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Der Israelit · 1907-09-12 · Heft 37 (12.9.1907) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 37 (12.9.1907)
Date
1907-09-12
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Der ZjLraelst. Rr. 37 Sette 7 noch durch armeüssche Auklänße beizükommen ist. Sie waren nämlich wie eben die Thora berichtet, echt hamitischer Abstammung. Der vom arischen wie vom semitischen grundverschiedene Typus tritt auch in ihren Abbildungen in ganz besonderer Plumpheit zü Tage. Den Armeniern war das semithische Alphabet ebenso unbekannt wie den Sinäeriten und Assyrern, dagegen hatten sie' die Keilschrift, welche bei den letzteren infolge ihrer Verwandtschaft mit den Semiten entziffert werden konnte. Es gehört mehr als Kühnheit dazu, die geographisch und linguistisch festgestellte Zugehörigkeit der Armenier und Koffäer der ältesten Inschriften zur alarodischen Sprach- und Bölkerfamilie zu leugnen, zu welcher heute noch die Georgier, Lazen, Suanen und Mingrelier im Kaukasus gehören, und dieselben mit den Semiten im Allgemeinen, speziell aber mit den Juden zusammenzustellen. Ebenso unwissenschaftlich ist es von der Zerstreung der Armenier zu reden. Es mag ja auch zerstreute Professoren armenischer Herkunft geben, aber das Land Urartu, das auf den ältesten Inschriften als Sitz dieses Volkes vorkommt, das Ararat der Bibel, ist bis auf den heutigen Tag seine Heimat geblieben. Wenn Beziehungswahn wissenschaftliches Bürgerrecht erlangt haben wird, dann Muß auch der fechtende Rutsche Handwerksbursche, dem Bamb6ry sogar im Himalaya begegnete, zusammen mit Juden und Armeniern von Hethitern abstammen und Alles, was fechten geht und was fechten gelernt hat. Zu der etwas ernster zu nehmenden Frage des Prof. Luschan übergebend, woher die Blonden und Blauäugigen unter den Juden kommen, möchte ich nur zeigen, wie leichtfertig solche Fragen ausgestellt werden. Es gab bekanntlich auch unter den Aegyptern rothaarige Menschen mit auffallend weißem Teint, die als Abnormitäten angesehen wurden und, weilman ihnen schlechten Charakter zuschrieb, vogelfrei waren. Jedenfalls ist die Erscheinung im dunkelsten Orient keine allzugroße Seltenheit. Nun erklärt Rischbam, Raschis Enkel, in dem Vers film hkS „und die Augen Leas waren film", dieses Wort mit dem französischen verd, sie waren grün, (ich erinnere an die Verwechslung zwischen blau und grün, z. B. bei den Sarmaten), ebenso heißt es bei ihrem Vetter Esau, daß er rothaarig war, und die uralte Bolkstraditton behauptet, daß Laban rothaarig gewesen sei und seinen Namen von der damit verbundenen auffallend weißen Hautfarbe hatte, sodaß noch heute Rothaarige den Spitznamen Laban Haramai (der Schelm) tragen. Weit entfernt darauf nach moderner Forscherart ein wissenschaftliches Gebäude gründen zu wollen, frage ich nur: Ist es denn unmöglich, daß unter den Stammeltern der Juden väterlicher- oder mütterlicherseits eine blonde und blauäugige Person war? Ferner: Jst^es denn nicht Tatsache, daß die Kinder der iM Kaukasus angesiedelten deutschen Kolonisten schwarzhaarig und schwarzäugig sind, trotz ihrer flachsblonden, blauäugigen Eltern? Wie kann man solche Probleme ohne jede Rücksicht auf die tausendfach verschlmmenen Gesetze der Mimicry, der Anpassungsfähigkeit an Grund und Boden, an Wasser und Gebirge lösen wollet. Warum gebiert die Städterin, die sich im Hochgebirge äufhält, Cretins? Woher kommt Kropf und Cretinismus bei den verschiedensten Raffen im tochgebirge vor von den Pyrenäen bis zur Mandschurei? So lange man die Gesetze der Reproduktion ebenso wenig kennt wie Darwin, der sie „das Geheimnis der Geheimnisse" nennt, ssollman