Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 37 (12.9.1907)
- Date
- 1907-09-12
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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WWWBWMVMVM! Ha. 87. 12. September 1907 Der Jsraeln. Sette S vermiZchttt. Frankfurt a. M, 6. Sept. Auf Vorstellung des Herrn Rabbiner Dr. Breuer hat der kommandierende General, Exzellenz v. Eichhorn, verfügt, daß die jüdischen Mannschaften im Bereiche des'18. Armeekorps am Erew Jomkippur aus dem Manöver entlasten werden. Frankfurt a. M., 11. Sept. Dem Berichte über die Einweihung -er neuen Synagoge der Israelitischen Religionsgesellschaft sei noch nachgetragen, daß bei dem Weiheakte Herr Oberkantor Pessachowitsch in gewohnter Meisterschaft fungierte. — Die von der Jugend der Gemeinde gestiftete kostbare Lampe für das TDH 13 rntstamt dem Atelier des Herrn Carl Grebenau hier. — Das Festesten im Saalbau, besten Arrangement hohe Ansprüche an die Leistungsfähigkeit des Wirtes stellte, war dem Hotel Nllmann (Julius Ries) übertragen. Pose«, 8. September. Am Donnerstag mittag um llVa Uhr wurde die Einweihung -er neuerbauten Synagoge in Gegenwart vieler Ehrengäste vollzogen. Der Abschiedsgottesdienst in der altm Synagoge hatte am Tag vorher stattgefunden und die Thorarollen waren in dys neue Gotteshaus überführt worden. Unter den Ehrengästen befanden sich Oberpräfident von Waldow, Regierungspräsident Krahmer, Polizeipräsident v. Hell- Mann, Stadtkommandant v. Jffendorf, Oberbürgermeister Dr. Wilms und weitere Vertreter von Behörden sowie die Stadtverordneten. Die Feier vollzog sich nach der üblichen Liturgie. Herr Oberrabbiner Dr. F e i l ch e n - selb hielt mit bewundernswerter Frische die Festpredigt. Die neue Synagoge, die nach dem Entwurf der Berliner Architektenfirma Cremer und Wolfenstein errichtet wurde, ist ein in romanischem Stil gehaltener monumentaler Kuppelbau und gehört zu dm schönsten Gebäudm der Stadt. Sie umfaßt 660 Männrrsttze und eine etwas geringere Zahl Frauenfitze. Außer der Hauptshnagoge wird in dem Gebäude noch eine Wochentagssynagoge sein, die 60 Sitze, enthält. Die Kosten des Baues belaufm sich auf etwa 600 000 Mk., die des Grundwerts und der Straßmregulierung auf 250 000 Mark. — Zur Feier des Etnweihungstages hat ' die . Gemeinde eine Festschrift hervusgegeben, in der über die Geschichte der alten Synagogengebäulichkeiten folgendes ausgeführt wird.: „Ueber die Zeit der Erbauung der altehrwürbigen Posener Gemeinde-Synagogm, der Alten, der Neuen und der Rehemias-Betschule gibt keine Urkunde Auskunft. Ebmsowenig ist eine Nachttcht hierüber aus der Literatur bekannt. Zweifellos vlickm aber die Stätten jüdischen Gottesdienstes auf eine Reche von Jahrhunderten zurück. Aus einer bei den Erneuerungsarveilm der Altm Betfchule im Jahre 1858 entfemtm, auf der Westwanb befindlichen Inschrift konnte nur festgestellt werden, daß die Synagoge bereits im Jahre 1550 umgebaut wurde, also lange vorher erbaut war. Um den jetzigen Zustand dieser geheiligten zum Abbruch bestimmten Gebetstätten dem Gedächtnisse zu erhaltm, hat unser Gemeindemitglied Herr Sally Jaffe auf Ersuchen des Vorstandes künstlerische Lichtbilder sowohl von den Außenseiten wie von dtn Jnnenräumen ausgenommen und die mit liebevoller Sorgfalt ausgeführten Bilder der Gemeinde fteundlichst gewidmet. Die Gemeinde wird die Bauwerke ausmesten lasten und die Bilder nebst den Ergebnissen der Ausmessung als wertvolles