Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 35 (29.8.1907)
- Date
- 1907-08-29
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2449244-2449280--63754-2506316- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
R». 35. 29. Slnanst 1907 Der Israelit. Sette 7e$tgruB an die neue Synagoge. Ich grüße Dich, Du stolzer Bau, Der neu sich dort erhebet; Grüß jede Seele, die in Dir Für unsre Tauroh lebet. Zwar schleicht sich Wehmut leis ins Herz, Da sich Dein Tor verriegelt, Du altes, Heim, wo Meistergeist Hat Tauroh einst entsiegelt. Doch weiß ich, lebt' der Meister noch — Wie würd' ihm Dank entquillen, Daß prangend die Gemeinschaft wuchs, Die schuf sein Geist und Willen. Die aus dem Nichts entstand durch ihn, Der erst ihr gab das Leben, Und dessen Geist durchglühte sie Mit seinem Adlerstreben. Bor sich sein lichtes Ideal, Könnt hier er wirken, schaffen, Nicht irrte ihn der Spötter Hohn, Der Hochmut leerer Lassen. Und bald — da wandelt Spott und Hohn Sich in ein staunend Schweigen, Und vor der Wahrheit Hoheit muß Sich Feind und Haffer neigen. Als ir woem bejisroel, Als Muster jüd'scher Kreise, Bricht der „Kehiüoh" Glanz die Bahn Der alten jüd'schen Weise. Und wenn auch heim der Meister ging, Er lebt und atmet weiter bin der Gemeinde Herzen fort, .In ihrem Führer und Stteiter. — Und nun, gemehrt von Jahr zu Jahr, Ward ihr der Raum zu enge, Und heut' durchbrausen das neue Haus Des Jubels und Dankes Klänge. Was MensÄenkunst und -Hand vermag Und reiche Liebesgaben — Wie ragst Du himmelweisend, Bau, Den sie errichtet haben. Nun stehen alle dan erfüllt Im strahlenden Gebäude Und beugen demutsvoll das Haupt, Bewegt vor Gott in Freude. So mög des Himmels Segen reich - Mit uns hinüberziehen Und alle dunkle Schatten Dich, Du heil'ge Stätte, fliehen. Und jede Andacht, die sich hier, Herr, im Gebet entzündet — Leih gnädig, Herr, dem Wort Dein Ohr, Das Deinen Namen kündet.! l Die hier in Originalgröße dargestellte Plakette wurde nach e inem Entwürfe des Herrn M. S ch n e r b von dem Medailleur Reinhold Heun angeferttgt. Sie zeigt den Neubau in einem Rahmen, welcher der Nische des Oraun hakaudesch der alten Synagoge nachgebildet ist, und bildet so gleichzeittg eine finnige Erinnerung an das alte Gotteshaus. Die Plakette ist" von^Herrn Leo Hamburger,^hier,"zu beziehen. .. * - U Postkarten mitlAnfichten der neuen Synagoge wurden von den Firmen Grödel, A. u. M. Loewenthal u. Gebr. Roos angeßflchtgt. vermischtes. Bad Kifsingea, 27. Aug. Auf das Gesuch des hifigen Distrittsrabbiners an das General-Kommando Würzburg um Befteiung der Reservisten an den kommende:, isr. Feiertagen erfolgte nachstehende Antwort: „Im Verfolge Ihres an das K. General-Kommando gerichteten Schreibens vom 12. d. Mts. Nr. 276 wurde angeordnet, baß die vom 7. bis 20. September nach dem Truppen-Uebungsplatz Hammelburg einberufenen israelitischen Mannschaften des Beurlaubtenstandes so wi it vom Dienste zu befreien find, daß sie am 9., 10. und 18. September in Hammelburg ihren religiösen Verpflichtungen Nachkommen können." Altona, 25. August. Der Adventist Musketter Müggemann von der 2. Kompagnie des Infanterie- Regiments Graf Bose in Altona, der im Herbst 1906 Soldat wurde, hat bis jetzt seine Dienstzeit fast unausgesetzt in der Untersuchungshaft oder in Strafhaft zugebracht. Müggemann gehört zu der Sekte der Adventtsten, die den 7. Tag heiligen und als solchen die Zeit vom Freitag Abend bis Samstag Abend betrachten. M. ist weder durch Güte noch durch Strenge dahin zu bringen, während des 7. Tages zu arbeiten oder Dienst zu tun, und seine einzige Antwort auf alle Vorstellungen lautet: Es steht in der Bibel, daß ich Gott mehr gehorchen soll, als den Menschen. Schon dreimal ist M. wegen milt tärischer Gehorsamsverweigerung zu immer schwerere Gefängnisstr fen verurteilt worden. Seine letzte Verurteilung fand im