation im Palast ein. Da der Großrabbiner Moses L öv y krank war, ließ er sich durch einen anderen Rabbiner und den Dragoman des Nabbinats bei der Feier vertreten. Die Geistlichen wurden vom Sultan persönlich empfangen, und als er die Abwesenheit des Großrabbiners bemerkte, erkundigte er sich nach dem Grunde derselben. Daraus gab er sofort seinem Adjutanten den Befehl in der Wohnung Raboi Moses Lävys vorzusprechen und über dessen Befinden nachzufragen. Am Abend besuchte ein zweiter Adjutant den Kranken in seinem Zimmer und übergab demselben, nachdem er ihm des Sultans beste Wünsche für seine bald^e Genesung ausgesprochen, eine beträchtliche Geldsumme als Geschenk seines Herrn. vermischter. &*■ t. Fra-rkfurt a. M., 9. Oktober. In der invo.iger Nummer gemachten Mitteilung über die Kunststickerei- Ausstellung des Herrn R.rbbiner Henri Brauer ist ein Irrtum unterlaufen. Die Ziehung der Wohltätigkeits- Verlosung, die ln der Ausstellung veranstaltet werden soll, findet nicht am 15. Oktober, sondern voraussichtlich am 15. November statt. Wir empfehlen die Au.stellun wiederholt angelegentlich dem jüdischen Publikum uN bemerken, daß Lose bei Herrn Kantor Pesiachowitsch, Ostenöstr. 29, bei Herrn Dr. Hülsen, Taunusanlage 1, sowie in der Frankfurtloge z i haben find. Frankfurt a. M., 6. Ost.' Die soeben erschienene neueste Nummer des „Sabbat h" hat folgenden Inhalt: Die Peah. — Unsere Kolleginnen. — Unsere Zukunftsaufgaben von Max Neuberger, Berlin. — Kiddusch und Hawdoloh von A. Mannheimer, Detrelbach. Vermischte Nachrichten. — Vereins-Nachrichten. — Ephraim Reubl, Novelle von An on Langer, siebte Tag von Paul M. Aron. — Silbenrätsel. Der ' Berlin, 4. Oktob.r. Gegen den antisemitischen Deutschnationalen Handlungsgehilfenverband > richtet sich ein dom Z ntralverein Deutscher Staatsbürger jüdischen G aubens in Mafien an alle jüdischen y Kaufleute Deutschlands gerichtetes Flugblatt. | Die Mitglieder des Deutschnationalen Handlungsgehilfen- M' Verbandes werden in diesem Flu, blatt mit Recht der U Spionage in jüdischen Geschäftshäusern, des A Raöau-AnttsemitiSmus und der Führung einer E7 geheimen Mitgliederliste zum Zwecke der j£; Täuschung der Prinzipale beschuldigt, so daß Hand- §lungsaehilfen ih^en Chefs eine vom BerbandSvorstande ausgestellte Abmeldung vorzeigen können, ohne deshalb tatsächlich die Mitgliedschaft aufgeben zu müsien. Das U FluMatt klingt in die Aufforderung aus: „Warnt Eure christliche Mitarbeiter vor dem Beitritt z i diesem ii ■: ketzerischen Verband, Ihr jüdischen Handlungsgehilfen! Haltet Eure Häuser rein von diesen antisemitischen Hetzern W: und Spionen, Ihr deutschen Prinzipale jüdischen Glaubens! fr, Tretet freimütig und jest j nen dünkelhaften Chauvinisten entgegen, die sich etwas Befieres zu sein rühmm als Ihr, STnur weil fie das wahre Deutschtum in Erbpacht zu haben £; wähnen!" Köln, 7. Okt. Im Namen der zionistischen Or- M gantfation hat eine Deputation an den Beisetzun gs- - Feierlichkeiten in Karlsruhe teilgenommen. Die j|" Deputation bestand aus dm Herren David Wolffsohn, L*.-. Präsident des zionistischen Aktionskomitees, Dr. H. L}: Katzenels m, Präsident des Jewish Colonial Trust, und N. Sokolow, Generalsekretär des zionistischen Zentralt; bureaus. Himburg, 7. Okt. Wie uns mitgeteilt wird, ist legentlich der letzten Abhaltung des deutschen Banki ertages zeigte die Hamburger Paketsahrtaesellschast den religiösen jübischm Teilnehmern an dem Kongreß anerkennenswertes Entgegenkommen, indem fie ihnen nach Sabbathausgang ein Extraschiff für die Ueberfahrt nach Brunshausen zur Verfügung stellte. Bnbgpesi, 