Vermächtnis für spätere Zeiten in ihrem Archiv aufbewahren. Die vorerwähntm Erneuerungsarbeiten im Jahre 1858 erwiesm sich sowohl für die Alte als auch für die Neue Berschule als nötig, weil die Mauern rissig waren und die Bauwerke überhaupt zu verfallen drohten. Damals wurde auch der Almemor nach vorn gerückt, sämtliche Sitze nach der Ostseite gerichtet, die Ziegelfußböden durch Holzdtelrn ersetzt, auch Gasbeleuchtung eingerichtet. Die Emeuerung, hielt bis 1880 vor, in nelchem Jahre die Synagogen wieder in einen solchm Zustand geratm waren, daß deren Schließung polizeilich angedroht wurde. Jnfolgedestm wurde von dm Gemeinde-Behörden schon damals der Neubau einer großen Synagoge für dm strenggläubigen Teil der Gemeinde erörtert. Man entschied sich jedoch für einm Umbau der bestehenden Betschulen, der mit einem Kostmauswand von 70000 Mark in den Jahrm 1883 und 1884 ausgeführt wurde. Im Laufe des letzten Jahrzehntes des horiam Jahrhunderts stellte sich immer mehr die Unzulänglichkeit der altm Bauwerke heraus und auf Antrag des Herm Israel Frtedlamder beschloß die Repräsentantenversammlung am 11. Mai 1901 eine Kommission einzusetzen, die Vorschläge zur Beseitigung der Mißstände in dm Synagogen-Berhättntffm machm sollte. Diese Kommission berichtete am 28. Januar 1902 und schlug zum Ersätze der drei Betschulen den Neubau einer Synagoge mit 1100 biS 1200 Sitzplätzen vor." Der Borstand und die Repräsentanten-Bersammlung traten diesem Beschluß bei. — Die Grundsteinlegung fand am 6. März 1906 statt. Aus Westfalen, 5. Sept. Das Rabbinat des Vereins zur Wahrung der religiösen Jntereffm des Judentums in Westfalen erhielt auf Bortrag folgmdes Schreiben: VII. Armeekorps Münster, 28. 8. 07 General-Kommmando »u. 2. 9. 07. II c. J.-Nr. 9349.9 » MW» An das Rabbmat z. H. des Herrn Dr. Marx 1 Recklinghausen. "IW# «Ihre Bitte um Befreiung des Mannschaften isr. Glaubens vom Dienst am 18. 9. und ebmso am Vorabend des 18. 9., um ihrem religiösen Bedürfnis Rechnung zu tragm, habe ich entsprochenund an die Truppenteile des Armeekorps eine dahingehende Verfügung erlassen. Für dm 9. und 10. September (Nmjahrsfest) ist es mir nicht möglich, eine Befreiung anzuordnen, da an diesm Tagen Manöver vor Sr. Majestät dem Kaiser stattfindet und hieran alle Mannschaften teilnehmm müssen. Der Kommand. General Frhr. v. Biffing." Die einzelnen Mannschaften müssen aber nun für Kol Nidre und Jomkippur auch von dieser Verfügung unter Hinweis auf den Befehl Gebrauch machen. Straubing, 4. Sept. Heute weihte die hiesige jüdische Gemeinde, die erst vor 10 Jahrm mit 12 Familien gegründet wurde und jetzt 24 Familien zählt, ihre neuerbaute Synagoge ein. Dieselbe weist 100 Sitzplätze für Herren und auf einer Empore 61 für Damen aus. Der Bau, dem auch noch eine Schule und eine Wohnung angegliedert wurde, kostete etwa 70000 Mk. Bei der Einweihung warm sämtliche städtischen und staatlichm Behörden vertreten. Herr Hoftat v. L e i st n e r sprach als Vertreter der kgl. Kreisregierung wie auch im Ramm der städtischm Kollegien und der Bürgerschaft Straubings der israelitischen Kultusgemeinde die herzlichsten Glückwünsche zur Erbauung ihres neuen Gotteshauses aus. Den Schlüssel der Synagoge überreichte er dem Herm Distriktsrabbiner Dr. Mayer- Regensburg, der die Synagoge öffnete. Herr Distriktsravoiner Dr. Mayer hielt sodann die Festpredigt. Abmds fand noch eine Familienunterhaltung mit Konzert statt. Künzelsau, 2. Sept. Die