Frühjahr statt. Aber auch während der Verbüßung der Strafe in der Festung Spandau hat M. den Gehorsam verweigert, sobald man von ihm am Freitag Abend oder Samstag Arbeiten verlangte. Im übrigen ist M. ein ruhiger urw gehorsamer Mensch. Für den tm Gefängnis bewiesenen fortgesetzten Ungehorsam ist M. nun, wie seinem Regiments mttgeteilt wurde, zu weiteren 7 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Eschwege, 23 Aug. Der am vorigen Montag in Höringhausen zu Grabe getragene Herr Lazarus hat l cm hiesigen israelitischen Waisenhaus 20 000 Mk. letztwillig vermacht. Brünn, 22. August. Elkan Steiner, der voriges Jahr in Wien gestorben ist, hat die Israelitische Kultusgemeinde Eibenschirz lMähren) zur Haupterbin seines mehr als eine Million Kronen betragenden Vermögens einaesetzr. Petersburg. 18. August. Der russische Kriegsminister hat dem Zaren vier Adreffen von Wolost- und Dorfversammlungen Donscher Kosaken auS Anlaß der Entdeckung der Verschwörung gegen das Leben deS Zaren vorgelegt. Eine davon drückte den Wunsch aus, der Zar möge den Juden das Wahlrecht entziehen, damit in der Duma ausschließlich russischer Geist zum Ausdruck komme. Der Zar machte dazu den Vermerk: „Mit Vergnügen gelesen." Der Verband des rusiischen Volkes wird diese Randbemerkung voraussichtlich zu agitatorischen Zwecken verwenden. ES ist aber zu bemerken, daß das die stereotype Wendung ist, mtt der der Zar. jede Huldigungsadreffe beantwortet. Personalien. Filehue, 22. August. Vergangene Woche ist Herr Sttstsrabbiner Bo da ns ki dahier zu Grabe getragen worden. Der durch seine bedeutende Gelehrsamkeit, seine hingebungsvolle Wirksamkeit und die Einfachheit seines Wesens ausgezeichnete Mann war drei Jahrzehnte am hiesigen Bet-Hamidrasch tätig. Bei der unter großer Teilnahme statrgehabten Beerdigung schilderte Herr Rab. Dr. Bamberger die Tugenden und Verdienste des Dahingegangenen; am Grabe widmete ihm Herr Prediger Nobel einen tiefgefühlten Nachruf. n"iuiki. Erm enth, 25. August. Herr Lehrer Js. Heß scheidet, zum großen Leidwesen der ganzen Gemeinde, nachdem er in oen Ruhestand getreten ist, demnächst von hiesigem Orte. Er hat 36 Jahre lang die hiesige Elemmtarlehrstelle zur allgemeinen Zuftiedenhett verwaltet und in jeder Beziehung das Möglichste geleistet. Möge Heß der wohlverdienten Ruhe sich recht lange bei gutem xrgehen zu erfreuen haben. Bitteuer. 18. Aug. Bor kurzem wurde im Alter von erst 55 Jahren unser verehrter Rabbiner I. H. Frischmann durch Gottes Ratschluß abberufen. Er war ein Schüler des d"3; sein Leben war ganz dem Thorastudium geweiht. An der Bahre hielten außer seinen beiden Söhnen mehrere benachbarte Rabbiner Trauerreden. - Sprecbsaal. Berehrliche Redaktion! Nur Notiz im Sprechsaal No. 34 d. Bl. wegen der diesjährigen Manöver, die mit den OWTOPI zusammenfallen, möchte ich folgendes bemerken: Es rst unerläßlich notwendig, daß von Seiten der jüdischen Mannschaften bei ihren Vorgesetzten um Beurlaubung gebeten wird, da es in der für Bayern erwirkten Begünstigung ausdrücklich heißt, daß die Mannschaften jüdischer Konfession, welche darum bitten, in die nachstgelegene jüdische Gemeinde beurlaubt werden, wenn es mit dem Dienste vereinbarlich ist. B. B. Geehrte Redaktion! Die Slichaus-Tage sind da und auch die letzten Nachzügler, die den Spätsommer noch draußen im Gebirge oder am Strande des Meeres in vollen Zügen genossen haben, sind nach Hause zurückgekehrt und freuen sich wieder am heimischen Tische mit den Lieben zusammensitzen zu können. Gar manchem, den während des Jahres kein Zwang in die Ferne lockt, ist da draußen zum ersten Male zum Bewußtsein gekommen, was für ein wichttger Faktor in unserem Gegenwartsleben die streng rituelle mrd dabei unserem ästhettschen Empfmden Rechnung tragende Restauration nun einmal heute ist. Die Geschäfts-Reisenden wissen ja ein Liedlein von diesen