Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 37 (12.9.1907)
- Date
- 1907-09-12
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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WWWSWWWM L&*K£ Auf den goldenen (für die Verdampfung des Räucherwerks bestimmten) Altar. 4. Jede einzelne Hingabe ist unerläßlich (für die Giltigkeit der Opfer). 5. Die Blutreste wurden in den Grund auf der Westseite des äußeren Altars gegossen. 6. Eine Unterlassung dieser letzteren Vorschrift beeinträchtigt die Giltigkeit des Opfers nicht. Tag für Tag konstruiere ich mir aus diesen sechs Punkten eine ungehaltene Jom Kippur- Prehigt, Tag für Tag zieht sie andere Betrachtungen und Bilder in ihren schrankenlosen Gesichtsneis, aber an Jom Kippur selbst wäre die reiche Fülle anregender Momente, welche diese sechs Punkte bieten, hinreichend, um die sechs Gebetszeiten auszufüllen, die mit dem Mincho- Gebet am beginnen und mit dem NeÄa-Gebet am Ausgang des Jom Kippur schließen. Es sind wiederum nur Stimmungen, Betrachtungen und Abstraktionen. In den tiefen Gedankmschacht dieser Mischna zu steigen, ihre eigentlichen Gedanken zu ergründen oder gar zu ergämeu, kann ich mir nicht Zutrauen. Wenn ich beoenke, Laß Seder Kodofchim als derjenige Teil der Mschna charakterisiert wird, in dem. die ganze Weisheit unserer Weisen wie nirgends sonst zum Ausdruck kdmmt, — D'ttrtp "HD nt nvan — so muß ich alle meine Dreistigkeit zusammennehmen, um nn dem Gedankengefüge unserer großen Denker auch nur einige Randzeichnungen und Arabesken anzubringen. Die hier betonte Richtung nach Norden nötigt uns zunächst eine Charakterisierung der vier Himmelsrichtungen aufzusuchen. Sie findet sich in den nty^K 'n 'piS (zitiert im Midrasch Jalkut zu Jeremia 263) und lautet für den Norden: TBtfV D IQVW HDJ tfr\ |WSC1 n30 Ml n»i3 i"nn mrorw narn n:on HV31 mht d*wi nwni ppnv bv pno «in nwi min ^y poy •nynn nnvn poso 'tew pmY» öwdi „Die Richtung der Nordseite hat Gott geschaffen,. ohne sie fertig zu stellen. — Er hat damit gesagt, wer je einmal sprechen wird: Ich. bin Gott, der möge nur kommen und diese Seite fettig stellen, die ich unvollendet gelassen habe. Das ist, was bei Hiob geschrieben steht: Den Norden hat er über die Oede gespannt. Dort ist die Wohnstätte der schädlichen Einflüsse, der Geister und Dämonen, von dort steigen sie in die Welt hinab, denn es ist gesagt: Bon Norden wird das Böse ausgehen (Jeremia I, 14)." Ist es nicht merkwürdig, daß dieser unausgebaute Norden aus seiner unheimlichen Welt voll Schädlichem und Dämonischem für den Wagmut und Entdeckungseifer unserer Norpolfahrer einen ganz MMderen Reiz zu haben scheint, daß aber alle menschliche Wißbegierde bislang an der Schranke gescheitert ist, welche hier menschliche Ohnmacht von der göttlichen Allmacht scheidet? Nach dieser Seite, nach welcher die Menschheit ihre ganze Kraft einsetzt, um sie zu bewältigen, nach dieser Seite hin geben der jüdssche Priester und das jüdische Volk in ihrer symbolischen Opferhandlung am Jom Kippur ihr ganzes Selbstsein und ihren Eigenwillen — durch nvm w — auf und wenden sie — durch onn*n?3p — dem Bereiche des Heiligtums zu. Sie setzen ihre ganze Lebenskraft für die Trägerschast der Thora — aman pa Hy mm — für ihren Schutz — nnson hy mm — und für das vollerwete Hingaben und Aufgehen in Gott ein anin tqtd by nnn, und wenn keine der vorgeschriebenen Hingebungen fehlt, so winkt als Preis für dieses vollendete Eingehen in Gott und die Richtung feines Heiligtums, moD/nrrbD und ninv die Ueberwindung des Bösen, an dem die andern machtlos verbluten! Welche Fülle von Weisheit, welcher Reichtum an Lehren und Winken das Böse siegreich zu überwinden liegt doch in diesen wenigen aus dem §usammenhang gegriffenen Opferhandlungen des om Kippur, Sie Mts Unser tägliches Gebet nun mit jedem Morgen nahe legt, bevor wir den Kampf mit dem Leben, seinen ppro und mya nmn beginnen! Was haben sie uns erst am Jom Kippur selber nahezulegen! Was mochten sie erst denjenigen sagen, die das Glück hatten, diese Handlungen mit dem Auge zu sehen, deren Bedeutung wir heute durch Versenken in jene Zeit nur so dürftig zu rekonstruieren vermögen, daß sie den Charakter von bloßen Sttmmungen angenommen haben! - nbx bo nmn py nw» ddo« nn»D »oi nnntso 'xhbumn •□'•DtSQtf kHÄtte>Mgeli und (kdanken. Ein liiattcber ZchiiirMM» Bon Rabbiner vr. Kaatz in Zabrze. (Fortsetzung.) 