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Der Israelit · 1907-10-10 · Heft 41 (10.10.1907) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 41 (10.10.1907)
Date
1907-10-10
Page
– (sequence 7)
Language
German
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NMMbMK 6/ Oktobers Wüte r fafi Sitzungssaale der israelitischen Kultusgemeinde dahier unter dem Vorsitz des Geh. Hofrats und Justizrats Josephthal eine gemeinsame Besprechung der Gemeindeverwaltungen von München und Nürnberg mit den Vertretern der orthodoxen Bereinigungen dieser Städte statt, an der die Rabbiner von München und Nürnberg, sowie mehrere andere bayrische Rabbiner teilnahmen. Auf Grund eingehender Beratungen wurde eine Anzahl von Einigungspunkten festgeftellt und beschlossen, die noch differierenden Gegenstände den Gemeindeverwaltungen von München und Nürnberg zu nochmaliger endgültiger Entscheidung zu unterbreiten. Es besteht begründete Aussicht, in allen noch schwebenden Fragen eine gütliche Einigung herbeiführen zu können. ©ejierretdj. Lemberg, 6. Oktober. Am 2. Oktober fand hier unter Vorsitz des Advokaten Dr. Zipper eine von der jüdischnationalen Parteileitung einberufene Versammlung statt, in der die Landtagswahlreform in Galizien erörtert wurde. Die Versammlung nahm eine Resolution an, in der sie sich für das allgemeine, gleiche Landtagswahlrecht auf Grund eines nationalen Katasters für das polnische, ruthenische und jüdische Volk ausspricht. Zur selben Zeit fanden auf Veranlassung der jüdischnationalen Parteileitung in etwa 50 gatizischen Städten Versammlungen der jüdischen Wählerschaft statt, die mit der obigen identische Resolutionen annahmeu. Landmarschall Graf Badeni erhielt etwa 50 Telegramme, in denen ihm die in den jüdischen Meetings gefaßten Beschlüsse zur Kenntnis gebracht wurden. Ungarn. Ein IDertöepunhf. (Bon unserem Correspondenten). Budapest, Oktober. Ein wichtiges Ereignis hat sich in den jüngsten Lägen an der hiesigen Landes-Rabbinerschule zugetragen. Seminardirektor Moses Bloch hat sich nach Vollendung seiner gesetzlichen Amtstätigkeit in seinem 93. Lebensjahre bei voller körperlicher Frische in den Ruhestand zurückgezogen. Es dürfte wohl nicht leicht ein zweiter Fall namhaft zu machen sein, daß. ein Gelehrter von 63 Jahren nach siebenunddreißigjähriger segensreicher Wirksamkeit als seelsorgerischer Jugendbildner einem Rufe an eine neubegründete Staatsanstalt Folge leistet, an dieser organisatorisch und wissenschaftlich, lehrend und leitend volle dreißig Jahre hindurch ohne Unterbrechung wirkt, eine stattliche Reihe junger Rabbiner heranbildet und eine ansehnliche Zahl wissenschaftlicher Werke veröffentlicht. Ein solches Schicksal war Professor Moses Bloch beschieden. Wir.sagten „nachsiebenunddreißigjähriger segensreicher Wirksamkeit" und sprechen damit unsere aufrichtige Meinung aus. Moses Bloch war früher Rabbiner in Leipnik (Mähren), erfreute sich des Rufes eines vorzüglichen Talmudgelehrten, stand als Abkömmling" einer hervorragenden Rabbmerfamilie in großem Ansehen und wurde als weltlich-gebildeter Rabbiner auch wegen seinergesetzestreuen Richtung in maßgebenden Kreisen hochgeschätzt. Noch am 13. März 1872 schrieb Rabbiner Moses Bloch folgendes: „Im Hinblick auf die Reformbestrebungen unserer Zeit .... erklärt der Gefertigte nach seinem besten Wissen und Gewissen . . [ ., daß es ein nicht zu rechtfertigender Gewissenszwang sein würde, wenn jene, denen schriftliche und mündliche Lehre als Se, unantastbare Güter und die aus denselben üerenden, in den Codices gesankmelten und im historischen Judentume wurzelnden Vor» schriften und Anordnungen als Lebens ge setze gelten, gehalten sein soÜten, zur Erhaltung und Förderung religionswidriger Zwecke Geldbeiträge zu leisten." Dieses Gutachten