Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 36 (5.9.1907)
- Date
- 1907-09-05
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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-%€>pr, bis zur Todesstunde auf diese Rückkehr ^wartet uno sie selbst dann noch annimmt. '!noK Es bleibt wahr! o-ixt1 «in nn« '3 dis’ jni'i 2-11 1V2 on '3 ILPV iniO' o-i« isy*? 121V1?/•.. Ion2? fc'2' 1VL23 %•. ">3V2n Dins ' *7313 1£'X31 VT ",'XN3 n^a pyai-aiy tea nairi: nvoi nms pa«3i ^. .. ‘^ly diVhdi Daß Du als ihr Schöpfer % Auch kennst ihr Gebilde; Denn sie sind Fleisch und Blut.;; Der Mensch! Sein Urgrund ist von Staub V;.,". Und sein Ende führet zu Staub Und mit seiner Seele bringt er sein Brod. Vi Verglichen dem gebrochenen Scherben, V;v* Dertrounetem Gras uud welker Blüte, Dem dahinhuschenden Schatten und der vV schwindenden Wolke, : r Dem verwehten Hauch, Dem davonwirbelnden Stäubchen Und dem dahinflatternden Traum.!o'p,i 'kl ^« "jSö «in nn«i Aber Du bleibst! König! Allmächtiger! Lebender und Bestehender! 1'ni2^ naxp p« 1'v' "pi«S nxp p«i ' "}'-ii33 ni33-io nyt?1? r«i -)ößf oi^y ans1? p«i jb n«: ivV 'imb ntu nn«i ♦‘prD n«-ip laoan Keine Schranke Deinen Jahren Und kein Ende Deinen Tagen, Unermeßlich sind die Scharen, Welche Deine Ehre ttagen. Wer möcht' zu enthüllen wagen, Das Geheimnis Deines Namens, Deines Namens, der Dich lobpreist, Wie Du feierst Deinen Namen, > Der Du unferm Namen anweis't Einen Teil voy Deinem Namen. Daß Gott ihr Schöpfer ist, erscheint vielen Menschen als eine unbequeme Wahrheit, wegen der Konsequenzen, die sie hat. Denn sie hat die unerbittliche Folge, daß wir mit jedem Atemzug und jedem Pulsschlag, mit unserem Wollen und Denken, unserem Genießen und Versagen Ihm und ausschließlich Ihm gehören und seinem Willen unterstehen, dem sich kein Wesen ungeahndet widersetzt. Je mehr menschliche Gedankenlosigkeit und Leichtlebigkeit diesen Gedanken verschleiern und ignorieren möchte, desto lauter und feierlicher -schickt ihm unser Machsor sein: nv« voraus und proklamiert ihn damit als eine von jedem menschlichen Belieben vollkommen unabhängige Wahrheit. Aber hier wird aus diesem Gedanken nicht diese Pflicht der Hörigkeit, des Geschaffenen gegen seinen Schöpfer, nicht die absolute Verbindlichkeit des Schöpferwillens, sondern eine Erwägung gefolgert, welche dem ganzen Tenor unseres Pijut entsprechend diese Wahrheit in einem ganz anderen, milderen, von Gottes Liebeswalten verklärten Lichte erscheinen läßt. Weil Gott Schöpfer und Bildner der Menschen ist, deswegen kennt er auch ihre Leidenschaften, die Gebilde jeden Herzens, die menschlichen Ideen, Ideale und Idole. Kennen und verstehen heißt /aber, wie bereits früher bemerkt, bei Gott so gewiß in noch höherem Grade als bei Menschen verzeihen und vergeben, als Seine Einsichtdiemenschliche um Himmelsfernen überragt. Aus Fleisch und Blut gewoben, haftet der Mensch mit seinem Streben und Sinnen an der Scholle, der er entnommen ist und zu der er zurückkehrt. Tausende von Gewichten ziehen ihn die Tiefe und der göttliche Funke kämpft und ringt, um seine Höhe zu behaupten. Das ganze Leben mit seiner Fülle und seinen! Mangel, seinem Wohl und seinem Weh, die von Gott selber in den Lebensweg eines jeden Menschen gestreut sind, um daran seine sittliche Kraft zu üben und zu versuchen, das ganze Leben ist ein heißer Kampf, ein fortgesetztes Ringen zwischen dem Göttlichen und dem Tiere im Menschen. Niemand kennt