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Der Israelit · 1907-09-12 · Heft 37 (12.9.1907) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 37 (12.9.1907)
Date
1907-09-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Wgenormnen Hai, 8et Äird Mht Mf die eigene menschliche Kraft vertrauen, " -sondern auf die göttliche Hilft. Die Thora ^schwächt" die Kraft des Menschen, bedeutet also: Sie macht demütig, und das gereicht dem Menschen zu Heil. £ . 4Z. Die Jungen und die Alten. Im Talmud heißt es: „Achtzehn Flüche ver- Wndete der Prophet Jesaja (Kap. 3) über Israel 7.- und beruhigte sich nicht eher, als bis er zu dem Satze kam (Jes. 3.3): „Es wird andrängen das äfe, SSoll, Mann gegen Mann, der eine gegen den £ andern. Es wird sich erftechen der Junge gegen den Alten, der Niedere gegen den Hohen." t (Chagiga 14a) Der Gedanke, der diesem talmus bischen Worte zu Grunde liegt, ist ein tiefer, aus lebendiger Erfahrung geschöpfter: Den Kulmi 8? nationspunkt des Bösen bildet das Schwinden ^jeglicher Autorität. Es liegt im Wesen des > Kampfes der „Jungen" gegen die ,Mten", daß p dabei auf einer immer abschüssigeren Bahn vorwärts geht. Die „Jungen", welche Autoritätsleugner sind, werden allmählich selber „Alte" und -verlieren die Autorität, die sie für sich und jf. ihre neuen Prinzipien in Anspruch nehmen, im ^Kampfe ,gegen Jüngere und Jüngste, die statt b’f Neuer Prinzipien neuere und neueste aufstellen. Die Konsequenz der Leugnung des Autoritätsist am letzten Ende völlige Willkür und archie. Man kommt schließlich an einen Punkt, an dem es nicht mehr vorwärts geht. Man kommt beim Nichts an. Da muß die Selbstbepnnung eintreten, die Erkenntnis, daß man zu weit gegangen ist und nun zurück muß. Der f höchste Kulminationspunkt des Bösen ist daher V zugleich der Wendepunkt zum Guten. Darum £ «beruhigte sich Jesaja nicht eher", d. h. er erkannte, daß nicht früher eine Beflerung eintreten } Wnnte, als bis das Böse aus die höchste Spitze getrieben sein würde. Dann werde die Umkehr erfolgen.; (Wird fortgesetzt.) F pic $Mtkob. Ein Mahnwort für Stadt und, Land. - Der Schofar ist verklungen, verrauscht der 'Andacht ernste Weihe, wenn wir froh die Palme '' schwingen, die als der sittlichen Arbeit nie welkenden Preis Rosch Haschonoh und Jom Kippur scheidend uns reichen. Der Wahrheit Lohn ist - die Freude und Festesjubel ist die Ernte der Fasten-Demut. Möchten sie es doch nur begreifen, sie alle, die am Rosch Haschonoh das . Judentum im Sterbegewand erblickt," daß sie da Nur bei der Beerdigung einer sündigen Berf genheit gestanden. Sie lausen davon und n nicht, wie diese Vergangenheit nun erst verjüngt und wie aus oer Asche des Alten . . oer -Pbb"ix des jugendlich Schönen und Frischen >■ sich erhebt. So aber werfen sie das Judentum £» allen andern fremden Begriffen von Religion und Religionen. Tod- und Siechtum ist deren ■- Zei chen, Schwäche und Vergänglichkeit deren Triumph. Könntedas auch das Wesen des Mdischen Volkes, dieses ewigen Volkes unter den . Völkern, das« Wesen der tausend und abertausend- " ährigen Religion des Volkes der Religion sein? Wfis wäre das anders als Winter ohne Früh- ÜNgshoffen, als Schnee ohne seine schützenoe Kraft für den anmutvollen Teppich, mit dem die erwachende Natur sich munter kleidet, wenn der - erfft warme Hauch sie von neuem küßt. Gliche 6ö‘; nicht dem Abend schatten ohne die Lebens- Hoffnung aufstrahlender Morgensonne, einem dumpfen Grabgesang ohne die Zukunftsmelodie dpr Wiederaufstehung? So wahr wie Israels Thg mit dem Abend beginnt, sein menschlich bürgerliches Jahr mit Herbst und Winter ein- ' fttzt, so wahr ist Anfang und längst nicht Ende einer beglückenden reichen Gedankenkette die Idee von Rosch Haschonoh . und Jom Kippur, über begonnene Gedanke des Judenlollt Ihr ihn nicht zu Ende