8. Ott. Beim hiesigen StrafbezirkSgertchte wurde vor kurzem gegen den Agenten Moritz BendovitS die Klage wegen Veruntreuung erhoben. Durch -Kn MißverständuiS wurde die Borladung einem Zögling des Rabbinerseminärs gleichen NaMenS zugestÄlt, der den offmbarm Irrtum dazu benutzte, um an das Bezirksgericht folgende Zuschrift zu richten: Löbl. Bezirksgericht! Die hier beigeschlossene Borladung schicke ich mit der Begründung zurück, daß ich nicht der Gesuchte bin. Ich bin Zögling des Rabbinerseminars. Ich hatte — leider (!!!) — noch keine Gelegenheit zu veruntreuen und ich möchte das löbl. Gericht bitten, mir hiezu je eher Gelegenheit (!) bieten. Ihr erzebener Diener Moritz Benhovits, Zögling des Rabbinersemmars." Bezirksrichter Dr. Farkas war der Meinung, daß Leute, die sich für den hehren und idealen Beruf eines. Seelsorgers vorbereiim, keine frivolen Scherze mit den Behörden treiben dürfen, und übermittelte die Borladung nunmehr der Direktion des Rabblnerseminars mit dem Ersuchen, dm Rabbinatskandidaten zu Verhalten zu der am 12 d. stattfindenden Verhandlung zu erscheinen. Der Profefforenkürper hat aber auch' im eigenen Wirkungskreise beschlossen, über den übermütigen Rabbinatskandidaten eine schwere Disziplinarstrafe zu verhängen. München, 7. Oktober. Die Gebäude des neuen israelitischen Friedhofes, welche im Aufträge der Kultusgemeinde von Stadtbaurat Hans Grässel erbaut wurden, sind bis am' die innere Einrichtung bereits vollkommen sertiggestellt. Erheblich vor die Stadt geschoben, in der Nähe des städtischen Zollhauses/westlich der Straße nach Altfreimann, nehmm die genannten Baulichkeiten schon aus großer Ferne die Aufmerksamkeit des aus der Stadt Kommenden in Anspruch. Man betritt das 15 Tagwerk große, von einer Mauer umschloffene Areal von Osten aus durch ein hohes, gewölbtes Portal. Links von diesem befindet sich das Pförtnerhaus, ein nahezu quadratiicher Bau mit Erdgeschoß, ausgebautem Dachgeschoß und hohem Zeltdach der mit der Umfaffungsmauer und einem Rem senbau nach rückwärts einen kleinen Garten bildet. Die elgent lichen Friedhofsgebäude erheben sich weiter we.lick, mehr in -der Tiefe des Grundstücks, zwi chm der Mau r im Süden und der breiten vom Porta! herführenden Fahrstraße im Norden. Le chenhaus, Halle und Nebenräume find z ' einer Baugruppe verbundensämliche Gebäude liegen nebeneinander, in einer malerischen Längsfront, an der Fahrstraße mi einander vereinigt. Zu dieser mit der Schmalseite gewendet, stellt sich die Leichenhalle dar als ein langgestreckter achteckiger Bau, bestehend aus Erde und ausgebäutem, hohem Dachgeschoß, mit je einem kleinen Giebelausbau an den beiden Schmalseiten. Bon diese u Gebäude führt nach Westen ein niedriger Berbindungs bau zur Halle, ein hoher im Grundriß quadratischer Zentralbau mit niedrigen Anbauten und hohem leicht geschweiften Zeltdach. Der nbau der vorderen Seite ist zu einer von Säulen und Bogen getragenen offenen Eingangshalle ausgebildet. Die Eindeckung sämtlicher Gebäude, die mit weißem R uhputz versehen find, besteht auS graugrünen, mit Rot vermischten, farbig wiederum sehr stimmun svoll wirkenden Dachziegeln. Einfache Linien, edelste Verhältnisse, schlichte Sachlichkeit, die keines äußer m Schuckes mehr bedarf, find Elemente, die den Gebäuden ein unvergleichliches künstlerisches Gepräge verleihen. Aurich, 4. Oktober. Versehentlich war der zweite große Herbstmarkt der Stadt'Aurich in dem Marktplan auf den 1. Oktober, der diesmal mit mm NNQV zusammenfiel, eingestellt worden. Der Borstand der Mischen Gemeinde petitionierte bei der Stadtverwaltung und beim Oberpräsidenten