Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 41 (10.10.1907)
- Date
- 1907-10-10
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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an ihn, die er alle ausführlich und prompt beantwortete. Mn umfangreicher Folioband seiner Korrespondenz, die das halachische Gebiet betrifft, ist noch von ihm vorhanden, der wohl schon veröffentlicht worden wäre, wenn der Verfasser sich nicht, wie ich gehört habe, immer gegen eine solche Veröffentlichung ausgesprochen hätte. Daß er aber allem diesem neben der gewissenhaften Pflege seiner Amtspflichten genügen konnte, dazu verhalf ihm sein unermüdlicher und ausdauernder Fleiß, der keine Minute am Tage ungenützt verstreichen ließ. Dazu kommt noch, daß er, als er in sein Amt eintrat, schon über ein Wissen verfügte, das erstaunlich war; ein treues Gedächtnis, das ihm auch das nur einmal Gelesene sicher bewahrte, war ihm eine kräftige Stütze, die sein Arbeiten ihm erleichterte und es förderte. So beherrschteer D"tr ,wpvlL ,0’tttMO und DWnK mit einer seltenen Meisterschaft, alles lag ihm bereit, er brauchte nur in seine Gedächtniskammern hineinzugreifen, um das Nötige herauszuholen. Dieses sichere und vielseitige Wissen machte seinen njpv so interessant und belehrend, daß viele Jünger gern Würzburg auffuchten, um bei diesem großen Lehrer zu lernen. Daß er einer zu weit getriebenen dialektischen Behandlung des talmudischen Stoffes abgeneigt war, das muß auch gesagt sein, daß aber die Klarheit, mit welcher er einen aus den verschiedenen, oft widerstreitenden Ansichten der C'pDlS feststellte, darüber nicht litt, darf nicht unausgesprochen bleiben. Legte er so manches Saatkorn des Guten für die Zukunft in den Boden, so war es vornehmlich ein anderes, das ihm einen erstaunenswerten Einfluß auf seine Mitwelt erwirkte: seine ganze Persönlichkeit. Wenn man erwägt, daß die Strenge seiner jüdischen Weltanschauung vielen seiner Zeitgenossen nicht gefiel, daß sie in seiner eigenen Gemeinde, ja bei Gesinnungsgenossen mancher Gegnerschaft begegnete, so dürfen wir uns wohl wundern, daß es beispielsweise einmal nur eines freundlichen Wortes seinerseits bedurfte, um einen Geschäftsmann, der seinen Laden am Schabuothfeste öffnete, zu veranlassen, ihn wieder zu schließen. Wie können wir uns das erklären? Es war seine imposante Persönlichkeit, die solches zu wirken vermochte; nicht eine große Rednergabe öffnete -ihm die Herzen und das Gemüt feiner Mitwelt; seine Charaktergröße, sein sittlicher Adel, seine unerschütterliche Wahrheitsliebe, seine bis ins Extreme gehende Selbstlosigkeit und Uneigennützigkeit, diese Eigenschaften errangen ihm alle Erfolge, deren er sich auch bei denen erfreute, die nicht seine Gesinnungsgenossen waren. Wer hätte diesem Manne, dessen Wirhrchtelte mit dem Stock. Wirst ihnen den Meister zeigen! Hast heute was gelernt, Jauno! Richtig dort blinkt und winkt und zuckt und zittert ein einzig Lichtlein. Wenn er nur den Kirchhof schon hinter fich hätte! Doch rufe und locke, böser Geist, Jauno geht nicht auf den Leim! So der Kopf Jaunos. Doch anders dachte seine runde, lappohrige Pelzkappe. Ein starker Windstoß und flugs jagte fie von seinem Kopfe davon. (Schluß folgt.) _ (Britische und ausländische Bibelgesellschaft.) Mit welchem Eifer die internationale Bibelgesellschaft ihre Propaganbaarbeit betreibt, beweisen folgende Angaben * ihres kürzlich veröffentlichten 103. Jahresberichtes: Die Heilige Schrift wurde in acht weitere Sprache übertragen, , vornehmlich in Dialekte der indischen Provinzen, Chinas, Afrikas, der neuen Hebriden und der Philippinen. Neunhundert Agenten arbeiten als Kolporteure in der ganzen Welt zerstreut, und fie allein haben im ganzen über . 