schrieb Bloch, der von den ungarischen Neoloaen und ihren in diesem Seminar herangebildeten 100 neuen Rabbinern als der größte lebende Talmudist gefeiert wird, MWÄ M WMMiMMAlls Grundlage dieses Gutachtens find Die orthodoxen Juden aus dem Verbände der Kultusgemeinde damals ausgetreten. Die ungarischen Kongreßgemeinden sind aber viel radikaler reformiert. Bis auf ganz geringe Ansnahmen haben fast alle den Boden des alten traditionellen Judentums gänzlich verlaffen, verleugnen ostentativ die verbindliche Autorität der von der Gesamtjudenheit anerkannten und angenommenen Religionskodices, die Rabbiner Bloch Lebensgesetze nennt, und kennen für den offiziellen religiösen Kultus keine anderen Normen, als ihre eigenen jeweiligen Reformbeschlüffe, welche als Ausflüffe einer wetterwendischen kultusvorständlichen Laune natürlich mit jedem Tage neue Formen und Gestaltungen annehmen können und in Wirklichkeit auch annehmen. Für diese Kultusgemeinden wurde im Jahre 1877, also 5 Jahre nachdem Moses Bloch seinen berühmten pn pDS nach bestem Wissen und Gewissen proklamiert, das hiesige Rabbinerseminar gegründet. Da diese Schule aber vom ehemaligen Kultusminister Tresort ex officio als „gemeinsame" jüdische Anstalt deklariett wurde, gaben sich die neologen Führer alle Mühe für die Direktorstelle einen anerkannten Talmudisten zu gewinnen. Doch hierzulande, wo Hunderte Rabbiner als hervorragende Talmudgelehrte weit und breit renommiert sind, fand sich kein einziger, der diese materiell gut dotierte Stelle angenommen hätte. Rabbiner Moses Bloch jedoch konnte, der Versuchung nicht widerstehen. Er fragte sich gar nicht: OK nyra pK nsn Dir pK KSli Giebt's denn in Ungarn keinen Talmudgelehrten, der die Fähigkeit hätte diese Würde zu bekleiden? Ohne Zögern nahm er die Berufung an und wirkte auch drei Jahrzehnte als Leiter der Anstalt und Vorsitzender des Professorenkörpers? Hat Rabbiner Moses Bloch seinen Schülern auch Richtung und Ziel gegeben? Hat er in Wirklichkeit nK-fin ^Ivl D'im herangebildet? Ist der Geist, den seine Schüler in den jüdischen Gemeinden pstegen, Geist von seinem Geiste? Diese Fragen mußte Direktor Bloch selbst mit der größten Entschiedenheit verneinen? Als Moses Bloch nach Ungarn kam, gab es hierzulande kaum 15 Gemeinden, die den offiziellen Kultus gründlich reformiert hatten. Das Verdienst seiner Schüler und Zöglinge, die fast durchweg zu den öffentlichen rDtr 'Wip und mrvno gehören, ist es, daß es heute fast keine bemittelte Kongreß-Gemeinde giebt, die nicht ihre Orgelsynagoge mit gemischtem Chor besitzt. Mehrere dieser Seminar-Rabbiner haben auch in ihren literarischen Publikationen die göttliche Offenbarung und die Verbindlichkeit der Thora verleugnet. Seine zahlreichen Verehrer werden dem greisen Manne jedenfalls nachrühmen, er habe diese Anstalt zur vollen Blüte gebracht. Aber, die Frage werden sie doch nicht unterdrücken können: Wie kann man den religiösen Nihilismus der aus dem Budapester Seminar hervorgegangenen Rabbiner mit dem Gutachten ihres Meisters vom Jahre 1872 in Einklang bringen? Wenn es ein nicht zu rechtfertigender Gewissenszwang ist, glaubenstreue Juden dazu zu verhalten, daß sie Geldbeiträge für die Wiener Kultusgemeinde leisten, wie sündhaft ist es erst, für die Brutstätte von notorischen Zerstörern des Judentums irgendwelche Opfer zu bringen! Im hohen Greisenalter zieht sich Rabbiner Bloch ins Privatleben zurück, begleitet von den Wünschen seiner Schüler und Nachahmer, daß es ihm vergönnt sein möge, auch die Früchte seiner Tätigkeit reifen zu sehen, o'ytrn p. Wenn aber der Neunzigjährige über die letzten drei Jahrzehnte seines Lebens nachsinnen wird, dürfte er kamn den Ausruf wagen: ’irnapT *HirK irrmV’' tobv. Glücklich das Greisenalter, das die Jugendideale nicht