um Verlegung des Markttagesdas Gesuch wurde indes in letzter Instanz abschlägig beschieden. Auf Ersuchen des jüd. Genre ndevorst mde' veranlaßten darauf die beiden Lehrer die hiesigen jüd. Geschäfts- und Handelsfirmen zu der mit den Namensunterschriften versehenen Erklärung, baß an dem genannten Tage wegen des isr. Feiertages sä ntliche jüdischen Geschäfte geschloffen blecken und daß die jüdischen Viehhändler kein Vieh auftreiben lafien würden- So kam es denn auch. Die Gemeinde hat durch ihr einmütiges Vorgehen ein schönes Beispiel von Pflichttreue gegeben. Als besonders lobenswert verdient hervorgehoben zu werden)- daß auch die jüdischen Viehhändler aus den Nachbargemeinden sich in Rücksicht auf das Borgehen der Auricher Gemeinde veranlaßt fühlten, dem Martte fernzubleibennur ein Vorstandsmitglied einer benachbarten jüdischen Gemeinde war erschienen. 1 ücrcinswcsen. Frankfurt, 9. Oktober. In den Räumen der Frankfurtloge tagte am Montag - und am Dienstag» die zweite Delegierten-Bersammlung des „Jüdischen Frauenbundes". Das erste Referat, „Zur Sittlichkeitsfrage" erstattete Fräulein Bertha Pappenheim-Frankfurt a. M. Die Rednerin will zunächst einem etwaigen Mißverständnis begegnen, daß es eine besondere jüdische 'Sittlichkeilsfrage gebe, und bespricht dann die - Erscheinungen, die auf den drei Gebieten der Wohnungsfrage, der Arbeits- und Lohnfrage und der Erziehungsfrage bei den Juden für die Losung des Problems in Betracht kommen. Die jüdische Wohnungsfürsorge muß der Neigung der jüdischen Massen, sich in me hintersten Winkel der großen Städte im Osten Lurückzuziehen, entgegenarbeiten. Die Referentin fordert die Gründung von öffentlichen Wochnerinnenheimen für uneheliche . Mütter, die, wenn^ fie bei den Hebammen Unterschlupf suchen müssen, gewöhnlich immer tiefer aus der abschüssigen Bahn sinken. Noch bedeutsamer für das Problem als die Wohnungsfrage ist die Frage der Arbeitsfind LohrwechKtrMeMe WKKnM exemplifiziert hier auf die Lage der Dinge unter der eingewanderten jüdischen Bevölkerung in England, wo die ungelernten jüdischen Arbeiter durch Lohndrückerei eine antisemitische Strömung 'wachgerufen hätten. Es müsse für die gehörige Ausbildung der Arbeiter gesorgt und dann auch vor allem darauf geachtet werden. daß sie auf eigenen Füßen zu stehen sich gewönnen. Es wäre Gewissenszwang, wenn man die religiös erzogenen Juden, die sich an uns werden, zum Verzicht auf die Sabbatheilignng verleiten wollte; das gleiche sei freilich der Falk, wenn man die Gewährung einer wirtschaftlichen Hilfe von der Beobachtung der Sabbathgesetze abhängig machte. (Das ist nicht richtig. Die gegenseitige Verantwortung aller Juden für einander schließt für den g s e tz e s - treuen Juden die Pflicht ein, auch diejenigen Stammesgenyssen, die mit dem TOW die Grundlagen des Judentums zerstören im Begriff sind, nach Möglichkeit der jüdischen Pflicht zuruckzugewinnen und sie nicht in ihrer irrigen Auffassung zu bestärken. Es bedeutet für niemanden einen Gewissenszwang, zur Beobachtung des Sabbaths veranlaßt zu werden. D. Red.) Die Sittlichkeitsfrage ist aber keineswegs eine Frage des Wohlstands. .Denn auch bei den Wohlhabendsten macht sich vielfach ein sittlicher Rückgang bemerkbar. Die Hauptursache ist die Rechtsverkürzung und Rechtsbeugung, die gegenüber der Fran geübt wird. Die sogenannte „neue Ethik", wie sie in der Tagung des fortschrittlichen. Frauenvereins gepriesen worden ist, bringe nichts Neues: fie stelle die alten Forderungen auf und enthalte sonst nur noch einige Uebertreibungen. Auch die Reinheit des jüdischen Familienlebens leide