die verhängnisvolle Macht des sündigen Reizes tiefer, als Gott, der ihn geschaffen, er weiß, wie schwer es dem schwachen am Staube haftenden Menschen fällt, ihn zu Überwindern Er. lohnt daher den Sieger in diesem Kampfe mit dem höchsten Glück, besten Menschen nur zu gewinnen fähig sind. Aber wenn die Wage schwankt, wenn die Erde siegt und das Himmlische zu unterliegen droht, so wartet er Jahre, Jahrzehnte, ein ganzes Menschenleben lang, wartet bis in die letzte Scheidestunde und nimmt selbst dann noch den in Trotz und Sünde Ergrauten auf, der diesem Ruf zur Rückkehr nicht das Ohr verschließt. Wie schrumpft vor dieser Liebesgröße des Vaters zu seinem Kinde, des Schöpfers zu seinem Geschöpfe, Gottes zum Menschen dieser in Wahrheit in sein schattenhaft, traumartig dahinhuschendes Nichts zusammen. Sein Anfang Erde, sein Ende Erde, sucht er mit dem in ihm glimmenden göttlichen Funken — Brot! Und wie erscheint im Vergleich zu diesem abhängiger), menschlichen, sterblichen, hinfälligen Schattendasein der Lenker unseres Geschickes als O'pl 'kl '« in seiner Majestät und Allmacht, die alles Leben spendet und erhält! Unter dem Fittich dieser schirmenden Gottesliebe findet der zerbrochene Scherben Schutz gegen die ihn in Atome zertretenden giganttschen Naturmächte, der vertrocknete Grashalm wird wieder belebt, die welke Blüte erhält ihren Glanz wieder, der vorbeiflatternde Schatten nimmt feste Form an, die zu schwindende drohende Wolke schwindet nicht, der verwehende Hauch, der davonwirbelnde Staub schwindet und wirbelt nicht davon, der verfliegende Traum verfliegt nicht, sondern wird Wirklichkeit. Alle trotz ihrer Winzigkeit und Vergänglichkeit zählen sie zu den zahllosen "piaa mamo Trägern der Gottesherrlichkeit, alle erheben sich aus der Erdentiefe wie die Himmelschöre in der Höhe, um Gott den Zoll ihrer Huldigung entgegen zu bringen — nttnnp. („Durch's Jahr". S. 218,219.) ♦ncnp piya "j'ttnnpö '3 Denn auf diejenigen, die sich zu Gottes Helligkeit preisend erheben, fällt ein verklärender Strahl dieses Heiligkeits- Ideals zurück. Daß es schwache, hinfällige, staubgeborene Wesen giebt, die sich zu dieser Gottesheiligkeit emporringen und ihre Herolde werden, das ist und bleibt der höchste Preis, der dem Allerheiligsten gezollt werden kann, trilp1? n«3 D'ttnnpD "!«£♦ Deshalb geht in diesen gehobenen Weihestunden der höchste Lebensvorsatz eines ganzen Volkes in die eine Sehnsucht auf '331 "JDtP EHpn', daß alle und alles sich vereinige zu diesem Kiddusch Haschern, zu einer solchen Heiligung Gottes auf Erden. Daß dieses heiße Sehnen gestillt, daß dieser Lebenswunsch eines ganzen Volkes befriedigt werden kann und daher auch verwirklicht werden wird, dafür bürgt uns Gott selber, der seinen Namen mit dem unsrigen vermählt und uns damit mit einem Funken seiner Reinheit und Heiligkeit, seiner unüberwindlichen, siegesgewiffen Kraft und Festigkeit begnadet hat, der alles überwindet, was den Flügelschlag der zu Ihm emporstrebenden Seele lähmen und sie in die Tiefe ziehen möchte. Das ist der Gedankettflug eines Gebetes, dessen Schwingen eine reine Märtyrerseele aus dem Leid dieser Zeitlichkeit in die lichte Ewigkeit trugen und das seid einem Jahrtausend die ganze jüdische Diaspora an der Pforte jedes neuen Jahres dem heiligen Dulder nachbetet, um sich zu dem gleichen Adel der Gesinnung und derselben Höhe der Anschauung zu begeistern. und Ecrchrichten. orrespondenzen geutfdj&e