hiesige israelitische Gemeinde beging am 30. August die Einweihung ihrer neuerbauten Synagoge. Unter der Leitung von Oberamtsbaumeister Ganzmmüller wurde diese binnen Jahresftist an der neuangelegten Kanzleistraße, umgeben von grünen Gärten, erstellt und bildet mit ihren beidm Kuppeltürmchen und ihrem geschmackvoll ausgeführten Portal eine Zierde dieses Stadtteils. An der Feier nahm die ganze Stadt regen Anteil, was durch die Beflaggung der Straßen, sowie durch die von Stadtschultheiß Röde^ Aus der Ciselirwerkstätte der Hoffilberschmiede Lazarus P o s e n W w e. ist der hier abgebildete Silberschmuck für die Bekrönung des Oraun Haraudesch der neuen Posener Synagoge hervorgegangen. Daüber 2 Meter hohe Kunstwerk stellt 2 m Hochrelief getriebene romanische Löwm dar, die mit ihrm Borderpranken ein von goldenen Strahlen bekröntes Tor mit reich ciselirten Säulen HMem anbesten Mitte etif Bibelvers irr IrauSpareMer Schrift hervotteuchttt. Dm Hintergrund bildet evrwergstzetks, ftw.MtriebeneS und ciselirtes romanische» Omament» von dem stch die im matten Silber gehaltmen Löwen mit ihren gelbgoldenen Mähnm wirkungsvoll abbeben. Das Modell der Löwm ist nach der Idee -der Firma Lazarus PosmWwe.vonProfestorRiegelmann»Charlottenburg» dem Modellmr des ganzm Oraun Hakaudesch modelliert worden. Der Silbcrschmuck ist eine Stiftung der Wittwe des langjährigen Vorsteher», Herm Wolff Guttmaun, der leider die Einweihung der Synagoge, um deren Bau er sich so sehr verdient gemacht hatte, nicht mehr erleben sMe. bei der Uebergabe der Synauoge gesprochenen Worte zum Ausdruck kam. Unter Böllerschießen und mtt Musikbegleitung bewegte sich ein stattttcher Zug von dem bisherigen Mietlokal zum neuen Gotteshaus, wo nach einem von Frl. Neumann gesprochenen Prolog an Stelle deS durch Krankheit verhinderten OberamtSbaumeister Bauführer Böhlein den Schlüssel an denIKantor Lehrer Wißmann übergab, der dem Dank und der Freude' der isr. Gemeinde Ausdruck verlieh. Run betrat die Versammlung die festlich beleuchteten Räume, wo die eigentliche Weihe vor sich ging. Die Festpreöigt hielt Bezirksxabbiner Dr. Berlinger. Kirchenrat Dr. Kroner überbrachte die Wünsche der Oberkirchenbehörde. Im Rappensaal fand ein autbesuchtes Festbankett statt. Dort sprachen: Lehrer Witzmann, Dr. Berlinger und Dr. Kroner. Lodz, 6. -Sept. Gestern gegen 9 Uhr abends drangen in das Wächterhäuschen des neuen israelischen Friedhofes an der Brzeziner Chaussee einige bewaffnete Leute. Beim Eingang in das Häuschen begegneten sie dem 24jährigen Angestellten des Friedhofes, Jtz« Wachsmann, welcher sich vor den Einbrechern verstecken wollte und in den Korridor flüchtete. Die Mordgesellen holten ihn jedoch ein und töteten ihn durch Revolverschüffe. Hierauf drangen die Mörder in die Wohnung ein, wo sie die, 17jährige Tochter des FriedhofsaufsseherS Ruchla Tennenbaum durch zwei Revolverschüffe verwundeten. Eine der Kugeln drang dem Mädchen in den Unterleib und die andere in die Herzgegend. Sodann fanden die Räuber den 48jährigen A. Tennenbaum, der sich versteckt hatte, und verwundeten ihn durch zwei Revolverschüsse. Eine Kugel traf ihn in die Seite, die andere in den linken Oberschenkel. Auf dem Tawrte trafen bald Dragoner mit Polizisten an der Spitze ein, doch fehlt von den Tätern jegliche Spur. Der unter militärischer Bedeckung emgetroffene Rettungswagen brachte den verwundeten Vater und die Tochter nach dem Pitznanftischen Hospital, wo beide