Ernährungsstätten zu singen, besonders die, deyen nicht nur in den zehn Tagen der Tschuwoh der game Ernst des jüdischen Pflichtlebens vor Augen steht. Die vielmehr während des ganzen Jkihres trotz aller Entbehrungen mtt peinlichster Gewissenhaftigkeit darauf achten, daß sie nichts irgendwie Anfechtbar^ über die Lippen bringen. Der Eingesessene hört das ruhig mit an und lächelt über die Sorgen, me solch ein Nomade da täglich um sein leibliches Ich hat, und meint schließlich, heutzutage habe doch der „Verein zur Förderung ritueller Speisehäuser in Hamburg" alle Sorgen des armen geplagten Reise» den auf seinen breiten Bereinsbuckel genommen, eS müsse doch heute nur so eine Lust sein, zu reifen. Die Verpflegung mache doch keine Schwierigkeuen mehr. Die so denken, vergessen aber Eines! Der Hamburger Verein hat es bei seinen Restaurateuren mtt Menschen zu tun, die schließlich trotz aller und der schärfften Ueberwachung immerhin die Mögkichkeit haben, den Intentionen des Vereins entgegeuzuhandeln. Man braucht ja nur einmal die monatlichen Vereinslisten durchzublättern, da ist schon eine feststehende Rubrik „Gestrichen" eingerichtet, fast jedes erscheinende Heft weist solche gestrichene Restaurationen auf. Man möchte sagen, daß diese Rubrik eigentlich die wichttgste des Verzeichnisses ist. Es ist die Aufgabe jedes gewissenhaften Jehudi, sich über die einzelnen, dem Vereine angegliederten Restaurationen selbst genau zu informieren. W) aber der Vermerk „Gestrichen" steht, wird diese Vorsicht hinfällig, da heißt es für ihn: uoli me tangere! Das Kapitel „Gestrichen" hat aber auch eine sehr starke Schattenseite. Wie soll es dem Reisenden, stets möglich sein, rechtzeittg die Kenntnis von der Streichung des betreffenden Restaurants zu erhalten? Gewiß, der Verein läßt es an Hinweisen nicht fehlen, aber diese können durch die verschiedenartigsten Zufälle unbeachtet bleiben. Es wird mm ein Mittel zur Abhilfe vorgeschlagen, das hier der breiten Oeffentlichkeit dargelegt werden soll, weil bei einer Frage von so aktuellem Interesse gehisst werden kann, daß sich an ihrer Lösung alle beteiligten Kreise versuchen. Der Verein verpflichte die ihm angeschloffenen Restaurateure an einer gut sichtbaren Stelle ihres Lokales einen unter Glas und Rahmen angebrachten Revers mit der Vereins-Schutzmarke und etwa folgendem Texte anzubringen: „Das Restaurant von.untersteht unserer Ueberwachung. Beschwerden sind unverzüglich au uns zu richten. Der Vorstand rc." ferner: „Ich verpflichte mich, bei Entziehung der Mitgliedschaft diesen Ausweis sofort wieder an den Ber-. ein z. F. r. Sp. zurückzuliefern. Name des Restaurateurs." Es ist dann Sache der einzelnen Reisenden diesen Revers zu prüfen, bezw. so oft sie ein solches Restaurant besuchen, nach seinem Vorhandensein zu fragest. Die Anwesenheit des Ausweises bietet dann wenigstens soweit Gewähr, als, wie bereits ausgeführt, eine solche überhaupt von einer auswärttgen Ueberwachung geboten werden kann. Die Einfachheit dieses Vorschlages sollte den Verein bestimmen, ihn zu akzeptieren, oder er sollte wenigstens das reisende Publikum zu seiner Befürwortung ermuntern. Ein Zuhausegebliebener. Lin Brief von Samson ftapbael Hirsch V'st. In der „Oesterr. Wochenschrift veröffentlicht Oberlehrer L. Riesenfeld einen Brief Samson Raphael Hirsch's V'XT, den dieser als Landesrabbiner von Mähren an den Lokalrabbiner in Ungarisch-Brod gerichtet hat. Der Brief fand sich im dortigen Schularchiv,' er ist dattert aus dem Jahr 1851 und wurde aus folgendem Anlaß geschrieben. In der jüdischen Volksschule in Ungarisch-Brod erschien eines Tages der k. k. Bezirkshauptmann Josef Peter und bemerkte, daß die Schüler bei sämtlichen, auch den nicht-religiösen, Unterrichtsfächern die Kopfbedeckung aufbehielten. Darüber indigniert, diktterte er dem Lehrer A. Dattelbaum nackftchenden Befehl: *