verunehrte. Budapest, 6. Oktober. Das Amtsblatt meldet: Der Kultusminister hat den Chongrader kbmner Dk M. Guttmann, zunächst provisorisch, zum ordentlichen Profeffor des Landes- Rabbiner-Seminars für die Disziplinen des Talmud, der Liturgie, der Bibelexegese und der hebräischen und aramäischen Sprache ernannt. Dr. Guttmann ist ein Zögling der Anstalt, in der er nunmehr als Talmudlehrer wirken witt>. Eingeweihte wissen aber, daß die in dieser Anstalt gebildeten Rabbiner, wenn sie sich nicht vorher talmudisches Wissen in den Jeschibos angeeignet, in den hebräischen Disziplinen vollständige Ignoranten geblieben sind. So konnten auch für das Fach des Talmudlehrers nur ehemalige Jeschibahzöglinge in Bettacht kommen. Dr. Guttmann hat sich durch sein lexikalisches Werk iiD^nn nnso einen Namen als jüdischer Gelehrter erworben. Aber in Punkto religiöser Richtung wird der alte Kurs in Geltung bleiben. Direktor des Profefforenkörpers wird Dr. Bacher sein. Das Seminar hat in den 30 Jahren seines Bestandes an 100 fertige Rabbiner geliefert. Etwa 30 konnten als Rabbiner nicht untergebracht' werden, wirken aber als Religionslehrer in gut dotierten Stellungen. In einer orthodoxen Gemeinde Ungarns hat noch kein Zögling dieses Seminars irgendwelche Anstellung gefunden. Im vorigen Jahre hat nur ein Hörer sie Rabbinerprüfung abgelegt. Die obere Klaffe bestand überhaupt nur aus diesem einen Hörer. Die Erhaltung des Seminars kostet jährlich ettoa 80,000 Kronen, die aus dem gemeinsamen jüdischen Schulfonds, welcher als Vermögen der ungarischen Gesamtjudenheit von der ungarischen Regierung verwaltet wird, gedeckt werden. — Unter den noch nicht mit einem Amt versehenen Seminarrabbinern ist eine Bewegung im Zuge, daß die Rabbinerprüfungen in der Anstalt 15 Jahre feiern möchten. gvaxtkveidj. Paris, 4. Oktober. Die ICA veröffentlicht jetzt ihren Jahresbericht, in der über die argentinischen Kolonien folgende Angaben gemacht werden. Die fünf Kolonien zählen etwa 12000 Seelen. Der Bericht spricht sich im allgemeinen mit Befriedigung über den Stand der Kolonisation aus. Im einzenen sind jedoch auch mancherlei Mißerfolge zu verzeichnen. Es ist Tatsache^ daß die Ansiedler gern die Gelegenheit benutzen, ihre kolonisatorische Tätigkeit aufzugeben und in der Hauptstadt ein Geschäft zu eröffnen. Damit hängt es wohl zum Teil zusammen, wenn die Zahl der Kolonisten von Moisesville im vergangenen Jahr von 3491 auf 3175 zurückgegangen ist. — Tie Kolonisten besitzen etwa 80000 Stück Vieh, einschließlich der Pferde. Sie konnten 56000 Dollar der I CA. abbezcchlen und sandten ungefähr 15000.Dollar an Verwandte in Rußland. Einige habey auch ansehnliche Summen für Ameliorationszwecke aufgewendet. Paris, 6. Oktober. Das Amt des Großrabbiners der französischen Judenheit ist feit dem vor etwa zwei Jahren erfolgten Tod Zadoc Kahns unbesetzt geblieben. Da nach dem Gesetz über die Trennung von Kirche und Staat die gesetzliche Zentralisation der jüdischen Konfessione in Frankreich nicht mehr besteht, so ist es die private Angelegenheit der Juden ob sie sich wiederum ein geistliches Oberhaupt geben wollen. Man hat sich jedoch in bejahendem Sinne entschloffen, und zwar wird die Ernennung des Großrabbiners durch das demnächst zu wählende Zentralkonsistorium im Verein mit Delegierten der einzelnen Gemeinden vollzogen werden. Das Zenttalkonsistorium wird aus etwa 30 Mitgliedern bestehen, da nach dem Wahlstatut je 200 Wähler ein Mitglied, die Pariser Juden jedoch nicht mehr als 10 Mitglieder werden ernennen können. Dazu werden noch ungefähr 30 Delegierte kommen, sodaß die Konferenz, die die Wahl des Großrabbiners zu, beschließen hat, etwa 60 Personen umfassen wird. Die Wahlen zum •I * i r* 1 H •3 :-3 1

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