hören? waltet über Keiner ist stark Im Gedanken all :inen findet der :t Ihr nur Ms Sonnenuntergangs erleben, wollt Ihr den Aufgang, prächtig schön,, nicht schauen? Eures Volkes Jammer und Elend, der Menschheit Zusammenbruch im Taumel ihrer Sünde in eurem eigenen Busen empfinden und erfahren und an Hoffnung und Freude und Schöne und Macht in einigem allliebenden Zusammenschluß, verzweifeln? Welch tragisches Geschick der Welt wäre das! Hätten wir doch zu beweinen all die Kraftvergeudung! Alles Streben umsonst, kein Siegen der Wahrheit, keine Stätte für Menschlichkeit hinieden bei den Menschen — die Welt verödet und verlassen — was wäre der Menschheit unabweisbares Los? Nein, nein so ist es nicht — das beweist unseres Volkes Ringen und Dasein, das beweist der Menschlichkeit durchbrechendes Zeugnis, das bewÄst für die Geschichte der Gott der Natur, das beweist nach Rosch Haschonoh und Jom Kippur die Sukkoh. Reich und Arm haben da dieselbe Hütte, die Stärke und die Schwäche sind in ihr vereint und schützend und gebietend beiden nur eine Macht, und niemand ist schwach den unsichtbaren 1 Kampf auf Erden seinen Ausgleich, ist der Schöpfer und Herr, der am Sinai Sein Wort Seinem Volft offenbarte und Sein von der Menschheit vergessenes Wort Seinem erstgeborenen Sohn, Israel, von Neuem verkündet, der die Welt beherrscht und dessen Geist über den Wassern des fluktuierenden Lebens schwebt. Das Bewußtsein von ihnl kann allein das Geheimnis sein, das allen bekannt, von wenigen gewollt, der Welt Heilung zu bringen vermag von ihren Gebrechen und Schwächen. Das Leben muß dem Schöpfer huldigen, dann herrscht Licht und Freude in den weiten Hallen des Anbetungstempels des Weltengottes auf Erden. Des zum Zeichen wurde am Sukkoth Wasser auf dem Altar ausgegossen, des zum Zeichen wurde am Sukkoth ein Opfer gebracht, das für die gesamte Menschheit gelten sollte Und mit Jubel und Freude, mit Musik und Tanz in den Vorhöfen des Tempels wurde ein Fest begangen, in dem Israel voraus im Kleinen ein Empfinden pflegen sollte, das im großen Maßstab, in weitester Verallgemeinerung das Glück der Menschheit bedeutet. Es sollte eine Freude im Voraus kosten, um an seiner Stelle das Ziel zu erstreben, das der Allmenschheit gesetzt ist, mitzuarbeiten am Bau der Welt, mitzuhelfen an der Zeiten Erlösung. Soll doch nach dem prophetischen Wort am Sukkothfest die Allmenschheit in einem mächttgen Chor einstimmen in Israels verkündenden Ruf: „Gott ist einzig und Sein Name ist einzig." So herrlich schön ist das freudige Empfinden des Judentums, so unvergleichlich groß stellt es sich dar als Priestervolk am Gottesaltar der Welt, so reich an. edeln Erziehungsmitteln zeigt es sich, um in der Jugend Herzen die allumfassendsten Gedanken zu -pflanzen für das Wohl des Völkervereins. Freude und H offn un g sind die Symbole, Belebung und Mut und Gemeinsinn sind die Erfolge solchen Strebens.-Wer wollte es wagen, ohne empfindlichsten Schaden für die jüdssche Wahrheit, das weltbürgerliche Streben der jüdischen Söhne und Töchter die dafür geltenden Gesetze zu mißachten? Wer wollte es wagen, seinen Kindern die Sukkoh vorzuenthalten? Leider, leider wird das Gesetz der Sukkoh auf dem Lande und in den Städten immer weniger beachtet. Bald ist die Wohnung schuld und bald sind es andere Ungelegenheiten: Der Jugend aber geht bei alledem ein Stück Judentum verloren und gerade ein solches, das ihrem modernen Empfinden am nächsten stünde, das sie gerade heute tiefer als je begriffen, heute, da - die wichttgsten Fragen des Vülkerfriedens und der ethischen Kultur zum Gemeingut aller Bevölkerungsschichten geworden. Wie anregend und erhebend müßte auf ihre Herzen gerade das Judentum wirken, das mit Freude und Jubel seine Religion, seine höchsten Lebensgedanken begleitet und das in frohem Genießen- Wettflucht