von diesen Fragen die Hände lassen. Wir können Herrn Sofer, der von Hethitern abstammen will, nur die Antwort geben, die ein Vater seinem aus der Schule heimkehrenden Sohne gab. Sohn: Papa, der Lehrer hat gesagt, wir stammen von Affen ab. Vater mürrisch: - Du vielleicht, ich nicht. Unfere Srarrhfurfer Abonnenten bitten wir. Sahiung nur gegen ordnungsgemäß ausgestellte Quittung leüien?u wollen. Oerlas fles „israelif 6. m. tl. LtVQ. »orrespondenzen und M^achrichten. Deutsche« Her Schluß des Artikels „Ein Brief an die Gesetzestreuen Badens" wird in der nächsten Nummer zmn Abdruck gebracht werden. Frankfurt a. M., 8. September. Der Preußische Kultusminister hat unterm 11. Juli d. Js. an sämtliche Regierungen folgenden Erlaß gerichtet: Nach den Erlassen vom 19. März 1863 und vom 3. Oktober 1870 (Schneider und von Bremen Bd. II S. 101 und Bd. III S. 121) kann an solchen Orten, an welchen von den Synagogengemeinden ein ordentlicher Religionsunterricht nicht eingerichtet ist, Schächtern und ähnlichen Personen die Erlaubnis zur Erteilung des Unterrichts im Hebräischen und in der Religion auch ohne Wiegung einer vollständigen Lehrerprüfung gestattet werden. Bon Seiten jüdischer Lehrer ist beantragt worden, dies in Zukunft nicht mehr zuzulassen, da die Erteilung des Religionsunterrichtes sehr schwierig sei und jetzt auch geeignete, in jüdischen Seminarien vorgebildete Lehrkräfte in genügender Anzahl vorhanden wären. Wie jetzt den Schächtern und Borbetern der Religionsunterricht, so könne dann den Religionslehrern von den Synagogengemeinden das Amt des Schächters oder Borbeters übertragen werden. Die Königlichen Regierungen wollen berichten, in wie vielen Fällen der jüdische Religionsunterricht 1. von geprüften Lehrern, 2. von Smächtern, Borbetern und anderen Personen, die eine Lehrerprüfung nicht abgelegt haben,, erteilt wird. Dabei ist erkennbar zu machen, von wem der Religionsunterricht eingerichtet worden ist. Auch sehe ich einer Aeußerung darüber entgegen, ob dortseits eine Aenderung der Bestimmungen im obigen Sinne für erwünscht und inwieweit sie nach den obwaltenden Verhältnissen, namentlich auch in finanzieller Hinsicht für durchführbar erachtet wird. Wir hatten es bisher, obgleich uns der Erlaß bereits seit sechs Wochen vorliegt, n i ch t für zweckmäßig gehalten, der Angelegenheit durch öffentliche Behandlung eine Bedeutung zu verleihen, die ihr unseres Erachtens an sich nicht zukommt. Diese Rücksicht fällt jetzt fort, da der Allgemeine Rabbiner-Verband den Erlaß zum Gegenstände einer persönlichen Vorstellung beim Kultusminister gemacht, gleichzeitig aber durch ein Reihe von Zeitungsmeldungen auch die Oeffentlichkeit von seiner Aktion in Kenntnis gesetzt hat. Wir zweifeln nicht daran, daß das Ergebnis der ministeriellen Erhebungen unzweideutig die Unmöglichkeit einer Aufhebung der Erlasse von 19./3. 63 und 3./10. 70 erweisen wird. Haben sich ja seit jener Zeit die Verhältnisse der preußischen Landgemeinden sicherlich noch verschlechtert, sodaß die Erwägungen, aus denen jene Reskripte geflossen sind, heule in verstärktem Maße zutreffen. Die Wünsche der Lehrerpetttion, die der Ministerialerlaß erwähnt, hätten nur dann Aussicht auf eine allmähliche Verwirklichung, wenn der Staat sich zu namhaften Zuschüssen für den jüdischen Religionsunterricht, entschlösse und wenn es außerdem allen jüdischen Lehrerseminarien gelänge, ihre Zöglinge zu tüchtigen, l, praktisck von ernster Fachkenntnis getragenen, prakttsch gewandten a^rm? auszubilden. Ob das bei der Fülle der Anforderungen, die an einen Seminaristen mit voller Bolksschullehrerbildung gestellt werden, überhaupt in dem wünschenswerten Umfang