2 Millionen Exemplare verkauft. Erwähnenswert ist, daß fich der Absatz in Japan im letzten Jahre mehr als verdoppelt hat. Im ganzen wurden 842052 voll- ' ständige Bibeln, 1231473 Neue Testamente und 3342044 sonstige Teile der heiligen Schriften, insgesamt 5416569 Exemplare, heransgegeben.. — An dieser Arbeitsleistung könnten wir Juden uns für die Förderung der Kenntnis unsres Schrifttums in unserem Kreise ein Beispiel nehmen. (Nene Photographie« Ver Marskanäle.) Unter v. dieser Ueberschrift bringt die Beilage zur Münchener Allgemeine Zeitung S. 328 ein Telegramm des Prof. .. Powell vom Observatorium in Flagstaff, daß seine Expedition in den Anden in >»iner Höhe von 17 500 Fuß , die von Schiaparelli zuerst entdeckten Marskanäle und Photographien vom Mars aufgenvnnnen habe, welche ms zu schaffen, schien ' ihm erAe Forderung; rvwyb'i war das erste Ziel seines Lehrens wie seines Lernens. Daß dieses Ziel aber nicht ohne möglichst weitreichende Kenntnis des gesamten Gebietes talmudischer Wissenschaft zu erreichen sei, war das zweite methodische Prinzip, das ihn leitete, und das ihn neben dem gründlicher Forschung, dem niS'in bestimmten Lehrvortrag täglich eine Lehrstunde zur Förderung des N1k'p2 abhalten ließ. Diesen Prinzipien entspricht auch die Anlage seiner halachischen Werke. Das obenerwähnte um '?m, das als ältestes zuerst genannt sei, schließt sich dem betreffenden Kapitel des Schulchan Aruch Eben Hasser (169) an, enthält dessen Text nebst dem des wichtigsten Kommentators und daneben den eigenen Kommentar des Verfassers. Allseitige Beleuchtung des Textwortes, an das sich die einzelnen Bemerkungen anschließen, zusammenstellende und vergleichende Wiedergabe der wichtigsten Ansichten älterer Gesetzeslehrer, Besprechung von Einzelheiten, zu deren Erörterung die weitschichtige Responsenlitcratur anregt, Untersuchungen über neue theoretische und praktische Einzelfragen folgen einander in klarer, lichtvoller Sprache und werden durch eingestreute Exkurse über konnexe Gegenstände unterbrochen; so wird uns ein sonst wenig bearbeitetes Thema nach allen Seiten ausreichend beleuchtet, und es ist nicht zu viel gesagt, wenn wir behaupten, daß man über keine mit dem Chaliza-Gesetze in Verbindung stehende Frage hier vergebens Rat und Aufklärung suchen wird. Die Herausgabe dieses bereits 1839 druckfertigen und von den anerkannten Autoritäten in Fürth und Frankfurt a. M. approbierten Werkes wurde aber in edler Selbstbeschränkung aufgeschoben. Die Berufung zum Würzburger Rabbinat brachte neue und dringendere Pflichten, als daß die für die Drucklegung nötigen Arbeiten hätten vorgenommen werden dürfen. Die Belehrung über andere religiöse Pflichten mußte als nötiger erscheinen, deren Ausübung größeren Kreisen überantwortet ist, und deren genaue Kenntnis darum diesen weiteren Kreisen unabweisbares Bedürfnis und Voraussetzung pflichtgemäßer Lebensführung ist. Der Gottesdienst im engeren Sinne, die Taharo und das Kaschruth der jüdischen Häuser waren die wichtigsten dieser Gebiete, ihnen galt seine nächste Sorge. Im Jahre 1813 erschien das erste der hierhergehörigen Werke, O'DtP rDfcVö, das die Vorschriften über rv'D, pVsn und nmtö behandelt und zunächst ein Handbuch für die mit deren Herstellung betrauten oder zu betrauenden S o f r i m Amoräer Ulla im Talmud Moedkatan 16: Meros ist nach Ansicht Mancher ein Stern. Dieselbe Ansicht teilt Sohar Ed Wilna S. 538, also ein Stern mit Bewohnern. Nun bringt schon Gesenius Wörterbuch (I. Ausl.), daß >d«er altgriechische Name^ des Mars, Meros von den Phönikern entlehnt sei. Was Powell von sterbenden Sternen spricht, eine Ansicht, welche der seit Aristoteles durch 2000 Jahre herrschenden Physik ins Gesicht schlägt, durch welche die Sorbonne bis zum Jahre 1803 die Möglichkeit der astralen Herkunft der Meteoriten hartnäckig leugnete, so findet sich dieselbe bereits um 1238 bei dem merkwürdigen Weltweisen R. Josef bar Kalonhmos aus Worms in seinem Commentar zum Schöpfungsbuche bei der Erklärung des 11. Jgnorabimus zu Jjob 36, 17: Sind Dir etwa die Thore des Todes bekannt? „Tod ist ein relativer Begriff, denn der Untergang eines Wesens bedeutet Umwechselung in Leben anderer Wesen im Mineralreich sowohl wie im Pflanzen- und Tierreich bis zu den Sternen und Himmelskörpern und für alle Erschaffenen." Ebenso spricht der Talmud Chagrga von 2 Dternen der Kimah (Plejaden), deren Untergang mit der Sintflut im Zusammenhänge stand. A. M. w t ■ ken und Leben nur Wahrheit und nichts als Wahrheit war, die Hochachtung versagen sollen, wer hätte sich seinem Einfluß entziehen können? Hundert Jahre sind seit der Geburt R. Seligmann Bär Bambergers dahingegangen. Wie viele Wandlungen haben sich seit jener Zeit bis heute auf dem Gebiete jüdischen Lebens vollzogen, wieviele Kämpfe hat seit jener Zeit das gesetzestreue Judentum um seine Existenz kämpfen müssen. Gedenken