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Der Israelit · 1907-10-10 · Heft 41 (10.10.1907) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 41 (10.10.1907)
Date
1907-10-10
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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fr dich den drei Jahren des Seminarkurfus ein viertes Jahr angereiht wird, in welchem den Zöglingen diejenige Fortbildung in den jüdischen Disziplinen geboten wird, die ihnen zur Erteilung eines ersprießlichen Religionsunterrichts, wie zur Versetzung des Borbeter¬ und Schächterdienstes die hinreichende Befähigung gewährt. Das höhere Ziel dieses Fortbildunasunterrichts muß sein, den Zöglingen die Fähigkeit der selbständigen Weiterbildung in den jüdischen Disziplinen, namentlich aber für die erwähnten Berufstätigkeiten beizubringen. Der Versuch zur Beschreitung dieses Weges ist bereits unternommen. Das jüdische Lehrerseminar zu Köln hat auf die Anregung seines jetzigen Rektors, der sich um den inneren Ausbau der Anstalt auch sonst sehr verdient gemacht, die Verlängerung der Seminarzeit um ein viertes Jahr zur Durchführung dieses Planes bereits in Angriff genommen. Die eintretenden Zöglinge werden wie verlautet, von vornherein verpflichtet, sich an dem Fortbildungskursus des vierten Jahres zu beteiligen. Diese Einrichtung ist mit lebhafter Freude zu begrüßen. Verspricht sie doch den Gemeinden, in welchen die also ausgebildeten Zöglinge Stellung erlangen, in hohem Maße zum Segen zu gereichen.*) Nun bleibt noch als scheinbar ausschlaggebendes Gegenargument die finanzielle Schwierigkeit. Diqe würde durch die Verlängerung des Seminarkursus um ein volles Jahr noch gesteigert. Denn wenn junge Leute außer der Borbereitungszeit noch vier volle Jahre dem eigentlichen Fachstudium geopfert haben, so werden sie keine Lust haben, die Stellungen als Religionslehrer und Kultusbeamte anzunehmen, wenn diese nicht mit auskömmlichem Gehalte dotiert werden. Dazu aber sind doch die in Betracht kommenden Ge- * *) Die Behauptung, die der Vorstand des Allg. Rabbiner- Verbands in seiner Eingabe an dm Herrn Kultusminister aufgestellt, als würden in den Seminaren zu Cöln und Wm»Vurg, „auch Religionslehrer und Kultusbeamte ausgebildet", was im Zusammenhang mit dem Vorhergehenden, namentlich durch den Hinweis auf die private Anstalt für die Ausbllbung von Kultusbeamten in Posen, die Meinung erweckt, als würben außer dm Bolksfchullehrern auf dem Kölner und Würzburger Lehrerseminar nebenher auch Zöglinge ausgenommen, die zu Religionslehrem und KuÜuSbeamten ausgebildet werben, ist ganz unzutreffend. Roch weniger zu verstehen ist es, wenn jene Petenten dies auch von Burapreppach und Schwabach behaupten. Dort handelt es sich doch nur um Präparanbien, bei denen von der Ausbildung von Kultusbeamten und Reltgionslehrem nicht die Rede sein kann, da sie vielmehr selbstjwx noch Pensionär. WS ip zu oeoauern, oay man oyne sich erst zu insormierm, an den Herrn Minister mit Behauptungen herantritt, die sich als mit dm Tatsachen in Widerspruch stehend erweisen. — eines Meuilleton. I« stampfe mit vämonen. Eine heitere und lehrreiche Gespenstergeschichte von S. Schachnowitz in Endinge». „Schauderhafte Nacht! Wie bas tobt und bläst und heult!" „ßeute Nacht find sie alle, die Teufel und Kobolde und alles, was eS an bösen Geistern gibt, zum wilden Tanze vereinigt!" »Ich möchte hmte keinem ratm, allein übers Feld zu nal an Begräbnisplätzen vorbei." „«ui Glück, daß wir zwei heute den geichey Weg im und unS so mit unseren Wagen dicht aneinander m können!" — ES warm zwei kräftige, stämmige und wetterfeste Gestaltm, die in der einsam am Walbranbe gelegenen Herberge „zum Borken" am langen Tische bei qualmendem Tabak und dampfmdem Tee saßm und stch so unterhieltm. Chajim und Gute!, beide Fuhrleute aus Ersevtll, trafen sich sonst mit ihren Fuhren nur selten auf gemeinsamem Boden, wo die Unterhaltung von so freundschaftlichem Tone getragen sein konnte. Doch heute hatten fie, wie Chajim lachend bemerkte, die „Gchedim" zusammmgeoracht, und so saßen sie da, die Konkurrenten, währmd ihre Tiere draußen ebenfalls ftiedlich nebeneinander mtt dem Sturme schnaubtm und wieherten, und tauschten ihre erlebtm oder gehörten Getstergeschichten auS. Es warm schaueroolle Erlebnisse, die die