möglich ist, vermögen wir nicht zu entscheiden. Berlin, 8. Septbr. Der Hilfsverein der j deutschen Juden teilt uns mit: Am 4. Sep- J tember fand unter dem Vorsitz des Herrn James Simon eine Sitzung des geschäftsführenden H Ausschusses des Hilfsvereins statt. Der H Geschäftsführer im Ehrenamt, Herr Dr. Parst v Nathan, machte die Mittheilung, daß die Mit- * glieder^ahl von 13,000 am Ende des Jahres 1906, H also bis September 1907, auf 17,000 gestiegen ist. Die Ausbreitung des Hilfsvereins und die sich | ihn immer steigernden vielfältigen Aufgaben, die an : herantreten, lassen die Mitarbeit möglichst zahl-' reicher hervorragender und opferwilliger Perfön- 4 lichkeiten aus allen Teilen Deutschlands als unlj umgänglich notwendig erscheinen. Demzufolge j wurden für das Zentralkomite 40 neue Mw- > glieder und für den geschäftsführenden Ausschuß drei Mitglieder in Boisschlag gebracht) diese einstimmig angenommenen Vorschläge werden dem Zentralkomite unmittelbar zur Bestätigung DM- •-.* gelegt werden. Herr Dr. Nathan gab einen z Bericht über den Stand des Hilfswerks für hse H Opfer der Judenverfolgungen in Rumäniens und Marokko. Weitere Mittel für diese Zwecke wurden für eventuelle Erfordernisse bereit-H gestellt. Die Hilfsaktion für die russischenM Juden erfordert nach wie vor dauernd erhebliche H Aufwendungen. In dieser Sitzung wurde me Subvention für die Auswandererherberge s» H Königsberg i. Pr., die unter Verwaltung des^ dorttgen Schutzkomites des Hilfsvereins steht, a erhöht; die Subventionen für das HilfskomltL für jüdische Auswanderer in Basel und für dett^ jüdischen Volksverein in Berlin, die fich beide die Fürsorge für Auswanderer angelegen fei» lassen, wurden erneuert/ dem jüdischen Volks- } verein wurde außerdem ein einmaliger Beitrag von 200 Mk. gewährt. Die jüdische Studentenkaffe Esrath Achim in Zürich, die besonders infolge der noch immer tieftraurigen Wirtschaftlichen Lage des Zarenreiches ourch russische . Studenten sehr stark in Anspruch geriomnttjr wird, erhielt wie im Vorjahre 300 Frcs. Für ', Galizien, woselbst der Hilfsverein der deutschest- Juden in engster Verbindung mit der besre»^ deten Großloge für Deutschland und in Cooperation mit dem Wiener Hllfsverein für die uÄleidende jüdische Bevölkerung vorgeht, wurdest Bewilligungen vollzogen, u. a. wurden ftzr Schüler der Lehranstalt des Herrn Rabbmchc,, Dr. Jung in Ungarisch-Brod (Galizier rmd^ Russen) 600 Kronen Stipendien gewährt.^ Es wurden ferner dem jüdischen Zweig-- komits für die internationale Bekämpfung? des Mädchenhandels zur weiteren Verfolgung - seiner Zwecke durch Begründung von spezielle» KomitLs in Galizien, die dem MädchM- Handel im Lande selbst energisch entgege sollen, ein Betrag von 800 Mk. zur gestellt. Ein großer Teil der Tagesordnung, die auf Bewilligungen für Lehranstalten und andjü^H Institute im Orient, insbesondere in P alästina bezieht, würde zurückgestellt bis zur Rückkehr defl^ Herrn Dr. Nathan von einer Reise, die er nach dem Orient, Bulgarien, der europäischen Türkei,; Kleinasien, Syrien, Palästina zum Studium der wirtschaftlichen Verhältnisse dieser Länder mch , der Lage der dortigen Juden und ihrer Aussichten für die Zukunft unternimmt. Berlin, 2. Septbr. Wie dem Deutschw^ Bureau.der Alliance Israelite Universelle a»W Bukarest mitgeteilt wird, hat die a m e r i k a nischez E inwanderungskommissionihre Studien ist » in Rumänien beendet. Die Kommission ist vom Kongreß der Ber. Staaten beauftragt, sich üach Europa zu begeben und die Ursachen der Au Wanderung zu erforschen. Sie besteht aus IW Deputierten, von denen jeder einen DolmetstD

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