MeiUs. Berlin, 2. September. Auf Grund der Nachrichten, die der Hilfsverein der Deutschen Juden aus Casablanca erhalten hat, beschloß der geschäftsführende Ausschuß 5000 Fr. zunächst für Unterstützungszwecke den dortigen notleidenden Glaubensgenossen zur Verfügung zu stellen. Die nötigen Verbindungen für eine zweckmäßige und zuverlässige Verteilung der Gelder sind hergestellt. — Die Alliance Israelite Universelle hat, wie uns deren Deutsches Bureau mitteilt, ihrem Vertreter in Casablanca eine weitere Summe von 15000 Francs für die notleidenden Israeliten in dieser Stadt überwiesen. Berlin, 2. September. Das „Deutsche Bureau der Alliance Israelite Universelle ersucht uns um die Veröffentlichung folgenden Aufrufs: „Das Elend unserer marokkanischen Glaubensbrüder, zu jeder Zeit groß, hat sich durch die jüngsten Ereignisse noch unermeßlich gesteigert. Die Gemeinde von Casablanca, die vor kurzem 6000 Seelen zählte, ist durch Gewalttaten von Mauren und Kabvlen dezimiert und unter namenlosen Greueln um all ihr Hab und Gut gebracht worden. Die Alliance Israelite Universelle hat unverzüglich an die Stätte der Verwüstung Hilfe geschickt, hat die Bedrängten mit Nahrung und Unterkunft versehen. Doch der Bedarf übersteigt die bereiten Mitteln, und leider ist zu befürchten, daß die Zahl der Bedürftigen sich noch mehren wird. Die Alliance Israelite Universelle, die seit einem halben Jahrhundert die Fürsorge für unsere bedrückten Glaubensgenossen sich zur tagtäglich geübten Pflicht gemacht hat, an die sie nicht durch Katastrophen erinnert zu werden braucht, wendet sich in der Not des Augenblicks an Sie mit der Bitte, anläßlich der bevorstehenden Feiertage der heimgesuchten Brüder in Marokko zu gedenken. Nehmen Sie freundlichst auch von Freunden und Bekannten Gaben entgegen und führen Sie sie uns zu. Das Deutsche Bureau der Alliance Israelite Universelle (Berlin N 24, Oranienburger Straße 42/43) vermittelt die Ueberleitung der Spenden nach Marokko. Die Alliance Israelite Universelle hat das Hilsswerk von alters her organrsiert. Ihre Vertrauensmänner und Sendboten sind landeskundig und bei den Behörden legitimiert; sie verstehen die Unterstützung an die rechte Stelle zu leiten und für die rechte Verwendung zu sorgen." Wir sind gerne bereit, Spenden entgegenzunehmen und weiterzuleiten. Marburg, 30. August. Die „Vereinigung jüdischer Akademiker" zu Marburg a. d.. Lahn im „Bund jüdischer Akademiker" kann mit Genugtuung auf ihr erstes Semester zurückblicken. Sie hat den Nachweis ihrer Lebensfähigkeit geführt, und alle Anzeichen deuten auf eine gedeihliche Weiterentwicklung. Die gesetzestreue akademische Jugend beweist in der V. I. A., daß die Orthodoxie auch bei uns im Westen und zwar gerade in der Jugend einen starken Fond hat und läßt die Zukunft hoffnungsvoll erscheinen. Zunächst suchte die Vereinigung durch Schiurim das posittve jüdische Wissen zu mehren. Die Schiurim erfreuten sich eines regelmäßigen und guten Besuches, auch durch Nichtmitglieder. Daneben wurden auch in Vorträgen über Fragen aus der modernen Wissenschaft und ihre Beziehungen zum Judentum aktuelle Probleme berührt und Aufklärung darüber zu schaffen gesucht, um die jüdische Wettanschauung der Einzelnen zu kräftigen und sie für die äußeren und inneren Kämpfe des Lebens zu rüsten. Es wurden folgende Vorträge gehalten: „Judentum und Sozialpolitik," von cand. jur. Edmund Meyer- Gelfenkirchen- „Inhalt, Bedeutung und Zu-