in bedenklich«» Zustande barniederliegen. Die Leiche des ermordeten Wachsmann wurde auf dem Friedhofe belassen. Wie», 8. Sept. Am vergangenen Donnerstag fand die feierliche Einweihung des Bethauses der min "npta/ Malzgasse Nr. 16, statt. Der Feier wohnten die MeHczahl der Mitglieder des Bethmrses, sowie eine Anzahl geladener Gäste bet, unter ihnen die Herren Rabbiner S. Fürst, Rabbinatsasseffor I. Baumgarten und die Vorsteher der Schiffschule Markus Bonoi, W. Pappenheim, Ph. Baeck und Frommer, ferner Deputattonen der israelitischen Kultusgemeinde und mehrere hiesige Bered«. Herr Rabbiner Schenk hielt die Festrede. Jerusalem, 30. August. Dem Herm Banker Chaim Aron Valero, hier, wurde von S. M. dem Sultan die Uniform und das Ehrenschwert des Mutemajas 2. Klasse zuteil, eine Würbe, die ihrem Träger den Rang eines Obersten verleiht.—Am 23. Mul. findet die 31. Jahresfeier der Krönung des Sultans Abdul Hamid statt. Aus diesem Anlaß hock der Gouverneur von Jerusalem Mkram Beh eine, turmartige Stadtuhr bauen lassen. Die jüdischen G«netnden Jerusalems haben zu der Bausumme, die 20000 FrcS. betrug, zusammen 2000 Frcs. beigesteuert. — Am 7. Elul ist hier eine wackere Frau, Rechele Sokolin, Tochter des berühmten R. Chaim Berlin, der vor einem Jahre in Jerusalem seinen Wohnsitz genommen hat, im Alter von 40 Jahren gestorbendie Verblichene war die Stütze ihres greisen Vaters, den sie mit seltener Hingebung, gepflegt hat. pQ'jün - verewrmsen. Frankfurt a. M., 12. Sept. Der „Bund?ese tz es tr euer jüdischer Lehrer Deutschanbs" ersucht mitzuteilen, baß er einige ReligionSlehrerstellen, mit denen ruDVW verbunden ist, zu vermitteln habe. Meldungen sind' an den Schriftführer, Herrn A. Hirfchberg, Uhlandstr. 17, zu richten. Frantfart a. M., 11. September. Der Mohelim-Verein in Frankfurt a. M., welcher vor kurzem begründet wurde, fordert soeben durch Cirkular zum Beitritt aufes dürste deshalb wohl angebracht sein über den Zweck des Vereins und die Aufgabe die er sich gestellt hat, einige erläuternde Worte zu sagen. Schon Rabbiner Hirsck hatte, in richtiger Erkenntnis der späteren Verhältnisse, einen Zusammenschluß der hieflgen Mohelim angestrebt. Seitdem haben sich diese Verhältnisse noch Weiler verschlimmert. Große Landesstrecken mtt zahlreicher jüdischer Bevölkerung und viele größere, sonst mustergültige Gemeinden find ohne Mohelim und haben sich daran gewöhnt, sich im Bedarfsfälle hierher zu wenden. Der Wirkungskreis der hiesigen Mohelim vergrößert sich so zusehends - tem gegenüber hat jedoch die Zahl derselben nicht gleichen Schritt gehalten, sie hat eher abgenommen, und was besonders bedauerlich ist, an einem Nachwuchs fehlt es gänzlich. Diesem fühlbaren Mangel tunlichst abzuhelfen, ist die vornehmste Aufgabe des neuen Vereins. Die sämttichen aktiven Mitglieder find bereit, junge Leute praktisch in der Ausübung der n^D zu unterweisen. Der Verein wird einen regelmäßigen hjpb? einrichten, die n^D werden an der Hand prakttscher Erfahrung gründlich gelernt werden, dazu soll auch anatomischer Unterricht, wenn die Verhältnisse es gestatten, geboten werden. Ferner sollen auswärtige unbemittelte junge Leute während der Dauer ihres hiesigen, der Erlernung der gewidmeten Aufenthalts, pekuniär unterstützt werden. Endlich sollen, damit auf vl rnw fallende auswärtige rechtzeitig stattfinden körmen, Mohelim von anderen Städten herangezogen wurden, die in \ der jRegel dafür zu honorieren wären. Um