vielerfahrenen Männer so ruhig und kühl zu erzählen wußten, und fie achteten nicht auf das kleine, schmächtige Männlein, ntehifren ganz außy^Starche. Und auch kehrt müßte doch, um den Bedarf der zahlreich kleineren Gemeinden, in denen jetzt lediglich nicht seminaristisch gebildete Religionslehrer fungieren, zu decken, ein dementsprechend viel größeres Lehrerpersonal ausgebildet werden, wozu aber wieder im Hinblick auf das dürftige Einkommen der Religionslehrer und Kultusbeamten nicht die mindeste Aussicht besteht. Hierauf ist zu erwidern: Unter Darlegung dieser Verhältnisse ist es den Delegierten der „Freien Bereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" im Verein mit der Vertretung des „Bundes gesetzestreuer jüdischer Lehrer" gelungen, die Bereitschaft des Parlamentes und der Staatsbehörde zur Unterstützung der leistungsschwachen jüdischen Gemeinden, wie dieselbe in der bekannten „Resolution" zum Ausdruck gelangt ist, zu erwirken. Nach dem Wortlaut dieser Resolution, in der die Regierung aufgefordert wird: Mittel in den Staatshaushalt einzustellen, um da, wo für den jüdischen Religionsunterricht nicht durch öffentliche jüdische Schulen oder seitens der jüdischen Gemeinden durch Anstellung jüdischer Lehrkräfte an d?n öffentlichen Volksschulen oder in anderer Weise gesorgt ist, den Synagogengemeiuden die Beschaffung des jüdischen Religionsunterrichtes zu erleichtern. (Bericht A. H. S. 311, 324, 614.) Diese Religionslehrer sollen angemessen besoldet werden. (Stenogr. Bericht A. H. 5691, 5196/7). ist eine hinreichende Subvention für die betreffenden Gemeinden in Aussicht genommen. Nun liegt es nahe, daß die Staatsbehörde die Höhe der für Erteilung des jüdischen Religionsunterrichts in den Etat einzustellenden Summe von der Größe des nachzuweisenden Bedürfniffes abhängig machen wird. Dieses Bedürfnis wächst aber mit den Ansprüchen, die die Religionslehrer auf Grund ihrer Ausbildung, ihrer Qualifikation und ihrer hierauf beruhenden autoritativen Stellung zu erheben berechtigt sind und die dem zufolge die betreffenden Gemeinden anzuerkennen und zu befriedigen sich gehalten sehen. Daß dieser Gesichtspunkt von der Staatsbehörde selbst geteilt wird, ist aus der Schlußbemerkung jener ministeriellen Cirkularanfrage vom 11. Juli o. I. deutlich zu ersehen, die lautet: „Auch sehe ich einer Aeußerung darüber entgegen, ob dortseits eine Aenderung der Bestimmungen in obigem Sinne für erwünscht uno inwieweit sie nach den obwaltenden Verhältnissen namentli ch auch in finanzieller Hinsicht für durchführbar erachtet wird." Bleibt aber der bisherige Zustand bestehen, das auf der Ofenbank kauernd, zähneklappernd und " ' ' ‘ ' 7)fer ' ' ' schaudernd zuhörte uud stch an die Ofenwand brückte, als wollte er fie um Schutz und Zuflucht anflehen. ES war Jauno aus beat eine Stunde entfernten Molhof, er war noch in später Nachtstunde bei Wind und Wetter herübergekommen, um beim Borkenwirte, der zugleich auch Heuhändler war, die Nachtratton für seine Kuh zu holen. Herüvergekommen? Jaunoh seufzte ttef und schüttelte den nassen Schnee von stch. Nein, das war kein Gehen mehr. Gestoßen, getrieben, gejagt wurde er, und nicht allein von Schnee und Wetter, sondern von Furien, von den menschlichen Furten seines trauten Heimes im Molhof, wie fie dort als Frau und Schwiegermutter walten und deren Stoß und Treibkrast intmfiver als die der wilden Elemente, furchtbarerer als die der unheimlichen Dämonen ist. Und als wollte er ihm, seinem alten Freund, dies alles erzählen, so umklammert er liebkosend den Ofen. Welche wohlige Wärme er über seinen halverstarrten Körper ausbrettet! Aus den dampfenden Gläsern und rauchenden Pfeifen am Tische hüpfen und tanzen die kleinen Kobolde lustig und gar nicht unheimlich und kommen im leichten Nebel auch zu ihm an den Ofen geschlichen und lachen höhnisch und sagen- „Jauno, Du Jammermensch, warum bist nicht dort geblieben, wo Du es schön hattest? Welcher Teufel hat Dich nach dem Molhof verschleppt?" Dort? Das war daL Beshamidrasch in Ersevill, wo er noch vor einem halben Jahr als sorg- und harmloser Bachur es so schön und warm und behaglich hatte. Es war nicht lauter Ambrofia, was ihm beim „Tägessen" geboten wurde, aber er hatte immer gestruden Appetit und er aß sein Mahl in Frieden: die Bank, auf