des LÄenS'Rätfek'löft«) ihr ein Geschlecht erziehen, das den Vätern gleich der Welt voraufwandelt in edelster Betätigung, im Vertrauen auf die göttliche Fürsorge, die Gott als Herr des Krieges, als Versorger der Hungernden, als Annehmer der Schwachen, Besieger der Machtstolzen preist, der Wasser aus dem Kiesel und Brot aus des Himmelshöhen spendet, dann befolget das Gebot: „In Hütten wohnet, denn in Hütten habe ich wohnen lassen eure Väter, da ich sie aus Aegypten hinausführte." _ W. hethltcr und luden. Von Ahron Marcus in Krakau. Die Sensationsmache, für die die Judenfrage eines der dankbarsten Objekte bildet, hat neuerdings eine Hypothese aufflattern lassen, wonach Juden und Armenier gemeinsame Nachkommen der Hethiter seien. Herr Dr. E. Auerbach-Berlin hat in einer sehr gründlichen Abhandlung: „Die jüdische Raffenfrage" die vollständige Grundlosigkeit dieser hauptsächlich von Prof. Luschan verfochtenen Ansicht bis in die kleinsten Details nachgewiefen. Da fällt mir nun eine Zeitungsnotiz in die Hände, daß ein Dr. L. Softr gegenüber den „die Verwandtschaft hartnäckig leugnenden Armeniern" dieselbe endgilttg feftgelegt hat durch bei beiden Völkern gleiche Erscheinungen: Verfolgungen, Auswanderungen, und durch Beiträge eines Dr., Aptowitzer, der zwischen den altarmenischen Rechtscodices und dem Talmud eine Reihe von Analogien nachweist, die zum Teil auf direkte Entlehnung zurückgehen. Der Zusammenhang beider Völker ist trotz der Religions- und Sprachverschiedenheit, so schließt die Notiz, nicht mehr abzuleugnen. Ich glaubte den Simplizissimus in der Hand zu haben, der sich um einer Neckerei willen, auch einmal einen schlechten Witz erlaubt hätte. Aber es war eines der führenden Journale für ernste Volksaufklärang, dessen Papier ich keine derartige Geduld für offenbarenBeziehungswahn zugetraut hätte. Nun, auch für solche psychische Abnormitäten, wie sie bei den zwei jüdischen Autoren zu Tage treten, muß man einen Schlüssel herzustellen suchen. Die beiden Herren stammen aus dem Osten, wo die Todfeinde der Juden, die Armenier, noch in der Blütezeit von Byzanz zusammen mit den Karaiten von Halicz und Lemberg ihre Handelsniederlassungen gegründet und teilweise erhalten haben. Die jüdische Volkssage nennt die Armenier „Timcheh" nach dem Bibelverse „Timcheh es secher Amalek“, und hält sie für Nachkommen der Amalekiter, ohne jede wissenschaftliche Begründung außer dem besonderen Haffe dieser ättesten astatischen Christen gegen die Juden. Eine Broschüre des berühmten Philosemiten Graf Lader Branitzki mit dem Titel: brama pokuty, Ueberfttzuna her Gelicha Schaare Teschuba Über die Katastrophe des Jahres 1648 (Chmelnickis Blutbad), befaßt sich mit dem Einschläge jüdischen Blutes im polnischen Hochadel, welcher sich nach hem bekannten Gesetze des Atavismus in der zehnten ober zwanzigsten Generation durch auffallend jüdische Typen äußert. Um ihre Abstammung zu verleugnen, berufen diese Kreise sich dann auf die Armenier. Branitzki weist die Unwahrheit dieser Behauptung nach, da der Armenier wohl die allen Orientalen gemeinsamen Merkmale aufweist, aber von dem spezifisch jüdischen Typus ebenso scharf sich ahscheihet wie der Türke oder Perser. Jedenfalls stammt der neue Wahn aus jenen Kreisen. Allerdings sollte man glauben, daß im Zeitalter der exakten Wissenschaften niemand es wagen werde mit derartigen „Beweisen" aufzutreten. Das größte Kuriosum an der Sache ist, daß seit Jahrtausenden bis zu den neuesten archäologischen Entdeckungen die Bibel die einzige Quelle war, in welcher der Hethiter und ihrer Reiche überhaupt Erwähnung geschieht, daß die hethitischen Felsinschriften zwischen Eüfrat und Orontes aller Entzifferungsversuche spotten, weil ihrer Sprache weder durch semitische

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