32. Die Kurröftfiaffer- Welches war die Sünde der Kunschafter? (4. B. M. 13.) Ihre Schuld lag in der Verkennung ihrer Aufgabe. Die Aufgabe, die sie zu vollbringen hatten, bestand nicht darin, zu erforschen, ob man das heilige Land erobern sollte, sondern w i e man es erobern sollte. War es doch keine Frage, daß man das von Gott verheißene Land in Besitz nehmen mußte. Bielmehr war das einzig und allein die Frage, welche die Kundschafter zu beantworten hatten, auf welche Weise man das von Gott verheißene Land am besten einnehmen könnte. Die Kundschafter halten diese ihre alleinige Ausgabe verkannt, sündigten dadurch selbst und verleiteten das Volk zur Sünde. In gleicher Weise kann es für uns keine Frage sein, o b wir die Lehren und Gebote des Judentums zu halten haben, sondern nur das ist die Frage, die wir zu lösen haben, wie wir unserer Aufgabe, die Lehren und Gebote des Judentums zu halten, am sichersten gerecht werden. * * -r- 33- Die ftrfreit Es heißt in der Schrift: „Und Gott nahm den Menschen und setzte ihn in den Gatten Eden, ihn zu bearbeiten und zu bewachen." (1. B. M. 2. 15). Dieser Satz enthält eine Wiederholung dessen, was schon vorher berichtet worden war, daß nämlich Gott den Menschen in den Garten Eden gesetzt habe. Wozu die Wiederholung? Sie ist notwendig wegen der Hervorhebung, daß die Aufgabe des Menschen im Garten Eden oarin bestand,' „ihn. zu bearbeiten und zu bewachen." Diese Worte bilden die Einleitung und die Voraussetzung des im nächsten Verse folgenden Gebotes: „Bon allen Bäumen des Gartens darfst du essen, doch vom Baume der Erkenntnis des Guten und Bösen darfst du nicht essen." (B. 16. 17) Ehe Gott dem Menschen ein sittliches Gebot gibt, gibt er ihm eine Aufgabe, die seine Zeit ausfüllen soll. Ein Leben ohne Arbeit verfällt dem Laster. Arbeit ist ein Schutz vor deM Bösen. * * * 34. Der frieden. Unsere Hauptgebete schließen mit der Bitte ntPiy, daß Gott, der Friedensstifter in den den Höhen, Frieden schaffe bei „uns und ganz Israel". Man achte auf die Reihenfolge. Das „uns" ist dem „ganz Israel" vorangestellt. Der wahrhaft Fttedferttge wird zur Erlangung des Friedens bei sich anfangen und dann erst um den Frieden der anderen besorgt sein. Ser du selber friedferttg und „ganz Israel" wird friedferttg sein. ' „Laßt uns besser werden, gleich wird's besser sein." * * * 35 Die Einheit des Judentums. In Erläuterung des Satzes 5. B. M. 17.11: „Gemäß der Lehre, die sie dich lehren, und dem Rechte, das sie dir sprechen, sollst du handeln mittelbar an dem Gelbe und unmittelbar an Manfred Sulzer. Jch schätze den Berstoröenen auf noch nicht sechzig Jahre, und wenn er während derselben jeden Tag gut giessen und getrunken, gute Geschäfte gemacht und viele Skatpartien gewonnen^ mit diesem Plunder aber, mit dem er seine sechzig Iah« ausfüllte, die Ewigkeit verlorm hat, wie ein unsäglich armer, verlöre er Mensch ist er d«m in diesem Augenblick! Und wie find wir so reich, tnfirlge unserer Armut, unserer Entbehrung, die wir 60 und 70 und so viele Jahre tragen, als es Gott gefällt, dann aber, auf Grund unseres an glücklich bestandenen Prüfungen so «ichen irdischen Lebens, Hoffnung auf die Ewigkeit haben!" „Glaubst Du nicht," fragte JoSl, „daß der Verstorbene einen Anteil am Leben der anderen Welt hat?" (Fortsetzung folgt.) Seodsümmgen «. Settschttrsen auf einer ttlelfretw. Bon vr. «. «. (Fortsetzung.) Unsäglich sind die Mühen des armen Wanderers, der einen