wir dieser Kämpfe und der Männer, die vorne im Kampfe gestanden, und dem gesetzestreuen Judentum Widerstand verliehen und es aufrecht erhalten haben, so wird unter den ersten, die ihr Bestes in jenem Kampfe für die gute Sache eingesetzt haben, der Mann zu nennen sein, dessen Gedächtnis diese Zeilen gewidmet sind. 8. * * * R Seligman Bär Bambergers liferarifche Täfigheif. Die umfangreiche Lehrtätigkeit, welche R. S. B. Bamberger V'ST schon als Kaufmann ausübte, bildet auch den Ausgangspunkt für seine schriftstellerische Wirksamkeit, ihr verdanken wir die in seinem früh bearbeiteten aber spät veröffentlichten Werke über die Chalizah-Vorschriften (V2"I niedergelegten Früchte gründlicher Forschung und scharfer Durcharbeitung schwieriger Gesetzesstoffe. Der ausgedehnteren Lehrtätigkeit des „Würzburger Raws", der dabei gewonnenen Erkenntnis vorhandener Lücken im religiösen Pflichtleben und dem Streben, hier bessernd einzugreifen, entspringt die Mehrzahl seiner übrigen Werke, und der dann noch verbleibende Rest seiner Schriften war dazu bestimmt, die in seinem Herzen tief wurzelnde liebevolle Verehrung der Thora zu verbreiten und sie durch Verdrängung vorhandener Vorurteile in weiten Kreisen imnter mehr zu festigen. Gemeinsam ist aber trotz der verschiedenen Anlage und der Mannigfaltigkeit der behandelten Materien allen seinen Werken die unvergleichliche Gewissenhaftigkeit, mit der er alle Einzeilheiten in nie ermüdender Sorgfalt erforscht und darstellt, die peinliche Sorge, zu verhüten, daß diese Darstellung ein Mißverständnis zulasse, und vor allem die ernst wägende Vorsicht, die jeden Irrtum in der religiösen Praxis zu vermeiden bestrebt ist. Die Lehrvorträge in Wiesenbronn und später in der Würzburger Jeschiba umfaßten hauptsächlich diejenigen Partien der Talmude und der Decisoren, deren Kenntnis für das Pflichtleben des Juden von Bedeutung sind; auf diesen Gebieten seinen Schülern Klarheit und sichere Kennt- Oasen in einer über alle Erwartung großen Deutlichkeit zeigen, die nach Powells Ansicht, die erste, später viel bespöttelte Hypothese des Italieners, daß es sich um künstliche Anlagen durch Marsbewohner handle, unbedingt rechtfertige. Die Kanäle, von denen einige 3000 englische Meilen lang und 60 Meilen breit sind, sollen ein grandioses Bewässerungssystem darstellen, durch das der spärliche Wasservorrat des „sterbenden" Planeten, dessen größter Teil eine öde Wüste wie die Sahara ist, von den schmelzenden Schneekuppen an den Polen in die Oasen geführt wird. In demselben Sinne erschien vor einigen Monaten ein Vortrag des bekannten Pariser Astronomen Flammarion, der die Runde durch die großen Journale machte, welcher sogar schon von Lichtsignalen dieser neuentdeckten Himmelsbürger sprach. Unter anderen soll auf einer einsamen Insel im Stillen Ozean, welche für Marconi als Funkenstation dient, um Mitternacht ein Zeichen erscheinen, welches durch keine Erdensprache erklärt werden kann. Entgegen der prosaischen Erklärung, welche ein Beobachter dieser Tatsache gibt, der dieselbe auf Selbstentladung atmosphärischer Erdelektrizrtät zurücksühren will, hat Flammarion nicht übel Lust, sie vom Mars herzuleiten. Er schließt mit der für das Paris des 20. Jahrhunderts gewiß bemerkenswerten Parole: Nichts leugnen, Alles hoffen. Nebenbei bemerkt ist der Mars unter allen Himmelskörpern der einzige, welcher der Erde darin gleicht, daß eine Entwickelung organischer Geschöpfe auf ihm angenommen werden kann. Im Zusammenhang mit diesen Mitteilungen dürfte folgender Hinweis nicht ohne Interesse sein: Es heißt im Liede Deborah's Richter 5, 20: Die Sterne von ihren Bahnen aus kämpften Men Sisra. Dann 23: Fluchet dem Meros, fluchet fernen Bewohnern, denn sie kamen nicht zu Hülfe. Dazu bemerkt der (Eine Lsrogimfteuer im XVIU. Jahrhundert.) Wie sehr die Juden ein Gegenstand fiskalischer Habgier und Rücksichtslosester Ausbeutung waren, zeigt die Geschichte einer Esrogimsteuer aus der Zeit. Maria Theresias. Im Jahre 1736 machte ein Prager Kaufmann David Heinrich Lehmann der böhmischen Hofkanzlei den Vorschlag, auf die Einfuhr der Esrogim eine „besondere Maut" zu legen. Diese besondere Maut werde „dem höchsten Aerario" ein „sicheres Quantum abwersen" und es in die Lage setzen, dem Antragsteller eine Gratifikation von 2000 Duka-