der er schlief, war hart, aber sein Schlaf war gut und von keiner Sorge getrübt. Er war glücklich und wonach M $e8 Rellgio^Mtterrichts durch Kultusbeamte vollzogen wird, denen die Qualifikation als VoKstchullehrer fehlt, die deshalb von der Staatsbehörde im Sinne der geltenden Bestimmungen gar nicht als eigentliche Lehrer betrachtet, sondern zur Erteilung des jüdischen Religionsunterrichts nur geduldet werden, so ist naturgemäß nichts anderes zu erwarten, als daß der Staat sich wenig geneigt fühlen wird, größere Zuschüsse zu gewähren. Der Vorstand des Allgemeinen Rabbinerverbandes befindet sich, indem er diese Sachlage nicht in den Kreis seiner Erwägung gezogen hat, in einem viroalus viüosus. Die Herren erklären, die betr. jüdischen Gemeinden seien nicht in der Lage, einen Religionslehrer, der zugleich geprüfter »Volksschullehrer ist, zu besolden, und bedenken dabei nicht, daß eine hinlängliche Besoldung der Religionslehrer nur durch die Gewährung eines ausreichenden Staatszuschuffes denkbar, dieser aber bei dem Festhalten an dem gegenwärtigen Verhältnis kaum zu erhoffen sein wird. Gewiß muß Alles aufgeboten werden, auch bei der Fortdauer des gegenwärtigen Verhältnisses die Staatsbehörde für die Bewilligung der Zuschüsse, die den Religionslehrern ein einigermaßen auskömmliches Gehalt bieten, geneigt zu machen. Aber mit dem 'dauernden starren Festhalten an diesemZustande, wiees der Vorstand desAllgemeinen Rabbinerverbandes in seiner Eingabe an den Minister zum Ausdruck bringt, ist unsrer Sache wenig gedient. Man kann nicht umhin, dem Bedauern Ausdruck zu geben, daß die Herrn mit einer der hohen Wichtigkeit des Gegenstandes so wenig angemessenen Einseitigkeit an die Beurteilung der vorliegenden Frage herangetreten sind. Eines freilich muß zum Schluß noch betont werden, das unseren Ausführungen als selbstverständliche Voraussetzung zu Grunde gelegt ist. Die Ersetzung der Kultusbeamten durch seminaristisch gebildete Religionslehrer wäre nur dann ein Gewinn und kein Schaden, wenn diese Erneuerung tes Lehrermaterials nicht etwa ein Minus an r e l i g i ö s e r Mustergültigkeit desselben mit sich bringen würde. Wenn hingegen der Geist der Treue gegen das überlieferte Gesetz — der bei den ©itTfitäftprtwifptt im in hpr }J?POpf nfdbt vpr- Kultusbeamten im Osten in der Regel nicht vermißt wird — der neuen Lehrergeneration fehlte, dann würde auch die vortrefflichste Methode, die sie mitbrächte, eine Form ohne Inhalt, als jeglichen Wertes bar erscheinen. Das aber ist ein Kapitel für sich in dem großen Problem der Lehrervorbildung, auf das noch zurückzukommen sein wird. -vseben. Dann kam er, der alte Perez, der Käser aus >em Molhof — Jauno ballte die Fau/t in t er Hosentasche, erwürgen kannte er ihn, den Schuft, den, Gauner, wenn er ihn hätte — dann kam er und brachte ihn um alles, um Ruhe und Glück ... „Du bist kein Lamdon und kein Chochom, Jauno," so hatte der alte Heuchler ganz offen gesagt. — „Dein Lernen hat kein Ziel und keinen Zweck. Aber da im Molhof, in meiner Nachbarschaft, ist die alte Peffe, eine weitläufige Verwandte von mir, hat ein Haus, eine Wiese, einen Garten, eine Kuh und eine Tochter. Sag' „ja", eauno, und alles ist Dein. Bist im Nu kein armer ochur mehr, sondern ein Hausbesitzer ein Mann, ein Balhabos!" — Und er, Jauno, ging und sah und jagte „ja" und blieb im Molhof, und nun begann, das Elend. — Die Junge, seine Frau, war kein Engel, weder ihrem äußern noch ihrem inneren Wesen nach. Aber die Alle? Ein Teufel? Nein! Er sah sich erschrocken um, denn er glaubte mit dieser Bezeichnung den Teufel beleidigt zu haben. Der Ofen schien ihm nicht mehr warm, Rauchqualm und Teedust nicht mehr lieblich und angegenehm, als daS Bild seiner Schwiegermutter auftauchte und mit ihm die Erinnerung an all die Leiden seiner Weiberhölle. —- Er klagte oft seine Seelenpein dem Rachvar, dem Vermittler, dem er dieses alles verdankte, Perez, dem Käser. Und waS sagte dieser? „Bist kein Mann, Jauno, und es wird sich schon machen! Aller Anfang ist schwer. Mußt Dich mehr als Mann zeigen! Uno übrigens bist mir noch SchadchonuS schuldig!" Der Falsche! Der alte Gauner! Und erst die letzte Szene vor einer Stunde? Jauno bebte noch unter ihrem Eindrücke. Er hatte bereits An-

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