unter der Rechtsverkürzung der Frau. Die Rednerin stellte die Behauptung auf, das Judentum habe von jeher das' Weib gegenüber dem Mann zurückgesetzt und das sei auch "in e rst er Linie schuld an den sittlichen Miß ständen, denen man unter der jüdischen Bevölkerung desöstlichen Europa begegne. — In der Diskussion, die stellenweise einen erregten Charakter annahm, widersprachen Frl. Baneth- Berlin, Rabbiner Dr. Jakob Horowitz-Frankfurt a. M. und Rabbiner Dr. Jaulus-Aachen entschieden den letzten Ausführungen der Referentin, während Fr. Henriette Fürth damit übereinstimmte. Frl. Pappenheim erklärte schließlich, sie habe keine große Kenntnis des jüdischen Schrifttums, sie müsse aber ihr Urteil über die Stellung der Frau im Judentum aufrecht erhalten. Sie sucht sich gegen den Vorwurf, das Judentum geschmäht zu haben, zu verwahren. Nachdem Herr Dr. Löffler noch aus seinen ärztlichen Erfahrungen einige Mitteilungen gemacht hatte, wurde die Drucklegung des Referates von Frl. Pappenheim' angenommen. Ein Antrag, vor dem Druck diejenigen Stellen auszumerzen, die ein Teil der Versammelten als Schmähung des Judentums schmerzlich empfunden hatte, wurde abgelehnt. Am Nachmittag referierte Frau Leiser- Köln über Stellenvermittlung, in deren Ausführungen, wie auch in der anschließenden uferlosen Debatte neue Gesichtspunkte nicht zu Tage traten. Der zweite Verhandlungstag brachte zunächst ein Referat von Frl. Sidonie Werne r-Hamburg über „Mädchenhandel". Als Quelle des Mädchenhandels bezeichnet die Rednerin vor allem den Hunger, die Not. Vielfach werden jedoch Mädchen auch durch Sinnenlust und Putzsucht dazu verleitet sich zu verkaufen. Die Frage: wie verhindert man es, daß jüdische Mädchen sich verkaufen, sei gleichbedeutend mit der Frage: wie steuert man der Not und wie erreicht man eine sittliche Hebung der weiblichen Jugend im Osten? Diesen Fragen hat der jüdische Frauenbund seine Aufmerksamkeit zu -widmen. Das jüdische Zweigkorrnts des Verbandes gegen 'den Mädchenhandel Hat seine Arbeit jetzt dem Hilfsverein der deutschen Juden überlassen. Die Rednerin verlangt, daß der jüdische Frauenbund sich energisch der Sache annehme. Die Einrichtung von Schiffsmissionen, Auskunftsstellen und die Verbreitung von Druckschriften kommen als weitere Mittel zur Bekämpfung des Mädchenhandels in Betracht. In Rußland und Rumänien sei infolge des von den Regierungen ausgeübten Druckes nicht viel zu erreichenanders jedoch -in Galizien, wo die Regierung gerne ihre Dienste zur Verfügung stellt. Die Referentin beantragt schließlich, der Aufforderung des Hilfsvereins der deutschen Juden entsprechend die Damen Pappenheim, May und Werner in das jüdische Zweig konnte zu delegieren und die Gründung einer „Bereinigung jüdischer Freundinnen", die an den Knotenpuntten der Auswanderung ihre Tätigkeit zu entfalten hätte, in Aussicht zu nehmen. Die Versammlung erteilt diesen Anträgen ihre Zustimmung. Frl. Berliners-Hannover schlägt vor, den Hilfsverem der deutschen Juden um die Anstellung weiblicher Aufsichtspersonen für die Auswanderungsschiffe zu ersuchen; die Einrichtung sei sowohl im Interesse der um Schutze Baneth erwägen, ob sich nicht die Einrichtung einer jüdischen Haushaltungsschule für galizische Mädchen in Palästina empfehle.— Ferner fanden noch zwei öffentliche Versammlungen statt: Frau May-Berlin sprach über jüdische Bereinsorganisationen"; leider bot ihre sehr fleißige Arbeit eine lediglich eompilatorische Aneinanderreihung der Aufgaben der einzelnen Vereine, wie sie sich aus deren Satzungen und Jahres-

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