Krmelritt durch die Wüste machen muß, oder der gar, wie es bei mir der Fall gewesen, dazu verurteilt ist, durch wilde Gegenden zu Fuß mit Trägerkarawanen dahinzuziehen. Um nicht zu sehr persönlich zu werden, unterlasse ich es, von den vielfachen Gefahren zu sprechen, denen ich mit meiner Truppe ausgesetzt war und aus denen Gottes Güte uns befreite. •—■ Je trauriger jedoch die Reise ist. um so größer ist die Freude, wenn der müde Wanderer eme freundliche Oase gefunden, wo ihm Erquickung wird Und Ruhe von den Strapazen der zurückgelegten Reise. In gewissem Sinne find auch unsere Feste solche Oasen. Das map Fest, das ich in der Wüste gefeiert, bedeutete für mich Vergessen aller Strapazen, war mir Stärkung und Ermutigung. Zum Glück werden Wüstenreisen für den europäischen Reisenden immer seltener, denn die meisten bedeutenden Plätze der Erde liegen ja schon im Eisenbahnnetz. Anstatt 20—25 Kilometer pro Tag legen wir 35—45 Kilometer pro Stunde zurück und auch in finsterer Nacht fahren wir durch die Einöden der Wildnis und haben nichts mehr zu schaffen mit Dornen gestrüpp und Brennesseln, Raubwild, Schlangen und giftigen Insekten. Wir machen es uns im traiu äs luxs bequem, haben elektrisches Licht, Speise- und Schlafwagen, und während wir durch die heißesten Teile der Erde fahren, nehmen wir vielleicht im Badesalon eine Touche. — Draußen »uf der Meereswüste schwimmen mit großer Geschwindigkeit gewaltige Dampfer, die die Verbindung zwischen Kontinent und Kontinent Herstellen. Solch ein Ozeanriese seicht einer kleinen Stadt. Man ahnt kaum, wie viel Wünschen und Fürchten, Glück und Leiden diese schwimmende Stadt in sich birgt und von Land zu Land trägt. — „Sttller Ozean", — „la mer pacifique** nennt sich das größte der Meere, trotzdem zuweilen die furchtbarsten Stürme auf ihm wüten. Doch bei schönem Wetter scheint das Meer in der Tat in unendlicher Ruhe und man möchte vermuten, daß diese Ruhe sich gar den Bewohnern der auf dem Meeresrücken schwimmenden Stadl mitteilen würde. Mt Nichten! Auch oas MM: mit seinem erhabenen Schweigen gewährt nicht Ruhe dem Nkheköftzn, der einer vielleicht bangen ZuWM entgegettfiihrt. Dvtz Vdntze, zage Menschenherz, das den Ftteden nicht in sich trägt, wird ihn nimmer finden, auch über Land und Meere nicht. „Erkenne Dich selbst!" Suche, den Frieden in Dir! Wenn Du ihn gefunden, wirst Du ruhig sein, selbst wenn des Meeres Wogen noch so sehr Dein Lebensschifflein umtosen. Je leichter nun das Reisen gemacht wird, unr so oberflächlicher wird das Urteil über die durchreisten Länder sein. Wir dürfen nicht vergessen, das; die meisten Reifenden keineswegs ethnographische oder anthropologische Studien im Sinne haben, daß sie also naturgemäß auf ganz andere Dinge achten als auf die Gewohnheiten und Sitten der Völkerschaften, die sie kennen lernen. Wer auch der aufmerksame Beobachter derselben ist vielen Jrrtümern äusgesetzt denn er ist geneigt, nur das Auffallende festzuhalten und das Alltägliche entweder zu übersehen oder zu vergessen. Vielfach ähnelt das Urteil dein jenes Engländers, der in eine fremde Stadt gekommen, sich am Bahnhof vom bedienenden, klein«:, rothaarigen, etwas stotternden Kellner ein Glas Mer geben ließ und nun schon in sein Reisebuch schrieb: Die Leute dieser Stadt sind Kein, rothaarig und stoßen mit der Zunge an. In der Regel sieht man bei Bolksstämmen anfangs nur die schlechtesten Elemente, da es gerade diese sind, die sich dem Reisenden aufdrängen. Nur dann läßt sich ein Bolksstamm richtig beurteilen, wenn man in Berührung mit vielen Eingeborenen gekommen ist und diese innerhalb ihrer Stammesgenofsenschaft kennen gelernt hat. Ein Einblick in oic Lebensweise der orientalischen Völker läßt uns viele Stellen der Bibel in helletem Lichte erblicken, die uns ohne die lebendige Anschauung keine klare Vorstellung bieten. Wenn es bei Jesaja 89, 2 heißt: „Erweitere den Raum deines ZeMs und die Ur As